Übergewicht: Stigmatisierung macht krank

7. August 2013
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Die Mehrheit der Bevölkerung hat eine negative Meinung zu adipösen Menschen. Eine Studie ergab, dass das Annehmen dieser Stigmatisierung durch die Betroffenen zu einer starken Minderung der Selbstachtung führt und Depressionen nach sich zieht.

In der repräsentativen Erhebung der Medizinischen Psychologie und Soziologie der Universitätsmedizin Leipzig sowie des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums (IFB) AdipositasErkrankungen wurde bei 1.158 übergewichtigen und adipösen Studienteilnehmern ab 14 Jahren mittels spezieller Fragebögen untersucht, wie weit sie negative gewichtsbezogene Meinungen und Vorurteile (Stereotypen) für sich annehmen, selbst stigmatisieren und ein erhöhtes Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen haben. Dies ist vor allem der Fall, wenn das Selbststigma den Selbstwert mindert. “Wenn das negative Fremdbild zum Selbstbild wird, benötigen diese Menschen psychotherapeutische Hilfe, um das schädliche Selbststigma zu überwinden.

Auch in der Behandlung der Adipositas ist es wichtig, darauf zu achten und es nicht weiter zu vertiefen”, unterstreicht Studienleiterin Prof. Dr. Anja Hilbert. In den AdipositasAmbulanzen des IFB AdipositasErkrankungen am Universitätsklinikum Leipzig wird dies durch eine psychologische Mitbetreuung der Patienten bereits in die Praxis umgesetzt.

Schlecht wahrgenommener Gesundheitszustand

Anders als bislang angenommen zeigte diese Studie, dass adipöse Menschen aufgrund des Selbststigmas nicht seltener, sondern häufiger zum Arzt gehen. Dies scheint auf den als schlechter wahrgenommenen Gesundheitszustand und die Annahme, dass man selbst nicht wirklich etwas verändern kann, zurückzugehen (verminderte Selbstwirksamkeit). Es gibt allerdings auch Studien, die belegen, dass die Gesundheitsversorgung stark übergewichtiger Menschen schlechter ist als die normalgewichtiger. So suchen adipöse Männer und Frauen beispielsweise seltener Vorsorgeuntersuchungen auf, da sie aufgrund ihres Gewichts Ablehnung oder Abwertung in der Behandlungspraxis befürchten.

Weitere Forschung wird zeigen müssen, ob das Selbststigma im Sinne einer “sich selbst erfüllenden Prophezeiung” zu Nachteilen in anderen Lebensbereichen, z. B. im Berufsleben, führt. Klar ist heute schon, dass Stigmatisierung von Adipositas nicht dazu beiträgt, dass die Betroffenen besser abnehmen.

Originalpublikation:

Weight bias internalization, core self-evaluation, and health in overweight and obese persons
Anja Hilbert et al.; Obesity, doi: 10.1002/oby.20561, 2013

38 Wertungen (3.92 ø)

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10 Kommentare:

Sehr geehrte Frau HIlbert ,
hier scheint eine durchaus gute studie durch falsche Schlüsse ad absurdum geführt zu werden : Gerade , daß zu Dicke 1. öfter zum Arzt ” rennen ” und 2. eben nicht zu ( den viel wichtigeren Vorsorgeuntersuchungen ! ) erklärt doch , daß z.B. Depressionen ( ” die Rädchen drehen sich anders im Gehirn , als die Welt wirklich ist ” ) vorher da sind und nicht durch – vielleicht eben nur von den Betroffenen so gefühlte – Stigmatisierungen ausgelöst werdenh …..
Grüße
Dr. Hoyme

#10 |
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Weitere medizinische Berufe

Als Oecotrophologin (Ernährungswissenschaftlerin) mit eigener Praxis und über 20 Jahren auch in der Beratung (immer in enger Kooperation mit den behandelnden Ärzten) von Übergewichtigen und Adipösen tätig, kann ich nur sagen DEN Übergewichtige – DEN Adipösen gibt es nicht. Es gibt sehr wohl MEnschen die sich aufgegeben haben (auch durch die Diskriminierung oder den Unverstand der Ärzte, der Freunde, der Familie) und es gibt diejenigen, die seit Jahren kämpfen. Es ist IMMER eine psychologische Komponente mit dabei: dies wird durch Äusserungen wie “dann konnte ich nicht anders” – “ich hatte keine Kontrolle”…. deutlich. Die meisten der BEtroffenen wissen auch, dass es ihr Verhalten ist, welches zum Übergewicht führt, dieses auchschon aus der Kindheit mitbringen – aber finden keinen Weg es zu ändern.
Alkohol – Zigraretten – Drogen, alles Suchtmittel, auf die man verzichten kann (O – ist nicht leicht!!) Aber mit seinem “Suchtmittel” Essen muss jeder lernen umzugehen!!!!
Hier sollte mehr Vernetzung unter den “Behandlern” stattfinden – Arzt – Ernährungswissenschaftler – Psychologe!! Dann wird ein Schuh draus.
Die grosse Frage: Da Adipositas bei uns in der BRD nicht als chronische Erkraknkung anerkannt ist, gibt es mehr oder weiger keine Gelder dafür – anders als beim Entzug von Suchtmittel!!
Viele Grüsse aus Weil am Rhein
Constanze Wach

#9 |
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Bernd Hoppe
Bernd Hoppe

Ja was sollen denn da ältere Leute sagen,

die Altersdiskriminierung ist die umfangreichste überhaupt
und der Staat macht fleißig mit.

wo ist der Unterschied für den Betroffenen:
Nur für Weiße
Nur für Junge

#8 |
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dr.med. lehr
dr.med. lehr

once on the lips
forever on the hips

#7 |
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Ingrid Geduhn
Ingrid Geduhn

Danke, Frau Schuster, endlich mal jemand der informiert ist und nicht nur Vorurteile austeilt.

Für den Rest der Schreiber fordere ich mehr Bildung und “mehr Grips” – dann spar ich mir ein paar Nerven und verliere Kilos von alleine. ;-)))

#6 |
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Ärztin

@ Jurisch
Sie transportieren vorwiegend die Lebensphilosophie der Veganer. Leider kann man ihren Ausführungen entnehmen, dass Sie sich schon längere Zeit nicht mehr mit Literatur zum Thema Übergewicht, seine Ursachen und therapeutische Möglichkeiten beschäftigt haben.
Die vegane Ernährung ist mitnichten die Lösung für alle Betroffenen. Eine ausgewogene vegane Ernährung ist schwierig herzustellen und für einen großen Teil der Bevölkerung damit nicht verfügbar, weil zu komplex. Auch die von ihnen angegebenen Cholesterinwerte werden zwar von den Herstellern der Statine propagiert und von den Kardiologen kritiklos in ihren Empfehlungen übernommen, führen aber keineswegs zu einem längeren oder gesünderen Leben.
Lediglich die kardiologischen Komplikationen werden tangiert, andere, v.a entzündliche Erkrankungen jedoch forciert. Die Lebenserwartung von Menschen mit niedrigen Cholesterinwerten ist nicht erhöht gegenüber der Lebenserwartung von Menschen mit Cholesterinwerten zwischen 250-280 mg/dl. Noch dazu sind die Normalwerte geschlechtspsezifisch different. Vergessen Sie bitte auch nicht, dass die Lebenserwartung von Menschen zwischen BMI 25-30 am höchsten ist. Die vermeintlich schlanken Idealgewichtigen mit BMI kleiner 25 teilen sich die Lebenserwartung mit den Adipösen mit BMI größer 40.
Belesen Sie sich einmal ! Sie werden staunen.

#5 |
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Mr william hosey
Mr william hosey

Stimmt überhaupt nichts.

#4 |
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(fettarmes) Eiweiß = Fleisch hat den stärksten “Sättigungseffekt”.
Kohlenhydrate aller Art, besonders natürlich Zucker, den geringsten
und ist ganz nebenbei auch am schädlichsten in Überdosierung

#3 |
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Wer hat denn heute kein Übergewicht?
Die “Stigmatisierung” beginnt allenfalls bei Ausmaßen, die zweifellos gesundheitsschädlich sind, alles andere findet im eigenen Kopf statt.
Nicht immer andere für eigene Probleme beschuldigen.
(fast) Jeder Mensch hat die angeborene Fähigkeit zur Lösung von Problemen
oder zur Akzeptanz von objektiv unlösbarem,
wozu allerdings nicht das Übergewicht gehört.

Gruß

#2 |
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Steffen Jurisch
Steffen Jurisch

Nun mal ehrlich, niemand wird adipös geboren und man wird dies nicht über Nacht.
Auch habe ich noch nicht davon gehört, das Eltern (Ausnahmen bestätigen die Regel) oder Schulspeisungen, ja selbst Mc Donalds mit Gewalt den Kindern die Nahrung in den Schlund stopfen… (Lassen wir die Werbung und die Falschinformationen in Presse, Funk und Fernsehen mal aussen vor). Wenn dann noch von der selben Lobby verkündet wird, dass nur Schlanke wirklich gesund und fit sind – dann ist es kein Wunder, wenn die adipösen Menschen an ihrem Gesundheitszustand zweifeln – denn sie zweifeln zu Recht!
Traurig in diesem Zusammenhang ist es natürlich zu lesen, dass sie sich in ihrer Verzweiflung oder in ihrem Zweifel an die einzige Person wenden, von der sie hoffen, dass dieser ihnen sagen kann, was Richtig oder Falsch ist. Der Hausarzt! Und was machen die? Zumindest in Bayern tun die meisten Hausärzte Adipositas, zumindest die Anfänge, mit einem Lächeln ab und dem Hinweis: Sehen sie mich an, ich bin auch nicht schlank, und ich bin Gesund! Da besteht überhaupt kein Zusammenhang. Schlimmer wird es noch, wenn der Mensch nicht wirklich adipös ist und nur seine Cholesterinwerte leicht über 200 mg/dl sind, meist so um die 250 – 280… Alles noch im normalen Bereich, hört man dann die Ärzte den Patienten versichern. Und diese sind dann erstaunt, wenn sie in meiner Praxis vorsprechen und ich ihnen erkläre, dass damit ihr Herzinfakt Risiko so um das 4 – 5 fache gesteigert ist, gegenüber einer Person die nur 150 mg/dl Cholesterin aufweist.

Ich glaube, was diese Menschen vom Abnehmen abhält ist zum einen, dass sie es vielleicht schon tausend Mal versucht haben und gelernt haben: Abnehmen macht keinen Spass, ist mit Verzicht verbunden und bringt auf Dauer nichts.
Da braucht man nur mal an den Zeitungskiosk gehen und sich 10 beliebige Boulevardblätter kaufen, da hat man 10 Schrottideen, die alle funktionieren und zwar in 14 Tagen zur Traumfigur.
Und zweitens ist da eben der unwissende Arzt und oder Heilpraktiker, welcher leider immer noch die Regel ist. Dabei wäre eine Beratung so einfach (was nicht bedeutet, dass man sich nicht bemühen muss, selbst Vorbild sein sollte und vor allem sehr viel Zeit in den Einzelnen investieren muss)
Menschen jeden Alters können ihre Ernährung auf eine gesunde, abwechslungsreiche vegane Ernährung umstellen, bei dieser Umstellung sollte der gesundheitliche Aspekt im Vordergrund stehen. Wenn diese Menschen sehen, dass der Körper nach einer Weile von selbst anfängt verschiedene Dinge wieder zu regulieren, wie z.B. das Gewicht, den Blutdruck, das Durchschnaufen… dann kommt auch (fast) von allein die Freude an der Bewegung wieder, was dann wiederum hilft die Pfunde purzeln zu lassen…
Übrigens, wenn man nicht adipös ist, sich gesund ernährt – dann braucht es auch keine Vorsorgeuntersuchungen – denn was soll eine Vorsorgeuntersuchung bringen, ausser eine Momentaufnahme, die in der nächsten Minute, der nächsten Woche nicht mehr stimmen muss (vor allem bei einer ungesunden Kost), wo der Patient sich dann aber trotzdem in Sicherheit meint zu befinden, denn er hat es ja schriftlich, dass er Gesund ist??? Schon mal darüber nachgedacht?

#1 |
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