Metamizol: Die Dinosaurier-Tablette

5. Juli 2018

In vielen Ländern ist das Schmerzmittel Metamizol verboten. Deutschlands Ärzte verordnen es trotz bekannter Risiken in großem Stil. Nun startet ein Risikobewertungsverfahren. Wird Metamizol bald auch bei uns vom Markt genommen?

Das Analgetikum und Antipyretikum Metamizol ist in vielen Ländern nicht zugelassen, darunter Frankreich, Großbritannien und die USA. In Deutschland sowie in Spanien ist das Medikament erlaubt. Dort sorgten mehrere Todesfälle britischer Patienten für Schlagzeilen. In Deutschland starb kürzlich ein 33-jähriger Mann aufgrund der Nebenwirkung. „Die Diagnose wurde erst spät gestellt und damit die Therapie verzögert eingeleitet“, berichtet die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ).

Neben Anaphylaxien können Fieber, Halsschmerzen oder entzündliche Schleimhautveränderungen bei Metamizol Anzeichen einer lebensbedrohlichen Nebenwirkung sein. Ärzte denken nicht zwangsläufig an eine allergische Agranulozytose, sprich eine Verringerung der Zahl an Granulozyten im Blut. Das Immunsystem wird dadurch extrem geschwächt, schwere Infekte sind die Folge. In Anbetracht der Risiken stellt sich die Frage: Kann man in der Medizin auf Metamizol verzichten?

Jenseits von zugelassener Indikation

Die AkdÄ spricht von „seltenen unerwünschten Arzneimittelwirkungen“, genaue Zahlen gibt es nicht. Als Größenordnung ist ein Agranulozytose-Fall auf 20.000 bis 30.000 Metamizol-Anwender recht wahrscheinlich. Etwa jeder vierte Patient mit Agranulozytose stirbt. „Da es sich unabhängig von der exakten Häufigkeit um eine sehr seltene unerwünschte Arzneimittelwirkung handelt, sieht die überwiegende Mehrheit der Ärztinnen und Ärzte auch bei langjähriger Verschreibung von Metamizol keinen Fall von Agranulozytose“, kommentier die AkdÄ in einer Mitteilung. „Dies trägt möglicherweise zur Unterschätzung des Risikos und zur Verordnung außerhalb der zugelassenen Indikation bei.“

Laut Arzneiverordnungsreport 2017 lag die zuletzt abgegebene Menge in Deutschland bei 203,7 Millionen definierten Tagesdosen (DDD) beziehungsweise 23 Millionen Verordnungen. Im letzten Jahrzehnt stieg die Menge nahezu linear an. Sinkende Verordnungszahlen bei ASS oder Paracetamol (siehe unten) dürfen wegen deren OTC-Status nicht überinterpretiert werden. Welche Mengen Patienten tatsächlich in Apotheken erwerben, geht aus der Grafik nicht hervor. Tatsächlich gehört Metamizol zu den beliebtesten Analgetika auf Stufe 1 der WHO-Stufenschemas zur Schmerztherapie.

Arzneiverordnungsreport

Grafik © Arzneiverordnungsreport 2017

„Es ist immer wieder darauf hingewiesen worden, dass die Gefahr der Sensibilisierung und Auslösung von Agranulozytosen und Schockreaktionen (nach i.v.-Gabe) zu einer Einschränkung der Indikation von Metamizol führen muss“, schreibt Professor Dr. Ulrich Schwabe im Arzneiverordnungsreport. Er kritisiert, durch den Einsatz bei Bagatellerkrankungen wie Fieber oder leichten Schmerzen sei die Sensibilisierungsrate „kritiklos gesteigert“ worden.

Ärzte, warum verschreibt ihr Metamizol?

Dass der Wirkstoff trotz seiner Nachteile weiter verschrieben wird, hat mehrere Gründe. DocCheck sprach mit zwei Experten.

Professor Dr. Hans-Raimund Casser ist ärztlicher Direktor des DRK Schmerz-Zentrums Mainz und Vizepräsident der Interdisziplinären Gesellschaft für orthopädische/unfallchirurgische und allgemeine Schmerztherapie (IGOST), einer Sektion der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie. „Metamizol hat infolge der zunehmenden Einschränkung bei der Verschreibung von NSAR sowie der zurückhaltenden Einstellung gegen Opioiden beim Nicht-Tumorschmerz erheblich an Bedeutung gewonnen, erklärt Casser. Zugelassen ist der Wirkstoff für die Behandlung akuter und chronischer starker Schmerzen, wenn andere Analgetika, wie insbesondere NSAR, aufgrund von nephrologischen, gastrointestinalen oder kardialen Nebenwirkungen kontraindiziert sind. Speziell für geriatrische Patienten gebe es Empfehlungen in der PRISCUS– sowie auch der FORTA-Liste. Casser rät, Metamizol nur im Rahmen der Zulassung einzusetzen, auf unerwünschte Reaktionen zu achten und ggf. ein Blutbild zu machen.

Auch Dr. Thomas Cegla, Chefarzt der Schmerzklinik Wuppertal und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin, verteufelt das Analgetikum nicht: Metamizol wird im Bereich der Akutschmerztherapie bei der Anästhesie eingesetzt. Hier handele es sich um ein sehr wirksames Medikament, das auch postoperativ zur Anwendung komme. Bei chronischen Schmerzzuständen habe es sich ebenfalls bewährt. Bei Patienten mit Schmerzspitzen können wir so recht gut reagieren, ergänzt Cegla. Zur Frage, warum Metamizol immer häufiger verordnet wird, sagt der Experte: In der Stufe 1 des WHO-Stufenschemas sind viele Substanzen für die Dauertherapie eher schädlich. Außerdem seien mehrere Coxibe vom Markt verschwunden, u.a. Rofecoxib sowie Lumiracoxib. Diese Lücke wurde wahrscheinlich durch Metamizol geschlossen.“ Zeitgleich gingen Opiat-Verordnungen nach oben. Cegla: Es ist wichtig, dass das Bewusstsein für Nebenwirkungen da ist. Aber manchmal hat man das Gefühl, es wird in der Diskussion etwas übertrieben.

Ein Blick in die Forschung

Mehrere wissenschaftliche oder sozialrechtliche Argumente sprechen für Metamizol. Die S2k-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis (Harnsteinleiden) nennt Metamizol neben Indometacin als Mittel der Wahl. Beide Pharmaka wirken nicht nur analgetisch, sondern senken den erhöhten intraluminalen Druck als Auslöser von Beschwerden. Bei Metamizol kommen spasmolytische Effekte mit hinzu. Zudem treten Magengeschwüre oder gastrointestinale Blutungen deutlich seltener auf. NSARs hingegen können bei neprhologisch vorbelasteten Patienten zu Nierenversagen führen. Opioide beeinflussen nur die Schmerzweiterleitung, ohne ursächlich zu wirken.

Im Unterschied zu NSARs wirkt Metamizol nicht wie ein klassischer Inhibitor der Cyclooxygenasen COX-1 und COX-2. Diese katalysieren die Bildung von Prostaglandinen und spielen eine Rolle als Schmerzmediator, bei Fieber und Entzündungsprozessen. Der genaue Wirkmechanismus von Metamizol ist nicht bekannt. Mehr als 20 Abbauprodukte von Metamizol sind von Bedeutung, allen voran 4-Methylaminoantipyrin (MAA) 4-Aminoantipyrin (AA) und 4-Formylaminoantipyrin (FAA). Sie wirken vermutlich als Hemmstoffe der Cyclooxygenase 3 (COX-3) und verringern dadurch die Prostaglandin-Synthese im Rückenmark. Eine Studie aus dem Jahr 2015 zeigte, dass Metamizol außerdem spezielle Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren) Ionenkanäle blockiert.

Ärzte vermeiden NSARs bzw. COX-2-Hemmer auch aus kardialen Gründen. Dahinter steckt vor allem eine Fall-Kontroll-Studie mit 92.163 Patienten, die aufgrund einer Herzinsuffizient behandelt werden mussten. Hinzu kamen 8,2 Millionen gesunde Probanden. Das Risiko stationärer Aufenthalte aufgrund einer Herzinsuffizienz stieg für sieben NSARs (Diclofenac, Ibuprofen, Indomethacin, Ketorolac, Naproxen, Nimesulid und Piroxicam) sowie zwei COX-2-Hemmer (Etoricoxib und Rofecoxib) im Mittel um 19 Prozent. Einer älteren Metaanalyse zufolge treten je nach Substanz Schlaganfälle und Herzinfarkte um den Faktor zwei bis vier häufiger auf. Jüngeren Menschen ohne Vorerkrankungen droht keine Gefahr. Aber gerade ältere, multimorbide Patienten mit langjähriger Analgetika-Einnahme müssen mit unerwünschten Effekten rechnen.

Aber auch unter rechtlichem Blickwinkel hat der Wirkstoff Vorteile. Für Metamizol reicht ein normales Rezept aus, während Opioide auf BtM-Rezept verordnet werden. Laut der Anlage III der Arzneimittel-Richtlinie gibt es keine Versorgungsausschlüsse. Apothekenpflichtige, nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel sind grundsätzlich von der Verordnungsfähigkeit zu Lasten der GKV ausgeschlossen, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Und nicht zuletzt befinden sich zahlreiche Metamizol-Generika inklusive Rabattverträgen auf dem Markt.

In manchen Ländern sogar OTC-Status

Auf dieses Potpourri an Chancen und Risiken reagieren Gesundheitssysteme ganz unterschiedlich. Deutschlands Behörden sahen sich bereits vor Jahrzenten mit der Problematik konfrontiert. Im Jahr 1986 hat die Arzneimittelkommission Metamizol der Verschreibungspflicht unterstellt, und in 1987 widerrief das damalige Bundesgesundheitsamt alle Zulassungen für Kombinationspräparate, aber nicht für Monopräparate.

Die USA, Australien, Japan und viele EU-Nationen haben Metamizol vom Markt genommen. Manche Länder ermöglichen es Ärzten, Präparate mit oder ohne Einschränkung nach wie vor zu verschreiben. Dem gegenüber hat Metamizol in vielen Ländern Afrikas, in Bulgarien, Polen, in der Türkei, in Russland, aber auch in Mexiko, in Brasilien und in Israel einen OTC-Status. Hinzu kommt, dass sich Dosierungen, Indikationen oder Warnhinweise stark unterscheiden.

Metamizole_legal_status_by_country2

Bei Apothekern gilt Metamizol als Beispiel schlechter Absprachen zwischen Zulassungsbehörden unterschiedlicher Länder (rot: keine Zulassung; hellblau: OTC-Status; dunkelblau: Rx-Status mit geringen Einschränkungen hinichtlich der Indikation; orange: Rx-Status mit starken Einschränkungen; grau: keine Daten). Grafik: Fuse809 © Wikipedia

Um zumindest in der EU für mehr Klarheit zu sorgen, hat die Europäische Arzneimittelagentur EMA ein Risikobewertungsverfahren gestartet. Der Antrag kam aus Polen. Im nächsten Schritt sammelt der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) alle verfügbaren Daten. Dann erarbeiten Experten eine Empfehlung. Vielleicht wird Metamizol EU-weit vom Markt verschwinden, vielleicht legen Experten auch nur strengere Indikationen fest. Was sollten Ärzte bis zum Abschluss des Verfahrens tun?

Anwendung unter strengen Auflagen

Professor Dr. Jörg Jerosch von der Interdisziplinären Gesellschaft für orthopädische / unfallchirurgische und allgemeine Schmerztherapie (IGOST) hat in einem Übersichtsbeitrag Tipps für Kollegen zusammengestellt:

  • Metamizol sollte nur in den von Herstellern angegebenen Indikationen, also nicht off label, eingesetzt werden.
  • Bei multimorbiden Patienten, die keine NSAR bekommen dürfen, ist nach entsprechender Dokumentation auch eine Erstlinientherapie mit dem Pharmakon möglich.
  • Patienten sollten nicht nur auf das Risiko einer Agranulozytose hingewiesen werden. Treten typische Infektzeichen auf, sollten sie sich in einer Klinik vorstellen und auf Metamizol hinweisen.

Damit sind Ärzte auf der sicheren Seite, bis die EMA ihre abschließende Bewertung veröffentlicht hat.

130 Wertungen (4.42 ø)

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40 Kommentare:

Apotheker

Auch bei uns wird Metamizol massenhaft verordnet. Und obwohl das so ist (meistens werden Tabletten verordnet), haben wir in den ganzen Jahren keinen einzigen Fall mit massiven Nebenwirkungen erlebt. Wie die Kolleginnen und Kollegen aus der Medizin korrekt anmerken: was bleibt, wenn auch noch Metamizol aus dem analgetischen Portfolio verschwindet? ASS? – Sicher nicht, die Nebenwirkungen im GI-Bereich sind zu groß. Ibu? – Auch hier haben wir zahlreiche Nebenwirkungen beim Dauergebrauch. PCM? – Leberschäden? Nein, Danke. Opioide? – Overkill?

Aus meiner Sicht ist ein vernünftiger Einsatz von Metamizol absolut sinnvoll und gerechtfertigt und sollte nicht durch die EMA verhindert werden.

#40 |
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Nichtmedizinische Berufe

#14:
Ich zitiere:
“Gibt sogar Menschen, die nicht wissen, dass Schmerzmittel auf Dauer längere Zeit angewendet immer einen riesigen Schaden machen”
Ja, eben so ist das. Allerdings sollte man unwirksam schwache wie Ibuprofen dann auch nicht allzu lange verordnen:Denn eine Analgesie bewirkte das bei starken schmerzen noch nie, weil es per definitionem ein schwaches Analgetikum ist.Kommt die erst neulich besonders publizierte Steigerung des Risikos eines Myokardinfarktes. Metamizol ist was Besseres, und letzlich darf etwa besonders Herrn Dr.Gottschlings engagiertes Plädoyer für Morphium bei wirklich starken Schmerzen nicht unberücksichtigt bleiben.Ibuprofen, Diclofenac etc bei kardiologischer Prädisposition sind wirklich sehr potente Infarktbeschleuniger.Zudem wenn richtig potent hochdosiert so richtig auf den Patienten reingeschlagen wird mit 3 mal 800 Milligramm Ibuprofen:Analgesie :Keine.Toxikologie:Wer sich hier nicht total vergiftet am ganzen Körper fühlt, der hat eine Elefantenhaut.

#39 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

Placebos haben noch niemanden umgebracht.

@Rudi Crepon: Das klingt so, als hätte ihr Hausarzt eine Nutzen/Risikoabwägung getroffen zugunsten einer Anwendung von Metamizol. Wenn Sie deswegen unsicher sind, fragen Sie bitte bei Ihrem Arzt nach. Wie Sie der Packungsbeilage entnehmen können, tritt die hier diskutierte Nebenwirkung nur sehr selten auf. Hilfreich für Sie wäre, sich mit den Symptomen der esoinophilen Agranuyztose zu befassen und im Verdachtsfall umgehend eine Kontrolluntersuchung machen zu lassen. Wird das früh genug (einige Tage) erkannt, läßt es sich meist gut behandeln.

#38 |
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Das gilt auch für Placebos!

#37 |
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Maximilian Micka
Maximilian Micka

Man könnte in dem Zusammenhang auch mal darauf hinweisen, dass man im Ausland Dosen von Paracetamol relativ unproblematisch erwerben kann um sich mit nur einer Schachtel relativ unschön hinüberzurichten.
Es gibt nun mal kein Medikament, das per se eine Wirkung hat, ohne Nebenwirkungen.

#36 |
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Ärztin

Sehr geehrter Herr C. #34: Ihr Hausarzt erscheint mir als sehr kompetenter Ansprechpartner für Ihre Fragen. Dies ist kein Ratgeber-Forum für Patienten. Freundliche Grüße

#35 |
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Nichtmedizinische Berufe

Hallo.
Seit 23 Jahren habe ich eine implantierte Morphinpumpe mit intrathekaler Katheterlage. Diese dient zur Schmerzhemmung die durch eine NF2 hervor gerufen werden.
So genannte Sanduhrneurinome haben den Spinalkanal befallen und erzeugen nicht ertragbare Schmerzen.
Allerdings wurde auch in einer stationären Schmerztherapie einiges anderes ausprobiert wie z.B. Blockaden des Sympatikus, Infiltrationen an mehreren Stellen im LWS Bereich. Mit Tegretal wurden plötzliche eintretende Schmerzen versucht einzudämmen. Morphingabe ist das einzige, was einigermaßen schmerzlindernd wirkt. In regelmäßigen Abständen nehme ich zusätzlich Diclo ID 150 oder Diclo dispers um die Entzündungen an den kleinen Nervengelenken und starke Schmerzen, die durch üble Verspannungen der Rückenmuskulatur entstehen, zu lindern.
Nun zu Metamizol. Dieses Medikament verordnet mir mein Hausarzt, um die brutalen Kopfschmerzen in den Griff zu bekommen, die ich immer öfter in den letzten 3Jahren bekomme. Von der HWS ausgehend ziehen diese über den Kopf bis hin zu den Augen. Diese sind so heftig, daß es zu extremer Übelkeit bis zum Erbrechen kommt. Dabei ist es mir kaum möglich den Kopf zu heben und die Augen zu öffnen.
Novaminsulfon ist dabei das einzige Mittel, daß bisher ausser Tillidin oder Tramal geholfen hat und schnelle Linderung bringt.
Dabei kontrolliert mein Arzt allerdings regelmäßig mein Blutbild, wobei bisher keine Auffälligkeiten bis auf einen Kalium und Eisenmangel festgestellt wurden.
Wie stark ist eine Gefärdung durch Metamizol gegeben? Oder auf welches Analgethika sollte ich da wechseln?

#34 |
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Metamizol ist nach meiner persönlichen Erfahrung ein hervorragendes Medikament und sollte aus meinen Augen nicht vom Markt genommen werden. Ich denke an eine Vorlesung während meines Studiums (ist auch schon lange her), da hieß es: ASS würde heute nie mehr zugelassen werden, das Molekül ist viel zu reaktiv. Was wären wir heute ohne ASS? Metamizol wirkt auch bei Kindern prima. Man sollte halt als Arzt das Risiko der Agranolozytose kennen, wie schon gesagt, nicht “im Schuss” infundieren. Dann denke ich, ist der Stoff gut handhabbar. Ich wäre auch dafür, nicht immer gleich “ein Fass aufzumachen”. Wie viele Kosmetika gibt es, die schwere Reaktionen auslösen können und selbst “Homöopathika”, die relevante Giftstoffmengen enthalten!

#33 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

@ Karl-Heinz Eilers – Sie fragen: ”

“Wie stellen Sie sich das vor?” – Wie bereits geschrieben: In der Umsetzung müßte das nicht einmal besonders schwierig oder aufwendig sein. Sowas kann man leicht über Software lösen, welche dem Arzt anzeigt, worüber aufzuklären ist inkl. potentieller Wechselwirkungen.

Soll der Arzt während der Sprechstunde den Waschzettel vorlesen? oder gar die Fachinformationen?” – Das wäre übertrieben.

“Soll er hinterher abfragen, ob der Patient auch alles verstanden hat?” – Selbstverständlich soll er nachfragen, ob der Patient alles verstanden hat oder noch Fragen offen sind!

“Ein wenig Eigenverantwortung sollte man Patienten schon zubilligen” Ein wenig ja, aber nicht die gesamte Verantwortung. Deswegen ist der Arzt ja auch zur Aufklärung verpflichtet, bloß macht es kaum einer.

– und für Rückfragen selbstverständlich zur Verfügung stehen. Na immerhin da sind wir uns einig.

Bei Narkose und OP geht es ja auch. Es ist ein Frage des Wollens bzw. Müssens und der Organisation.

#32 |
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Sonstige

Ah ok. Danke. Das wusste ich nicht.

#31 |
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Ärztin

#29 Novaminsulfon ist ein anderer Freiname für Metamizol

#30 |
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Sonstige

Gab es diese Diskussion bzw. Meldung in selber oder ähnlicher Form nicht auch schon bzgl. Novaminsulfon?

#29 |
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Wenn man so die Beiträge der letzten Wochen liest zur Analgesie kann man nur simpel sagen ist schon blöd: NSAR Pfui denk an Herz Magen und Niere Opiode völlig überzogen Metamizol Cave s.o.
Bleiben nur noch Holzhammer und frei gekaufter Joint.

#28 |
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Pharmazeutisch-kaufmännischer Angestellter (PKA)

Ich hatte selber eine Agranulozythose ausgelöst durch Metamizol post OP.
Die Klinik hat das in der Notaufnahme gleich erkannt und entsprechend gehandelt… Wie ernst
die Lage war wird einem erst später klar.
Leider ist die Gefahr erneut zu erkranken nicht damit gebannt nie wieder Metamizol zu nehmen. Es gibt viele Stoffe die eine ähnliche Struktur aufweisen und für diese Patienten ebenso gefährlich werden können. Darüber wurde in diesem Artikel leider nichts geschrieben…
Der Rat des Professors am Tag meiner Entlassung war da sehr ernst gemeint: Befassen sie sich intensiv mit der Problematik, sie sind selbst ihr bester Apotheker. Das darf nie wieder passieren!!!

#27 |
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“Der genaue Wirkmechanismus von Metamizol ist nicht bekannt. Mehr als 20 Abbauprodukte von Metamizol sind von Bedeutung, allen voran 4-Methylaminoantipyrin (MAA) 4-Aminoantipyrin (AA) und 4-Formylaminoantipyrin (FAA). Sie wirken vermutlich als Hemmstoffe der Cyclooxygenase 3 (COX-3) und verringern dadurch die Prostaglandin-Synthese im Rückenmark”
Hier liegt wohl auch ein Problem des Wirkstoffes! Und wie ist es mit der Interaktionsproblematik? Cyp450 Metabolismus etc.?

In Norwegen ist Metamizol nie auf dem Markt gewesen, und wir wohl auch in der zukunft nicht zugelassen werden.

#26 |
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Bodo Hölzer
Bodo Hölzer

Armes Metamizol … es wirkt einfach zu gut und ist zu günstig dabei, ist klar das es vom Markt muss. Gibt bestimmt schon ein Mittel in Entwicklung was 10-100x soviel kostet und letztlich auch nicht besser verträglich ist ;)

#25 |
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#23
Wie stellen Sie sich das vor?
Soll der Arzt während der Sprechstunde den Waschzettel vorlesen? oder gar die Fachinformationen? Soll er hinterher abfragen, ob der Patient auch alles verstanden hat?
Ein wenig Eigenverantwortung sollte man Patienten schon zubilligen – und für Rückfragen selbstverständlich zur Verfügung stehen.

#24 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

Man könnte auch fordern, daß analog zur OP- und Narkoseaufklärung die Aufklärung von Patienten hinsichtlich potentieller Schädigungen durch Medikamente schriftlich dokumentiert werden muß. Ich persönlich wurde noch nie über potentielle UAWs aufgeklärt, weder im KH, noch bei Rezeptierung noch in der Apotheke.

Durch eine Dokumentationspflicht könnte man erreichen, daß die vorgeschriebene Aufklärung tatsächlich stattfindet, was nicht nur für die Patienten gut wäre, sondern außerdem dazu führen würde, daß Ärzte ihre Wissenslücken schließen müßten. Nach meiner Erfahrung wissen viele Ärzte wenig bis gar nichts darüber, wie die von ihnen verwendeten/angeordneten Medikamente wirken und welche UAWs auftreten können.

In der Umsetzung müßte das nicht einmal besonders schwierig oder aufwendig sein. Sowas kann man leicht über Software lösen, welche dem Arzt anzeigt, worüber aufzuklären ist inkl. potentieller Wechselwirkungen. Ohne gesetzliche Verpflichtung wird das allerdings kaum jemand machen. Würde man die Anforderungen entsprechend erhöhen, ließe sich das dann auch entsprechend in der GOÄ berücksichtigen, so daß niemand deswegen draufzahlen muß.

Im Ergebnis würde sich die Qualität der Versorgung der Patienten dadurch deutlich verbessern und Ärzte würden mehr Sicherheit im Umgang mit Medikamenten gewinnen.

#23 |
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Ärztin

#19: Die Entwicklung der letzten Jahre in Frankreich habe ich nicht verfolgt, aber die Palliativmedizin war jedoch in der Vergangenheit lange Zeit Stiefkind, spezielle Schmerztherapie vor 15 Jahren noch unbekannt. Opioide und Benzos lange frei erhältlich, Codein bis 2017 rezeptfrei und der Psychopharmakaverbrauch ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern immer noch legendär.
Ganz schlechter Vergleich!

#22 |
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Apotheker Günther Wick
Apotheker Günther Wick

DAs Ganze ärgert mich etwas. Betrifft doch iv Anwendung. Tabletten könnte man m.E. unter OTC Status stellen.

#21 |
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Eva Kurzweil
Eva Kurzweil

Mich würde nicht wundern wenn schon ein “neues Schmerzmittel” in den Startlöchern steht.
Natürlich um vieles teurer und dessen Nebenwirkungen wir noch nicht mal richtig kennen, auch wenn uns das vorgegaukelt wird.

#20 |
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Dr. med. Wolfgang Knüll
Dr. med. Wolfgang Knüll

Wie machen das bloß die Franzosen ohne Metamizol? Sollten die etwa Ibu und PPI machen? Man muss nicht Amerika folgen mit Opioidorgie. Ich mache mich in diesem Formu nicht beliebt. Das ist nicht meine Absicht.
Nicht zufällig wird die Bezeichnung Mediziner inzwischen fast gleichrangig zu der des Arztes verwendet, und es spricht einiges dafür, dass sich die Berufsangabe „Mediziner“ für die Generation des modernen Gesundheitswesens durchsetzen könnte. Leitet sie sich doch nicht mehr uneingeschränkt von der Verbindlichkeit etwa eines hippokratischen Eides ab, sondern es übernimmt das Gesetz die Führung im Gesundheitswesen, beschreibt den Verantwortungsrahmen für jede Wohltat und Untat und erlaubt in naher Zukunft vielleicht sogar den finalen pharmakologischen Abschuss. Alles legal versteht sich. Hippokrates !

#19 |
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Ärztin

Metamizol/Novaminsulfon/Dipyrone ist bezüglich der Analgesie das wirksamste Nicht-Opioid, auch antipyretisch am wirksamsten, zudem hat es eine sehr gut spasmolytiche Wirkung. Lediglich die antiphlogische Komponente ist weniger ausgeprägt (Karow, Lang: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie). Da macht es in der postoperativen Schmerztherapie und auch der chronischer Schmerzen unverzichtbar. Zudem ist das Nebenwirkungsspektrum nicht nur überschaubar, sondern auch gut behandelbar. Insbesondere muss bei i.v. Applikation an einen massiven Blutdruckabfall bei zu rascher Injektionsgeschwindigkeit gedacht werden. Dies bemerken einige PatientInnen übrigens auch bei der Einnahme einer höheren Dosis als Tropfen auf nüchternen Magen wegen rascher Resorption. Bezüglich der Alternativen möge man sich bitte die derzeitige Opioid-Problematik in den Vereinigten Staaten ansehen. Selbstverständlich sollte insbesondere bei Patienten mit einer allergischen Disposition eine Erstverordnung sorgfältig bedacht werden; das gilt aber für Medikamente jeglicher Art.
Im Gegensatz zur Agranulozytose (eine Leukopenie ist alleine noch keine Agranulozytose), die aufgrund ihre Seltenheit kaum jemand von uns erlebt hat, erlebt jedeR von uns dauernd die teils erheblichen Komplikationen anderer Nicht-Opioide, vor allem der NSAID, die nebenbei ebenfalls die Möglichkeit de Agranulozytose im NW-Spektrum haben (wie auch Thyreostatika, Antikonvulsiva, Sulfonamide, andere Pyrazolone und Makrolide). Eine Agranulozytose sollte aufgrund des schweren Krankheitsbildes gut zu erkennen sein, die Sterblichkeit ist seit dem Einsatz von G-CSF und GM-CSF auf ca. 10% gesunken.
Es gibt diverse Studien und auch Meta-Studien. Einzig jedoch die schwedische Studie von Hedenmalm 2002 errechnete eine hohe Inzidenz von 1:1431, keiner dieser Fälle ging tödlich aus. In Schweden wurde Metamizol 1974 vom Markt, Wiederzulassung erfolgte 1995-1999. Laut dieser Studie kamen auf 10892 ambulante Verordnungen 8 Agranulozytose-Fälle, davon 7 mit Co-Medikation. Alle anderen Studien (Ibanez, „Boston“, Andrade, IAAAS, u.v.m), kamen auf völlig andere Zahlen, grob im Bereich von 1: 1 Million bis 1:9 Millionen. Eine Studie verglich das Mortalitätsrisiko verschiedener Analgetika und kam im Falle von Metamizol auf 25/100 Millionen Behandlungen (zum Vergleich: Paracetamol 20/100 Mio, ASS 185/100 Mio, Diclofenac 592/100 Mio).
Die geschilderten Einzelfälle von ForistInnen hier sind bedauerlich, jedoch stehen diesen Schilderungen die überwältigende Vielzahl unproblematischen Anwendungen gegebenüber. Alle paar Jahre wird die Metamizol-Sau erneut durchs Dorf getrieben und ein bewährtes und allein in Deutschland mit knapp 100 Mio Tagesdosen/Jahr verordnetes, völlig zu Recht rezeptpflichtiges, aber unverzichtbares Analgetikum in Misskredit gebracht.

#18 |
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Herr Kollege Lüdemann hat völlig Recht.

Als Anästhesist habe ich über 30 Jahre allerbeste Erfahrungen mit Metamizol gemacht.
Auch in der Familie ist es ein unersetzliches Medikament bei den zum Glück sehr seltenen Fällen, wo ein solches Mittel gebraucht wird.

Die gefürchteten anaphylaktoiden Reaktionen sind meines Wissens nach nur durch schnelle, unverdünnte i.v. Gaben hervorgerufen worden. Deshalb gibt es die p.O Schmerztherapie in der Klinik nur über Perfusor.

Die Gefahr scheint gebannt.
Jedenfalls ist nie etwas passiert, aber es gab sehr viele zufriedene Patienten.

Ein völlig nebenwirkungsfreies Medikament gibt es offenbar nicht.

#17 |
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“Metamizol muss weg aus dem Normalbetrieb weg.”
Finde ich nicht. Und was ist denn die weniger bedrohliche Alternative die Sie nicht benennen? PCM ist KI bei Lebererkrankungen, NSAR bei Ulcera/Blutungen, die Coxibe sind auch out wegen CVRF.. Bleiben Opiate. Ich habe in jahrelanger Tätigkeit noch nicht einen Fall von Agranlozytose erlebt – im dauernden Bewusstsein, dass es aus diesem Grund in anglosächischen und skandinavischen Länder verboten ist. Und ja, es wird massenhaft verordnet in Deutschland.
Und – ja, ich habe es auch selbst genommen, weil es mir im Rahmen einer Calcaneusfraktur am besten geholfen hat, und im Gegensatz zu Opitaten hatte ich darunter keine Nebenwirkungen. Aber gut, dann verdiene ich den Namen Arzt wohl nicht Ihrer Meinung nach, kann ich mit leben..

#16 |
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Dr. med. Wolfgang Knüll
Dr. med. Wolfgang Knüll

Ich bin langsam zu alt für so eine idiotische Diskussion. Metamizol muss weg aus dem Normalbetrieb weg. Wenn ich das hier zum Teil von Kollegen so lese, mal abgesehen von Tiermedizin, dann fasse ich mich an den Kopf. Hat der Wahnsinn Methode? Gibt es keine weniger bedrohlichen Alternativen zu Metamizol? Doch die gibt es! Bei mir war das Zeug nach Verbot in Amerika raus. Ich wollte niemand versehntlich erledigen. Hippokrates vergessen? Nil Nocere – auf Latein? Muss ich übersetzen? Oder ist alles egal, und nehmen wir sie mal in Kauf, die Agranulozytose.? In meiner Familie bekam das erst kürzlich jemand, wei lder Kram immer noch hierzulande verordnet wird. Zum Glück früh genug abgebrochen, war noch eben reversibel. Wie kann man heutzutage Metamizol einsetzen außer eventuell im Palliativbereich? Welcher von den Ärzten, die hier so das Wort für Metamizol ergreifen nähme es denn selbst oder gäbe es seinen Nächsten? Vermutlich keiner! Was für eine Generation, von Ärzten die den Namen nicht verdienen…

#15 |
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HPA Juliane Deinzer
HPA Juliane Deinzer

Klar, warum fällt erst jetzt auf, dass es eben gar kein ideales Schmerzmittel gibt? Ich vermute sehr stark, dass das Schmerzmittel, das man am Besten verträgt, das ist, das man schon am wenigsten eingenommen hat.
Gezwungen, unter einer geringen Auswahl dem Patienten eine Alternative anzubieten, ist man dann (denke ich) als Arzt dann hochbegeistert von Metamizol. Und wenn dann das Risiko angesprochen wird, wird man dann als Verordner auf dem falschen Fuß erwischt.

Eigentlich wäre das beste Schmerzmittel das körpereigene. Aber natürlich werden die Opiatverschreiber immer gebuht. Kann mir eigentlich jemand sagen, warum z.B. nie Propyphenazon ausgiebiger getestet worden ist? Könnte natürlich sein, dass es nur so lange gut verträglich ist, bis es die große Masse anwendet/angewendet hat.
Persönlich hatte ich von der ersten Einnahme äußerst (!) negative Erfahrungen mit Metamizol, meinem Kopf ging es da nicht gut.
Ibu dagegen hat mich immer “high” gemacht.

Stimme zu, dass Metamizol total beliebt ist, ich persönlich wäre allerdings sofort für die Abschaffung. Und die Frage bleibt, was ist mit alternativen schmerzreduzierenden Möglichkeiten? (Ruhe, Akupunktur, Akupressur, Kälte, Kompression). Ein nebenwirkungsfreies Schmerzmittel wäre echt ein Segen… oder auch ein Fluch, da dann viele nicht mehr auf ihren Körper achten…

Gibt sogar Menschen, die nicht wissen, dass Schmerzmittel auf Dauer längere Zeit angewendet immer einen riesigen Schaden machen. Vllt. manche ganz in weiß.

#14 |
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Gertraud Schmid
Gertraud Schmid

Heilpraktikerin

Bei jedem Medikament sollte das Nebenwirkungsspektrum beachtet werden. Grundsätzlich wichtig erscheint mir, die geringste wirksame Dosis einzustellen.

Jeder Therapeut sollte die (sehr) häufigen und die gravierenden Nebenwirkungen der verordneten Medikamente kennen und ein entsprechendes Monitoring einsetzen. Eine sehr seltene, aber lebensbedrohliche Nebenwirkung muss rechtzeitig erkannt werden können. Mir fällt immer wieder auf, dass Mitmenschen der Ansicht sind, es sei so.

#13 |
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Nichtmedizinische Berufe

Was ich weiß, setzt Schmerzmittel Ibuprofen 400, erst recht 600 dem Einnehmer-Kopf bei Schmerzfreiheit “eine Maske” von Müdigkeit und Unklarheit im Denken auf.
Klaus Fischer, Kelkheim (Taunus)

#12 |
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Dr. med.vet. Stefan Gabriel
Dr. med.vet. Stefan Gabriel

WEIL Metamizol so hervorragend verträglich ist, setzen wir es in der Veterinärmedizin bei einer Vielzahl empfindlicher Spezies ein, die andere Analgetica nicht vertragen. Veterinärmedizinisch absolut unersetzlich !
Was oft vergessen wird: Metamizol ist das einzige NSAID, das unkompliziert mit anderen kombiniert werden kann, ohne potenzierte Nebenwirkungen zu provozieren.
Am eigenen Leibe wurde mir Metamizol in Megadosen anlässlich einer Rückenwirbel-OP tagelang als Dauertropf verpasst. Gut vertragen. Leider bin ich jetzt sensibilisiert und reagiere anaphylaktisch drauf…

#11 |
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Kein Flurpitin, kein Metamizol, Paracetamol bei vielen Indikationen nachgewiesenermaßen unwirksam, Opiate verpönt beim Nichttumorschmerz, NSAR besonders beim geriatrischen und multimorbiden Patienten i.d. Regel kontraindiziert….

Es bleibt Cannabis, Placebo oder Pusten auf die schmerzende Stelle…..

Hurra

#10 |
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Vor 50 Jahren sagte während einer Vorlesung ein Professor (cum grano salis): Auf einen Patienten, der nach Metamizol an einer Agranulozytose erkrankt, kommen drei, die nach ASS an einer Magenblutung versterben. Der Tenor war so, für die Zahlen möchte ich meine Hand nicht ins Feuer legen. Es dürfte schwierig sein, diese Zahlen zu ermitteln, da ASS frei verkäuflich ist.

#9 |
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Wir benutzen in unserer Kleintierklinik Metamizol seit vielen Jahren und es hat sich sehr bewährt : postoperativ nicht wegzudenken; auch bei Patienten , die auf Grund von Magen-Darmproblemen nicht mit NRSA Medikamenten versorgt werden können, hat sich dieses Medikament als Alternative herauskristallisiert. Störungen des Blutbildes konnten wir bei Hunden und Katzen bisher nicht beobachten, wiewohl dieses postoperativ gut kontrolliert wird.

#8 |
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Dr. med. Joachim Härlin
Dr. med. Joachim Härlin

Metamizol werde ich nie verordnen. Aus 2 Gründen:
1) Ein Patient meines Vaters (Allgemein-Mediziner) ist an der Agranulozytose verstorben
2) Ich selbst (Dermatologe) habe eine 25-jährige betreut, die nach einem schweren Sturz Metamizol erhielt, dann an einer schweren Knochemarksschädigung erkrankte und bei der anschließend aufgrund der schweren Dauerfolgen ihr künftiges weiteres Leben vollkommen in Brüche ging

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Nichtmedizinische Berufe

Metamizol ist – seit ich Oxycodon nicht mehr nehme – das einzige Schmerzmedikament, das ich vertrage , da es mir weder auf den Magen geht noch Asthma verschlechtert.
Würde es wegfallen, wäre ich offen gesagt etwas ratlos – hieße das zurück zu Oxycodon?
In Spanien kostet Metamizol beispielsweise die 20er Packung unter 3 Euro – da ist nicht viel Gewinn drin.

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ulf gebhardt
ulf gebhardt

Mit einem Verbot von Metamizol würde die Kommission ihrer Linie treu bleiben, hochwirksame Medikamente mit geringen Nebenwirkungen zu verbieten, weil die Profitmöglichkeiten der Pharmaindustrie dadurch limitiert sind.
Genau das gleiche hat man ja auch schon sehr erfolgreich z.B. bei Strophantin gemacht, zu Lasten der Ärzte und Patienten, aber zu Gunsten der Pharmaindustrie.

#5 |
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Barbara Hempel
Barbara Hempel

Wenn das unkritische Verordnen und das Nichtbedenken einer seltenen, aber schwerwiegenden NW das Problem sind, ist die Lösung doch denkbar einfach: Kritisch Verordnen und Bedenken der NW! Verbieten des Wirkstoffs wäre komplett übers Ziel hinausgeschossen. Mich als Veterinärmedizinerin betrifft es zwar nicht direkt (solange die veterinärspezifischen Formulierungen nicht auch betroffen werden), ich wüsste aber tatsächlich nicht, wie ich im chirurgischen Alltag ohne Metamizol als Baustein einer multimodalen Analgesie auskommen sollte!

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Dr. med. habil. Werner Muehle
Dr. med. habil. Werner Muehle

Dann sollten wir hoffen, dass die EMA nicht ein weiteres wirksames Arzneimittel vom Markt wirft, weil es Kollegen gibt, die das Arzneimittel unkritisch verordnen (Kann das wirklich in Größenordnungen so sein?).

Es wäre nicht die erste eigenartige Entscheidung der entsprechenden Kommission.

#3 |
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Nichtmedizinische Berufe

Hoffentlich bleibt M. uns hier erhalten. Es ist sehr wirksam und hat aus meiner Sicht wenig NW.

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Der Artikel stellt die Frage, warum weiter Metamizol verordnet wird. Die Antwort ist einfach, weil alle andere Schmerzmittel (NSAR) schwere Nebenwirkungen verusachen, wie z.B. Myokardinfarkte, Schlaganfälle, Nierenversagen (oben nicht erwähnt) und regelmäßig GI-Blutungen. Trotz entsprechender Publikation im Dt. ÄB 2014 wird leider weiter ungebremst Diclo, Ibu und Co in Massen vor allem von operativ tätigen Kollegen verordnet, z.T. sind diese frei verkäuflich. Das Risiko dieser Medikamente ist deutlich ! höher als für Metamizol. Über eine Agranuloztose wird immer berichtet, aber auch bei sehr großzügigem Einsatz von Metamizol und sorgfältiger Blutbildkontrolle habe ich diese in den letzten 20 Jahren bei keinem meiner chronisch behandelten Patienten gesehen. Metamizol ist daher deutlich sicherer als NSAR/COX-2-Hemmer. Bei COX-2-Hemmern ist die Datenlage different, aber ohne Entwarnung. Paracetamol ist analgetisch schwach und ebenso wegen der Nebenwirkungen (Leber, Niere) keine Alternative, ASS in hohen Dosen (> 1000 g) in D ungewöhnlich und auch mit GI-Nebenwirkungen / Blutungen assoziiert. Bei entzündlichen Erkrankungen sind Opioide und auch Antikonvulsiva nur nur analgetisch, aber nicht antiphlogistisch wirksam. Was bleibt als Alternative ? Es wäre daher für die Patienten von Schaden, wenn eine per se gut verträgliche Substanz wie Metamizol schlecht gemacht und vom Markt genommen wird. Richtig ist, anhang o.g. Symptome diese seltene Nebenwirkung zu beachten. Aber nur eine gründliche Datenerfassung hilft einzuschätzen, ob das wirkliche Risikopotenzial dieser Substanz dem Tenor dieses Artikels entspricht.

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