Doktorarbeit im Wartezimmer

22. Januar 2010
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Der Titel des Doktors gehört schon fast zwangsläufig zum Arzt mit dazu. Kein anderer akademischer Titel ist so stark mit einem Berufsbild verknüpft wie dieser. Wann soll man eigentlich anfangen, sich als Medizinstudent um die Beschaffung des Dr. med. zu bemühen?

Wir haben für Euch mit einem Doktoranden gesprochen: Sebastian Franck hat an der Universität Tübingen Humanmedizin studiert und befindet sich jetzt kurz vor der Absolvierung eines PJ-Tertials in der Schweiz. Sebastian hat schon in der Vorklinik mit seiner Dissertation angefangen. Ob das eine gute Idee war?

DocCheck Campus: Wie kamst Du auf die Idee, in der Schweiz einen Teil Deines Praktischen Jahres zu verbringen?

Sebastian Franck: Ein ehemaliger Studienkollege von mir hat dies im letzten Jahr gemacht und war voll des Lobes. Die Arbeit in einer Schweizer Klinik ist schon ein bisschen eine entspanntere als an einer deutschen Uni-Klinik. Zudem wird man bei den Eidgenossen als PJler fair behandelt und auch anständig entlohnt. Außerdem war es schon immer mein Wunsch, einen Teil des Studiums im Ausland zu verbringen. So konnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

DocCheck Campus: Du schreibst derzeit an Deiner Doktorarbeit. Kannst Du uns ein paar nützliche Tipps zu diesem Thema geben?

Sebastian Franck: Der Zeitpunkt spielt eine ganz entscheidende Rolle. Es gibt Studierende, die bereits im vorklinischen Abschnitt des Studiums eine Doktorarbeit in Angriff nehmen. In meinen Augen ist das nicht so ganz sinnvoll, da zum einen die Vorklinik sehr lernintensiv ist und zum anderen noch gar keine klinischen Fachgebiete angesprochen wurden – oder nur sehr oberflächlich. Es ist häufig so, dass man während des klinischen Abschnitts des Studiums ganz andere Vorlieben entwickelt und in Bereiche hineinschnuppert, mit denen man sich im Vorfeld vielleicht noch nicht so intensiv auseinandergesetzt hat.

Wenn man dann den richtigen Zeitpunkt gewählt hat, welcher einem ein wenig Freiraum ermöglicht, sollte man selbst aktiv werden. Damit meine ich, dass man sich keinesfalls auf die bekannten Aushänge an den schwarzen Brettern verlassen sollte, die irgendwelche Doktorantenstellen anbieten. Meist verbergen sich hinter den Aushängen – so habe ich das jedenfalls erlebt und geschildert bekommen – die faulen Eier, die keiner so richtig haben möchte. Die wirklich interessanten Arbeiten werden nämlich intern vergeben oder von schlauen Studierenden im Vorfeld schon abgegriffen. Wichtig ist also, sich bei einem persönlichen Lieblingsthema z.B. Orthopädie, Biochemie oder Notfallmedizin rechtzeitig selbst ein wenig umzuhören, ob nicht irgendwo ein netter Professor gerade eine interessante Stelle frei hat.

DocCheck Campus: Und wie war es bei Dir?

Sebastian Franck: Ich hatte mich auch schon während der Vorklinik um eine Doktorarbeit bemüht. Wir hatten einen ziemlich netten Dozenten im Fach Physiologie – und da dies zu meinen absoluten Lieblingsfächern gehörte, habe ich ihn einfach mal auf das Thema Dissertation angesprochen. Der Professor war total angenehm überrascht, dass sich ein Student für ihn und sein Fach interessiert – das war ihm zuvor anscheinend noch nicht sehr oft passiert – und hat mich ein paar Tage später zu einem Gespräch in sein Büro gebeten. Dort haben wir gemeinsam über meine Interessen und seine Forschungsschwerpunkte diskutiert und ein Thema für eine spannende Dissertation gefunden. Leider muss ich anmerken, dass dieser Professor kurze Zeit später ins Ausland gegangen ist. Anfänglich hat er mich noch über die Ferne hin betreut, aber mittelfristig war die Arbeit somit zum Scheitern verurteilt. Nicht zuletzt auch deshalb, da ich in der Vorklinik zeitlich einfach viel zu eingebunden war, um die Arbeit zügig zu einem Ende zu bringen.

DocCheck Campus: Das klingt aber nicht so erfreulich. Wie ist es dann weitergegangen?

Sebastian Franck: Ich habe die Arbeiten an dem Thema dann schließlich beenden müssen und bis zum klinischen Abschnitt des Studiums gewartet, bis ich mich nach einem neuen Thema umgesehen habe.
Ich muss vielleicht anmerken, dass ich nicht zwingend an einer Publikation oder dem „Summa cum laude“ interessiert war und bin, sondern – auch wenn das vielleicht ein bisschen profan klingen mag – letztlich an dem Titel „Dr. med.“.

Während des Studiums in der Klinik habe ich dann mein Interesse für die Orthopädie entdeckt und mir auf diesem Fachgebiet eine statistische Arbeit besorgt. Auch diesmal natürlich nicht nach einem Aushang am schwarzen Brett, sondern wieder nach persönlichem Gespräch mit einem Professor in der Klinik. Diese Arbeit ist nun nicht das Anspruchvollste, aber ich habe trotzdem großen Spaß daran und denke, dass wir mit der Arbeit auf dem richtigen Weg liegen.

DocCheck Campus: Braucht ein Arzt denn überhaupt einen Doktortitel?

Sebastian Franck: Das ist eine gute und schwierige Frage! Eigentlich kann sich diese nur jeder selbst beantworten. Ich persönlich würde sagen: Ja, man sollte als Arzt schon einen Doktortitel führen. Leider ist in unserer Gesellschaft der Arztberuf immer noch nahezu untrennbar mit dem Gedanken an den „Onkel Doktor“ verbunden. Insofern möchte ich als später einmal praktizierender Arzt nicht so „nackt“ dastehen. Ich weiß auch nicht, inwieweit die Karriereleiter durch einen Titel beeinflusst werden kann oder nicht.
Einige meiner Bekannten praktizieren als Ärzte ohne den Doktortitel – und sie sind bestimmt keine schlechteren Mediziner dadurch. Für mich persönlich gehört der Titel aber nun einmal mit dazu…!

DocCheck Campus: Wir danken Dir herzlich für das interessante Gespräch und wünschen Dir noch viel Erfolg im PJ und bei Deiner Dissertation!

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