Der versalzene Mensch

10. August 2018

Nicht mehr als 5 Gramm Salz sollte man täglich verzehren, sagt die WHO. Das schaffen über 70 Prozent der Deutschen nicht. Dabei kann zuviel Salz nicht nur den Blutdruck erhöhen und Ödeme verursachen. Welche Erkrankungen werden durch übermäßigen Konsum noch begünstigt?

Zu viel Salz verdoppelt das Risiko, eine Herzschwäche zu entwickeln. Eine finnische Studie soll diesen Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Herzinsuffizienz belegt haben: Die Wissenschaftler schlossen mehr als 4.630 Erwachsene im Alter zwischen 25 und 64 Jahren über einen Zeitraum von durchschnittlich 12 Jahren in ihre Studie ein und verglichen ihre Ernährungsgewohnheiten in Korrelation mit Herzerkrankungen.

Professor Pekka Jousilahti vom National Institute for Health and Welfare in Helsinki kommentiert: „Das Herz mag kein Salz. Eine hohe Salzaufnahme erhöht das Risiko einer Herzinsuffizienz deutlich. Dass Natriumchlorid den Blutdruck steigern kann, ist bekannt. Hypertonie ist ein eigenständiger Risikofaktor für Herzinsuffizienz.“

Tagesempfehlung dreifach überschritten

Ein Ergebnis der Studie sei aber, dass die Erhöhung des Herzinsuffizienzrisikos unabhängig vom Blutdruck ist. Herzinsuffizienz würde nicht selten verharmlost, so Jousilahti weiter. „Die Studienautoren machen darauf aufmerksam, dass diese Erkrankung die Hauptursache für eine Klinikeinweisung bei Rentnern ist. Etwa die Hälfte der Patienten stirbt fünf Jahre nach der Diagnose.“

Die WHO empfiehlt, maximal 5 g Kochsalz pro Tag zu sich zu nehmen. In der Realität liegt der Wert meist deutlich höher. In der Studie wurden bis zu 15 g pro Tag verzehrt. „Menschen, die täglich mehr als 13,7 Gramm Salz zu sich nahmen, hatten ein doppelt so hohes Risiko für Herzinsuffizienz als Menschen, die weniger als 6,8 Gramm zu sich nahmen“, so ein Ergebnis der Studie.

Salz in der Jugend, Infarkt im Alter

Bereits in der Jugend kann ein zu hoher Salzkonsum über die Prävalenz von zerebralen und kardialen Erkrankungen im späteren Lebensalter entscheiden. Forscher des Cincinnati Children’s Hospital in den USA schlossen 775 Teilnehmer in ihre Studie ein und analysierten deren Salzkonsum, die Elastizität ihrer Brachialarterie und die Pulswellengeschwindigkeit (PWV).

Die Ergebnisse zeigten, dass eine höhere durchschnittliche tägliche Natriumzufuhr mit einer höheren arteriellen Gefäßsteifigkeit und einer höheren PWV verbunden war. Arterielle Steifigkeit ist ein bekannter Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall bei Erwachsenen.

„Es ist klar, dass Jugendliche und junge Erwachsene mehr Salz als empfohlen aufnehmen. Unsere Studie legt nahe, dass dies zu Veränderungen im Körper führen kann, die ein höheres Risiko für künftige Herzinfarkte und Schlaganfälle mit sich bringen“, so das Resümee der Studienautoren.

Dick durch Salz

„Schafen und Ziegen gibt man im Sommer Salz, damit sie fett werden“, sagte vor mehr als 2.000 Jahren Aristoteles. Inzwischen belegen Studien, dass auch beim Menschen ein Zusammenhang zwischen dem Salzkonsum und Adipositas besteht.

Die Daten von insgesamt 458 Kindern und 785 Erwachsenen, die am Rolling-Programm des UK National Diet and Nutrition Survey (NDNS) teilgenommen haben, wurden zur Bewertung der Energieaufnahme und des Salzverbrauchs analysiert. Die Ergebnisse zeigten einen signifikanten Zusammenhang zwischen Salzaufnahme und BMI, Taillenumfang und Körperfettmasse – unabhängig von der Gesamtenergieaufnahme und dem zuckergesüßten Getränkekonsum.

Die Gründe für diese neuen Erkenntnisse sind noch unklar, aber es wird angenommen, dass sie mit Veränderungen im Körperfettstoffwechsel zusammenhängen. Ein Anstieg der Salzzufuhr um 1 g/Tag war mit einem erhöhten Risiko von Übergewicht oder Fettleibigkeit bei Kindern um 28 Prozent und bei Erwachsenen um 26 Prozent verbunden.

Professor Graham MacGregor, Professor für Kardiovaskuläre Medizin an der Queen Mary University of London und Vorsitzender der Consensus Action on Salt & Health, warnt daher: „Die Lebensmittel, die wir essen, sind durch ihren hohen Salz-, Fett- und Zuckergehalt die Hauptursache für Krankheiten wie Bluthochdruck, Fettleibigkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Herzinfarkt und Herzinsuffizienz.“

Salz steigert Zucker

Eine schwedische Studie von Dr. Rasouli et al. vom Stockholmer Institute of Environmental Medicine (IMM) untersuchte die Verbindung zwischen Natriumkonsum und Diabetes Typ 2 und Typ 1. In Kochsalz beträgt der Natriumgehalt 40 Prozent. Die Probanden wurden in drei Gruppen eingeteilt:

  • Gruppe 1: Nahm täglich weniger als 2,4 g Natrium zu sich, also weniger als 6 g Salz.
  • Gruppe 2: Nahm täglich zwischen 2,4 und 3,15 g Natrium zu sich (6 bis 7,9 g Salz).
  • Gruppe 3: Nahm täglich mehr als 3,15 g Natrium zu sich (mehr als 7,9 g Salz).

Pro Gramm extra verzehrten Natriums (also pro 2,5 Gramm Salz) stieg das Typ-2-Diabetes-Risiko um 43 Prozent und das Risiko einer um 73 Prozent. Menschen, die mehr als 7,3 g Salz pro Tag konsumierten, wiesen ein um 72 Prozent erhöhtes Risiko auf, verglichen mit denen, die weniger als 6 g Salz konsumierten.

Offenbar kann sich bei hohem Salzkonsum auch viel eher eine latente Autoimmundiabetes, der sog. LADA. Dabei handelt es sich um einen verzögert auftretenden, autoimmunbedingten Typ-1-Diabetes in der Altersgruppe zwischen 40 und 60.

„Wir bestätigen einen Zusammenhang zwischen Natriumzufuhr und Diabetes insbesondere bei Trägern von HLA-Genotypen mit hohem Risiko“, sagte Hauptautor Bahareh Rasouli. Menschen mit bestimmten HLA-Genotypen (Human Leukocyte Antigen) haben ein erhöhtes Risiko an Diabetes zu erkranken. Wenn diese Hochrisiko-Patienten auch noch viel Natrium aufnahmen (über 3,15 g/Tag), entwickelten sie fast viermal häufiger LADA als diejenigen, die unter 2,4 g/Tag konsumierten.

Natriumcheck am Beispiel Kimchi

Einen hohen Natriumgehalt weist zum Beispiel auch fermentierter Kohl auf, sogennanter Kimchi. Ähnlich wie Sauerkraut werden dabei Kohl und andere Gemüsesorten zur Haltbarmachung einer Milchsäuregärung unterzogen. Durch zusätzliches Kochsalz wird das Wachstum der meisten schädlichen Mikroorganismen gehemmt und die Produktion nützlicher Organismen erleichtert.

Der Korea-Kohl ist hip und gilt als gesund, trotz des hohen Natriumgehalts. Durch die Fermentation soll auch die mikrobiotische Flora im Darm saniert werden. Eine Studie von Song et al. hat deswegen untersucht, ob sich der Verzehr von Kimchi gesundheitlich auch negativ auswirken kann. Die Daten stammen aus der koreanischen Genom- und Epidemiologie-Studie, einer Kohortenstudie, die 2001 gestartet wurde. Insgesamt wurden 5.932 Teilnehmer einbezogen. Die tägliche Energie- und Nährstoffzufuhr sowie die Aufnahme von Kimchi wurden mit Hilfe eines halb-quantitativen Fragebogens bewertet.

Von den 5.932 Teilnehmern entwickelten 1.798 (905 Männer, 893 Frauen) während der 12-jährigen Nachbeobachtungszeit eine Hypertonie. Ziel der Studie war auch, zu untersuchen, ob der hohe Salzgehalt im Kimchi eine Auswirkung auf den Blutdruck hat. Nur bei übergewichtigen männlichen Probanden war ein signifikanter Blutdruckanstieg in Verbindung mit Kimchi festzustellen. Die Ergebnisse sind aufgrund ihres Studiendesigns aber mit Vorsicht zu genießen. Eine tierexperimentelle Studie fand heraus, dass natriumarmes Kimchi den Blutdruck nicht beeinflusst, Kimchi mit einem hohem Natriumchloridanteil aber schon.

Insassen von Haftanstalten: Die idealen Probanden?

Bei der Risikobewertung von Mikronährstoffen ergibt sich grundsätzlich das Problem, dass die Nahrung nicht standardisiert ist, zahlreiche Einflussfaktoren die Analyse verfälschen können und die Probanden oft unzureichend über Angabe der Inhaltstoffe informiert sind. Das IOM-Komitee (Institute of Medicine) empfahl, eine Studie zur diätetischen Natriumreduktion in einer kontrollierten Umgebung durchzuführen.

US-Forscher um Daniel Jones von der University of Mississippi School of Medicine planen, endgültig zu klären, ob zuviel Salz in der täglichen Nahrung schädlich ist. In ihrer geplanten Studie ist zu gewährleisten, dass mehrere Tausend Menschen über Jahre hinweg nicht mehr als 2.300 Milligramm Salz zu sich nehmen. Es gibt nur wenige Settings, bei denen die Probanden und ihre Ernährung lückenlos überwacht werden können. Heiminsassen scheiden wegen des fortgeschrittenen Alters aus, Angehörige der Bundeswehr wegen des meist jungen Alters und ihres oft guten Trainingszustandes. Das Forscherteam sieht Häftlinge als ideale Probandengruppe an.

Eine Studie in einer Strafvollzugspopulation durchzuführen ist allerdings problematisch. Es soll den einzelnen Häftlingen überlassen werden, ob sie mitmachen und ihre Gesundheitsdaten freigeben. Selbst wenn die Studie zustande kommt, kann nicht hunderprozentig überprüft werden, ob Häftlinge nicht beispielsweise ihre Essen untereinader tauschen. Eine strenge und permanente Überwachung wäre notwendig. Auch wie gut sich Daten von Insassen auf die Allgemeinbevölkerung übertragen lassen, ist fraglich, denn die zu untersuchende Population ist beispielsweise größtenteils männlich.

Trotz aller Diskussion um die Schädlichkeit von Kochsalz darf auch nicht der gustatorische Nutzen vergessen werden. Verbannen muss man das Gewürz nicht. Es reicht, die empfohlene Tagesdosis nicht zu überschreiten. Denn ohne Salz wäre unser Essen fade.

98 Wertungen (4.06 ø)
Medizin, Pharmazie

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21 Kommentare:

Dr. sc. nat. Jürgen Voigt
Dr. sc. nat. Jürgen Voigt

Bei aller Diskussion sollte man nicht vergessen, dass Natrium harnpflichtig ist! Ohne Natrium ist es nicht möglich, zu urinieren und zu schwitzen. Deshalb sollte man für eine ausreichende Menge an Salz sorgen. Ich treibe Alters-Ausdauersport, achte stets auf isotonische Getränke, vor dem Training und auch vor Wettkämpfen auf eine Extraportion Salz.
Übrigens: die Empfehlung, salzarm zu kochen, ist in den Altersheimen häufig die Ursache dafür, dass viele der Bewohner dort oft schläfrig sind und vor sich hindämmern. Bedingt durch die insgesamt geringe Nahrungsaufnahme nehmen sie Zuwenig Salz auf, können nicht ausreichend urinieren mit der Folge, dass es zur Bildung von Ödemen kommt, auch im Bereich des Gehirns. Ein halber Teelöffel Salz hilft dann.
Die empfohlene Tagesmenge von ca. 6 g Kochsalz sollte keineswegs unterschritten werden. Persönlich liege ich eher bei 10 g, an einzelnen Tagen auch darüber. Ob diese hohen Mengen kritisch zu sehen sind, wie im Artikel gezeigt, ist nach neueren Erkenntnissen zweifelhaft.

#21 |
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Dr. Hans Stange
Dr. Hans Stange

Wie ist das mit dem Salzbedarf bei Menschen die bei der Arbeit stark schwitzen ? Sowas ist offenbar gar nicht mehr im Focus. Mein Schweiß (bei körperlicher Anstrengung z.B. Gartenarbeit auf 3.500 m2), schmeckt salzig. Wieviel Gramm Salz darf ich dann zu mir nehmen ?

#20 |
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Klaus Samer
Klaus Samer

Studien an staatlich Untergebrachten widersprechen m.E. ICH-GCP und sämtlichen damit im Zusammenhang stehenden Ethikrichtlinien.

#19 |
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Ute Weiss
Ute Weiss

Und heute steht in der Pharmazeutischen Zeitung PZ Folgendes:
Salzkonsum: Doch nicht so schädlich wie gedacht
Ein höherer Salzkonsum ist doch nicht so ungesund wie bislang angenommen. Eine Vergleichsstudie mit 18 Ländern belegt, dass Salz zwar den Blutdruck erhöht, nicht aber zwingend das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse oder die Gesamtmortalität. Die Ergebnisse der kanadischen Untersuchung sind nun im Fachjournal «The Lancet» erschienen. Demnach scheint eine Salzrestriktion nur in Regionen mit stark erhöhter Zufuhr sinnvoll. Zu wenig ist jedoch auch nicht gesund. Ein moderater Konsum wirkte sich am positivsten aus.
Ein hoher Kochsalzkonsum erhöht den Blutdruck. Das ist seit mehr als einem Jahrhundert bekannt und durch zahlreiche wissenschaftliche Publikationen untermauert. Experten warnen daher vor einem exzessiven Salzkonsum und die Weltgesundheitsorganisation, die European Society of Cardiology sowie die American Heart Association empfehlen eine drastische Reduktion der Kochsalzzufuhr für die Gesamtbevölkerung. Die tägliche Zufuhr sollte nicht über 5 g Natriumchlorid betragen, was 2 g Natrium und in etwa einem Teelöffel Kochsalz entspricht. Dass eine Restriktion das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse tatsächlich senkt, konnte bislang keine Studie belegen, heißt es in einer begleitenden Pressemitteilung des Inselspitals in Bern.
Nun untersuchten Forscher um Dr. Andrew Mente vom Population Health Research Institute in Hamilton, Kanada, in einer Vergleichsstudie mit fast 96.000 Personen aus 369 Gemeinden in 18 Ländern über acht Jahre, inwiefern die Salzzufuhr tatsächlich zu mehr Herzinfarkten, Schlaganfällen oder einer erhöhten Gesamtsterblichkeit führt. Für jeden Probanden wurde anhand von Urintests die Natrium- und Kaliumaufnahme ermittelt sowie Faktoren wie Größe, Gewicht und auch der Blutdruck erfasst.
Das Ergebnis: Ein erhöhter Salzkonsum war mit einem erhöhten Blutdruck und erhöhtem Schlaganfallrisiko verbunden. Diese Assoziation war aber nur in Gemeinden mit einer sehr hohen durchschnittlichen Salzzufuhr von mehr als 5 g Natrium täglich zu erkennen. Diese Gemeinden befanden sich hauptsächlich in China, in anderen Ländern wiesen nur 16 Prozent der Gemeinden einen solch hohen Salzkonsum auf, die restlichen 84 Prozent hatten einen mittleren Konsum von 3 bis 5 g Natrium täglich. In keiner der untersuchten Gemeinden hatten die Probanden einen durchschnittlichen Salzkonsum von unter 3 g Natrium pro Tag und kamen damit auch nicht in die Nähe der empfohlenen 2 g täglich.
Überraschend war jedoch die Beobachtung, dass zwischen Salzkonsum und Herzinfarkt wie auch zwischen Salzkonsum und Gesamtmortalität eine negative Korrelation besteht: Je mehr Salz, desto geringer das Risiko. Bei zu niedrigem Salzkonsum stieg das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall geringfügig an.
In der Studie wurde zudem die Korrelation zwischen Kaliumaufnahme und Herzinfarkt, Schlaganfall und Gesamtmortalität ermittelt. Unabhängig vom Salzkonsum senkte eine hohe Kaliumaufnahme alle drei Risiken. Das bedeutet: Auch Patienten mit einem hohen Salzkonsum können mit zusätzlichem Kalium ihr Risiko vermindern. Kalium kommt hauptsächlich in Früchten, Nüssen und Gemüse vor.
Die Forscher folgern aus ihren Ergebnissen, dass Kochsalz-Restriktionsprogramme wohl nur für Regionen mit sehr hohem Salzkonsum sinnvoll sind. In den meisten untersuchten Gemeinden wird Salz nicht in den Mengen konsumiert, die schädliche Effekte haben. (ch)
DOI: 10.1016/S0140-6736(18)31376-X

#18 |
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Zu einer aussagekräftigen Statistik gehören absolute Zahlen und die Unterscheidung zwischen Korrelation und Kausalität.

#17 |
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Salz und nicht gleich Salz.
Es wäre mal interessant, welche Salze schädlich und welche Salze nützlich auf den Stoffwechsel wirken. Gibt es wirklich einen Unterschied zwischen Natur-Salzen und unserem industriell hochverarbeiteten bzw. raffiniertem NaCl??

#16 |
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Medizinjournalist

Mars500-Studie
Während des 2011 durchgeführten virtuellen Flugs zum Mars gab es einen strengen Speiseplan. Mal gab es viel, mal gab es wenig Salz in den ausgewählten Nahrungsmitteln. Das unerwartete Ergebnis der bisher längsten Natrium-Stoffwechselstudie: Die Annahme der Ärzte, der menschliche Körper würde das Speisesalz innerhalb von 24 Stunden wieder ausscheiden, stimmt nicht. Stattdessen speichert der Mensch das Salz über einen längeren Zeitraum hinweg und gibt es dann wieder frei – für die medizinische Untersuchung und Betreuung von Patienten eine wichtige Erkenntnis. “Wir waren sehr überrascht, dass der Körper beim Salzhaushalt einem mehrtägigen Biorhythmus folgt. Die in unserer täglichen Praxis übliche 24-Stunden-Urinuntersuchung reicht anscheinend nicht aus, um sicher abschätzen zu können, wieviel Salz ein Mensch gegessen hat”, sagt Mediziner Titze. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift “Cell Metabolism” veröffentlicht.

#15 |
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Ernährungswissenschaftler / Ökotrophologe

Einseitiger kann man die Datenlage zu diesem schwierigen und komplexen Thema nicht darstellen! Wem ist damit gedient?

#14 |
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Frau Damaris Pfeiffer-Böhme
Frau Damaris Pfeiffer-Böhme

Dieser Autor kommt zu einem anderen Schluss:
https://science.orf.at/stories/2929311/

#13 |
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Medizinische Dokumentarin

Gerade der Verweis auf Kimchi ist ein ganz schlechtes Beispiel, da es in den Ländern, in denen viel Kimchi genossen wird, nachweislich weniger Hypertoniker zu finden sind, als in westlichen Ländern. Das Mikrobiom ist hier entscheidend.

#12 |
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@#3 Liebe Frau Cortes, Sie schreiben: “Ich verstehe auch nicht, warum in Restaurants [..] so viel Salz dran gegeben wird [..] ich bin stundenlang am Trinken hinterher.” Sie geben sich die Antwort selbst. Jeder Wirt verdient am meisten an den Getränken.
Und bei den Fertiggerichten wird mit Salz konserviert und geschmacklich so einiges überdeckt, was besser nicht im Essen sein sollte.

#11 |
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Diätassistentin

Ich möchte gern anmerken, dass sich mir in meinem Patientenpool ein erhöhter Salzkonsum meist in Verbindung mit gleichzeitig erhöhtem Konsum von einfachen Zuckern, tierischen Fetten o.a. derzeitig als ungünstig zu bewertenden Nahrungsbestandteilen darstellt. Ich neige mich eher der Annahme, dass eine hohe Salzaufnahme Folge eines Eintrags über den Verzehr stark verarbeiteter Produkte sein könnte. Ich habe in all den Jahren kaum einen “versalzenen” Vollwertköstler oder Veganer in der Sprechstunde gehabt. Wohl sehe ich jede Woche Kinder mit üblicher Verzehrskultur, welche neben hohen Natriumaufnahmen auch die Referenzwerte für die Zucker- und Fettaufnahme sprengen (in der Protokollberechnung). Dies ergibt ein Bild der Überernährung mit bekannten und besagten Folgen, bei dem Salz eben auch noch dabei ist. Ich lebe trotz ernährungsmedizinischer Bildung nicht salzarm, habe garantiert einige Stoffwechselerkrankungen im Erbgut mitbekommen, bin hypo- bis normoton – nutze allerdings sonst eben wenig oder unverarbeitete Lebensmittel etc., so halte ich es auch mit meinen Patienten. Vor allem in der Geriatrie führen Salzeinschränkungen eher zu geschmacklicher Ablehnung (bestehende Gewohnheit und veränderte Sensorik) und stehen der Mangelernährungsprävention im Weg, bei Demenz und dem “Trinkenvergessen” werden sogar nicht-Na-arme Wässer empfohlen. In der Schwangerschaft steigt oft die Salzaufnahme …
Kausalitäten zu beobachten ist ja nicht schlecht, Kontexte zu beachten manchmal besser, bevor wir uns die nächste “Ernährungsmode” anziehen…

#10 |
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Heilpraktiker

Russische Publikationen lassen erkennen, dass der Mensch Salz speichert, was für eine kontinentale Bevölkerung hochsinnvoll ist. Schließlich war Salz abseits der Meere stets sehr knapp … weißes Gold eben. Obschon nicht näher bekannt, ist der einzig plausible Speicherort das Bindegewebe. Interventional gedacht: ich lebe seit Jahren salzarm und seitdem habe ich keinen morgendlichen Anlaufschmerz und keine Rückensteifigkeit mehr und bin stattdessen beweglich wie ein Kind. Der Zusammenhang erschließt sich einem Koch sofort, denn in der Küche benutzt man Salz, um Eiweiße zu festigen. Man stelle sich diesen Effekt einfach im Bindegewebe vor … oder in Arterienwänden (siehe oben).
Ansonsten krankt das Thema in der Forschung daran, dass es keinerlei Genassoziationen gibt, aber davon ausgegangen werden muss, dass küstennahe Ethnien salztoleranter reagieren als Menschen mit kontinentaler Abstammung.
Was das Thema Salz in der Küche anbelangt: zunächst gilt Salz NICHT als Gewürz. Was es stattdessen ist, bleiben die Fachleute schuldig. Am ehesten ist es ein Geschmacksverstärker. Statt Salz empfehle ich, tatsächlich reichlich Gewürze und Kräuter ins Essen zu geben sowie hochwertige Zutaten zu verwenden, die uns mit Eigengeschmack erfreuen.
Ob Salz fett macht durch einen Einfluss auf den Lipidstoffwechsel bleibt abzuwarten. Hingegen ist bereits bekannt, dass es eine Art Craving bewirkt und darüber zu große Portionen … siehe Chips.

#9 |
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Studentin der Humanmedizin

Ich finde diesen Schlusssatz einfach schade.

Ohne Salz ist unser Essen mitnichten fade. Man muss nur wissen, wie zubereiten und sich Zeit geben, den Eigengeschmack der Speisen zu entdecken.

Spannend ist, dass auch bekennende Salz-Junkies mein Essen schmeckt.

#8 |
  25

Heute lese ich in “The Independent”:
“But a study published in The Lancet medical journal on Thursday, which followed the diets of 95,767 participants in 18 countries, argues that regularly eating between 7.5g and 12.5g of salt (2g to 5g of sodium) a day makes little difference.”
Was soll man um Ernährungsempfehlungen überhaupt noch geben. Wegen fragwürdiger Studien fehlt meist die wissenschaftliche Basis.
Mal soll man Eier meiden wg. des Cholesterins, nun aber doch reichlich essen, weil sie lt. neuester Studien sogar das Leben verlängern.
Kartoffeln sollte man Essen, gutes, basisches Lebensmittel. Nun heißt es: No carb!
Fett sollte man meiden. Nun soll viel Fett plötzlich gesund sein.
Margarine sollte man statt Butter essen. Nun verstopft sie angeblich die Gefäße.
Obst sollte man reichlich essen. Nun wird davon abgeraten, wg. der Fruktose.
Wer sich ausgewogen ernährt, sollte lieber alle Ernährungsempfehlungen ignorieren, denn offensichtlich unterliegen sie einem ständigen Wechsel, wie die Kleidermoden.

#7 |
  5
Nichtmedizinische Berufe

Vor einigen Jahren war ich in einer Reha-Klinik, in deren Küche für meinen Geschmack viel zu salzig gekocht wurde(!) (Großküche halt). Ich habe oft husten müssen, weil das essen stark gesalzen war. Viel bemerkenswerter: Alle Insassen fanden das Essen sehr lecker und schmackhaft und gar nicht übersalzen, manche haben sogar noch nachgesalzen. Nur sehr wenige haben sich meiner Meinung angeschlossen. Was sagt uns das? Fertigfutter verbildet den Geschmack, und die Sensitivität geht verloren. Das könnte der Einstieg zum Herzinfarkt sein.

#6 |
  18

Salz ist nicht gleich Salz! Ich kann jedem nur das Buch “Wasser & Salz, Urquell des Lebens. Über die heilenden Kräfte der Natur”
von Barbara Hendel (Autor), Peter Ferreira empfehlen.
I

#5 |
  76

Dieter Nuhr:

Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten.

wir sind Mineral, wenn wir verbrannt werden-
doe 91 essentiellen minalstoffe- Dr. Nobelpreis

#4 |
  46
Nichtmedizinische Berufe

Ich verstehe auch nicht, warum in Restaurants und bei Fertiggerichten so viel Salz dran gegeben wird, mir ist das meist zu sehr gesalzen wenn nicht gar versalzen, und ich bin stundenlang am Trinken hinterher .
Daher denke ich, nicht der Griff zum Salzstreuer, sondern die versteckten Salze in allem was man kauft, ist das Problem, wobei sich das auch oft noch über das hinwegsetzt, was als angenehm empfunden wird.

#3 |
  7
Ernst Pawlowsky
Ernst Pawlowsky

Das Natrium wird viel zu isoliert betrachtet, vor allem sein Zusammenspiel bzw. seine Relation zum Kalium. Dr. Schätzler weist ansatzweise darauf hin.
Auf Grund der Arbeiten von Lynda Frassetto et al. ( sehr empfehlenswert z. Bsp.: Diet, evolution and aging–the pathophysiologic effects of the post-agricultural inversion of the potassium-to-sodium and base-to-chloride ratios in the human diet ) habe ich vor 3,5 Jahren meinen Salzkonsum drastisch reduziert und achte auf eine hohe Kalium-Zufuhr über Gemüse, Obst und Fleisch / Fisch. Drastisch reduziert heißt in meinem Fall: keine aktive Verwenung von Salz und die Vermeidung aller! gesalzener Lebensmittel ( so auch den gerne verzehrten Hartkäse, der meist bis zu 3 g Kochsalz pro 100 g enthält ).
Gleichzeitig bin ich Altersklassensportler ( 65 J. ) beim Rudern mit internationalen Erfolgen auf der Standardstrecke ( 1.000 m ) und auf Langstrecken. Weder im Training noch bei Wettkämpfen hatte ich bisher den Eindruck, an Salzmangel zu leiden.
Vermutlich, weil die Auswirkungen von zuviel Salz viel subtiler sind als die von zuviel Zucker / Kohlenhydraten und Salz eine extrem lange Tradition als Würzmittel hat, kommt auch ein anscheinend nur moderater Konsum erst so allmählich in den Fokus moderner Medizin. Da gibt es noch sehr viel Forschungsbedarf.
Und die häufig empfohlene verwendung von Natriumhydrogencarbonat zur Entsäuerung des Körpers: ja, es wirkt, Kaliumhydrogencarbonat oder organische Kaliumverbindungen wie Kaliumcitrat wären wesentlich geeigneter.

#2 |
  16

Auf der anderen Seite steht das Problem des viel zu wenig “gesalzenen” Menschen – deshalb Hinweis auf Hyponatriämie und SIADS?
Hyponatriämie ist nicht nur bei unseren Patientinnen und Patienten, sondern auch bei Spitzen- und Ausdauer-Sportlern verbreitet, die zu viel natriumarme Flüssigkeiten und Speisen zu sich nehmen. Beim seltenen SIADS (Schwartz-Bartter-Syndrom oder Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion), auch SIADH genannt, führen unangemessen hohe Ausschüttung von Antidiuretischem Hormon (ADH, Adiuretin, Vasopressin) zu einer viel zu geringen Flüssigkeitsausscheidung über die Nieren mit Entstehung eines unzureichend verdünnten Urins.
Laborchemisch durch hypotone Hyperhydratation mit Verdünnungshyponatriämie (Serum-Natrium 1000 mOsm/kg) charakterisiert.
Für Spitzensportler im Übrigen hochrelevant, weil dies zu Fehleinschätzung eigener Leistungs- und Belastungsfähigkeit z. B. im Radrennsport (Tour de France) führen kann. Die Symptome einer schweren Hyponatriämie sind: Kopfschmerzen, Persönlichkeitsveränderungen mit erhöhter Reizbarkeit oder Lethargie, Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit bis zum Delirium, Bewusstseinsstörungen bis zum Koma. Eine Anhebung der Natriumkonzentration bei einer Hyponatriämie mit häufig gleichzeitiger Hypokaliämie gelingt besser bei g l e i c h z e i t i g e r Na+ und Kaliumsubstitution. Substitution von Kalium setzt gleichzeitig Natrium aus den Zellen frei.
Ein endokrinologisches SIADS/SIADH-Syndrom oder das pädiatrische “cerebral salt wasting, vasopressin excess” können mit dem seit 2009 verfügbaren Tolvaptan (SAMSCA®) als erstem oralen ADH-Antagonist auch in Deutschland therapiert werden. Vaptane blockieren die Wirkung des ADH an der Niere und fördern somit die Ausscheidung Natrium- und Elektrolyt-armen Urins.

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