Klinik essen Seele auf

25. Juli 2018

Unbezahlte Überstunden, kein Privatleben und gesundheitliche Probleme – so erleben viele Ärzte ihren Klinikalltag. Solange es in Deutschlands Krankenhäusern zu wenig Personal und zu viel Papierkram gibt, wird sich daran auch nichts ändern. Wie kann man es besser machen?

„Sobald jemand krank wurde oder wegen einer Schwangerschaft länger ausfiel, stellte sich ein Ausnahmezustand ein“, erzählt Dr. Klaus Hübner (Name geändert) über die Arbeitsbedingungen in einem großen Krankenhaus in Nordrhein-Westfalen. In vielen Kliniken ist die Personalsituation angespannt. Besonders prekär wird es aber, wenn es zusäzlich noch zu Ausfällen kommt. „Phasenweise war ich von morgens um halb acht bis abends um neun in der Klinik – und ohne die Möglichkeit, mal etwas länger Pause zu machen.“ Pro Woche fielen bei ihm bis zu zwölf Überstunden an und das für lau. „Ich kenne kaum einen Kollegen, bei dem Mehrarbeit erfasst oder vergütet wurden“, ergänzt der Assistenzarzt.

Wo kommen die Überstunden her?

„Meine Überstunden entstanden weniger durch Arbeiten am Patienten, als vielmehr durch Papierkram wie Arztbriefe“, erinnert sich Hübner. Die meisten Krankenhäuser seien hinsichtlich der IT-Infrastruktur nicht vernünftig modernisiert worden. „Teilweise geben wir die gleiche Information in vier verschiedene Systeme ein.“

Nach Lösungsmöglichkeiten gefragt, sieht er zwei Ansatzpunkte: „Bessere IT-Infrastrukturen wären eine immense Erleichterung.“ Derzeit werde die gleiche Information in bis zu vier verschiedene Systeme eingespeist. Darüber hinaus fordert der Kollege mehr nichtärztliches Personal zur Unterstützung: „Wir müssen nicht unbedingt selbst Blut abnehmen – das ist eher ein Relikt aus Zeiten der Ärzteschwemme.“ Seine Erfahrungen decken sich akkurat mit einer Umfrage des Hartmannbundes.

Assistenzärzte: Nur 3,4 Prozent leisten keine Mehrarbeit

Für die Studie wurden 1.331 junge Assistenzärzte interviewt. Sie arbeiteten vor allem in kommunalen Krankenhäusern (30,4 Prozent), in Unikliniken (20,4 Prozent) sowie in Kliniken mit kirchlichem (18,3 Prozent) beziehungsweise privatem Träger (18,2 Prozent). „Höher. Schneller. Weiter. Ohne Rücksicht auf Verluste“, so kommentierte ein Kollege anonym bei der Befragung die Arbeitsbedingungen.

Von den befragten Assistenzärzten kommen 36,1 Prozent auf maximal 5 Überstunden pro Woche, 35,1 Prozent auf 5–10 Überstunden, 16,4 Prozent auf 10–15 Stunden, 5,6 Prozent auf 15–20 Stunden und 3,5 Prozent auf mehr als 20 Stunden. Lediglich 3,4 Prozent gaben an, keine Mehrarbeit zu leisten. Besonders hohe Arbeitsbelastungen fielen in der Orthopädie/Unfallchirurgie und in der inneren Medizin/Kardiologie an. 48 Prozent aller Assistenzärzte gaben an, ihr Arbeitgeber hätte sie direkt oder indirekt aufgefordert, Überstunden nicht zu dokumentieren. Und bei 21,4 Prozent wird das zusätzliche Pensum weder vergütet noch mit Freizeit ausgeglichen. Pausenzeiten können 40 Prozent selten und weitere 14 Prozent nie einhalten.

Immerhin sehen 61,3 Prozent ihr Privatleben durch den Job mehr oder minder stark gefährdet. 76,2 Prozent gaben an, schon mal zur Arbeit gegangen zu sein, obwohl sie eigentlich krank waren. Die Folgen liegen auf der Hand: 32,3 Prozent leiden unter Schlafmangel, 29,6 Prozent befürchten gesundheitliche Beeinträchtigungen und weitere 12,9 Prozent gaben an, aufgrund der Arbeitsbelastung bereits gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu haben. Erklärungungen für die starke Belastung: 64,1 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, ihr Arbeitgeber habe zu wenig Personal eingestellt. Nur 27,5 Prozent bewerten die Personalsituation als „ausreichend“ und nur 4,9 Prozent als „sehr gut“. Nur 25,2 Prozent konstatieren, ihnen gehe es trotz der Arbeitsbelastung gut.

Jeder fünfte Arzt schluckt stressbedingt Medikamente

Auch die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) ist hellhörig geworden: Zusammen mit mehreren Fachgesellschaften beziehungsweise Verbänden hat sie rund 1.000 Ärzte und Pflegekräfte interviewt. Derzeit liegen nur Zwischenergebnisse vor, die vom Marburger Mund kommentiert wurden.

Den Daten zufolge schluckt jeder fünfte junge Arzt mindestens einmal im Monat Medikamente, um sein Stressempfinden zu dämpfen. Jeder zweite befürchtet, am Burnout-Syndrom zu erkranken. Jeder achte Interviewte klagt über den immer stärkeren ökonomischen Druck bei medizinischen Entscheidungen. Und genauso viele Ärzte oder Pflegefachkräfte sprechen sich für eine Verringerung des Dokumentationsaufwands aus, um Freiräume zu schaffen.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt der Marburger Bund im „MB-Monitor“: Laut einer Studie mit rund 6.200 im Krankenhaus angestellten Ärzten verbringt jeder vierte Arzt mehr als drei Stunden pro Tag mit Verwaltungstätigkeiten und Organisation. Ein Drittel schätzt den täglichen Zeitaufwand für diese Tätigkeiten auf ein bis zwei Stunden. „Die Arbeit gleicht mittlerweile eher einer Fließbandarbeit – zu viel Dokumentation, immer mehr Patienten für zu wenig Personal“, schrieb ein weiterer Kollege anonym bei der MB-Befragung. Und ein anderer ergänzte: „Der Dokumentationswahn nimmt immer mehr überhand, Teamassistenten werden nicht eingestellt, sodass man sämtliche administrative Tätigkeiten selbst erledigen muss: zum Beispiel Termine für Untersuchungen vereinbaren, Blutröhrchen bekleben, Akten sortieren.“

Es gibt also viel Raum für Verbesserungen der Arbeitssituation in Deutschlands Kliniken. Ein Vergleich mit der Schweiz lohnt sich besonders. Eidgenossen arbeiten mit Fallpauschalen (DRGs) auf Grundlage des deutschen Modells. Daran kann es also nicht liegen. Warum sind Kolleginnen und Kollegen trotzdem zufriedener? 

Anderswo kann Klinik auch Spaß machen

„Ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit“, erzählt Dr. Dr. Galina Fischer, Assistenzärztin aus dem schweizerischen St. Gallen. Vergleicht sie die Systeme in Deutschland und in der Schweiz, sieht sie mehrere Unterschiede. „Bei uns haben Pflegekräfte deutlich mehr Kompetenzen, um Ärzte zu entlasten“, so Fischer. „Sie dürfen beispielsweise Blut aus der Vene oder aus Portsystemen abnehmen.“ Ob es vor Ort unbedingt mehr Mediziner gibt, kann sie nicht sagen. Entscheidend sei jedoch, dass die Pflege viel Arbeit abnehme und sehr gut im Team integriert sei. Ärzte würden im Vergleich zu Deutschland etwas besser, aber die Pflegekräfte deutlich besser bezahlt. „Dadurch kommen viele Arbeitskräfte aus anderen Ländern in die Schweiz.“ So haben die Eidgenossen ihre Personalprobleme elegant gelöst. Sie haben mehr Mitarbeiter.

Überstunden werden abgebaut

Außerdem sei die Arbeitsverdichtung nicht ganz so groß wie in Deutschland, was mit längeren Regelarbeitszeiten von 48 bis 50 Stunden pro Woche zu tun habe. Gibt es phasenweise viel Mehrarbeit, erhalten Vorgesetzte eine Nachricht der Personalabteilung mit dem Hinweis, die Überstunden abbauen zu lassen – als Freizeit, versteht sich. Unter den Tisch fällt dabei nichts. Weiterbildung findet während der Arbeitszeit statt und man hat regelmäßig die Möglichkeit, externe Angebote in Anspruch zu nehmen. Fischer ergänzt: „Mittagspause ist Pflicht, und die Klinik-Kantine bietet hervorragendes Essen.“ Und nicht zuletzt werde das Thema Digitalisierung in der Schweiz stärker gepusht als in Deutschland.

Dennoch gibt es Schattenseiten: Fischer arbeitet pro Jahr sechs bis acht Wochen mehr als Kollegen in Deutschland, sie hat weniger Urlaub und eine höhere wöchentliche Stundenzahl. Auch der Mutterschutz beginnt erst mit der Niederkunft und dauert 14 Wochen. Es gibt zwar mehr Kitas, aber ein Vollzeitplatz kostet bei ärztlichem Salär circa 2.000 Euro.

Unlägst sorgte außerdem ein Zwischenfall in einem Zürcher Krankenhaus für Schlagzeilen: Nachdem bei einer Patientin Blutungen aufgetreten waren, wartete sie so lange auf das Pflegepersonal, dass sie schließlich mit dem Handy in der Notrufzentrale anrief (DocCheck berichtete).

Fakt ist also: Auch beim Nachbarn läuft nicht alles rund, aber vielleicht können wir uns dennoch etwas von den Schweizer Krankenhäusern abgucken.

59 Wertungen (4.53 ø)
Bildquelle: anoldent, flickr / Lizenz: CC BY-SA

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21 Kommentare:

Dr. Andreas Triebel
Dr. Andreas Triebel

Sechzig bis achtzig der Betten könnten abgebaut werden. Die Versorgung wäre, wenn sie ambulant erfolgen würde, besser. Und die starre Hierachie müsste entfallen; aber eine solche Revolution darf nicht einmal gedacht werden.

#21 |
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Ärztin

#Dr. Tost: inzwischen sind ca. 70% der Studierenden der Medizin Frauen. Männer muten sich die immer schlechter werdenden Arbeitsbedingungen immer weniger zu. Und Frauen stemmen neben dem Job oft auch noch Haushalt und Kinder. Vor ca. 40 Jahren war die Situation eine ganz andere. Da waren Ärzte noch nicht in solchem Maße wie heute Erfüllungsgehilfen der Klinik- und Krankenkassenmanager. Die Zeiten, in denen ein Arzt nach dem klassischen Rollenmodell eine Familie ernährte und die Frau nach Feierabend schick ins Theater ausführte bzw. für seinen Fleiß, wenn der Theaterbesuch ausfallen musste, angehimmelt wurde, sind vorbei.

#20 |
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Es ist zum Davonlaufen im wahrsten Sinn desWortes. Was müssen das für hilfs- und pflegebedürftige Mediziner der jungen Generation sein. Zum Weinen geboren, zum Feierabend-geniessen studiert.
Vor ca 40 Jahren wären solch angesprochenen Mängel als Wunschträume durchgegangen, Illusionen durften ja gedacht werden. Und ein Privatleben kam nach 10 – 12 Stunden Arbeit auch nicht zu kurz. (Gelegentlich verfielen allerdings Theaterkarten, weil es zu spät wurde). Usw, usw…
Man sollte die Realität aus uralten Zeiten vielleicht gelegentlich ins Bewusstsein infundieren…

#19 |
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Student der Humanmedizin

Tja… Mein Schwager sitzt mit Anfang 30 im Klinikvorstand, fährt mit dem schicken Audi (natürlich ein Dienstwagen) in die Arbeit und bekommt ordentliche Sonderzahlungen ausbezahlt, wenn im Quartal eingespart wurde. Er hat übrigens einen FH-Bachelor in BWL.

Ich fahre nach 12 Semestern Medizinstudium mit der U-Bahn ins PJ und werde mit einer Kantinen-Essensmarke pro Tag “bezahlt”.

Irgendwie Systemkomik… XD

Ach ja, besagte Klinik leistet sich einen VIP-Logenplatz in der Fußballarena… Äußerst sinnvolle Investition im Gesundheitswesen.

#18 |
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Medizinphysiker

Immer wirklicher wird im zunehmend kapitalorientierten Gesundeitsmarkt meine Sicht – erworben in über 40-jährige Tätigkeit im Klinikallltag: “Ein Krankenhaus ist ein Haus, in dem man kranke Menschen gesund macht, indem man gesunde Menschen krank macht.

#17 |
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Heilpraktiker

Berufskraftfahrer haben je ein Arbeitszeiten- und ein Lenkzeiten-Limit. Überschreiten der Lenkzeit (9, 2 x wöchentlich 10) Stunden tgl. wird ab der 1. (ersten) Min. teuer. Ab der 31. noch teurer usw. In 30-Min.-Schritten. Schnell wäre der Fahrer in den Punkten. Ebenso bei Minus bzgl. der Ruhezeiten.
Gewiss, übermüdete Fahrer können für Dritte gefährlich werden.
Medizinisches Personal hingegen ist gegen Übermüdung immun?

Ich sehe keine Chance, dass sich an der Krankenhaussituation etwas ändert. Nicht, solange die Belegschaft nicht geschlossen Dienst nach Vorschrift machtund die Kr’haus-Verwaltung dann zappeln lässt. (Und den Pat. im Stich? Und schon beißt sich die Katze in den Schwanz. Wenigsten haben die Sklaven noch Gewissen. Egal ob “akademisch” oder “gewerblich”. Jedenfalls menschlich).

Das Krankenhaus hat entweder zu wenig Geld und muss knausern oder Investoren schöpfen ab, lassen das Krankenhaus am langen Arm (fast!) verhungern, denn auch die Aktionäre verlangen mehr und mehr. Ohne zu knausern.

Beim Pat. geht es nicht mehr primär um Genesung, sondern darum welchen Beitrag er zum Investoren-Wohlergehen leisten kann. Und beim Personal geht’s um die Versklavung, weil sonst die Gewinne geringer wären.

Prioriäten:
1. Investoren-/Anleger-Zufriedenheit: erstrangig.
2. Patientengesundheit: nebenrangig (am besten nie ganz gesund, sollen ja wiederkommen).
3. Med. Personal: Sch…egal – solange sie (noch) funktionieren.
4. ” – Gewissen: Letztrangig. Alleine deren Problem?

#16 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Digitalisierung hilft meiner Erfahrung nach schon enorm, zumindest was Anforderung von Untersuchungen, Befundeinsicht, automatisiertes Scoring, automatisiertes Erstellen von Berichten und Briefen usw angeht.
Berufsfremde Tätigkeiten auszulagern hilft, allerdings müssen auch dafür Stellen geschaffen werden. Stellt sich die Frage, wem diese unterstellt sind, den Ärzten, der Verwaltung, der Pflege?
Wir haben auf unserer Station vom Stellenplan der Pflege 2 Stationshilfen und eine Stationssekretärin eingestellt, um uns von pflegefernen Tätigkeiten zu entlasten. Könnten das die Ärzte nicht auch? Für das Gehalt eines Arztes könnte man sicher mehrere MFA in Teilzeit anstellen, die delegierbare Tätigkeiten und Dokumentation erledigen.
Zum Thema Blutentnahme. Als die Blutentnahme auf Allgemeinstation bei meinem vorherigen Arbeitgeber wieder an die Ärzte zurück gegeben wurde, hat sich die Anzahl der Untersuchungen drastisch reduziert;-)

#15 |
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Hebamme

Wenn jemand an einer Verbesserung der Situation interessiert ist, dann kann er die Digitalisierung bestimmt nicht als Vorteil anpreisen. Denn das ist sie eben gerade nicht. Mit ihr hat der Verwaltungsaufwand extrem zugenommen. Es werden Daten erhoben bis zum Umfallen, aber auf eine andere Art und Weise, die sich weniger einprägt, weniger empathisch geprägt ist, vielen technischen Ausfällen unterliegt. Sie raubt den Ärzten und Pflegenden Zeit, die sie für die wirklich relevanten Tätigkeiten benötigen. Von einem enormen Kostenaufwand ganz zu schweigen! Es haben sich durch die Hintertür viele Parasiten in das System eingeschlichen, die finanziell enorm profitieren auf Kosten der eigentlich wichtigen Berufsgruppen. Und dieses Vorgehen lässt viele, die ihren eigentlichen Beruf gerne ausüben, verzweifeln. Schade!

#14 |
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Laborant

@#6/7
Was will er uns sagen….?

#13 |
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Guter Artikel! In meiner Zeit im KH ging es nur um Verweildauern und weniger um den Patienten oder wie lange ich schon in der Klinik saß und nicht bei meiner Familie mit 2 kleinen Kindern. Wenn man Workflow-/ Prozessmanagement anspricht um die Arbeitszeiten besser steuern/ nutzen zu können, dann wackeln in den oberen Etagen nur die Köpfe (Kostengründe?). Das leben könnte um einiges einfacher sein, wenn man die IT-Infrastrukturen besser nutzen (wollen) würde.

#12 |
  4
Melitta Böhm
Melitta Böhm

Arbeite seit 46 Jahren in der Pflege, da sieht es nicht anders aus. Die Wirtschaftlichkeit wurde immer auf dem Personalrücken ausgetraagen, wir funktionieren nur weil uns die Patienten als Mensch interessieren. Jetzt gibt es nur noch MDK und betriebswirtschaftliche Interessen, armes Deutschland

#11 |
  1

Seit der Übernahme des “Klassenfeindes” im Osten geht es in Deutschland successive bergab, und nicht nur im Gesundheitswesen. Seit 1989 hat sich die Dummheit, Selbstgefälligkeit und Rücksichtslosigkeit in Politik und leitenden Bereichen exponentiell vermehrt, was uns noch in ganz erhebliche Probleme bringen wird.

#10 |
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Dr. Volker Wagner
Dr. Volker Wagner

Hauptsache wir schaffen neue Stellen für Kontrolling, Case Manager, QM beauftragte, Datenschützer, Gutachter, die eine Stelle abschaffen, Strukturen zerstören, Mehrarbeit verteilen. Hoffentlich platzt die Bombe , wie bei der Fußball WM, wo auch die Bräsigkeit und Ignoranz uns um die Ohren flog.
Wenn einer im Sport Millionen scheffelt, dann ist er angesehen. Wie lange wurden wir als Beutelschneider gescholten? Medizinstudium nur über Noten, bringt aber leider auch sehr angepasste Studenten, die lernen und nicht rebellieren. Wenn auch der Dümmste im Land erkennt, das manuelle Fähigkeiten nicht mit Schulnoten ausgedrückt werden und Empathie fehlt, dann ist es zu spät. Schauen sie sich die Unis an, Mangel überall. Wir retten die ganze Welt und merken nicht dass wir an die Wand fahren. #
Leiden müssen wir und die Patienten, nicht aber die Politiker!!! Früher war alles besser – auch die Zukunft

#9 |
  3

Sowohl im ärztlichen Dienst als auch in Kranken- und Altenpflege könnte unverzüglich und kostenneutral Entlastung erfolgen, würde der Gesundheitsminister die ausgeuferte Dokumentationspflicht auf ein “vernünftiges Maß” per Erlass reduzieren. dazu müsste der Minister die Ziele einer Dokumentation klar nachvollziehbar formulieren, und den Widerstand der sich in den letzten 15 Jahren gebildeten “Industrie” aushalten. Diese Industrie verdient enorm an Zertifizierung, den regelmässig folgenden Rezertifizierungen, und den zeitaufwendigen Schulungen des medizinischen Personals dafür und wird mit vielen wohlklingenden aber sinnarmen Argumenten die exorbitanten Dokumentationen verteidigen. Zufragen wäre auch, wer eigentlich die datenmengen zur Kenntnis nimmt und bewertet!
Natürlich würde durch diese Maßnahme die Personalaufstockung , welche nur längerfristig möglich ist, nicht überflüssig!

#8 |
  1

§22 und §23 ArbZG sehen für Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz Geldbußen bis 15.000 € bzw. (bei “beharrlicher Wiederholung” der Verstöße) Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr vor. Warum also nicht mal mit Staatsanwaltschaft oder Gewerbeaufsicht telefonieren?

#7 |
  3

Alle sind überlastet: Ärzte, Pfleger, MTA etc. pp. und die weiblichen Pendants natürlich auch. War schon vor 20 Jahren so und wird immer schlimmer, besonders bei den Konzernen. Ich empfehle Dienst nach Vorschrift. Jede Überstunde einreichen, auf FZA bestehen, zur Not Krankenschein einreichen. AZG einklagen und ggf. mal das Gewerbeaufsichtsamt einbestellen, damit es nach dem Rechten schaut. Leider haben weder Personalräte noch MB in den letzten Jahren zur Verbesserung beigetragen: Das Pflegepersonal und andere sind zu schlecht bezahlt, bei den Ärzten findet Ausbildung schon lange nicht mehr statt.
Natürlich wird das am Ende teurer. Aber Qualität kostet eben.

#6 |
  3
Stefan Kaufhold
Stefan Kaufhold

Weil ja nur die Armen Mediziner Mehrarbeit leisten, ihr privat und Familienleben weitgehend nicht existent ist usw…..

Und der Arzt braucht nicht selbst Blut ab zu nehmen? Herr Montgomery bekommt ja schon Infarkt Anzeichen wenn er nur die Spur eines kompetenzverlustes der Ärzteschaft wittert….

Es gibt im gesamten System probleme. Auch das nicht Ärztliche Personal hat arbeit….mehr als genug um eben nicht die der Ärzte zu brauchen, und auch im nicjt ärztlichen dienst brechen ganze Stationen zusammen wenn jemand wegen Grippe ausfällt.

#5 |
  47
Student der Humanmedizin

Guten Tag,
eigentlich finde ich gut recherchierte Artikel zu diesem Thema sehr spannend. Dieser tritt jedoch negativ hervor. Auch wenn Vergleiche mit anderen europäischen Ländern in Mode sind finden sich auch in Deutschland ÄrztInnen welche gerne zur Arbeit gehen. Außer dass in der Schweiz etwa 10 Überstunden in der Normalarbeitszeit inkludiert sind und die Freizeitreglungen auch sonst nicht gerade rosig sind, bringt der Vergleich wenig neues zu Tage.

#4 |
  18
Studentin der Humanmedizin

Aua-aua-autsch! Diese Wunde ist sehr tief und sehr breit! Und superinfiziert dazu…

Ob Ihr Vorschlag unseren Politiken gefallen würde?

In Österreich ist die Politik dabei, aus 40 Std/Wo (und viele von uns haben vertraglich 42 Std/Wo) 60 Std/Wo zu machen… Das könnte zu einer Überstunden-Prävention führen… Rückwirkend sogar zum Überstunden-Abbau.
Nur so um weiter auf die Spitze zu treiben: die Angestellten und Arbeiter könnten dann im Gegenzug für die tolle politische Innovation auf den Urlaub zumindest teilweise verzichten.

#3 |
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Dr. med. Giesela Brand
Dr. med. Giesela Brand

Die Arbeitsbedingungen sind seit Jahrzehnten bekannt. Statt diese zu verbessern, wird lieber medizinisches Fachpersonal aus dem Ausland angeworben. Dies gilt auch für andere Arbeitsbereiche.

#2 |
  2
Tierärztin

Danke für Ihren Artikel. Ich erkenne die genannten Probleme genau so auch aus der Tiermedizin wieder. Zusätzlich fallen hier die Gehälter für Ärzte deutlich niedriger aus (Helfer in jeglicher Form werden ja sowohl in Human- als auch Tiermedizin mitunter sittenwidrig niedrig bezahlt). Bei uns existiert zwar natürlich der “rechtlich verbindliche” Dokumentationsaufwand nicht in gleicher Form wie in der Humanmedizin, doch sei es in unserer sehr “klagefreudigen” Zeit auch hier jedem Tierarzt geraten (und das fordern verständlicherweise Vorgesetzte auch von Ihren Mitarbeitern) dies trotzdem dementsprechend durchzuführen. Und für die Kommunikation mit überweisenden Kollegen ist das Schreiben von Befunden und Rücküberweisungen ohnehin unerlässlich. Dass das Schreiben der Arztbriefe usw. dann meist in der Freizeit passiert, versteht sich für viele Klinikleitungen von selbst. Wenn jemand schwanger oder krank wird: Ohnehin der Super-GAU. Die strukturellen Probleme (Personalmangel usw.) sind die gleichen, auch wenn hier natürlich kein Gesundheitssystem dahinter steht. Fluch und Segen zugleich: Das Haustier ist Privatpatient. Besitzer, die selbst privatversichert sind, und ihre Rechnungsbeträge kennen, haben daher so gut wie nie Diskussionsbedarf, was ihre Rechnung angeht – ganz im Gegensatz zu Kassenpatienten, die sich nicht vorstellen können, was medizinische Leistung kostet (kosten muss, kosten darf…!). Letztendlich muss moderne, qualitativ hochwertige Medizin in allen Sparten so “teuer” sein dürfen, dass alle, die hier arbeiten, adäquat leben und arbeiten können. Und nicht mit spätestens Mitte 30 / Anfang 40 kaputt, frustriert und reif für die Therapie sind. Traurig, wie viel eigentlich gutes Personal da am System draufgeht. Ein effizienteres Management in großen Kliniken und ein Umgang mit den Mitarbeitern, dass diese sich wertgeschätzt fühlen, wäre bestimmt der erste Schritt. Dann kann man auch viel arbeiten und gute Leistung bringen, wenn nicht das Gefühl, permanent ausgebeutet zu werden, vorherrscht.

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