Antibiotikaresistenz: Wie erzieht man Vielverschreiber?

10. Oktober 2018

Weltweit wird versucht, Antibiotikaresistenzen zu bekämpfen. Um unnötige Verschreibungen zu vermeiden, geht man in anderen Ländern deutlich progressiver vor als hierzulande. So erhielten australische Hausärzte maßregelnde Briefe vom Gesundheitsministerium. Ob das funktioniert?

Manche Hausärzte verordnen voreiliger als andere, sagt Dr. Carolin Coch, Fachärztin für Innere Medizin in Bonn. „Das liegt zum Teil bestimmt auch am Sicherheitsdenken von Arzt und Patient sowie der Erwartungshaltung der Patienten,“ erklärt sie. Mit dieser Einschätzung ist sie nicht allein: „Das Problem sind oft die Erwartungshaltungen der Patienten an den Arzt und die Erforderlichkeit einer schnellen Abfertigung bei hohem Patientenaufkommen,“ ist auch Dr. Silja Kaweh sicher.

Sie ist Fachärztin für Allgemeinmedizin und arbeitet in einer Gemeinschaftspraxis in Düsseldorf. Dort hat sie ähnliche Erfahrungen wie Dr. Coch gemacht: „Viele Ärzte sehen sich oftmals unter Druck gesetzt, bei protrahiertem Krankheitsverlauf oder Ungeduld des Patienten ein Antibiotikum zu verschreiben.“ Sie beobachte außerdem ein voreiliges Handeln mancher Ärzte, die durch Antibiotikaverschreibungen versuchen, zu „verhindern, dass Patienten nochmal wieder kommen bzw. kommen müssen“. Die Befürchtung, viele Patienten würden erfahrungsgemäß einen zweiten oder dritten Termin zur Verlaufsbeobachtung nicht wahrnehmen, könnte ihrer Ansicht nach ein weiterer Grund für vorschnelle Verschreibungen sein.

Was Lösungsansätze angeht, ist man in anderen Ländern weit experimentierfreudiger als hierzulande. Zwei außergewöhnliche Modelle sind bereits im Einsatz. Sie haben zum Ziel, dass Ärzte weniger Rezepte für Antibiotika ausstellen. Die Strategien sind sehr unterschiedlich: In Australien werden Vielverschreiber auf ihr Verhalten hingewiesen, in Großbritannien werden Wenigverordner belohnt.

Modell 1: Australien

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Variante 3: Peer Comparison mit Grafik

Allein bei akuten Atemwegsinfektionen werden in Australien jährlich bis zu neun Mal mehr Antibiotika verschrieben, als in den Leitlinien empfohlen wird, so das Ergebnis einer Studie aus dem Vorjahr.

Die australische Regierung entschied sich im letzten Jahr deshalb, zu handeln. Ein neuer Ansatz wurde gewählt: der „behavioural economics approach“, im Deutschen als Verhaltensökonomik bezeichnet. Man machte sich also das Wissen darüber zunutze, wie Menschen sich in wirtschaftlichen Situationen verhalten.

Dabei stand vor allem das „Peer-Comparison-Prinzip“ im Vordergrund: Jede individuelle Person wird dazu angehalten, ihr eigenes Handeln und das der Masse miteinander zu vergleichen. Ein Beispiel aus der Praxis ist etwa ein Informationsschild in den Badezimmern von Hotels, auf dem so etwas steht wie „75 Prozent aller Gäste verwenden ihr Handtuch öfter als einmal.“ Der Vergleich mit den anderen soll Hotelgäste bei ihrer Entscheidung beeinflussen, um Ressourcen zu sparen.

Daraus entstand folgende ungewöhnliche Maßname: Jene Hausärzte, bei denen die Verschreibungsraten besonders hoch waren (die oberen 30 Prozent), erhielten einen Brief, in dem sie auf ihr Verhalten aufmerksam gemacht wurden. Sie wurden in fünf verschiedene Gruppen aufgeteilt: Es wurden vier unterschiedlich formulierte Schreiben verschickt, um zu sehen, welches am besten funktioniert. Die fünfte Gruppe diente als Kontrollgruppe und erhielt keinen Brief.

Variante 1: „Education-only Letter“ mit Zusatzmaterial
Ein Informationsschreiben inklusive zwei farbenfroh gestalteter Poster, die Ärzte und Patienten über Antibiotikaresistenzen aufklären.

Variante 2: „Education with peer comparison letter“ mit Zusatzmaterial
Ein Mix aus Informationsschreiben und dem Peer-Comparison-Prinzip. Das Schreiben beginnt mit dem Schlüsselsatz „Sie verschreiben mehr Antibiotika als x Prozent der Verschreibenden in Ihrer Region.“ Im Anschluss wird über Antibiotikaresistenzen informiert, außerdem liegen auch hier Poster bei.

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Sticker, Var. 4

Variante 3: „Peer Comparison Letter“ mit Grafik
Das Schreiben ist sehr knapp formuliert und enthält im Wesentlichen nur den erwähnten Schlüsselsatz. Dieser wird durch eine Grafik noch zusätzlich verdeutlicht.

Variante 4: „Peer Comparison Letter“ mit „Action Plan“ und „Sticker“
Hier bekommt der Arzt Infoblätter, die er Patienten mitgeben kann. Sie klären darüber auf, wann die Einnahme von Antibiotika nötig ist und wann nicht. Dazu gibt es ein Sticker, auf dem der Arzt vermerken kann, wieviele Tage der Patient abwarten soll, bis er zu Antibiotika greift. Im besten Fall ist die Einnahme zu diesem Zeitpunkt nicht mehr notwendig.

Laut Regierungsbericht war das Projekt erfolgreich. Schon in den nächsten sechs Folgemonaten gingen die Antibiotika-Verordnungen deutlich zurück:

 

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Verschreibungsverhalten in den Folgemonaten nach dem Versuch

 

Vergleicht man die unterschiedlichen Briefmodelle, wird deutlich, dass Variante zwei bis vier ähnlich erfolgreich waren: Das Informationsschreiben mit Peer Comparison bewirkte einen Rückgang von 9,3 Prozent bei den Verschreibungen.

Beim Peer Comparison, der mit Aktionsplan und Sticker kombiniert war, konnte ein Minus von 10,4 Prozent erreicht werden. Der größte Erfolg gelang mit Variante 3. Verglichen mit diesen Zahlen wirkt ein Rückgang von 3,2 Prozent an Verschreibungen bei den Ärzten die lediglich ein Informationsschreiben erhalten hatten, eher bescheiden. „Hätten wir das erfolgreichste Briefmodell an alle Gruppen (inklusive der Kontrollgruppe) geschickt, hätten wir geschätzt 208.510 Verschreibungen verhindern können“, heißt es in dem Bericht.

Modell 2: Großbritannien

In Großbritannien versucht man auf eine andere Weise, das Problem anzugehen: finanzielle Belohnung für jene, die es richtig machen. Laut Bericht des Wissenschaftsmagzins NewScientist integrierte die britische Regierung im Jahr 2015 das Thema Antibiotika im sogenannten „Quality Premium“. Das ist ein Bonus von 5 Pound (5,61 €) pro Patient, den Hausärzte erhalten, wenn sie innerhalb eines Jahres eine Reihe von Maßnahmen verbessern.

Dazu gehört nun auch, dass Hausärzte die Zahl verschriebener Antibiotika um mindestens 1 Prozent reduzieren mussten. Dieser Punkt entspricht 10 Prozent des Quality Premiums. Um den Bonus zu bekommen, muss man viele weitere Bedingungen erfüllen, zum Beispiel dürfen nie mehr als 18 Wochen vergehen zwischen dem Zeitpunkt einer ärztlichen Überweisung und der tatsächlichen Behandlung. Ein weiterer Punkt ist etwa, dass die behinderungsbereinigten Lebensjahre (DALY) reduziert werden müssen, auch er macht 10 % des Bonus aus.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie legt nahe, dass das Belohnungssystem funktioniert hat: Allgemeinärzte verschrieben sogar um 3 Prozent weniger Antibiotika bei unkomplizierten Atemwegserkrankungen, nachdem die Initiative eingeführt worden war. Um noch größere Erfolge zu erzielen, haben die NHS ihre Guidelines kürzlich überarbeitet und machen speziell auf unnötige Antibiotikaverschreibungen bei Harninfektionen aufmerksam.

Geht Agieren über Informieren?

„Ich persönlich könnte am meisten mit dem Australischen Modell anfangen,“ erklärt Coch – die Fachärztin für Innere Medizin aus Bonn. Gut daran sei der Informationscharakter, schließlich habe man als Arzt immer noch die freie Wahl, Antibiotika zu verschreiben oder nicht, denke aber vermutlich vermehrt darüber nach. Beim britischen System sieht sie die Gefahr, dass es als „Gehaltseinbuße“ verstanden werden könnte. Das Wohl der Patienten könnte dadurch in den Hintergrund rücken.

„Das direkte Konfrontieren der Ärzte finde ich besser, es spricht das Gewissen an und ist informativer,“ findet auch Dr. Kaweh, die Allgemeinmedizinerin aus Düsseldorf. Sie hält finanzielle Anreize in der Medizin ebenfalls für fehl am Platz. „Das birgt das Risiko, Antibiotika trotz möglicherweise bestehender Indikation dem Patienten vorzuenthalten – aus den falschen Gründen. Es wird aber Kollegen geben, die monetäre Anreize zu schätzen wissen,“ so ihre Argumentation.

Das Verschreibungsverhalten deutscher Ärzte

Bildschirmfoto 2018-09-18 um 09.59.57In der Humanmedizin kommen ca. 700-800 Tonnen Antibiotika pro Jahr zum Einsatz, steht im GERMAP von 2015. Der ambulante Bereich stellt 85 % des Gesamtverbrauchs dar. Im Jahr 2016 gaben die Apotheken vergleichbar viel Antibiotika ab wie in den Vorjahren: 12,6 definierte Tagesdosen pro 1000 Versicherte und Tag (dose per 1000 inhabitants per day, DID). „Das entspricht etwa dem Wert der Vorjahre: 2012 wurden rund 13,1 und 2014 rund 12,8 DID abgegeben. Das ergab eine Auswertung des Deutschen Arzneiprüfungsinstituts e. V. (DAPI),“ berichtete die ABDA im Vorjahr.

Überraschend sind die nicht nachvollziehbaren regionalen Unterschiede. Wie häufig Hausärzte Antibiotika verordnen, hängt anscheinend auch stark davon ab, in welchem Bundesland ihre Praxis ist, wie aus der Grafik (rechts) eines Newsletters des Verordnungsatlas von 2016 ersichtlich ist. So ist die Verschreibungsrate in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland deutlich höher als in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen. Um die Gründe dieser Unterschiede nachvollziehen zu können, bedarf es eines genaueren Blicks.

In der Tiermedizin hat sich der Antibiotikaverbrauch seit 2011 mehr als halbiert: 2011 waren es noch 1.706 Tonnen pro Jahr, 2016 nur noch 742 Tonnen, der Verbrauch ist also etwa so hoch wie in der Humanmedizin. In der Veterinärmedizin klappt es mit dem Einsparen von Antibiotika also ganz gut, während es in der Humanmedizin nur schleppend voran geht. Muss der Patient also erst davon überzeugt werden, dass es in vielen Fällen besser ist, auf die Einnahme von Antibiotika zu verzichen?

Ärzte wünschen sich Unterstützung – von Medien und Patienten

Ja, findet Dr. Bernhard Heyden-Rynsch. „Besonders bei Harnwegsinfekten sind resistente Erreger ein gravierendes Problem. Um Antibiotika einzusparen, sollte auch durch die Medien das Bewusstsein in der Bevölkerung für das Resistenzproblem geschärft werden, damit Patienten nicht auf einen Antibiotikaeinsatz drängen,“ betont der Facharzt für Allgemeinmedizin in Frellstedt. Auch Kaweh würde vor allem auf die Aufklärung von Patienten setzen und schlägt Info-Flyer in mehreren Sprachen vor.

Zudem hat Heyden-Rynsch zunehmend beobachtet, dass manche Patienten nicht nur hartnäckig sondern auch nicht ganz ehrlich wären, wenn es um das Thema Antibiotika geht. „Wenn diese ihre Beschwerden vehement beschreiben und auch die Krankheitsdauer anders darstellen, dann wird man als Arzt eher dazu verleitet, ein Antibiotikum aufzuschreiben.“

Was in solchen Situationen hilft: Mit den Patienten reden. „Ich gebe Patienten manchmal vor einem langen Wochenende ein Rezept für ein Antiobiotikum mit, kläre sie aber über die Nachteile auf und bitte sie, das Rezept nur bei einer Verschlechterung einzunehmen. Die meisten aufgeklärten Patienten berichten dann im Nachhinein oft stolz, dass sie ohne Antibiotikum ausgekommen sind,“ erzählt Kaweh.

Ähnlich handhabt es Heyden-Rynsch: „Ich spreche in solchen Fällen immer wieder mit den Patienten, und die meisten lassen sich auch überzeugen, wenn ein Antibiotikum aus medizinischer Sicht nicht erforderlich ist. Aber es gibt auch andere, die auf eine Verordnung drängen, wenn z. B. der Druck vorhanden ist, schnell wieder am Arbeitsplatz zu erscheinen. Hier wäre eine breitere Aufklärung auf jeden Fall hilfreich, denn die zur Verfügung stehende Zeit im Alltag ist ein Problem und verführt eventuell dazu, ein Antibiotikum aufzuschreiben, um nicht länger diskutieren zu müssen,“ erklärt Heyden-Rynsch die aktuelle Situation.

Coch wünscht sich eine umfassendere finanzielle Unterstützung im Praxisalltag. „Ich persönlich hätte gern die Möglichkeit, budgetneutral eine Laborkontrolle machen zu können, um zu entscheiden, ob wirklich eine Antibiotikatherapie nötig ist,“ sagt sie.

Immerhin: Kaweh beobachtet sowohl bei Ärzten als auch bei Patienten eine positive Wende im Umgang mit Antibiotika. „Ich habe den Einduck, dass die Verschreibungen zurückgehen. Ich denke, dass die jüngere Ärztegeneration etwas bewusster mit dem Thema umgeht. Mir fällt auf, dass vor allem die älteren Ärzte schneller zu Antibiotika greifen. Es gibt aber zumindest, soweit ich das für unsere Praxis bzw. Stadt beurteilen kann, auch immer mehr informierte Patienten, die auf Antibiotika verzichten wollen,“ erzählt die 45-jährige Allgemeinmedizinerin.

Lösungsversuche in Deutschland: eher einfallslos

Auch hierzulande versucht man, den Verbrauch von Antibiotika zu senken: Im Mai 2015 wurde die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie „DART 2020“ vom Bundeskabinett verabschiedet.

antibiotika-plakat

Plakat der Kampagne „Antibiotika gezielt einsetzen“

Es handelt sich um ein Bündel von Maßnahmen, die notwendig sind, um Antibiotika-Resistenzen zu reduzieren. Die Liste der vereinbarten Ziele kann man auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums im Detail nachlesen. Darin wird vor allem betont, dass erst noch weitere Daten benötigt werden, um das Problem besser verstehen zu können.

Ein Beispiel für Aktionen im kleineren Stil ist die Hamburger Öffentlichkeitskampagne „Antibiotika gezielt einsetzen“, die sich sowohl an Patienten als auch an Ärzte richtet. Plakate, die in U-Bahnstationen ausgehängt werden, Infoblätter in Apotheken, Abreißblöcke und mehrsprachige Patientenflyer in Wartezimmern von Arztpraxen – die Liste an bestehenden sowie verabredeten weiteren Maßnahmen erstreckt sich über sechs Seiten. Der Wille ist also da. Aber reichen Informationen und Weiterbildungen aus?

Der nächste Antibiotika-Report wird zeigen, ob Maßnahmen wie diese maßgeblich dazu beitragen können, Antibiotikaresistenzen einzudämmen. Allerdings scheinen auch offensivere Maßnahmen, wie sie in Australien und Großbritannien zum Einsatz kommen, vielversprechend zu sein und sollten zumindest auch als mögliche Optionen für Deutschland diskutiert werden.

 

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Bildquelle: chico945, flickr / Lizenz: CC BY
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10 Kommentare:

Mitarbeiter Industrie

Antibiotikaresistenzen….(Mehrzahl) Wie erzieht man Vielverschreiber ??
bereits die Überschrift….höchst kritikwürdig..
Das höchst bedeutungsvolle Thema hat viele Facetten:
1. Patienten die unbedingt AU für Wochen erreichen wollen nehmen selbst
bei schweren Erkrankungen, wo Antibiotikaeinsatz zwingend notwendig ist,
das Antibiotikum schlichtweg NICHT ein.
Um diesen Patienten Herr zu werden gibt es Tests die die Nichteinnahme
nachweisen.(Compliance)
2. Ärzte die die Möglichkeit, für wenige Cent, ein Antibiogramm zu erstellen
nicht nutzen handeln fahrlässig und sind für das Problem Resistenzen mit-
verantwortlich.
3. Die fleischproduzierende Industrie, incl. der Großmastbetriebe, mit ungezü-
geltem und ungezieltem Einsatz von Antibiotika ist ein Schwerpunkt des
massiven Problems….Vielverschreiber also keine Ärzte sondern profitgierige
Industrie.
4. Ärzte die sich eben NICHT laufend fortbilden, oder durch Pharmafirmen in
ihrem Verschreibungsverhalten massiv beeinflussen lassen, sind ebenfalls
ein Problem.
5. Das Internet eröffnet, seit Jahren, auch Tierärzten die breite Möglichkeit sich
gerade über Antibiotikaeinsatz konkret zu informieren.
6. Wenn der Profit ruft werden Tiere bereits wenige Tage nach dem letzten Be-
such des Tierarztes, trotz Antibiotikagabe, kurzfristig geschlachtet.
Wo bleibt die gesamtgesellschaftlich so bedeutende gesetzliche Kontrolle ??
7. Wenn bereits Kinderärzte in der Antibiotikatherapie bei Kindern an Grenzen
stoßen müsste endlich JETZT die Warnleuchte aufleuchten !!
8. Wie viele Patienten die ungehemmt Antibiotikarestbestände “einwerfen”
weil eine Krankmeldung existenzbedrohlich ist.
9. Wer kontrolliert die Antibiotikarückstände in importiertem Fleisch ?
Die Auflistung erhebt nicht mal im Ansatz Anspruch auf Vollständigkeit.
Wo bleibt der Selbsterhaltungstrieb der Menschheit ? wo ?

Ignoranz, gepaart mit Leichtfertigkeit, Unkenntnis, Profitgier vielerlei Gründe
machen das Problem aus…

#10 |
  3

Leider wird hier nicht auf die Europäische Initiative “ANTIBIOTIC STEWARDSHIP” (ABS) und auf den wiederholten “European Antibiotic Awareness Day” demnächst wieder am 18.11.2018 hingewiesen.

“A|B|S| Fortbildung
Die |A|B|S| Fortbildungsinitiative bemüht sich um die Planung und Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen für Mitarbeiter von Kliniken, in denen rationale Antibiotikatherapie als abteilungsübergreifendes Qualitätsziel definiert wurde. Sie soll durch eingehende Schulung von Apothekern und von ärztlichem Personal helfen, die Verordnungsqualität zu verbessern.

Kurskonzept: Der ABS basics-Kurs ist als Einsteigerkurs konzipiert und kann unabhängig von den anderen Kursen belegt werden. Er stellt zugleich die Qualifikation zum ABS-/Antibiotikabeauftragten Arzt (gemäß Curriculum der Bundesärztekammer) dar und wird inzwischen von mehreren Landesärztekammern angeboten. Die ABS-Kurse für Fortgeschrittene (fellow, advanced, expert) bauen inhaltlich aufeinander auf und sollen in dieser Reihenfolge belegt werden. Sie sind neben der Erstellung und Präsentation einer Projektarbeit für die Zertifizierung zum ABS-Experten verbindlich.”
http://www.antibiotic-stewardship.de/index.php?id=3

Noch vorletzte Woche habe ich an einer derartigen Fortbildung im Rahmen einer infektiologischen Fallkonferenz im Klinikum Dortmund (KLIDO) teilgenommen.

#9 |
  1
Heilpraktikerin

Ich habe durch eine unkontrollierte Antibiose mit 10 Jahren ein Lyell-Syndrom bekommen und habe es nicht nur nur sehr knapp überlebt sondren auch schwere Schäden davongetragen, die mich für den Rest meines Lebens erheblich beeinträchtigen. Nichtsdestotrotz verordnen mir die Ärzte immer wieder ohne Bedenken bei jedem grippalen Infekt wieder Antibiotika. Ich bin jetzt 54 und habe es nie andes erlebt!

Mit Mitte 30 ging es mir gesundheitlich so schlecht, dass ich auf Rat der Ärzte in EU-Rente gehen sollte. Das wollte ich auf keinen Fall und habe insgesamt alternative Behandlungsmöglicjkeiten gesucht und auch gefunden. Die Einzelheiten würden jetzt hier zu weit führen.

Es gibt definitiv Alternativen zu Antibiotika: diese wende ich (ich bin inzwishcen selbst Heilpraktikerin) konsequent an, wenn ich mal wieder eine schwere bakterielle Infektoin habe. Und ich hatte in den letzten 2,5 Jahren 5 schwere Lungenentzündungn! Keine davon habe ich mit Antibiotika behandelt! Der Heilungsverlauf wurde ärztlicherseits anhand des Rückgangs des sehr hohen CRP-Wertes kontrolliert. Jedesmal kam die Feststellung: “Sehr schön, das Antibiotikum hat gut gewirkt!” Sie wissen bis heute nicht, dass ich michselber mit meinen Mitteln behandelt habe! Es ist natürlich aufwendiger als einfach ein- oder zweimal am Tag ein Antibiotikum zu nehmen. Aber auch eine Bronchoskopie (man hatte einenTumor befürchtet) hat die Wirksamkeit bestätigt!

Ulrike Peitsch, Heilpraktikerin

#8 |
  15
Nichtmedizinische Berufe

ich habe noch nie die Erfahrung gemacht, dass Ärzte in Deutschland voreilig Antibiotika verschreiben , und ich habe schon im Norden und im Süden der Republik gewohnt.
Im Gegentil, die Verschreibungspraxis ist oft so vorsichtig, dass es nach hinten losging bzw dass die nötge Antibiotikabehandlung wesentlich länger und höher dosiert ausfallen musste , als es eventuell der Fall gewesen wäre , hätte man gleich Antibiotika eingesetzt ( nicht zu zählen das Leiden) Typische Beispiele sind Nierenbeckenentzündung nach Behandlung von Blasenentzündung mit Tee und Wärme, Lungenentzündung nach Behandlung einer Bronchitis mit dito und eine zugegebenermaßen seltene Hypoglossusparese durch eine übersehene Seitenstrangangina, die nicht mit einem AB behandelt wurde.( trotz massiven Wunsches meinerseits )
Ich frage mich also, wo Ärzte sind, die zu oft AB verschreiben?

#7 |
  4
Monika Metz
Monika Metz

#4 Dr. Büntig
Ich beglückwünsche Sie zu Ihrer Entscheidung. Ich war vor 4 Jahren leider nicht so schlau und habe Ciprofloxacin zur Behandlung einer bakteriologisch nicht geprüften Blasenreizung eingenommen. Leider mit ähnlichen Folgen wie bei Ihrer Freundin.
Unterstützung der Ärzte bezüglich dieses Themas- bisher leider null.

#6 |
  1

Die Verschreibungshäufigkeit ging also prozentual zurück. Wie verhielten sich daraufhin die Infektionskurven, die Krankheitsdauer, der Krankheitsverlauf? – Auch ich überlege jede Anwendung von Antibotika, überdenke die aktuelle Resistenzlage, aber wenn sie notwendig sind, sind sie einfach notwendig. Dies Ganze erinnert mich an die Schwarz-Weiß-Diskussion, als die Corticoide aufkamen. Zunächst wurde alles mit Cortison behandelt – eine befreundete Hautärztin hatte damals den Spitznamen “Cortisonbomber” – dann kam Cortison “Igittigitt” – erst dann kam man nach Jahren zu einem vernünftigen Umgang mit diesem Medikament.

#5 |
  1

Rückmeldung an einen namhaften Urologe:
Sehr verehrter Herr Kollege,
am [Datum] war ich bei Ihnen zur Beratung. Ich fand das Gespräch äußerst angenehm – auf Augenhöhe, Vertrauen einflößend, beruhigend.

Sie haben mir zur Vorbereitung eines Routineeingriffs ohne bakteriologische Prüfung Ciprofloxacin verschrieben. Nach Lektüre des Beipackzettels habe ich die Einnahme unterlassen. Darüber freue ich mich um so mehr, seit ich erfahren habe, dass eine Freundin, die wegen einer Blasenentzündung mit Fluorchinolonen behandelt worden war, von der Behandlung schwere multiple Sehnenschädigungen davongetragen hat, wegen derer sie mehrfach große Operationen durchmachen musste. Sie wird voraussichtlich für den Rest ihres Lebens nie wieder zu einem ihrer Vitalität entsprechenden Leben zurückfinden.

Durch Recherche im Internet erfuhr ich, dass diese Nebenwirkung so häufig ist, dass die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA sie als ein eigenes Krankheitsbild – die Fluoroquinolone-Associated-Disability (FQAD) – definiert hat. In den USA wird auf dem Beipackzettel des Antibiotikums mittels einer Black-Box-Warnung explizit darauf hingewiesen, dass das Mittel nur bei schwerwiegenden Symptomen eingenommen werden und niemals erste Wahl sein sollte. Laut Bekanntmachung der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft ist eine hohe Dunkelziffer vollendeter Suizide nach Fluorchinolonanwendung anzunehmen und so weiter.

Ich werde mich zur Weiterbehandlung Kollegen anvertrauen, die mit meiner Gesundheit achtsamer umgehen, zum Beispiel dadurch, dass sie eine Resistenzprüfung durchführen, bevor sie mir ein Letzte-Rettung-Mittel verschreiben.

Mit freundlichen Grüßen

#4 |
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Ferdinand Nießen
Ferdinand Nießen

Vielen Dank für den sehr informativen Artikel. Ich selbst bin Tierarzt und Inhaber einer Kleintierpraxis mit 6 Tierärzten. Anwendung von Antibiotika ist unser Tagesgeschäft. Allerdings gezielt und so selten wie möglich. Aufklärung des Besitzers, zuhören, sich Zeit nehmen und andere Optionen bieten hat sich bewährt. Dadurch dass in meiner Praxis sehr viel mit Akupunktur, chinesischer Ernährungs- und Kräutermedzin, sowie Homotoxokologie gearbeitet wird, konnten wir die letzten Jahrzehnte den Einsatz von Antibiotika stark reduzieren.
Es ist ein langsamer aber stetiger Prozess. Leider habe viele rein schulmedizinisch arbeitenden Kollegen eine vollkommene Ablehnung gegenüber ganzheitlicher Medizin. Ihr Einfluss macht sich immer mehr in der gesetzlichen Einschränkung der Anwendung von Kräutern sichtbar.
Ich kann nur aus meiner persönlichen Erfahrung sagen, weniger Einsatz von Antibiotika in einem ganzheitlichen Kontext führt zu mehr Gesundheit!

#3 |
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Ein schönes Beispiel für die Oberflächlichkeit dieser Arbeiten. Interessant wär doch einfach mal die simple Korrelation zwischen Schadstoffbelastung der
Luft den damit korrelierten pulmonalen Krankheitsbildern und Häufigkeit des Antibiotika-Einsatzes. Da sieht die Situation zweifelsohne anders aus, wenn mal mal z.b. NRW und Mecklenburg vergleicht. Interessant wäre auch eine Korrelation mit den regionalen Laborbudgets. Bislang war ich in NRW ziehmlich
blöd, wenn ich vor Antibiotika-Einsatz eine Labor-Diff-Diagnostik eingeleitet habe. Das hat mich bislang immer meinen vollständigen Labor-Bonus gekostet.

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Dr. med. Ovidiu Kiss
Dr. med. Ovidiu Kiss

Ich freue mich sehr das auch ein Vergleich mit dem Veterinärmedizin Verbrauch letztendlich betrachtet werden.
Ich weiss schon das vor einem Jahr, in mein Wohnkreis ein Veterinär allein ca. 82 Tonen Antibiotika gebraucht hat, er ist aber nicht der einzige in der Kreis, und er betreut nicht alle Betriebe oder Haus Tiere.
Weiter ich weiss von ungefähr 3 Kläranlage in deutsche Raum welche gezielt die Antibiotika aus dem Abwässer entziehen, der Rest von keine Ahnung wie vielen zich Tausende gar nicht.
Dann Frage ich mich ohne die medizinische Begründung eine Antibiotikatherapie aus der Auge zu verlieren wo liegt der größte Teil der Problem? In der nicht ganz so sichere Therapie Weg einigen Kollegen oder eher in der absolut Ihre Art mit Antibiotika Umgang allgemein?
Hat Mann überhaupt noch das Mut unsere Gewässer, Ozeane auf Antibiotika Belastung zu untersuchen?

#1 |
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