Querschnittssyndrom: Ohne Rollstuhl und Krücken

13. Juni 2018

Nächstes Jahr soll das erste Gerät auf den Markt kommen, das es querschnittsgelähmten Menschen ermöglicht, aufrecht zu gehen – ohne Krücken. Das Gleichgewicht regelt das sogenannte Exoskelett selbst. Allerdings muss der Roboter noch viel lernen.

Seit Jahren entwickelt ein französisches Start-up ein Exoskelett, das völlig autonom arbeitet. Gehbeeinträchtigte Menschen wie etwa Querschnittsgelähmte können mithilfe des Roboters eigenständig aus dem Sitz aufstehen und im aufrechten Stand selbstständig Schritte machen. Auf lange Sicht soll es eine Alternative zum Rollstuhl werden.

Das Insektenprinzip

Das Exoskelett existiert auch in der Natur. Insekten oder Krebstiere besitzen beispielsweise eines. Es ist ein Außenskelett, das den Organismus stützt und ihm Stabilität gibt. Im Bereich der Technologie werden Maschinen und Tools gebaut, die in ähnlicher Weise funktionieren und als medizinisches Hilfsmittel eingesetzt werden, meistens in Form von Orthesen.

„Ich bin teilquerschnittsgelähmt und ging immer mit zwei Krücken, bis ich mich schließlich für einen Rollstuhl entscheiden musste, damit meine oberen Gliedmaßen nicht weiter verfallen und ich weniger Schmerzen habe,“ wird Floriane Vintras im Wissenschaftsmagazin New Scientist zitiert. Sie war unter den Versuchspersonen während erster Tests, die mit dem Exoskelett namens „Atlante“ im Vorjahr durchgeführt wurden.

Erstmals ohne Krücken

Zwar sind im Bereich der Exoskelette schon unterschiedlichste Modelle auf dem Markt, aber sie erfordern den Einsatz von Krücken, um das Gleichgewicht zu halten. Für diese Apparate kommen bestimmte Patienten nicht in Frage, beeinträchtigende Faktoren wie Muskelschwäche machen eine Anwendung für sie unmöglich. Das nun entwickelte Modell balanciert die Person, die darin steht, eigenständig und reagiert durch Algorithmen-Technologie mit Sensoren auf menschliche Bewegungen.

 

 

Noch ist der Stützapparat etwas behäbig und bewegt sich nur langsam fort. Die mittlerweile vierte Generation des Modells wiegt laut Angaben des Technologiemagazins Endgadget 60 Kilogramm. Das liegt unter anderem an der großen Batterie und dem Mikrocomputer, der für das Ausbalancieren und die Schrittbewegung zuständig ist. Die Hersteller wollen irgendwann eine Version bauen, die man sich wie einen Anzug überzieht und mit der man nach draußen gehen und im Park spazieren kann. Dafür sind aber viele Erweiterungen notwendig. Batterie und Computer müssten kleiner und leichter werden, der Roboter müsste etwa die Fähigkeit besitzen, Treppen zu steigen.

Der Weg ist noch weit, aber immerhin

Wenn man sich vor Augen hält, dass alle Computer anfangs etwas unhandlich, klobig und träge waren und mit der Zeit optimiert wurden und noch werden, klingt das Exoskelett erstmal nach einer guten Grundlage für weitere Entwicklungen. Im Mai wurde der Roboter bei der diesjährigen Messe Viva Technology in Paris vorgestellt, auch Emmanuel Macron betrachtete ihn aus der Nähe:

 

 

Sollte die Maschine alle nötigen Zulassungen erhalten, geht das Modell laut New Scientist im Frühjahr 2019 in den Verkauf. Wie viel man dafür bezahlen muss, ist noch nicht bekannt. Es ist vorstellbar, dass der Roboter aufgrund hoher Kosten erst einmal in Therapiezentren zum Einsatz kommt. Bleibt die Frage, ob und wenn ja, wann Privatpersonen sich ein Exoskelett leisten werden können.

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Medizin

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1 Kommentar:

Dimitri Masjukow
Dimitri Masjukow

Etwas ähnliches oder sogar besser kann man schon seit einigen Jahren im Internet kaufen.
https://make-eat.ru/jekzoskelet.html
oder
https://symbionix.ru/ru/product/kompanon.html
etc.

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