Glioblastom: Der heimliche Drahtzieher

17. Juli 2018

Den meisten Glioblastom-Patienten bleibt nach der Diagnose nicht viel Zeit. Forscher stießen bei der Erforschung möglicher Ursachen nun auf ein altbekanntes Enzym in einer unerwarteten Rolle. Könnte das ein neuer therapeutischer Ansatz sein?

Ein Enzym, dem bislang eine suppressive Rolle in der Tumorentwicklung zugeschrieben wurde, scheint der Treiber für einen letalen Hirntumor zu sein. Forscher um Rishi Raj Chhipa vom Cincinnati Children’s Hospital Medical Center (USA) fanden heraus, dass Zellen eines Glioblastoms im Vergleich zu gesunden Zellen viel mehr AMP-abhängige Kinase (AMPK) synthetisieren. AMPK wird üblicherweise als Tumorsuppressor bezeichnet, da es etliche tumorfördernde Enzyme inaktiviert. Dementsprechend wunderten sich die Forscher, als sie feststellten, dass Glioblastom-Zellen eine AMPK-Überexpression aufwiesen.

Der Verdacht einer Fehleinschätzung des Enzyms erhärtete sich, als die Forscher AMPK im Tiermodell genetisch blockierten. Die Inaktivierung führte bei Mäusen zu einem verlangsamten Tumorwachstum und einer längeren Überlebensdauer der kranken Tiere. Ob eine Hemmung von AMPK in Kombination mit den herkömmlichen Therapien auch bei menschlichen Glioblastom-Patienten zu einer besseren Überlebensrate führt, bleibt abzuwarten.

 

Quelle:
AMP kinase promotes glioblastoma bioenergetics and tumour growth
Rishi Raj Chhipa et al., Nature, doi: 10.1038/s41556-018-0126-z; 2018

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Forschung, Medizin, Onkologie
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