Gehirn: Zellorientierungsmechanismen aufgedeckt

6. August 2013
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Wird das Gewebe des zentralen Nervensystems verletzt, wandern Oligodendrozyten-Vorläuferzellen vermehrt an die Wundstelle. Wissenschaftler haben nun entdeckt, dass die gezielte Ausrichtung und Bewegung durch ein bestimmtes Protein reguliert wird.

Das verantwortliche Protein NG2, das auf der Oberfläche der Oligodendrozyten-Vorläuferzellen, sog. OPC (oligodendrocyte progenitor cells) sitzt und mit deren Reifung zu Oligodendrozyten schwindet, hat maßgeblichen Einfluss auf den Prozess der Wundreaktion und die Neusynthese von Myelin nach Verletzung. Die Ergebnisse ihrer Forschung haben Mainzer Zellbiologen kürzlich im international renommierten Journal of Neuroscience veröffentlicht.

Anders als Oligodendrozyten bilden deren Vorläuferzellen noch keine Myelinhülle, die die Axone vieler Nervenfasern elektrisch isoliert. Im Falle einer Läsion des Nervengewebes senden verschiedene Zelltypen Signalmoleküle aus. Auf einige dieser „Lockstoffe“ reagieren die Vorläuferzellen in Abhängigkeit von NG2. „In zellbiologischen Experimenten konnten wir nachweisen, dass NG2 die OPC auf die Verletzungsstelle hin ausrichtet und so die Wanderung der Zelle zur Wundstelle gewährleistet“, erklärt Dr. Fabien Binamé, Erstautor der Studie.

Erkenntnisse zu grundlegenden Mechanismen der Zellorientierung

„Die Funktion und Wirkungsweise von NG2 ist uns noch nicht vollständig bekannt“, ergänzt Dominik Sakry, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. „Es scheint aber so, als ob dieser spezielle Wirkungsmechanismus von NG2 abhängig von der Beschädigung des Nervensystems ist.“

Verschiedene Erkrankungen gehen mit einer Beschädigung des Gewebes und einer Reaktion der OPC einher. „Die in der jetzt vorgelegten Studie dargelegten Erkenntnisse zu grundlegenden Mechanismen der Zellorientierung könnten letztendlich für die Reparatur von geschädigtem, demyelinisiertem Gewebe bei Multiple Sklerose wichtig werden oder auch Anwendung finden, wenn es darum geht, stark streuende NG2-enthaltende Hirntumore nachhaltiger zu behandeln“, so Univ.-Prof. Dr. Jacqueline Trotter, Leiterin der Abteilung Molekulare Zellbiologie der JGU.

Originalpublikation:

NG2 Regulates Directional Migration of Oligodendrocyte Precursor Cells via Rho GTPases and Polarity Complex Proteins
Fabien Binamé et al.; Journal of Neuroscience, doi: 10.1523/JNEUROSCI.5010-12.2013, 2013

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Allgemeinmedizin, Medizin

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1 Kommentar:

Dr. med. Michael Walther-Richters
Dr. med. Michael Walther-Richters

Bis zu welchem Stadium sind Oligodendrozyten bei einer Hirnblutung mit nachfolgendeer neurologischen Schädigung wirksam. Kann eine Aussage getroffen werden in welkchem Zeitraum ein Einsprossen von Vorläuferzellenangeht. Sind Ausfallverbesserungen schon Dokumentiert?

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