Meuterei bei Käpt’n Iglo

13. Januar 2010
Teilen

Keine Frage, Fisch ist gesund. Doch Studien zeigen, dass es vor allem auf die Zubereitung ankommt. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung meint: Wer protektive Effekte der Omega-3-Fettsäuren nutzen will, sollte Pfanne und Paniermehl über Bord werfen.

Bis zu zwei Portionen Fisch sollten pro Woche verzehrt werden. Das empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Regel Nr. 4 ihrer „10 Regeln“. Dabei unterscheidet die DGE nicht wesentlich zwischen Seefischen und Süßwasserfischen aus Fluss oder Teich. Eher schon zwischen Fett- und Magerfischen. Während die fettreichen Vertreter ihrer Art über zehn Prozent Fettanteil auf die Waage bringen, sind es bei den Magerfischen weniger als ein Prozent. Ideal sei, einmal pro Woche einen fetten Fisch wie Aal, Hering oder Thunfisch zu servieren und einmal einen Magerfisch wie Kabeljau, Schellfisch oder Seelachs, rät die DGE. Sie alle liefern langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie Docosahexaensäure (DHA) oder Eicosapentaensäure (EPA), auch bekannt unter dem Namen Omega-3-Fettsäuren.

Omega-3-Fettsäuren nutzen dem Herzen

DHA und EPA wirken antiarrhythmisch und stabilisieren instabile Plaques. Sie sollen die Gesamtmortalität senken können, insbesondere aber die kardiovaskuläre Mortalität und das Risiko eines plötzlichen Herztodes. Allerdings sind die Ergebnisse uneinheitlich. Unklar ist auch die optimale Dosierung für DHA und EPA, so dass man kaum konkrete Empfehlungen zur Einnahme von Omega-3-Fettsäuren und deren entsprechende Nahrungssupplemente geben kann.

Außerdem zeigen neue Daten der „Multiethnic Cohort Study“ (MEC), an der auf Hawaii und in Los Angeles seit 1993 genau 82.243 herzgesunde Männer und 103.884 Frauen afrikanischer, kaukasischer, japanischer, hawaiianischer und spanischer Abstammung teilnehmen, dass der kardiale Nutzen des Fischverzehrs offenbar deutlich von der Zubereitung des Wasserbewohners abhängt. Lixin Meng, von der University of Hawaii in Manoa, stellte beim diesjährigen Kongress der „American Heart Association“ (AHA) in Orlando Teilauswertungen der MEC vor. Mit Hilfe von Fragebogen hatten die MEC-Teilnehmer jahrelang regelmäßig Auskunft über ihre Nahrungsgewohnheiten gegeben. Während des Nachverfolgungszeitraums von bislang rund zwölf Jahren starben 2.604 Männer und 1.912 Frauen an einer koronaren Herzkrankheit. Männer, die pro Tag mindestens 3,3 Gramm Omega-3-Fettsäuren mit der Nahrung aufnahmen, hatten ein 23 Prozent geringeres Risiko, an einer KHK zu sterben als jene, auf deren Speiseplan durchschnittlich nur 0,8 Gramm pro Tag standen. Bei Frauen war dieser Zusammenhang weniger stark ausgeprägt (p gleich 0.35).

Wenn Fisch, dann bitte nicht als Stäbchen

Feinanalysen zeigten, dass der kardioprotektive Effekt der Omega-3-Fettsäuren wesentlich von der Art der Aufnahme abhängt. Während Frauen vor allem von Sojasoße und Tofu profitieren, die reich sind an pflanzlichen Omega-3-Fettsäuren, gilt für beide Geschlechter: Roher, gekochter oder gebackener Fisch lässt seine Omega-3-Fettsäuren offenbar optimal zur Geltung kommen. Brät man das Tierchen dagegen, trocknet oder konserviert es mit Salz, kann das dem Herzen sogar schaden – trotz der Omega-3-Fettsäuren. Mehr als 6,2 Gramm panierter Fisch pro Tag lassen die KHK-Mortalität um zwölf Prozent ansteigen.

Das trifft nicht zuletzt all jene, die Fisch gerne in Blockform zu sich nehmen. „Fischstäbchen sind nur bedingt geeignet, um Omega-3-Fettsäuren aufzunehmen“, sagt etwa Ökotrophologin Antje Gahl, Pressesprecherin der DGE. Natürlich seien Fischstäbchen besser als kein Fisch, aber das Gewichtsverhältnis von Panade zu Fisch eher ungünstig. „Das saugt sich beim Braten richtig mit Fett voll.“ Wenn schon, dann solle man die Fischstäbchen in den Backofen stecken oder am besten frischen Fisch dämpfen oder dünsten. Warum sagt die DGE in ihren Empfehlungen bislang nichts über die Art der Fischzubereitung? Dazu sei die Datenlage bislang dann doch noch zu dünn, so die DGE-Pressesprecherin.

203 Wertungen (4.14 ø)
Allgemein

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

11 Kommentare:

Dr. med. Horst-dieter Löffler
Dr. med. Horst-dieter Löffler

Fisch z. B. Thunfisch in Rapsöl,ohne Cholesterin, leicht gebraten
medium , soll schaden? bitte erst untersuchen!!!

#11 |
  0
Apothekerin

Ich begrüße diesen Artikel sehr, weil er das Dilemma aufzeigt zwischen gesunder Ernährung und der Umweltbelastung unserer Nahrungsmittel. Manchmal ist es “gesünder” Bestimmte Nährstoffe zu supplementieren als Naturprodukte zu essen!
In diesem Zusammenhang will ich auch daran erinnern, dass in der Tierhaltung sehr viele Medikamente appliziert werden, die wir dann in Form von Fleisch und Innereien wieder ungewollt zu uns nehmen!( Bsp. Antibiotika ). Ich empfehle zum Beispiel keiner schwangeren Frau Leber zu essen wegen potenzieller multipler Belastungen, da auch beim Tier die Leber alles metabilisiert, “Müllentsorgung”, und zum Teil speichert.
Schade, dass wir bei all dem Wissen um gesunde Ernährung es nicht schaffen, unbelastete , gesunde und bezahlbare Nahrungsmittel für alle zu erhalten!

#10 |
  0
Kristina Walker
Kristina Walker

Danke für den Buchtip, Herr Plakinger!!!
Das hol ich mir gleich.

#9 |
  0

Der Fisch hat keine gesundheitsfördernde Wirkung. Immer mehr Studien weisen darauf hin, dass er oft sehr mit Toxinen belastet ist. PCRM and ADA empfehlen daher richtigerweise auch die rein pflanzliche vegane Ernährung. Die Empfehlungen der DGE stimmen nicht mit den aktuellen ernährungswissenschaftlichen Untersuchungen und Studien überein.

#8 |
  0
Ärztin

empfehlenswert ist dazu auch das Buch “Die neue Medizin der Emotionen” von David S. Schreiber (v.a. auch für Laien interessant)

#7 |
  0

Interessanterweise mögen mein Mann und Sohn keine Panade, während ich und meine Tochter es gerne essen! Also rein gefühlsmässig nach Veranlagung männl/weibl. gut gewählt.

#6 |
  0
joerg maletz
joerg maletz

Der Artikel und die Diskussion zeigen einmal mehr : :”Getretener Quark wird breit, nicht stark”,die einzig rationale Konsequenz aus dem ganzen Pille-Palle: Kurze Wege, frische Produkte aus der Region,Vielfalt unter Bevorzugung pflanzlicher Produkte,wer es sich leisten kann-öko.-, gibt`s-ehrlich-,wesentlich mehr zur Ernährung zu sagen?

#5 |
  0

ein sehr sinnvoller Artikel derder ALLGEMEINHEIT ZUGÄNGLICH GEMACHT WERDEN SOLLTE

#4 |
  0
Weitere medizinische Berufe

Der Hinweis von Dr Plakinger zielt genau in die richtige Richtung. Die Vermutung, dass ein Großteil aller bekannten Zivilisationkrankheiten, allen voran Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auf das so genannte Inflam-Aging mit zurückzuführen ist,zumindest mit begünnstigt wird, wird immer noch zu wenig Bedeutung beigemessen. Nicht nur die Aufnahme von Arachidonsäure aus Zuchtfischen spielt dabei eine Rolle, sondern auch die Mänge an versteckten Fetten aus pflanzlichen Ölen (z.B. Sonnenblumenöl) die wir unbemerkt zu uns nehmen, fallen dabei ins Gewicht. Wenn man sich mal die Mühe macht und die Innhaltsangaben der einzelnen Lebensmittelprodukte liest, stellt schnell feßt, dass Sonnenblumenöl faßt überall enthalten ist. Schnell hat man da in der Gesamtaufnahme ein deutliches Ungleichgewicht von Omega 6 zu Omega 3 Fettsäuren zusammen. Gerade dann, wenn die Aufnahme von Omega 3 Fettsäuren ohnehin vernachlässigt wird. Über diesen Umstand wird in den meisten Ernährungsratschlägen oder Beratungen überhaupt nicht hingewiesen.
Marc Weise / Health-Coach / http://www.bestlife-living.de

#3 |
  0
Zahnarzt

Danke für diesen aufschlußreichen Hinweis zu Fischen aus Aquakultur, welcher mir schon immer subjektiv suspekt schien. Jetzt ist meine empfinden durch Sachargumente untermauert

#2 |
  0
Dr. med. Vinzenz Plakinger
Dr. med. Vinzenz Plakinger

Die allgemeine Empfehlung zum Fischverzehr beinhaltet eine eklatante Missachtung eines äußerst bedeutsamen Sachverhalts, der auch in der zitierten Studie offensichtlich keine Beachtung fand. Besonders wirkt sich das beim Lachskonsum aus, den Lachs ist nicht gleich Lachs. Wildlachs hat eine andere Fettzusammensetzung als Farmlachs. Der Unterschied resultiert aus der Fischernährung. Farmlachs wird ergänzend durch Mais und Soja Pellets gefüttert, die hohe Mengen Omega 6 Fette enthalten. Daraus generiert der Lachs – Metabolismus große Mengen Arachidonsäure, deren Verzehr beim Menschen ein hohes Entzündungspotential verursachen kann. Das betrifft alle Farmfische in unterschiedlicher Ausprägung. Wenn man bedenkt, dass mehr als 40 % des Konsums von Meeresfischen aus Fischfarmen stammen, dann stellt sich die Frage: Wie gesund ist Fischessen wirklich? Aber das betrifft ebenso jegliche industrielle Fütterung von Tieren, selbst in der Biobranche, wo diese Art Pellets verwendet werden. Eigenartigerweise wird dieser Sachverhalt von keiner autorisierten Institution, wie der DGE, zur Sprache gebracht. Wer der englischen Sprache mächtig ist, dem empfehle ich das Buch: ¿Inflammation Nation¿ von Floyd H. Tucker, Biochemiker. Dr. med. Vincent Plakinger, dr.vip@gmx.de

#1 |
  0
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: