Hyperaldosteronismus: Ansatz für Behandlungen

6. August 2013
Teilen

Bei immer mehr Patienten wird primärer Hyperaldosteronismus diagnostiziert, eine Form des Bluthochdrucks, die durch eine Überproduktion des Nebennierenhormons Aldosteron gekennzeichnet ist. Forscher haben eine neue genetische Ursache für dieses Krankheitsbild gefunden.

Aldosteron ist ein Steroidhormon, das normalerweise in der äußersten Schicht der Nebennierenrinde gebildet wird. Es bewirkt, dass der menschliche Körper über die Niere und den Darm vermehrt Natrium und Wasser aufnimmt, was zu einer Steigerung des Blutdrucks führt.

Die Überproduktion des Hormons geht in rund einem Drittel der Fälle auf gutartige Tumoren in der Nebenniere, sogenannte Adenome, zurück. Die Autoren Dr. Ute Scholl, Gerald Goh und Prof. Richard Lifton vom Department of Genetics der Yale University haben die Tumoren untersucht und erstmals Mutationen im Gen CACNA1D nachgewiesen, das den Bauplan für den Calciumkanal CaV1.3 bestimmt.

Calciumkanäle in der Zellmembran steuern, wie viele Calciumionen in die Zelle gelangen, und dienen damit der Regulation physiologischer Prozesse. Vorgänge wie beispielsweise die Muskelkontraktion, die Bereitstellung von Neurotransmittern oder die Synthese von Hormonen wie Aldosteron sind abhängig vom Calcium-Einstrom in die Zellen. „Welche Rolle CaV1.3 in der Nebenniere spielt, und ob die beobachteten Variationen der Gensequenz seine Funktion beeinträchtigen, war bisher nicht klar“, erläutert Mitautorin Dr. Patricia Hidalgo vom Jülicher Institute of Complex Systems (ICS-4). „Wir konnten zeigen, dass die Mutationen das Schaltverhalten der Kanäle verändern, wodurch sich die Überproduktion von Aldosteron vollständig erklären lässt.“

1332_Hyperaldosteron_block

Auswirkungen eines gesteigerten Calcium-Einstroms in Adenom-Zellen: Eine Erhöhung der Calcium-Konzentration steigert die Aldosteronproduktion und das Zellwachstum. © Forschungszentrum Jülich

Klar definierter pharmakologischer Angriffspunkt

Der Calciumkanal wird durch Veränderungen der elektrischen Spannung, die in allen Zellen zwischen dem Zellinneren und dem Zelläußeren anliegt, aktiviert. Die neu beschriebenen Mutationen führen dazu, dass sich der Ionenkanal schon bei niedrigeren Spannungen öffnet. Dadurch gelangen mehr Calciumionen in die Zelle, was zu einem erhöhten Stimulus für die Aldosteron-Produktion führt. Auch das Zellwachstum nimmt zu, sodass sich Tumoren bilden können. Die Wissenschaftler konnten die Genvarianten nicht nur in Nebennieren-Tumoren, sondern auch im Erbgut von Patienten nachweisen. Die Betroffenen leiden an einer vererbbaren Form des Bluthochdrucks, die schon im Kindesalter auftritt.

Neben neuen Einblicken in den Krankheitsmechanismus liefert die nun veröffentlichte Arbeit auch einen klar definierten pharmakologischen Angriffspunkt für die Behandlung dieser Erkrankungen. Die Ergebnisse könnten es ermöglichen, spezifische Blocker gegen die übermäßige Aktivierung des Calciumkanals zu identifizieren.

Originalpublikation:

Somatic and germline CACNA1D calcium channel mutations in aldosterone-producing adenomas and primary aldosteronism
Ute Scholl et al.; Nature Genetics, DOI: 10.1038/ng.2695; 2013

31 Wertungen (4.13 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

2 Kommentare:

Dr. Florian Krass
Dr. Florian Krass

Wer will diese Menschenversuche an Neugeborenen noch kommentieren,
Lest einfach diesen Auszug aus der Originalarbeit und sagt mir, wie Ihr das findet…
Shame on you ! Ute Scholl, Du hast andere “Geschwister ” gehabt….

Hier das Zitat:
“Supplementary Note on Clinical Cases
Subject 1444-1 is a 3-year old female of European ancestry with no significant family history. She was delivered by Cesarean section at 36 weeks gestational age because of failure to progress. The patient was large for gestational age (4.4 kg). She developed sinus bradycardia on day of life 1 and was intubated with respiratory distress on day of life 3. Transient hypoglycemia was noted on day of life 2 and treated with diazoxide and hydrocortisone. Arrhythmias (2:1 atrioventricular block with prolonged QT) were treated with dopamine and were transient. Blood pressure was elevated (119/78 mmHg; >99th percentile). Echocardiogram demonstrated biventricular hypertrophy, a ventricular septal defect and a patent foramen ovale with mild persistent pulmonary hypertension of the newborn. Aldosterone was elevated (128.6 ng/dL) with low PRA (0.78 ng/ml/h) and high aldosterone:renin ratio (165, >30 consistent with primary aldosteronism). Treatment with glucocorticoids (maximum dose of 50 mg/m2/day hydrocortisone) did not improve blood pressure, but aldosterone levels decreased from 128.6 ng/dL to 26 ng/dL. Hypokalemia (serum K+ 3.3 mmol/L, normal 3.5-5.6) was noted at age 1 month. Treatment with a calcium channel blocker, amlodipine, normalized blood pressure, and biventricular hypertrophy resolved. Gastroesophageal reflux was treated with thickened feedings, and later lansoprazole. Brain MRI at age 1 month demonstrated cystic areas and a bright T2 signal in the periventricular region, suggestive of periventricular leukomalacia. Two heterogeneous signal abnormalities in the right occipital region and left periventricular parenchyma were considered suggestive of previous hemorrhages; a follow-up CT scan was consistent with ventriculomegaly.
At age 4 months, the patient was evaluated for failure to thrive (weight 4.5 kg, percentile 0.2, WHO). Feeding through a nasogastric tube was initiated. Barium swallow and upper gastrointestinal endoscopy including biopsies of stomach and duodenum and disaccharidase”

Nature Genetics: doi:10.1038/ng.2695
17

#2 |
  0
Alexander Imtiaz
Alexander Imtiaz

“Die betroffenen leiden an einen vererbbaren Form des Bluthochdruck die schon im Kindesalter auftritt”.
Kann überhaupt ein Kind mit diesem genetische Disposition erwachsen werden?

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: