Penisvergrößerung: „Wie viel geht denn, Doc?“

28. September 2018

Fast jeder zweite Mann findet, sein Penis könnte größer sein. Doch nur für wenige ist der Leidensdruck so enorm, dass sie eine Vergrößerung in Erwägung ziehen. Wie gehen Ärzte bei einer Penisverlängerung vor und wie viel ist tatsächlich machbar?

„Die meisten Patienten entscheiden sich tatsächlich für eine Penisvergrößerung, weil sie sich im schlaffen Zustand zu wenig bestückt fühlen“, sagt Dr. Stefan Schill von der Nofretete Klinik für Ästhetisch-Plastische Chirurgie in Bonn. Unangenehme Situationen beim Sport, in der Sauna oder beim FKK seien die häufigsten Gründe für OPs. Probleme beim Geschlechtsverkehr hätte eher eine Minderheit.

In einem Beitrag von Gemma Sharp, die an der Monash University in Melbourne forscht, sieht die Situation ein wenig anders aus. Sie befragte 25 Männer nach den Gründen, warum sie mit ihrem Penis nicht zufrieden sind. An erster Stelle stand zwar das Selbstbild (32 Prozent Zustimmung), danach folgten aber mit 28 Prozent Zustimmung belastende Situationen oder Probleme beim Sex.

Verzerrte Ideale

Doch wann ist ein Penis zu klein? Viele Menschen machen sich falsche Vorstellungen von Penismaßen, nicht zuletzt durch Pornos, die das Ideal verzerren. „Objektiv rechnen wir im erschlafften Zustand mit acht bis neun Zentimetern Länge bei kaukasischen Männern“, so Schill weiter. Bei einer Penislänge von weniger als sieben Zentimetern im erigierten Zustand spricht man von einem Mikropenis.

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Verteilung von Länge und Umfang des Penis in erigiertem bzw. schlaffem Zustand © Veale, D., Miles, S., Bramley, S., Muir, G. and Hodsoll, J. (2014), doi:10.1111/bju.13010

Eine Übersichtsarbeit mit mehr als 15.000 Probanden zeigt die Verteilung im Detail. Das Besondere an der Arbeit: Alle Messungen wurden von Ärzten durchgeführt, und nicht von den Männern selbst. Obwohl ihre Maße im statistischen Normalbereich lagen, gaben 45 Prozent an, mit ihrer Penislänge unzufrieden zu sein.

Wie funktioniert eine Penisverlängerung?

Der längste Anteil des Penis befindet sich gut versteckt im Körperinneren. „Bei der Verlängerung wird der vordere Anteil des Penisschafts vom Schambein gelöst“, erklärt Schill. „Der gebogene, nicht sichtbare Teil wird freigelegt, und ein Teil des innenliegenden Penisschafts nach außen verlagert.“ Diese sogenannte Ligamentolyse verändert nicht den Peniskörper selbst, sondern vielmehr das Verhältnis zwischen nicht sichtbaren innenliegenden und sichtbaren außenliegenden Anteilen.

Schill führt den Eingriff nicht wie im Video von oben, sondern an der Penisunterseite (Raphe perinei, „Verwachsungsnaht“) aus, was kosmetisch zu den besten Erfolgen führt. Um zu verhindern, dass sich der Penisschaft wieder an den Schambeinknochen anlagert, können Implantate aus Eigenfett verwendet werden. Nach der Abheilung sollten Patienten den Penis per Vakuumgerät oder Penisstrecker trainieren, um den Erfolg zu optimieren. „Als alleinige Therapie bringen diese Methoden meiner Erfahrung nach aber nichts“, so der Experte.

Darüber hinaus gibt es noch zwei Spezialfälle. Ist der Penis im Schambereich von starken Fettpolstern verdeckt, kann deren Entfernung zu guten Ergebnissen führen. Befindet sich der Ansatz des Hodensacks zu weit vorne am Penis, wird dieser sogenannte Skrotalansatz nach hinten verlagert. In beiden Szenarien bleibt der Penis selbst unverändert. Er wird postoperativ aber besser sichtbar.

Penisverdickung durch Eigenfett

Deutlich weniger invasiv als die Penisverlängerung ist die Penisverdickung mit autologem (körpereigenem) Fett. „Man entnimmt vorzugsweise von der Oberschenkelinnenseite oder seitlich am Bauch Eigenfett“, berichtet Schill. Er spritzt Kochsalzlösung in die jeweilige Region ein, um Fettzellen aufzuquellen. Das Prinzip sei von der Fettabsaugung, sprich Liposuktion, bekannt.

Nach der Sedimentation oder Zentrifugation spritzt er reine Fettzellen zwischen den Penisschaft und die Penishaut ein und achtet auf deren symmetrische Verteilung. Anschließend muss ein Druckverband für wenige Tage getragen werden. Abstoßungsreaktionen treten nicht auf, da es sich um körpereigene Zellen handelt. Schlussendlich gewinnen Patienten zwei bis drei Zentimeter an Umfang.

Gerade sehr athletische Männer haben gelegentlich zu wenig Körperfett für die Eigenfettbehandlung. In der Regel gelingt es jedoch auch bei solchen „Figurtypen“, etwa 30 bis 50 ml zu gewinnen. Als Alternative zur autologen Fettgewebstransplantation können „Dermal Fat Grafts“, also Gewebetransplantate, zum Einsatz kommen. Chirurgen entnehmen Gewebe aus der Pofalte und bringen den Hautlappen ohne Epidermis unter die Penisschafthaut. Der Eingriff ist weitaus invasiver und damit komplikationsträchtiger verglichen mit der Injektion von Eigenfett.

Peniskopfvergrößerung gegen frühzeitigen Samenerguss

„In seltenen Fällen vergrößern wir auch die Eichel“, erzählt Schill. Das Gewebe sei sehr hart und derb, also schwer für stumpfe Kanülen zur Eigenfettinjektion zugänglich. Beim Eingriff wird der Peniskopf größer und unempfindlicher, behält aber seine natürliche Form. Das Verfahren hilft bei frühzeitigem Samenerguss, ähnlich wie die Eigenfettverdickung. Sowohl die Peniskopfvergrößerung als auch die Penisverdickung sind Möglichkeiten zur Intervention, sollten Patienten unter vorzeitigem Samenerguss leiden.

„Wie viel geht denn, Herr Doktor?“

„Wenn ich das Gefühl habe, bei Patienten ist die Erwartungshaltung zu hoch, lehne ich Eingriffe zur Penisvergrößerung ab“, berichtet der Experte über Anamnesegespräche. „Es kommt oft die Frage auf, wie viel denn gehen würde.“ Im Idealfall seien es vier bis fünf, allenfalls sechs Zentimeter mehr Länge. „Wir bewegen uns im Realfall zwischen zwei und drei Zentimetern an Längengewinn und zwei und drei Zentimetern an Umfangsgewinn. Einen beliebigen Zuwachs erzielen wir jedoch nicht.“

Das ist manchen Patienten zu wenig, und in einem solchen Fall greift Dr. Schill eben nicht zum Skalpell. Ansonsten kombiniert er die Penisverdickung und die Penisverlängerung, um bestmögliche Resultate zu erreichen. Beide Eingriffe kosten zusammen rund 7.000 Euro; Verdickungen allein schlagen mit 3.800 Euro zu Buche.

Hohe Zufriedenheit

Schills Fazit aus der Praxis: „Die Zufriedenheit ist bei allen Verfahren hoch, was aber vorrangig mit der Auswahl von Patienten und mit deren Aufklärung zusammenhängt.“ Zu ähnlichen Ergebnissen kommt Sparp in ihrem Artikel, wobei sie nur Penisverdickungen untersucht hat. Übrigens: Weltweit führten Chirurgen 2016 genau 8.434 Penisverlängerungen durch. Das geht aus Statistiken der International Society of Aesthetic Plastic Surgery (ISAPS) hervor. Deutschland (81 OPs) ist im unteren Mittelfeld, während Italien (578), Frankreich (513) oder Spanien (481) deutlich mehr Eingriffe vorzuweisen haben. Gründe nennt die ISAPS nicht.

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Bildquelle: jarmoluk, pixabay / Lizenz: CC0
Chirurgie, Medizin, Urologie

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5 Kommentare:

Nichtmedizinische Berufe

@#2: Ich sehe bei Männern weniger einen Körperdruck als einen Penisdruck. Es ist nun einmal der (sichtbare) Teil, der die Fortpflanzung sichert. Wenn “er” vermeintlich oder tatsächlich zu klein ist, sagt das ja aber nichts über die Qualität der Spermien aus.

Und ja, die meisten Frauen haben Angst vor einem großen Glied. Lieber Männer, seid einfach so, wie ihr seid. Ganz normal. Das ist prima in Ordnung. (Ein Pferdeschwanz macht noch keinen Hengst).

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Klaus-Michael Bartels
Klaus-Michael Bartels

2 Bemerkungen:
Wie misst man die Länge,Bis Schambeinknochen, Bis Haut oder bie damm,d,h. Ende des Schellkörpers?

Es gibt 2 Penistypen: “Blutpenis” und “Fleischtyp”
Blutpenis: In erschlafftem Zustand klein, nach kaltem Wasser ganz klein, bei Erektion vielfach größer.
Fleischpenis: erschlafft schon groß, bei Erektion kaum Vergrößerung.

Vergleich ohne Erektion also kaum möglich.

z.B. Prostituierte entscheiden erst im Erektionszustand, ob Analverkehr möglich ist, da haben “gut gebaute” Männer eher Nachteile. :-(

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Dr. med.vet. Stefan Gabriel
Dr. med.vet. Stefan Gabriel

Wie Kollege Schätzler schon festgestellt hat, das “Problem” ist eine schlichte optische (perspektivische)Täuschung ….
;-))
Man mag es ja belächeln, aber “Penisneid” bei normal gebauten Männern weist doch wohl eher auf Perönlichkeitsinsuffizienzen hin. Die kann der plastische Chirurg auch nicht flicken…

#3 |
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Nichtmedizinische Berufe

Wie viele der Partnerinnen wünschen denn eine Penisverdickung – oder Verl#ängerung ihres Partners?
( ich kenne eher Frauen, die finden große Penisse schmerzhaft)
Ist das wirklich so ein Thema? Mir tut es Leid, denn es zeigt, dass Männer genauso unter Körper- Druck stehen wie Frauen

#2 |
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Falsche Selbst- und Fremdwahrnehmung bzw. Bierbauch-Problematik!
Ein wesentlicher, subjektiver Aspekt der Selbst-Wahrnehmung der eigenen Penis-Größe bzw. Länge bleibt hier unberücksichtigt: Männer nehmen ihr eigenes Glied im nicht-erigierten Zustand i.d.R. immer hängend von oben mit den Augen wahr. Beim Gemeinschafts-Duschen, Urinieren und in der Sauna betrachten sie die Penisse der anderen Männer im Vergleich aber immer aus der seitlichen Perspektive. Damit wirkt der eigene Penis kleiner als der der anderen Männer.
Noch ein Wort zur OP-Technik: Wenn „bei der Verlängerung…der vordere Anteil des Penisschafts vom Schambein gelöst (wird)“, weil “der längste Anteil des Penis…sich gut versteckt im Körperinneren (befindet)”, ist die Entwicklung einer abdominellen Adipositas (Bierbauch) äußerst prekär: der intraabdominelle Anteil des Penisschaftes augmentiert und die visuelle Sichtbarkeit des Gliedes schwindet. Dagegen hilft nicht mal ein Kopfstand.

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