Amalgam: Gefahr im Hochfeld-MRT?

12. Juli 2018

Magnetresonanztomografen mit hohen Feldstärken werden in der Bildgebung immer beliebter. Sie haben allerdings ihre Schattenseiten: Bei Messungen werden größere Quecksilbermengen aus Dentalamalgam freigesetzt. Ob Gefahren für Patienten drohen, ist fraglich.

Amalgamfüllungen sind seit Jahrzehnten ein fester und gleichermaßen umstrittener Bestandteil der Zahnmedizin. Laut EU-Quecksilber-Verordnung darf Amalgam seit dem 01. Juli 2018 nicht mehr bei Milchzähnen, bei Kindern unter 15 Jahren, bei Schwangeren oder Stillenden verwendet werden. Davon sind Fälle ausgenommen, bei denen Zahnärzte das Material für „zwingend notwendig“ erachten, heißt es weiter.

Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hingegen bewertet Amalgamfüllungen bei Erwachsenen und bei Kindern ab sechs Jahren als sicher. Sie argumentiert, nur geringe Quecksilbermengen würden freigesetzt. Speziell bei Hochfeld-MRTs gibt es neue Zweifel, berichtet Selmi Yilmaz von der Akdeniz University Antalya.

Versuche mit künstlichen Zähnen

„In vollständig ausgehärtetem Amalgam wird etwa 48 Stunden nach dem Auftragen auf die Zähne Quecksilber gebunden, und die Oberfläche der Füllung überzieht sich mit einer Oxidfilmschicht“, so Yilmaz. „Daher ist die Quecksilberleckage minimal.“ Älteren Arbeiten zufolge sei schon bei schwächeren Magnetfeldern von 1,5 Tesla (T) mit dem Austritt des Schwermetalls zu rechnen. Die neue Generation an hochauflösenden 7-T-MRT-Scannern sei bislang nicht untersucht worden.

Um mehr zu erfahren, experimentierte Yilmaz mit extrahierten Zähnen. Er füllte Kavitäten mit handelsüblichem Dentalamalgam und wartete neun Tage, damit sich die Legierung mit einer Oxidschicht überzog. Danach gab er je 20 präparierte Zähne in künstlichen Speichel und gab sie in einen 1,5-T- oder 7-T-MRT-Scanner. Die Messzeit lag bei 20 Minuten.

Zur Kontrolle wurden weitere Zähne nur in künstlichem Speichel platziert, aber nicht einem Magnetfeld ausgesetzt. Die Quecksilberkonzentration lag bei 0,67 ppm (7 T-MRT-Scanner), 0,17 ppm (1,5 T-MRT-Scanner) und 0,14 ppm (Kontrolle ohne Magnetfeld). Yilmaz vermutet als Grund stärkere elektrochemische Korrosionen, die durch Magnetfelder induziert würden.

Unklare Auswirkungen

Der Unterschied zwischen den drei Messungen war statistisch signifikant. Ob die Menge an freigesetztem Quecksilber klinisch relevant ist, bleibt offen. „Es ist jedoch nicht klar, wie viel Quecksilber durch den Körper aufgenommen wird“, kommentiert Yilmaz. Da in der 1,5-T-Gruppe keine Hinweise auf größere Quecksilberkonzentrationen gefunden wurden, sollten Patienten mit Amalgamfüllungen nicht übermäßig per Hochfeld-MRT untersucht werden.

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Bildquelle: Kauzio, Wikimedia Commons / Lizenz: CC0

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8 Kommentare:

Nichtmedizinische Berufe

Ich lasse mir, wo es möglich ist, noch heute Amalgamfüllungen machen.

#8 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ich bin ein Fan von Amalgamfüllungen. Sie halten extrem lang. Ich habe einige,die sind 35 Jahre alt.
MRT Geräte mit mehr als 1,5 T sind noch selten und die Frage, ob die Radiologen damit wirklich mehr sehen, für mich unklar.

#7 |
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Krankenpflegehelfer

Ich habe als Kind viele Quecksilber -Füllungen erhalten, Zähne wurden, wegen Zahn-Schiefstand und die dadurch entstandene Abnutzung , damit aufgebaut.
Ich hatte als Kind bereits Migräneanfälle und mit 17J. wurde ich zur Brillenträgerin (bis zur Gleitsichtbrille )
Vor ca 18 Jahren alle Quecksilber-Füllungen raus , Quecksilber- Ausleitung durchgeführt.
Folge: keine typischen Migränanfälle und keine Brille.
Zum Glück lebe ich in Deutschland. Somit hat das keine Folgen ( bzgl Klagen) für die Gesundheitskassen. Seit einigen Jahren haben die Kassen die Verantwortung für evtl.Folgeschäden bei Amalgam an die Zahnärzte abgetreten.
Früher wurden MRT’s selten gemacht, aber wenn es gemacht wurde, dann hatte sich 1 Amalgam-Füllung immer in Bewegung gesetzt. Bei Nachfrage in der Radiologie, das kann nicht sein…..

#6 |
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Unklar bleibt, in welcher Form die Freisetzung erfolgt, gasförmig wäre toxisch, metallisch wäre recht unproblematisch. Soweit ich den Artikel verstehe, ist Gesamtquecksilber nach 24 Stunden gemessen worden. In Anbetracht der geringen Gesamtmenge und der Seltenheit von MRT-Untersuchungen ist das Thema klinisch eher nebensächlich.

#5 |
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Heilpraktikerin

Ich hatte soviel Quecksilber in meinem Speichel, dass ich ihn laut Laborbefund nicht hätte schlucken dürfen…wie kann man da behaupten, dass nur geringe Mengen Quecksilber aus Amalgamfüllungen freigesetzt werden?!

#4 |
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Heilpraktiker

# Dr Flottmeier
Es wird noch Jahrzehnte andauern bis kein amalgam ehr zu finden ist.
Erstens ist es immer noch nicht verboten und zweitens kommen etliche Erwachsene die noch haufenweise dieser Quecksoílberhaltigen Füllungen im MUnd- und Kieferbereich haben zu mir in die Praxis.
Oft haben diese Beschwerden , welche sich nach einer Amalgamentfernung mit begleiteter Ausleitung verbessern. Gefühlt dauert es also noch ca 30 Jahre bis sich das erübrigt.

#3 |
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Da Amalgam kaum noch in Duetschland verarbeitet wird und auch die Anzahl der Patienten mit AgF immer weiter abnimmt und die Jugend sowieso kaum noch Füllungen hat, wird sich das Problem von alleine lösen…

#2 |
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Amalgam ist kein Mengenproblem. Im Gegenteil sind kleinste Moleküle, die aktiviert und/oder ionisiert oder gasförmig sind, gefährlicher. Sie durchdringen die Blut-Hirn-Schranke. Daher weiss jeder gute Zahnarzt, dass man beim Herausbohren keine hochtourigen Bohrer verwenden sollte.

#1 |
  6


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