ADHS: Zu Tisch, es gibt Ritalin

28. Juni 2018

Medikamente bekamen ADHS-Patienten bislang nur bei besonders starken Symptomen. Das soll sich ändern: In der neu erschienenen Leitlinie spielt die Pharmakotherapie eine größere Rolle. Die Medikation beginnt nun schon bei moderater ADHS-Ausprägung. Was sagen Experten?

Das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) gehört bei Kindern zu den am häufigsten diagnostizierten neuropsychischen Störungen. Viele Kinder mit ADHS haben noch im Erwachsenenalter Probleme. Teilweise diagnostizieren Ärzte die Erkrankung auch erst in späteren Jahren. Die Ursachen von ADHS sind bis heute unklar.

Jetzt gibt es eine neue Leitlinie. Sie heißt Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und wurde von 30 Fachgesellschaften unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) veröffentlicht. Das diagnostische und therapeutische Ziel sind Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen.

Die neue Leitlinie erreicht erstmals den höchsten Entwicklungsgrad, nämlich S3. In diesem Grad schreibt die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) ein umfangreiches Prozedere bei der Literaturrecherche, der Auswertung und bei der Konsensbildung vor. Gleichzeitig führt die Einbindung aller direkt oder indirekt beteiligten Akteure zum größtmöglichen Konsens unterschiedlicher Fachbereiche.

Nur Experten dürfen diagnostizieren

Als typische Merkmale nennen die Leitlinienautoren Aufmerksamkeitsstörungen, Impulsivität beziehungsweise Hyperaktivität – und zwar situationsübergreifend, beispielsweise in der Schule und in der Freizeit. Wichtig sei auch der Leidensdruck, heißt es weiter. Dazu gehören schlechte Leistungen in der Schule, Probleme im Beruf oder die soziale Isolation.

Bei solchen Auffälligkeiten fordern die Autoren eine umfassende Diagnostik durch Experten, um ADHS von anderen Störungsbildern wie Depressionen oder Angststörungen abzugrenzen. Das kann bei jungen Patienten ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder ein speziell ausgebildeter Kinderarzt sein.

Fehldiagnosen: Fachleute im Test

Als einer der wenigen kritischen Stimmen warnt Professor Dr. Silvia Schneider: „ADHS wird häufig überdiagnostiziert – auch von Experten“. Sie ist Forscherin an der Arbeitseinheit Klinische Kinder- und Jugendpsychologie der Ruhr-Universität Bochum. Zusammen mit Kollegen hat Schneider im Jahr 2012 eine viel beachtete Studie veröffentlicht. Damals erhielten 473 Kinder- und Jugendpsychotherapeuten beziehungsweise Kinderpsychiater aus Deutschland je eine von vier unterschiedlichen Fallgeschichten weiblicher oder männlicher Patienten. Sie sollten eine Diagnose und eine Therapie vorschlagen. Nur jeder vierte Fall enthielt starke Anhaltspunkte für ADHS.

Bei der Fallgeschichte 1 (ADHS) stellten 78,9% tatsächlich eine ADHS-Diagnose und weitere 4,4% eine ADHS-Verdachtsdiagnose. Bei den Fallgeschichten 2 bis 4 (kein ADHS) waren sich 16,7% sicher, das Krankheitsbild vor sich zu haben, und 5,8% äußerten zumindest den Verdacht. Studienteilnehmer diagnostizierten bei den Fällen 2 bis 4 doppelt so oft falsch ADHS, falls der Bericht einen Jungennamen enthielt. „Viele Kinder- und Jugendpsychotherapeuten und -psychiater gehen dabei offensichtlich eher heuristisch vor und entscheiden nach prototypischen Symptomen“, kommentierten Schneider et al. in einer Pressemeldung. „Der Prototyp ist männlich und zeigt Symptome von motorischer Unruhe, mangelnder Konzentration oder Impulsivität.“ Außerdem diagnostizieren männliche Therapeuten signifikant häufiger ADHS als weibliche.

„Bei Mädchen mit einer ADHS äußert sich die Störung weniger durch Hyperaktivität und Aggressionen, sondern mehr durch innere Unruhe, andauerndes Reden und durch starke emotionale Schwankungen“, bestätigt Dr. Klaus Skrodzki vom Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. „Vergesslichkeit, mangelnde Selbstorganisation, Tagträumerei, langsames Arbeitstempo, niedriges Selbstbewusstsein, Ängstlichkeit und Mutlosigkeit fallen weniger ins Auge als die typischen Verhaltensstörungen bei Jungen mit einer ADHS.“

Ob eine neue Leitlinie altbekannte Probleme lösen wird, ist fraglich. Schneiders Beispielfälle orientierten sich schon damals an Leitlinien. Nur haben sich zu wenige Therapeuten mit den Empfehlungen befasst.

„Würde es als Kunstfehler ansehen, ADHS-Patienten Medikamente vorzuenthalten“

Im Unterschied zu früheren Empfehlungen rät die aktuelle Leitlinie dazu, schon bei mittelschweren Krankheitsformen Pharmaka einzusetzen. Zu den wichtigsten Substanzen gehören Methylphenidat, Atomoxetin, Lisdexamphetamin und Guanfacin. Bislang galt die Empfehlung nur für schwere Ausprägungen. Bei geringeren Beschwerden standen Verhaltenstherapien im Mittelpunkt.

Laut Professor Dr. Dr. Tobias Banaschewski vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim und von der DGKJP werde sich durch die Empfehlung aber wenig ändern. Das Vorgehen sei bereits „gängige Praxis“. Banaschewski weiter: „Die Auswertung der aktuellen Datenlage hat gezeigt, dass die Wirksamkeit der Verhaltenstherapie auf die Kernsymptome der ADHS nicht sicher belegt ist, in der Praxis die Symptomatik häufig nicht ausreichend gebessert wird.“

Ralph Schliewenz vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) ergänzt: „Ich würde es quasi als Kunstfehler ansehen, ADHS-Patienten Medikamente vorzuenthalten.“ Allerdings dürfe es „keine Medikation ohne begleitende Psychotherapie“ geben. Auch ein Training von Betroffenen sowie deren Eltern wird empfohlen. Gleichzeitig warnt Schliewenz vor vermeintlichen Zauberpillen gegen ADHS: „Medikamente wirken immer nur so lange, wie man sie nimmt. Sie allein können die mit ADHS einhergehenden Probleme nicht beseitigen.“ Selbst kritisch eingestellte Experten wie Professor Dr. Manfred Döpfner, Kinderpsychologe an der Uni Köln, sehen einen Mehrwert: „Die Kernsymptome der ADHS, die Hibbeligkeit und Unkonzentriertheit, sind ohne Medikamente schwer in den Griff zu bekommen“, erklärt er gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Medikamente zu stark im Fokus?

Schneider zweifelt mit Hinweis auf eine Analyse der Cochrane Collaboration am Mehrwert von Pharmaka. Pablo Luis Lopez zufolge verringerten sich ADHS-Kernsymptome bei erwachsenen Patienten mit kognitiver Verhaltenstherapie versus Verhaltenstherapie plus Pharmakotherapie ähnlich stark. Zu sekundären Störungen, etwa Angst oder Depression, gibt es keine Angaben.

Außerdem hat Ole Jakob Storebø von der Cochrane Collaboration Ergebnisse eine Analyse zu unerwünschten Auswirkungen veröffentlicht. „Methylphenidat könnte mit einigen schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen verbunden sein“, schreibt Storebø. Dazu zählen psychische Störungen und Arrhytmien. Der Experte fand zusätzlich „eine große Anzahl von anderen, nicht-schwerwiegenden schädlichen Auswirkungen“, wie Schlafstörungen, Kopf- und Bauchschmerzen. Gleichzeitig weist er auf die „sehr niedrige Qualität und Evidenz“ vieler Studien hin. Er fordert, Subgruppen zu identifizieren, die besonders stark von Methlyphenidat profitieren oder denen der Arzneistoff auffällig stark schadet.

In beiden Fällen sind viele der eingeschlossenen Studien methodisch schlecht, so dass die Aussagen nur geringe Evidenz haben. Ganz vom Tisch wischen lassen sich die Ergebnisse dennoch nicht.

67 Wertungen (4.25 ø)
Bildquelle: Wicker Paradise, flickr / Lizenz: CC BY

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49 Kommentare:

Nichtmedizinische Berufe

zu den doch sehr unterschiedlichen pharmakologischen Eigenschaften der verschiedenen Stimulantien noch das hier:

Zwischen Methylphenidat, Amphetamin bzw. Dexamphetamin bzw. Lisdexamphetamin, Methamphetamin, Kokain, Captagon ( heute Panzerschokolade für IS-Kämpfer) , Modafinil etc. bestehen jeweils relevante pharmakologische Unterschiede. Methamphetamin , einst als Panzerschokolade bzw. Pervitin für Wehrmachtspiloten auf den Markt gebracht und später mutmaßlich beim Wunder von Bern und durch John F. Kennedy ( Dr. Feelgood) missbraucht – nebenbei soll Kennedy auch ADHS (leichtgradig) gehabt haben, auf dem ADHS-Weltkongress in Glasgow 2015 gab es ein Theatherstück zur Kindheit und Jugend von J.F. Kennedy http://kolleg-dat.de/wp-content/uploads/2016/pdf/Glasgow-Report-2015-CordulaNeuhaus%20(3).pdf (S. 48 von 71: “Eine “Glanznummer” – Ein diagnostisches Interview des 21-jährigen JFK (gespielt durch einen jungen Wissenschaftler Ryan Kennedy) durch Prof. Thomas Brown (Yale University)”) , macht aufgrund der Methylierung abhängig, Amphetamin wiederum lange nicht in dem Ausmaß. Für Methylphenidat ist weltweit kein einziger Fall von Abhängigkeit bekannt. Der Blick auf das Detail ist (wie immer) angebracht.

#49 |
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Nichtmedizinische Berufe

Was diese ganze Hirndoping, Neuro-Enhancement,-Gespensterdebatte angeht, diese wird ja vor allem in der linken Hälfte des politischen Spektrums gerne aufgegriffen und für pauschale Kapitalismus-Kritik verwendet, nach dem Motto: “Die Mama von dem ADHS-Kind, die will halt zu viel vom Leben und wenn sie nicht ihre 3 Nebenjobs gleichzeitig machen würde, um sich die 3-malige Urlaubsreise pro Jahr zu finanzieren, dann hätte sie auch wieder mehr Zeit für das ADHS-Kind und das ADHS-Kind bräuchte dann kein Ritalin mehr.” Zuwendung statt Ritalin. Ja, schön, wenn es so einfach wäre. Solche ad-hoc Verurteilungen, die kamen in der Vergangenheit oft gerade von linksliberalen Journalisten wie Guido Bohsem von der Süddeutschen, die einer wohlhabenden städtischen Elite bzw. Münchener Schickeria angehören und die sich im Gegensatz zu den allermeisten Familien in Deutschland tatsächlich eine 3-malige Urlaubsreise im Jahr leisten können.
Es wir letztendlich bei dieser Gespensterdebatte um Hirndoping das komplexe Thema ADHS und Ritalin (und um nichts anderes geht es dabei, Modafinil ist sehr nachrangig und dient nur als Alibi, um zu verschleiern, dass es nur um Ritalin geht) vermischt mit pauschaler Kapitalismus-Kritik. Nichts gegen eine mitfühlendere Welt, nichts gegen Entschleunigung und Muse, aber an die vielen leider auch Ärzte und sonstige “Fachleute”, die bei ADHS und Ritalin und wieder auch hier vorschnell vorurteilen: erst mal schlau machen und dann erst reden.

#48 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

Die Behauptung, ADHS wäre die Folge von Erziehungsfehlern, ist seit langen zweifelsfrei widerlegt. ADHS ist letztlich ein Bündel von angeborenen Eigenschaften, die in der heutigen Zeit vielerorts wenig erwünscht sind. Die Frage, die bleibt, ist, wie man den Betroffenen hilft, trotzdem zurecht zu kommen. Medikation erscheint hierbei vordergründig als die einfachere und effektivere Lösung, geht allerdings mit erheblichen Nebenwirkungen einher und ändert auch nichts an der Grundlage des Problems. Ziel sollte daher immer sein, eine beiderseitige Anpassung (Betroffener und Umgebung) zu erreichen, ohne dauerhafte Medikation. Ob dies mithilfe pädagogischer, psychologischer oder sonstiger Methoden gelingt, ist unwichtig, solange die beteiligten Personen gut damit zurecht kommen.

#47 |
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Nichtmedizinische Berufe

Die erste Stelle:Pädagogik
“Nur Experten dürfen diagnostizieren”,
zitiere ich aus obigem Artikel und stimme, warnend vor voreiligen, vorurteilsbeladenen, subjektiv belasteten Fehldiagnosen etc. dem vollauf zu.Diagnosen können hier einen Ruin für den Lebenslauf des fälschlich Diagnostizierten bedeuten.Ich liebe die Freiheit des als Einzigen erkannten Einzigen.Ja, gut , sage ich, jetzt haben wir Ritalin-auf , kommt zu Tisch:
Und ich halte das für in vielen Fällen doch angemessen.Aber das Psychopharmakon wird erst mal nur formal-qualitativ seine Wirkung entfalten:Eine inhaltliche Klärung der Problematik sollte nachfolgen.Da es sich meinem erachten nach zuförderst mal um ein vorrangig pädagigisches Problem handelt:Also was tun mit den immer unaufmerksamen Störenfrieden?-, so sind klarer weise auch die Pädagogen die zuallerst Gefragten:Zudem diejenigen, die nach sich selbst ebenso zu fragen haben wie objektiv nach dem, woran dem Zögling es ermangelt.Erkenne Dich selbst-lautet die uralte Formel:Und beurteile sodann , was ausser Dir selbst liegt.Pädagogische Methoden, die sanft und gut wirken, sind auch zuerst eben gefragt.Etc.Scheint einfach so gesagt zu sein, sicher,stimmt.

#46 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

Comedians sagen bei ihren Auftritten auswendig gelernte Texte auf. Bei Mittermeier sehe ich keinerlei Hinweise auf ADHS, dann eher schon bei Stefan Raab.

#45 |
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Nichtmedizinische Berufe

Negative Aspekte der Impulsivität bei ADHS sind nun im Alltag aber natürlich klar in der Überzahl oder z.B. im Gerichtssaal wäre das mit katastrophalen Folgen (solch einen Anwalt, denn will niemand haben) verbunden, unbedachte Äußerungen auch im Alltag sind schnell daher gesagt und oftmals aber umso folgenschwerer. Auch in der Sportwelt gibt es natürlich Fälle von unkontrollierter Impulsivität bei ADHS mit zwar Unterhaltungswert , aber für den Betroffenen eher negativen Konsequenzen:
https://www.youtube.com/watch?v=A4-ijCRx-6c
diese Person in dem Video soll mit mittlerweile mit ADHS ärztlich diagnostiziert sein.

#44 |
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Nichtmedizinische Berufe

https://www.stern.de/gesundheit/gesund-leben/eckart-von-hirschhausen/eckart-von-hirschhausen–humor-ist–wenn-man-spaeter-kommt-3808736.html

und gerade als Comedian ist es doch eher ein Hindernis, wenn man jeden Satz 3 mal abschmeckt, bevor man ihn ausspricht. Da fackelt man nicht lange und spontan raus damit, wobei Mittermeier da jetzt ein viel passenderes Beispiel wäre.

#43 |
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Nichtmedizinische Berufe

Kraftausdrücke und Fluchen sind nun mitnichten spezifisch für ADHS aber für die Mehrheit der Fälle von ADHS zumindest auffallend häufig bis sogar charakteristisch (was nicht heißt, dass es nicht auch viele eher soziophobe entsprechende Personen gibt, die sich sozial gar nichts trauen ). Bei ADHS wird eben aufgrund der Impulsivität bzw. positiv betrachtet Spontaneität kein Blatt vor den Mund genommen: https://www.youtube.com/watch?v=dt6U8co2ElE
… er hat dann ca. 10 Sekunden später (nicht mehr drin in dem Video, aber kann man googlen, dass er das noch dazu gesagt hat) noch grinsend gesagt “ich wollt´eigentlich gar nichts dazu sagen…” (über Sammer) , aber er konnte den entsprechenden Impuls wohl nicht kontrollieren. Auch diese Spontaneität bei ADHS ( in dem Fall leichtgradig und ohne pathologische Relevanz) erzeugt Charisma und positive Ausstrahlung.

#42 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

Fluchen ist keineswegs pathognostisch für BPS.

#41 |
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Nichtmedizinische Berufe

Die Kommentare sind sehr ambivalent gehalten, oft aber beinhalten sie eine Warnung vor Ritalin.
Ich zitiere:”Ralph Schliewenz vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) ergänzt: „Ich würde es quasi als Kunstfehler ansehen, ADHS-Patienten Medikamente vorzuenthalten.“Weiter:”Allerdings dürfe es „keine Medikation ohne begleitende Psychotherapie“ geben”.und auch zitiere ich aus obigem Artikel das Zitat:”„Bei Mädchen mit einer ADHS äußert sich die Störung weniger durch Hyperaktivität und Aggressionen, sondern mehr durch innere Unruhe, andauerndes Reden und durch starke emotionale Schwankungen“, bestätigt Dr. Klaus Skrodzki vom Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. „Vergesslichkeit, mangelnde Selbstorganisation, Tagträumerei, langsames Arbeitstempo, niedriges Selbstbewusstsein, Ängstlichkeit und Mutlosigkeit fallen weniger ins Auge als die typischen Verhaltensstörungen bei Jungen mit einer ADHS.“
Ja, klar, die Unterschiede bei den Geschlechtern (Mädchen/Junge) liegen in der Natur.Sollten aber nicht überbewertet werden, sondern akzeptieren, dass das von Natur aus so ist.
Dass eine begleitende Psychotherapie zur bloß pharmazeutischen indiziert sei, muß ganz klar bejaht werden:Das vernünftig-heiligende Gespräch gehört dazu, weil theologisch der wahre Arzt hinter dem Arzt immer der Logos Gottes ist.Ich als Freund der Pharmaka befürworte stets ein einsichtiges Abwägen zwischen pro und contra.
Aber andersherum erinnere ich mich(bin Jahrgang 1962), wie ebenso Pädagogen extrem überaffektiert auf diese Störungen des Unterrichts reagierten:Einer zerschmetterte im Zorn seine Blockflöte durch Hinhauen auf den Pult, zu anderer stunde warf er einen trommelschläger wütend in die Zimmerecke, so dass er in drei Teile zerbrach, schlug auch nach dem damals erst aktuellen Verbot immer noch Zöglinge.Jahre später, in der Oberstufe, fluchte ein Lehrer wann es nur ging, so dass ich sage , so einen schlimmst fluchenden Menschen habe ich noch seltens kennengelernt:Der fluchte keinen Schüler an, nur so herum.Beging irgendwann Selbstmord.Usf usf…etc.Also reflektiert sei:Wer urteilt und stimmt das mit dem beurteilten überein?Das ist alles gar nicht so einfach, sondern will tiefst durchdacht sein.

#40 |
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Nichtmedizinische Berufe

Wenn die Symptome nicht wirklich schwer und eindeutig sind, ist das sehr schwierig zu diagnostizieren ( ich mache keine ärztliche Diagnostik, ich schicke aber Schüler bei Verdacht zur Diagnose): Jungen könnten ADHS haben, manchmal ist es aber auch nur sehr ausgeprägtes jungentypisches Verhalten – können sie bei einer Sache, die sie interessiert, bei sich bleiben, ist es dann eher keines….. Einige meiner kleinen Südländer sind sehr impulsiv, hibbelig und stehen gerne im Mittelpunkt – das ist die Erziehung und kulturell bedingt, also KEINE Erkrankung.
“Bei Mädchen mit einer ADHS äußert sich die Störung weniger durch Hyperaktivität und Aggressionen, sondern mehr durch innere Unruhe, andauerndes Reden und durch starke emotionale Schwankungen“, – das wäre dann eher so ein Pippi-Langstrumpf – Typ , oder?
Ich weiss, dass Ritalin bei schwerer Krankheit ein Segen sein kann , aber bei moderaten Fällen häufen sich dann auch die Fehldiagnosen , und man hat noch gar keine Langzeitstudien , wie Ritalin auf ein sich entwickelndes Gehirn wirkt….nachher werden da irreversible Schäden angerichtet….zumal lernt das Kind ” Ich stimme nicht. Ich bin nicht richtig, wie ich bin und muss deshalb Medikamente nehmen.”

#39 |
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Tierheilpraktikerin

Zuerst bekommen unsere Kinder immer mehr Aufputschmittel über die tägliche Nahrung, dann Ritalin zur Beruhigung. Vollgas und bremsen gleichzeitig. Wäre es nicht besser, zuerst die Aufputschmittel wegzulassen, die da wären: Glutamat, Hefeextrakt, Kakao/Schokolade, Grüntee, Schwarztee, Cola, Kaffee, Guarana usw.? Dazu ausreichend Bewegung, ggf. auch während des Unterrichts. Wenn dann immer noch hoher Leidensdruck besteht, kann immer noch über eine weitere Behandlung mit was auch immer nachgedacht werden. Zuerst sollten aber alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, die nicht schaden.

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Annika Diederichs
Annika Diederichs

ADHS ist eine Normvariante, die unter bestimmten Bedingungen krankheitswertig erscheinen kann. Eine dieser Bedigungen ist unser Schulsystem, das Stillsitzen belohnt und lebhaftes(!) Interesse sanktioniert. In anderen Gesellschaftsbereichen ist es ähnlich, da werden ADHStypische Stärken negativ bewertet wohingegen je nach Status (kleiner Angestellter oder Topmanager) bspw. entweder blinde Unterordnung oder eine antisoziale Persönlichkeit als besonders wünschenswert angesehen werden.

#37 |
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Nichtmedizinische Berufe

@ Dr. Wolfgang Witter-Taubenhofer : wer einen Doktortitel gemacht hat mit rer. nat. , der kennt sich doch sicher aus mit wissenschaftlichen Standards , Plattitüden wie ihr Kommentar hier darunter, die erfüllen nun siche nicht Kriterien von Wissenschaftlichkeit und sind unwissenschaftlich.

Ob ADHS nun eine Krankheit oder schlicht eine Persönlichkeitsvariante ist, das ist abhängig von Schweregrad , Sozialisation , primären Komorbiditäten (Kurt Cobain z.B. hatte Bipolare Störung und parallel und unabhängig dazu ADHS ) und natürlich wegen Sozialisation somit auch den Umweltbedingungen. Nun sind die Umweltbedingungen im 21. Jahrhundert mit Whatsapp und der allgemeinen Beschleunigung nun sicher andere, als diejenigen, mit denen ein englischer Aristokrat auf einem Landsitz im 19. Jahrhundert aufgewachsen ist und sogar ganz anders , als man sie bei Naturvölkern oder Nomaden der Vergangenheit vorfand.

die Erfahrungsberichte dort (fast 750.000 ) berichten nun aber sehr wohl und sehr oft von einem Krankheitswert bei ADHS :

https://adhs-chaoten.net/

Mit gemischten Gefühlen muss man dagegen betrachten die Entwicklung des Attributs ADHS als Hipster- und Lifestyle-Thema. Die Dunkelziffer der Prominenten mit ADHS dürfte gigantisch sein, auch in Deutschland (zu Prominenten mit ADHS hier: https://www.adhspedia.de/wiki/Bekannte_Pers%C3%B6nlichkeiten_mit_ADHS )

ADHS wird mehr und mehr gebraucht eben als Hipster und Coolness-Attribut , das wird aber dem Leidensdruck und dem Krankheitswert von ADHS bei der Mehrheit der Fälle nicht gerecht , nichts desto trotz hat z.B. Hollywood in entsprechenden Kreisen schon den Beinamen ADHD City , auch der Faktor Neid ( und Hybris und Prahlerei von entsprechend Betroffenen ) erschwert die gesellschaftliche Akzeptanz von ADHS

#36 |
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PD Dr. med. Martin Weihrauch
PD Dr. med. Martin Weihrauch

ADHS ist weder erfunden noch eine Erkrankung, sondern eine Normvariante des Gehirns mit vermindertem Belohnungssystem. Wenn die ADHS-Skeptiker es nicht “ADHS” nennen wollen, können Sie diesem neurologischen Menschenstamm (“Neurotribe”) auch einfach einen anderen Namen geben, z. B. “Getriebene” oder was auch immer.
ADHS hat sich dadurch hervorgemendelt, weil ADHSler die Menschheit zu einem Teil sehr nach vorne gebracht haben, z. B. durch die Rastlosigkeit, Neugierde und Ausprobieren. Da ist der ein oder andere ADHSler halt recht früh unter die selbst erfundenen Räder in der Vergangenheit gekommen.

Heute ist ADHS nicht so ganz mit unserer 8h-am-Tag-Arbeiten Gesellschaft kompatibel. ADHSler sind Sprinter und keine Dauerläufer. Sie haben in der Vorzeit das Mammut erlegt mit ihrem genialen Hyperfokus, danach konnten aber die neurotypischen für ihn das Mammut zerlegen und braten, während er rumhing. Rumhängen passt heute nicht mehr ins Arbeitskonzept.

Wenige Jobs, in denen aufgrund dieser Arbeitsweise immer noch viele (intelligente) ADHSler sind, sind z. B.:
– Notärzte (kurze Einsätze mit Mega-Adrenalin, dazwischen nix tun)
– Künster, z. B. Stand-up Comedians (den ganzen Tag gammeln, abends Auftritt mit viel Adrenalin)
– Entrepreneurs (weil die ganze Zeit durch Neues auf Adrenalin), brennen aber auch gerne aus.

ADHS macht mit dem Leben heute daher Probleme, weil viele Depressionen und Ängste durch Eigenüberlastung entwickeln. Daher viele ADHSler unter psychiatrischen Patienten.

Mehr davon: http://neurotri.be

#35 |
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Dr. rer. nat. Wolfgang Witter-Taubenhofer
Dr. rer. nat. Wolfgang Witter-Taubenhofer

Ich frage mich, ob ADHS überhaupt als Krankheit eingestuft werden sollte oder ob es nicht eher der Versuch ist, temperamentvolle Kinder zur Ruhe zu bringen und sie im angepassten Mainstream zu halten.

#34 |
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Nichtmedizinische Berufe

Es gibt doch einige (oder viele?) internistische Krankheiten, die zu ADHS-Symptomen führen können.
Wie äußern sich z. B. die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion?
Wie äußert sich eine (hepatische) Enzephalopathie?
Wie äußern sich generell Lebererkrankungen?
Wie äußern sich Unterzuckerungen?
Wie äußert sich ein latenter Sauerstoffmangel?
Wie äußern sich ein Magnesiummangel und diverse andere Nährstoffmängel?
Bei all den angesprochenen Krankheiten bzw. Symptomen haben die Betroffene eine Unruhe und Nervosität und sind oft auch reizbar.
Ich sehe bei diesen (und wohl auch noch anderen von mir nicht genannten) organischen Krankheiten bzw. Störungen, die Gefahr, dass diese, wenn nicht erkannt, als ADHS fehlinterpretiert werden können.
Wenn ich hier immer nur lese, dass die Menschen mit solchen Symptomen zum Psychiater gehen, dann sage ich, geht doch erst mal zu einem -sehr, sehr guten- Internisten.
In der heutigen Zeit und mit unserer aktuellen GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte) wird das Nachdenken von Ärzten, also die nicht technische Medizin, bestraft. D. h. kein Arzt kann es abrechnen, wenn er in einem Fall länger nachdenkt.
DAS führt zu Fehldiagnosen oder dazu, dass die richtige Diagnose nie gestellt wird.
Natürlich kann man ADHS-Symptome mit Psychopharmaka wohl dämpfen.
Aber tut man einem Patienten, der in Wirklichkeit eine organische Grunderkrankung hat, damit einen Gefallen?
M. E. schadet man ihm damit.

#33 |
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Medizinjournalist

Die Ursache von ADHS ist die “moderne” Lebensweise. Für Kinder viel zu viele Eindrücke landen in einem Kopf, der das noch nicht ordnen kann und so hilflos verrücktspielt. Was sonst, soll denn bei einem überlasteten Kindgehirn entstehen, als ein Desaster. Messen Sie mal innerlich, was ein Kind – wie ich geb. 1952 bis 14 kein TV – und eins von heute durch den Trichter geschickt bekommt, dann verstehen Sie es auch. Vielleicht 1 : 100 oder so!?

#32 |
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Nichtmedizinische Berufe

ADHS ist m. E. oft (wenn nicht gar immer) nur ein Symptom einer Grunderkrankung, die es zu finden und zu behandeln gilt.
Ich würde wetten, dass selbst bei den sog. Experten nicht alle Differentialdiagnosen bekannt sind.
Zufällig weiß ich, dass z. B. bei der Leberkrankheit Morbus Wilson, die bei vielen Ärzten so unbekannt ist, dass die Dunkelziffer bei 2 Dritteln (also rd. 66 %) liegt, auch ADHS-Symptome auftreten können.
Wenn aber Ärzte den M. Wilson nicht oder nur unzureichend kennen, dann kommt keiner auf die Idee, bei ADHS-Symptomen nach dieser Krankheit zu suchen.
Hinzu kommt noch, dass ein Morbus Wilson nicht mal zu erhöhten Leberwerten führen muss (Meinung von den Experten der Heidelberger Medizinischen Universitätsklinik). Selbst das ist bei vielen Ärzten, die M. Wilson zu kennen glauben, nicht bekannt.
Allein am Beispiel des M. Wilsons kann man also ableiten, dass die Diagnose ADHS womöglich oft falsch gestellt wird und dass dann die zugrundeliegende Grunderkrankung oft nicht mal diagnostiziert wird.

#31 |
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Nichtmedizinische Berufe

Zum Hantieren mit Waffen bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS :

“Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Kinder nicht.”

und insgesamt noch ein paar Dinge zum Abschluss:

Man muss dazu noch sagen, dass bei einem Geschlechterverhältnis von in Wahrheit 1:1 und einer Persistenz von zumindest einer Restsymptomatik in in Wahrheit 100% der Fälle die Prävalenz von ADHS in Deutschland bis zu 10% der Bevölkerung beträgt.

Natürlich ist ADHS nicht Alles-oder-Nichts, sondern eine dimensionale wie auch eine kategoriale Angelegenheit, d.h. es gibt ganz leichte und ganz schwere Fälle und es gibt auch bei ca. gleichem Schweregrad Unterschiede auch in der Neurobiologie. Zudem KÖNNEN (nicht müssen) FAST alle anderen Störungen der Psychiatrie bei ADHS als Komorbidität vorkommen. Z.B. wird geschätzt, dass mehr als 1/3 der Patienten mit Schizoaffektiver Störung / Schizophrenie ebenfalls ADHS hat, bei Depression, “Burnout”, Borderline, Alkoholismus, Bipolare Störung ( Kurt Cobain hatte Bipolare Störung und parallel dazu ADHS ) etc. ist es ähnlich.

Der angeborene Part bei den multifaktoriellen Erklärungsmodellen zur Pathogenese Psychischer Erkrankungen geht auch mehr und mehr zu den Hirnentwicklungsstörungen und ADHS ist die mit Abstand häufigste Hirnentwicklungsstörung aufgrund der evolutionären Vorteile, die ADHS-Gene bzw. mitunter auch phänotypisch manifestes ADHS haben können.

Zur überlappenden Genetik der verschiedenen Hirnentwicklungsstörungen gab es aktuell eine vielbeachtete Publikation:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29930110

bzw. hier ein Teil der journalistischen Berichterstattung darüber:

https://www.spektrum.de/news/psychische-stoerungen-sind-teils-eng-verwandt/1572184

der quantitative Champion unter diesen Hirnentwicklungsstörungen ist jedoch ADHS , eben aufgrund der evolutionären Vorteile , die mit ADHS-Genen bzw. mit etwas weniger auch phänotypisch manifestem ADHS einhergehen.

Das Thema Evolution und ADHS fassen folgende Sätze des deutschlandweit führenden Genetikers (und auch einer der weltweit führenden Genetiker) zu ADHS Prof. Klaus-Peter Lesch von der Psychiatrie der Uniklinik Würzburg zusammen:”…Früher vermuteten die Forscher, einige wenige Gene würden ADHS auslösen; doch das trifft, wenn überhaupt, nur auf ganz wenige Familien zu. Für die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung gilt: Vermutlich sind es 500 bis 1000 Gene, die einen – jeweils minimalen – Einfluss auf das Temperament und die Konzentrationsfähigkeit des Menschen haben. Diese sind mithin auch keine Krankheitsgene, vielmehr gehören sie zur natürlichen Ausstattung des Menschen. “ADHS ist ein Extrem einer Persönlichkeitsvariante, das zunächst einmal gar keinen Krankheitswert besitzt”, bestätigt auch Klaus-Peter Lesch. Diese milden Ausprägungsformen von ADHS seien in einem Fünftel der Bevölkerung vorhanden und hätten sich im Laufe der Evolution des Homo sapiens immer wieder als vorteilhaft durchgesetzt. Lesch: “Der hohe Energiepegel, der Enthusiasmus, sich mit einer Sache auseinanderzusetzen, die große Kreativität, die Fähigkeit zum Querdenken und der Gerechtigkeitssinn – all das sind Ressourcen, die für unsere Gesellschaft wichtig sind.” zu finden in dem Artikel des ADHS-Gegners Jörg Blech im Spiegel: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-99311928.html

Der evolutive Vorteil von ADHS-Genen ist im Ausmaß abhängig von den Umweltbedingungen. So gibt es Länder, Ethnien und Kulturen, die ADHS-Gene und ADHS evolutiv begünstigen (während andere es entsprechend benachteiligen). So erklären sich auch die in Wahrheit weltweit deutlich unterschiedlichen Prävalenzen von ADHS, die macherorts wahrscheinlich ein Mehrfaches der bis zu 10% in Deutschland erreichen. Zusätzlich zum Faktor evolutive Selektion kommt dann bei den ADHS-Prävalenzen noch der Faktor geographische Isolation hinzu, so auch betrffend wahrscheinlich die Inseln bzw. Inselgruppen Island, Kreta und Japan .
Dass die Umweltbedingungen des 21. Jahrhunderts ADHS verstärkt von der Latenz in den sichtbaren Bereich rücken, versteht sich ebenfalls.
So viel zur Evolutionären Anthropologie der ADHS.
Was die Akzeptanz von ADHS erschwert, ist der sperrige Begriff aus 4 Großbuchstaben. Der Begriff “Autismus” (hier noch erwähnenswert: bis zu ca. 50% der Patienten mit Asperger sollen ebenfalls ADHS haben) z.B. ist viel weniger sperrig und flüssiger.
Es wird mitunter von ADHS-Gegnern diverser Couleur argumentiert, dass sich hinter ADHS diverse andere Psychische Störungen verbergen können und es ADHS somit quasi gar nicht gäbe. Die Wahrheit ist viel eher: Hinter FAST allen anderen Diagnosen in der Psychiatrie KANN sich ADHS als kausale oder komorbide Störung verbergen. So auch z.B. die Prognose von Russel Barkley , dem weltweit renommiertesten Wissenschaftler zu ADHS , dass sich das ADHS-Spektrum irgendwann einmal als das zentrale Thema in der Psychiatrie insgesamt herausstellen wird.

Wenn nun argumentiert wird: “Patient X kann gar kein ADHS haben, der will nur Stoff zum Hirndoping” , so sei auf die hiermit ausgeführte hohe Relevanz von ADHS auch gerade quantitativ verwiesen.

#30 |
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Medizinisch-Technischer Assistent

@ Jonas Müller:Der facebookeintrag verneint zwar den Zusammenhang zwischen Ritalin u. ä. Medikamenten, es bleibt dennoch auffällig, daß fast alle derartigen Täter das Medikament eigenständig abrupt abgesetzt haben – von “ausschleichen” nicht die Rede.
Zwischenzeitlich habe ich den Bericht des Trainers gefunden und seine Erlaubnis, einen Teil zu veröffentlichen; hier ist er:
……..Aber seine schulischen Leistungen sind seitdem er regelmäßig schießen geht befriedigend (vorher mangelhaft bis ausreichend). Am Angang keine 5 Minuten Konzentration, jetzt schafft er mit Unterbrechungen eine 3/4 Stunde. Und er zeigt im Training soziale Kompetenzen: Nach seinem Schießen nimmt er die ganz Kleinen mit raus und spielt mit ihnen hingebungsvoll Ball, Fangen oder sonstwas, was ihnen Spaß macht. Da ist er der Große. Da fühlt er, dass er was wert ist, wertgeschätzt wird.
Auch seine Aufmerksamkeit hat sich gesteigert. Er legt seine Luftpistole immer sicher ab, fuchtelt nie rum, tut alles, was eine Aufsicht von den Schützen erwartet. Trotz ADHS und ohne “Medikamente”. Hat etwas gedauert, aber die Erziehung hat auch hier gefruchtet.
Es wird sich zeigen, was später mal im realen Leben aus ihm wird – aber durch das regelmäßige Training sind seine Chancen sicher signifikant gestiegen.
Der Nachteil: Weil viele Trainer die Mehrarbeit mit diesen nicht ganz unanstrengenden Kindern zu meiden versuchen……….
Ich will jetzt nicht behaupten, daß Schießtraining das Mittel der Wahl ist – bei solchen Krankheiten gibt es das auch nicht. Bevor man aber Ritalin & Co “einwerfen” läßt, wäre es eine Möglichkeit, die versucht werden sollte, bevor man medikamentös mit “schweren Geschützen schießt”.
Abgesehen davon, wäre es ja auch möglich, daß Ärzte den Versuch wagen, diese “Therapie” zu begleiten, wenn man nicht gerade “Ritalingläubig” ist.
Ich halte jede Therapie, die ohne Medikamente möglich ist, für besser.

#29 |
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Nichtmedizinische Berufe

https://adhsspektrum.wordpress.com/2018/03/03/haeufigkeit-von-adhs-im-erwachsenenalter-in-der-allgemeinpsychiatrie/

an all die Ärzte und Psychiater mit entsprechender Einstellung (Meinungen sind Meinungen und Fakten sind Fakten) und alle anderen ADHS-Gegner und -Skeptiker, 59% an ADHS in der Allgemeinpsychiatrie ist nun nicht gerade eine “Kleinigkeit”, über die man mal so schnell hinweggeht und dann weitermacht wie bisher.

#28 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ich denke nicht, dass es eine “fabrizierte” Erkrankung ist. Ein Mensch ist so, der andere so. Weiß man denn schon etwas über die Spätfolgen von Ritalin?

Was mich so ärgert ist, dass viele Ärzte mittlerweile bei Kindern, die anders/verhaltensauffällig sind oder einfach nur ein bisschen mehr Aufmerksamkeit und Betreuung brauchen, eine Bipolare Störung diagnostizieren. Schönen Gruß aus Amerika. DAS ist fabriziert.

#27 |
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Nichtmedizinische Berufe

@ Dr. med Wolf Büntig :

https://adhs-chaoten.net/

Dort stehen fast eine 3/4-Million Erfahrungsberichte und Beiträge von ADHS-Betroffenen für Interessierte zur Verfügung. Das empfehle ich auch insbesondere für unsere vielen Zeitgenossen, die schnell beurteilen und urteilen, ohne sich jemals ernsthaft mit der Thematik befasst zu haben, darunter leider gerade auch Ärzte . Wer dann noch nicht genug hat, dem empfehle ich dann noch die über 34.000 nach wissenschaftlichen Standards erhobenen Publikationen zu ADHS bei Pubmed:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=adhd

Ein Vorwurf, der sich in weiten Kreisen , darunter leider auch Ärzte , leider immer noch hält, ist, ADHS sei eine westliche Wohlstandskrankheit im verweichlichten 21. Jahrhundert, dazu empfehle ich diese BBC-Dokumentation über ADHS in Ägypten:

https://www.youtube.com/watch?v=W-avhR0Vohg

nebenbei ist ADHS im arabischen Raum alles andere als selten:
http://english.alarabiya.net/en/life-style/healthy-living/2015/01/03/Saudi-Arabia-15-of-children-have-ADHD-.html

in der Türkei genau so wenig:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26002410
( “…Our results confirmed a substantially higher ADHD prevalence rate (more than double) than the suggested pooled worldwide prevalence…”)

ADHS ist also keineswegs ein westliches Wohlstandsproblem…

oder Thailand: http://englishnews.thaipbs.or.th/1-million-thai-children-suffer-adhd/ etc. etc.

#26 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ich sehe das so: mit ADHS in der Psychiatrie verhält es sich so wie mit der Nutzung von Pornoseiten im Internet. Beides ist der große, blaue Elefant mitten im Raum , den irgendwo jeder sieht bzw. dessen Präsenz fühlt, aber keiner redet darüber und will was damit zu tun haben.

Im Übrigen sind ca. 70% gerade auch der Psychiater in Deutschland ignorant bezüglich ADHS. Unterdiagnostik und das Nicht-Erkennen von ADHS geschehen dort massenhaft. Die Anzahl tatsächlich kompetenter Spezialisten für ADHS (die in den meisten Fällen übrigens mehr oder weniger ausgeprägt selbst ADHS haben) ist leider mehr als überschaubar. Zusätzlich kommt nichts nach, um die alten Hasen und ADHS-Pioniere, die zusehends in den Ruhestand gehen oder aus anderen Gründen, z.B. dem systematischen Mobbing gegen niedergelassene ADHS-Therapeuten durch die institutionalisierte ADHS-Gegnerschaft, aus der Versorgung der ADHS-Patienten ausscheiden, zu ersetzen.

Ich habe selbst Medizin studiert und habe in der Universitätspsychiatrie 4 Monate Praktisches Jahr absolviert. Der Oberarzt meiner Station sagte dort in einem Seminar gegenüber uns Studenten:”…Ich möchte mich bei der Gelegenheit outen als ADHS-Gegner…”…das war übrigens diejenige Universitäts-Psychiatrie, die ansonsten als das ADHS-Zentrum schlechthin in Deutschland gilt. Und selbst dort sieht sich ein Teil der Ärzte als “ADHS-Gegner”…die deutliche Mehrheit der Psychiater in Deutschland dürfte diese Einstellung zu ADHS haben. Bei ca. 4 Millionen Erwachsenen mit ADHS in Deutschland (und das noch gemäß der “konservativen Diagnosekriterien gemäß ICD-10) dürfte riesiger Bedarf für die fachärztliche Betreuung von ADHS-Patienten bestehen und die bisher (Stand 2018) mit ADHS diagnostizierten Erwachsenen dürften sicher nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Leider beißen die Betroffenen bei überwiegend ignoranten und übrigens unethisch (und zwar so gar nicht gemäß Hippokratischem Eid bzw. Genfer Gelöbnis) handelnden Ärzten meistens nur auf Granit und erfahren gerade von dieser gesellschaftliche Gruppe noch stärkere Ablehnung bis hin zu offener Feindschaft, als dies für die Gesellschaft insgesamt gilt. Zeit, mal ein bischen Radau zu machen.

@ Dr. med Nicole Roux-Pfeifer : mann muss nicht Medizin studiert haben und man muss auch nicht sonst wie vom Fach sein, um den eigenen Vorurteilen, vorschnellen Beurteilungen und Urteilen nachzugehen und um sich zu informieren, daher das noch als Input für Sie und jeden, der “der Sache auf den Grund gehen” will: https://www.youtube.com/watch?v=UX8j9S8J57Y , http://www.spiegel.tv/videos/140142-leben-mit-adhs

#25 |
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http://www.zeit-fragen.ch , Nr. 8 vom 20.2. 2012
Erfinder des ADHS: «ADHS ist eine fabrizierte Erkrankung»
von Moritz Nestor
Die schweizerische Nationale Ethikkommission im Bereich Humanmedizin … hat sich … sehr kritisch mit der Verwendung des ADHS-Medikaments Ritalin befasst: Das Verhalten des Kindes werde durch Chemie ohne jegliche Eigenleistung beeinflusst. …. Damit würden ihm wichtige Lernerfahrungen für eigenverantwortliches und mitmenschliches Handeln vorenthalten, «die Freiheit des Kindes empfindlich eingeschränkt und es in seiner Persönlichkeitsentwicklung gehemmt», ….
 Schützenhilfe kommt für die alarmierten Kritiker der Ritalin-Katastrophe jetzt von ganz anderer Seite. Der Spiegel zitiert am 6.2.2012 … den … US-amerikanischen Psychiater Leon Eisenberg, den «wissenschaftlichen Vater von ADHS», der sieben Monate vor seinem Tod in seinem letzten Interview im Alter von 87 Jahren sagte:
«ADHS ist ein Paradebeispiel für eine fabrizierte Erkrankung.»2

#24 |
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Nichtmedizinische Berufe

@ Dr. med Nicole Roux-Pfeifer:
Vor Ignoranz, Arroganz und dem hohen Ross, vermeintlich ja vom Fach zu sein, davor sind leider auch gerade Mediziner nicht gefeit. Ihre Ausführung hier zeugt von Unkenntnis der Thematik ADHS, Unwille, sich mit dieser Thematik zu beschäftigen und fehlendem mentalen Zugang zu dem Thema ADHS , stöbern sie doch mal durch die hunderttausendfachen Erfahrungsberichte von Betroffenen hier: https://adhs-chaoten.net/ , zur Ignoranz und Inkompetenz der Ärzteschaft in Deutschland über ADHS auch das hier: http://news.doccheck.com/de/blog/post/5098-adhs-geballte-inkompetenz-und-ignoranz-der-psychiater/ …inwiefern sind solche vorurteilsbehafteten Einstellungen zu ADHS in der Ärzteschaft den vereinbar mit Hippokratischem Eid und Genfer Gelöbnis? Erst mal informieren und dann erst reden – das gilt erst recht für Ärzte.
ADHS wird – von männlichen, hyperaktiven Grundschülern, die im Klassenzimmer randalieren, abgesehen – nicht überdiagnostiziert, sondern nach wie vor massivst unterdiagnostiziert. Nach ADHS wird, so dicht und markant die Hinweise darauf auch sein mögen, von der deutlichen Mehrheit der Psychiater in Deutschland nicht einmal sondiert. Die Mär von der Kinderkrankheit, die hält sich gerade auch in der Ärzteschaft nach wie vor noch. Wie viele Schicksale man zum Positiven hätte beeinflussen können, wenn vom Psychiater zumindest einmal nach ADHS sondiert worden wäre und wieviele volkswirtschaftlichen Kosten man hätte sparen können, wenn nicht nur Begleit- und Folgeerkrankungen von ADHS bei unzähligen Psychiatrie-Patienten therapiert worden wären sondern die ursächliche ADHS , das ist nict auszudenken: das Geschlechterverhältnis bei ADHS ist übrigens bei 1:1 in Wahrheit , https://www.refinery29.de/2017/04/151067/mein-recht-auf-adhs

#23 |
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Heilpraktikerin

Einige Kommentare hier finde ich gut, einige nicht. ABER den von Frau Kirsten Metscher find ich sehr gut, da er passt! Die heutige ( bzw seit 30 Jahren ) Ernährung mit viel zu viel Zucker und künstlicher Konservierungsstoffe sollte man mal in den Fokus der Hyperaktivität nehmen!

#22 |
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Dr. med. Nicole Roux-Pfeifer
Dr. med. Nicole Roux-Pfeifer

Einmal eine andere Sicht auf das Problem: Lehrer sind heute vielfach mit Schülern überfordert – rührt nicht zuletzt daher, dass sie von Eltern gemaßregelt werden, wenn sie ihre Schüler mal zu streng anschauen. Für die Lehrer ist es unter anderem deshalb unbequem, wenn ein Kind nicht brav auf seinem Stuhl sitzt und sich am besten nicht rührt. Sollte ein Kind davon abweichen, wird allzuschnell die ADHS Diagnose in den Raum gestellt und viele verunsicherte Eltern glauben daran – habe ich leider im Bekanntenkreis erlebt. Eltern gehen dann mit dieser “Vordiagnose” zu Kinderärzten, die häufig schnell zu Pillen greifen – dann ist das Kind “pflegeleichter”.Schüler dürfen auch in der Pause nicht mehr “raufen”, sondern sollen auch auf dem Pausenhof möglichst ruhig und unauffällig sein. Aber vor allem Jungen möchten sich auch bewegen! Und Sportunterricht kommt vielfach auch zu kurz. Und was wir heute an Lebensmittelinhalten zu uns nehmen spielt auch keine geringe Rolle.

#21 |
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Nichtmedizinische Berufe

Als Kind (70er) bin ich manchmal ziemlich ausgeklinkt, und zwar recht plötzlich. Mit einem Mal war ich übermotorisch, bin über Tische und Bänke gerannt und habe hysterisch herumgeschrien oder war sonst irgendwie unausstehlich. Sonst war ich ein sehr nettes, ruhiges und kreatives Mädel. Nachdem meine Mutter mit mir beim Kinderarzt und Kinderpsychologen war, wurde Ritalin empfohlen. Sie hat es abgelehnt, weil sie eine kluge Frau ist und beobachtet hat, dass ich nur nach dem Genuss bestimmter Lebensmittel abgedreht bin, so z. B. Kassler und Würstchen (Pökelsalz), Weintrauben und Schokolade. Diese wurden vom Speiseplan gestrichen, und ich war von stundan wieder durchgehend normal. Die Ausklink-Rate ging gegen Null.

Kinder werden heute vielfach mit Tütensuppen, Fertigzeug und lecker bunten Brausen ernährt. Würde man das weglassen, und stattdessen frisch selber kochen und ungesüßte Tees geben, wäre die ADHS-Rate vielleicht niedriger. Beweisen kann ich das nicht, es ist meine persönliche Vermutung.

#20 |
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Wie kann man nur auf die Idee kommen, allein aufgrund einer Fall Geschichte, offensichtlich rein schriftlich, eine Diagnose und einen Therapie Vorschlag zu erstellen?

Niemals darf eine Diagnose erstellt werden, ohne den Patienten selbst zu sehen, mit ihm zu reden und sein Verhalten zu beobachten und bei ADHS selbstverständlich auch ausreichende Außenanamnesen von Eltern, Lehrern etc. einzuholen! Das soll eine Studie sein!

Selbstverständlich müssen auch einschlägige Tests durchgeführt werden, um Folgeerscheinungen und alternative Diagnosen auszuschließen! Das hätte auch der Autor recherchieren sollen!

#19 |
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Henrik Simon
Henrik Simon

Bei all den Studien wird die Statik der HWS ziemlich ignoriert. Häufig liegt ein Geburtstrauma vor. Sei es eine Sektio, Kristellscher Handgriff, Saugglocke oder -Zangengeburt. Eine Sturzgeburt könnte ebenfalls eine Ursache darstellen. Liegt eine KISS Symptomatik vor?
Eine mangelnde Durchblutung der Aa. vertebrales könnte diese Symptomatik hervorrufen.
Dies wäre vermeidbar, wenn nach der Geburt insbesondere nach der HWS und sekundär nach der restlichen Wirbelsäulenausrichting chiropraktisch geguckt worden sei.
Somit könnte eine symptomatische Ausprägung in Form von KISS /KIDD, ADS, ADHS, M. Asperger bzw. frühkindlicher Autismus vermeidbar bzw. behandelbar sein.
Diesbezüglich müsste mehr Ursachenforschung betrieben werden, statt nur die Symptome zu lindern und zu erforschen.

#18 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ich persönlich bin der Vergabe von Ritalin als pharmakotherapeutikum nicht von vornherein negativ gesonnen:Besonders, weil ich von anderen Kommentatoren mir die sogar schwerkriminellen, möglichen auswüchse anhörte:Ebenso könnte ich ein absoluter Gegner einer voreiligen, leichtfertigen Gabe des Medikamentes (ich schreibe nicht, dieser :Droge, da bekäme ich gleich zig Gegner-:)sein.Was mich wundert ist, dass die Indikation hierzu stark zunahm.Das liegt auch in einem Bedauern des höchstangesehen Psychiaters der USA, der damals, als die neue Klassifikation zur diagnose sogenannter psychischer erkrankungen herauskam, dass dies “der traurigste Tag seines lebens sei”Entschuldigen Sie bitte, dass ich den Namen dieses berühmten Herren nun nicht nennen kann.Hier wird jederzeit ein sehr wohl überlegtes abwägen zu herrschen haben.
Jedenfall heiße ich eine Überpsychisierung in der Medizin für ebenso gefährlich wie eine …nun:Übergehung krimineller Psychogramme.Aber das ist gar nicht mein Metier.Und jene Verweise anderer Kommentatoren , die schwer Kriminelle mit einer einfachen ADHS in Verbindung brachten, ist einfach völlig unhaltbar.Ealtationen im gegenteil gehen oft mit einer besonders positiven Produktivität einher, nicht nur im künstlerischen, auch im ökonomischen sinne.Etc …etc…etc…usf…

#17 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ich dachte immer , Ritalin unterstehe dem Betäubungsmittelgesetz:Also früher bekamen Babies und Kleinkinder mal Mohnsaft zur Beruhigung, wenn zu schreien sie nicht aufhören wollten.

#16 |
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Nichtmedizinische Berufe

Spätere Generationen von Ärzten werden sich fragen warum neue Erkenntnisse jahrzehntelang ignoriert werden konnten. Wie bei Semmelweiss. Siehe auch Semmelweissreflex. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Semmelweis-Reflex , ich habe das Gefühl , der nächste Fall oder das Pendant heute von Kindsbettfieber wie bei Semmelweis , das ist ADHS

#15 |
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Nichtmedizinische Berufe

https://web4health.info/de/answers/adhd-borderline.htm

“Zwischenzeitlich haben weitere Forschungsgruppen einen Zusammenhang zwischen einer ADHS-Konstitution und der Entwicklung einer Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus untersucht. So stellte Prof. Bohus (ZI Mannheim) fest, dass etwa 50 Prozent der Betroffenen rückblickend ein manifestes Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (mit oder ohne Hyperaktivität) in der Kindheit berichten. “

#14 |
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Nichtmedizinische Berufe

Doccheck hat vor einiger Zeit u.a. auch zu Borderline oder BPS bei ADHS mal einen guten Beitrag gebracht:

http://news.doccheck.com/de/198021/adhs-bleibt-selten-allein/

Borderline oder BPS kann sehr oft als Komorbidität bei ADHS vorliegen. Wie sehr kausal ADHS für Borderline oder BPS im jeweiligen Fall ist, oder ob da überwiegend andere Faktoren (Gewalterfahrungen, Missbrauch, andere reine Sozialisations-Faktoren) eine Rolle spielen, da muss man wohl auf den jeweiligen Einzelfall schauen. Aber natürlich hat nur ein Teil der Bordis zusätzlich ADHS.

#13 |
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Arzthelferin

@Reinhard Volland

Krebs fände ich tragischer.
Aber ich wusste nicht dass es um
einen Wettbewerb geht wer mehr leidet/ leiden darf.

#12 |
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Ich denke, BPS ist ein tragischeres Schicksal

#11 |
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Nichtmedizinische Berufe

“Früher” gab es natürlich genau so viele Fälle von ADHS , wie heute. Das fiel aber zum einen in der Tat weniger auf oder entsprechende Person wurde als “einfach nur dumm” abgestempelt (was nicht heißt, das es nicht unzählige Personen gibt, die tatsächlich dumm sind, und es gibt sogar dummer Personen mit ADHS bei einer annähernd normalverteilten Intelligenz bei ADHS ) zum anderen ist die Sozialisation mit ADHS in einer Großstadt wie Berlin oder Seoul im 21. Jahrhundert mit Smartphone und Cybermobbing natürlich in der Tat bei ADHS eher suboptimal. Das bedeutet aber lediglich, das sich ADHS dadurch von der Latenz ins Pathologische und damit stärker Sichtbare verschiebt.

Ein Beispiel von ADHS , das als Kind übersehen wurde, weil das unbekannt war, ist Noah Gordon :

Und das ADHS eben nicht einfach mit dem 18. Lebensjahr verschwindet, sondern bis zum Lebensende besteht, sieht man z.B. am Medicus-Autor Noah Gordon, der erst im Alter von 70 Jahren mit ADHS diagnostiziert wurde: http://www.noz.de/deutschland-welt/kultur/artikel/803168/medicus-autor-noah-gordon-wird-90-jahre-alt “Nur wenige Fans der ab 1986 erschienenen „Medicus“-Triloge, die die Medizinerdynastie der Familie Cole im Mittelalter beschreibt, werden von der Tortur wissen, der Gordon sich beim Schreiben unterziehen musste. Wegen einer erst im Alter von 70 Jahren diagnostizierten Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (ADHS) quälte Gordon sich oft über Stunden, um klare Gedanken zu fassen und zu Papier zu bringen. „Eine Fülle, ein Überangebot schneller Gedanken“ sei ihm dabei durch den Kopf gerauscht, sodass er sich übermäßig stark konzentrieren musste, um gedanklich überhaupt bei einem Thema zu bleiben. “

#10 |
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Nichtmedizinische Berufe

Herr Dr. Manfred Doepp , Sie haben ja sogar einen Eintrag auf psiram , der Esoterik- und Sektenbeobachtungsseite: https://www.psiram.com/de/index.php/Manfred_Doepp

Und früher gab es keinen Elektrosmog, genau, da hat man die ungezogenen Kinder eben gezüchtigt, gebrochen und dadurch sind sie alle was Ordentliches geworden. Nebenbei war zu dieser Zeit die Selbstmordrate ca. 3 mal so hoch wie heute, die Psychiatrie erinnerte teilweise tatsächlich irgendwie an “Shutter Island” und früher war alles besser. ADHS gab es aber auch schon früher und zwar sehr viel früher:

Die bisher älteste bekannte kulturhistorische Schilderung von ADHS findet sich nicht erst im Struwwelpeter von 1844, sondern bereits um 250 v. Chr. in einer Ode von Herondas . Dort klagt eine Mutter über einen Jungen, der ihr den letzten Nerv raubt, nicht richtig lesen kann, die Tafel mehr verkratzt, als schön darauf zu schreiben, keine Hausaufgaben macht, mühsam Gelerntes schnell wieder vergisst, überall herumturnt, ständig irgendwelchen Blödsinn macht und falsche Freunde hat.

ADHS gibt und gab es seit Anbeginn der Menschheit, und auch schon zuvor, bei Tieren, gab und gibt es Äquivalente von ADHS – so z.B. den Zappelhund, der nur Gassi gehen kann, wenn er das Ritalin vom Herrchen frisst und spezielle “Persönlichkeiten” bzw. “Typen” bei Schimpansen . In der ADHS-Forschung wird auch sehr viel am Tier-Modell geforscht.

Das die komplexe Realität etwas simplifizierende Modell der Jäger und Sammler in einer Gesellschaft von sesshaften Bauern, auch damit wird ADHS beschrieben.

#9 |
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Früher haben wir Sport getrieben. Durch die Motorik waren wir ausgeglichen.
Der Elektrosmog war minimal, unser Vegetativumausgeglichen. Heute?

#8 |
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Nichtmedizinische Berufe

@ Karl Heinz Stein: Schießsport bei ADHS , das ist nicht immer solch eine gute Idee: https://www.facebook.com/Aufmerksam.fuer.Menschen/posts/1138376916227731:0

ADHS ist der Janus mit den 2 Gesichtern, es gibt zahlreiche positive Beispiele und leider, leider auch manchmal schon apokalyptisch anmutende Negativ-Beispiele : https://www.adhspedia.de/wiki/ADHS_und_Gewaltbereitschaft und die Liste an brutalen Kriminalfällen , bei denen beim Täter ADHS vorliegt, die könnte man noch viel länger machen. https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.unterbringung-nach-zementmord-keine-gewalttaten-gegen-menschen-in-der-haftzeit.8bea0e17-0c86-471f-9699-11f861f7b155.html usw. auch was Kriminalität und (teils schlimmste) Gewalttaten angeht, auch aus diesem Grund ist die Relevanz von ADHS “brachial” und nicht umsonst hat ca. 1/3 der JVA-Insassen ADHS .

#7 |
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Medizinisch-Technischer Assistent

Was scheinbar nicht im Focus steht, weil die Sportart in D “bääähhh” ist, ist der Schießsport. In meinem schießsportlichen Bekanntenkreis gibt es Trainer, die durchaus Erfahrung und Erfolge mit ADSH-Kindern vorweisen können; die schulischen Leistungen haben sich gravierend verbessert. Leider gibt es keine diesbezüglichen Studien, weil man vermutlich den Schießsport nicht dadurch aufwerten möchte. Sehr wohl gibt es Studien vom DSB, die sich mit dem Konzentrationsverhalten von Schulkindern beschäftigt und auch hier positive Ergebnisse feststellen konnte. Bevor man immer zu Ritalin greift, sollte man es vielleicht einmal mit dieser Sportart versuchen.

#6 |
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Nichtmedizinische Berufe

Da ohne diese Ausführung nicht verstanden wird, wieso ADHS denn so häufig ist,muss das hier noch erläutert werden:

ADHS ist deshalb so häufig, weil die ADHS verursachenden Gene evolutionär gesehen nicht nur Mist , sondern auch positive Aspekte , Stärken und Vorteile verursachen. ADHS als eine solche je nach Schweregrad Störung , Konstitution oder Persönlichkeitsvariante hat deshalb diese hohe Prävalenz – vergleiche dazu Prävalenz von ADHS in Deutschland von in Wahrheit etwa 8% bis 10% mit Autismus-Spektrum-Störungen mit Prävalenz von 1% bis maximal 2%. Ohne die Berücksichtigung der evolutionären Anthropologie psychischer Störungen wird man auch die jeweiligen teils gravierend unterschiedlichen Prävalenzen der verschiedenen Hirnentwicklungsstörungen (eben ADHS , Autismus aber auch Schizophrenie und Bipolare Störung und Unipolare Endogene Depression) nicht verstehen können.

Das Thema Evolution und ADHS fassen folgende Sätze des deutschlandweit führenden Genetikers (und auch einer der weltweit führenden Genetiker) zu ADHS Prof. Klaus-Peter Lesch von der Psychiatrie der Uniklinik Würzburg zusammen:”…Früher vermuteten die Forscher, einige wenige Gene würden ADHS auslösen; doch das trifft, wenn überhaupt, nur auf ganz wenige Familien zu. Für die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung gilt: Vermutlich sind es 500 bis 1000 Gene, die einen – jeweils minimalen – Einfluss auf das Temperament und die Konzentrationsfähigkeit des Menschen haben. Diese sind mithin auch keine Krankheitsgene, vielmehr gehören sie zur natürlichen Ausstattung des Menschen. “ADHS ist ein Extrem einer Persönlichkeitsvariante, das zunächst einmal gar keinen Krankheitswert besitzt”, bestätigt auch Klaus-Peter Lesch. Diese milden Ausprägungsformen von ADHS seien in einem Fünftel der Bevölkerung vorhanden und hätten sich im Laufe der Evolution des Homo sapiens immer wieder als vorteilhaft durchgesetzt. Lesch: “Der hohe Energiepegel, der Enthusiasmus, sich mit einer Sache auseinanderzusetzen, die große Kreativität, die Fähigkeit zum Querdenken und der Gerechtigkeitssinn – all das sind Ressourcen, die für unsere Gesellschaft wichtig sind.” zu finden in dem Artikel des ADHS-Gegners Jörg Blech im Spiegel: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-99311928.html

Man muss ansonsten nur durch die Straßen einer durchschnittlichen deutschen Stadt laufen und es werden einem jeden Tag Personen mit ADHS über den Weg laufen, um zu erkennen, dass bei Person X ADHS vorliegt, da braucht es aber oftmals schon ein gewisses Gespür, was man vollumfänglich nur als selbst mit ADHS Betroffener hat. Man kann sehr wohl “spüren” , wenn das Gegenüber auch ADHS hat (Stichwort Wesensverwandschaft) und mit ADHS Betroffene erkennen sich untereinander so wie in China ein Deutscher einen anderen Deutschen erkennt, am Habitus und an der Persönlichkeit . Jemand, der kein ADHS hat, der muss all das rein kognitiv kompensieren , allein schon aus diesem Grund besteht der harte Kern an ADHS-Therapeuten in Deutschland und weltweit überwiegend aus selbst mit ADHS betroffenen Ärzten , Psychotherapeuten etc. und man ist, so unfair das auch sein mag, als Nicht-Betroffener schon deswegen ein ADHS-Therapeut 2. Klasse.

#5 |
  6
Nichtmedizinische Berufe

Die Cochrane-Analyse zu Methylphenidat wurde mittlerweile zurückgezogen https://adhsspektrum.wordpress.com/2017/07/16/cochrane-review-zu-methylphenidat-zurueckgezogen/ , ansonsten darf man hier noch das fernsehjournalistische Standardwerk zu ADHS empfehlen, die Spiegel-TV-Dokumentation “Zappelphilipp und Traumsuse – Leben mit ADHS” http://www.spiegel.tv/videos/140142-leben-mit-adhs , ich schließe mich dem Satz an der dort fällt, einem entsprechend Bedürftigen ein solche Mediaktion vorzuenthalten ist “…unterlassenen Hilfeleistung und Kindeswohlgefährdung…” , was nebenbei auch in meiner Biographie so gegolten hätte.
Aber zu dem Artikel oben dennoch: Thumbs Up!

#4 |
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Nichtmedizinische Berufe

Hier die Studie: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=deister+adhd
das Ergebnis war für viele Leute in der ADHS-Community nicht mal überraschend, von selbst betroffenen Fachleuten wird seit über 30 Jahren auf die extrem hohe Dichte an verkapptem ADHS in der Psychiatrie hingewiesen , und wenn dann mehr und mehr prominente Fälle von ADHS wie “Naddel” , Hirschhausen https://www.stern.de/gesundheit/gesund-leben/eckart-von-hirschhausen/eckart-von-hirschhausen–humor-ist–wenn-man-spaeter-kommt-3808736.html und viele bisher nicht öffentliche Fälle (einer macht gerade Schlagzeilen mit seiner Privatinsolvenz) an die Oberfläche treten, dann lässt das erahnen, dass da quantitativ noch viel mehr sein muss. 10% in Deutschland bei einem Geschlechterverhältnis von in Wahrheit 1:1 (die betroffenen PatientINNEN kommen dann zum Psychiater wegen Depression, Angststörungen, Borderline, Essstörungen usw. nach dem zugrunde liegenden ADHS , das hat der Psychiater meist nicht auf dem Schirm) https://www.refinery29.de/2017/04/151067/mein-recht-auf-adhs
https://www.youtube.com/watch?v=HJ8BBUiwjVc
und die leichtgradigen Fälle miteinbezogen bei einer Persistenz einer zumindest Restsymptomatik von quasi 100% an der Gesamtbevölkerung , das ist auch ein “Markt” , den auch seit einiger Zeit der Journalismus entdeckt hat.

#3 |
  9
Nichtmedizinische Berufe

Die massive Quantität von ADHS in der Bevölkerung scheint erfreulicherweise mehr und mehr durchzudringen, sowohl bei Journalisten und langsam aber sicher auch bei der Ärzteschaft. Thumbs Up!

Zu dem obigen Artikel: in Deutschland wird in der Tat verglichen mit kulturell eher angloamerikanisch beeinflussten Ländern (UK, Irland, Holland, Dänemark) die medikamentöse Therapie bei ADHS sehr zurückhaltend eingesetzt. Das ist nicht unbedingt positiv zu bewerten. Ich selbst hätte ohne die Therapie mit dem Standard-Medikament bei ADHS niemals mein 1er-Abitur erreichen und mein Studium abschließen können, sondern wäre möglicherweise ohne irgendwann als Junkie am Bahnhof gelandet.
Je weiter man in Europa nach Osten kommt, desto kulturell rückständiger ist man (auch) in Sachen ADHS . In Russland z.B. ist Methylphenidat generell verboten und die schärftsen Ritalin-Gegner in Deutschland findet mna bei der AfD. Und auch in Deutschland wird Methylphenidat mangels adäquater ärztlicher Versorgungslandschaft für ADHS eben sehr oft im Internet bestellt (persönlich in der Vergangenheit solche Fälle mitbekommen). Dass die große Mehrheit der sogenannten Hirndoper (es geht bei der Hirndoping-Debatte in Wahrheit nur um Ritalin und nur um ADHS , die parallel genannten Wirkstoffe Modafinil etc. haben nur Alibi-Funktion, um zu verschleiern, dass es nur um Ritalin geht) verkappte Fälle von undiagnostiziertem ADHS sind und es dieses Hirndoping als verkappte Therapie der ADHS seit mindesten den 60er Jahren gibt, wird auch von den meisten Psychiatern leider nicht verstanden. Zuletzt gab es eine “bemerkenswerte” Studie über die Häufigkeit von ADHS in der Allgemeinpsychiatrie mit Prof. Arno Deister (Präsident der DGPPN und damit ein absolutes Schwergewicht) als Co-Autor http://news.doccheck.com/de/blog/post/8424-59-prozent-von-patienten-der-allgemeinpsychiatrie-haben-adhs/ das Erbenis dieser Studie mit in dem Fall 59% ADHS in der Allgemeinpsychiatrie ist so brachial , dass die möglichen Konsequenzen vielleicht noch gar nicht durchgedrungen sind.
Mal angenommen, diese Studie mit 59% verkapptem ADHS in der Allgemeinpsychiatrie stimmt, das bedeutet, dass seit Anbeginn der modernen Geschichte der Psychiatrie die entsprechendne Patienten nur in ihren Begleit- und Folgeerkrankungen aber nicht ursächlich in ihrem ADHS therapiert wurden. Was das für die persönlichen Schicksale aber auch für die volkswirtschaftlichen Kosten bedeutet, dürfte ebendalls in Quantität und Qualität brachial sein. Wie prognostiziert doch Russel Barkley , der weltweit renommierteste Wissenschaftler bezüglich ADHS, wonach ADHS sich irgendwann einmal als das “zentrale Thema in der Psychiatrie insgesamt herausstellen wird”.

#2 |
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Dagmar Boecker
Dagmar Boecker

Klar, Kindern die lieber toben als lernen einfach Ritalin geben. Dann klappts auch mit der Pisa Studie!

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