Brustkrebs: Lasst Tumoren fasten

10. Februar 2010
Teilen

Es ist ein neuer Weg der Brustkrebsprävention - und ließe sich nach ärztlicher Anleitung einfach umsetzen: Die deutliche Kalorienreduktion scheint die Entstehung von Brustkrebszellen massiv zu bremsen, wie die American Association for Cancer Research jetzt mitteilt.

Die Zahlen lesen sich wie ein Wunder. Von 71 auf nur noch 9 Prozent sei die Krebsrate bei Versuchstieren auf Diät gesunken, verkündete unlängst das Fachblatt Cancer Prevention Research. Doch in medizinischen Fachkreisen bliebe die Nachricht womöglich eine von vielen praxisfernen Meldungen – wenn Margot P. Cleary, Professorin am Hornel Institute der University of Minnesota nicht eine kleine Überraschung parat gehabt hätte. Die Kalorienreduktion allein, beschreibt die Forscherin, sei nur der bisher ohnehin bekannte Teil des Präventionspuzzles. Weitaus wichtiger sei die Erkenntnis, auf welche Weise die Kalorienreduktion erfolgen muss, um den Krebs gar nicht entstehen zu lassen. Tatsächlich galt bislang die Lehrmeinung, wonach eine anhaltende Kalorienreduktion den größten protektiven Charakter aufweist. Diäten mit Unterbrechungen, so schien es bisher, würden hingegen die Neubildung von Brustkrebszellen weitaus weniger hemmen. Jetzt aber widerlegte Cleary diese Annahmen, indem sie die Konzentrationen des Wachstumsfaktors IGF-1 bei Labormäusen genauer unter die Lupe nahm. Wie erwartet betrug die Tumorinzidenz bei jenen Tieren, die sich nach Belieben satt fressen konnten, exorbitante 71 Prozent. Und tatsächlich reduzierte der dauerhafte und nachhaltige Entzug von Kalorien diese Rate auf nur noch 35 Prozent. Zur großen Überraschung der Forscherin sank aber die Rate gar auf neun Prozent – doch nur, wenn die Tiere in Intervallen hungerten.

Nach Ansicht von Michael Pollack, Onkologe am Cancer Prevention Center des Jewish General Hospital im kanadischen Montreal, liefere die Studie den „Beweis, dass Kalorienrestriktionen den Hormonspiegel des Organismus verändern und auf diese Weise die Krebsentstehung stoppen, und nicht, indem den Krebszellen Energie entzogen wird“.

Der Glaube, wonach Energieentzug den Krebs besiegt, geistert nach wie vor durch die Medizinerwelt. Weil viele Tumoren Zucker verbrauchen, gingen Forschungsansätze stets von einem Ansatz aus: „Könnte man sie aushungern, wenn man ihnen diesen Stoff wegnimmt, wenn die Patienten eine spezielle Diät einhalten?“ Diese Frage stand beispielsweise auch am 10. Februar 2007 im Mittelpunkt einer öffentlichen Fortbildungsveranstaltung an der Uni Würzburg.

Hormone senken, trotzdem naschen!

Nicht viel, mutmaßt jetzt Krebsmediziner Pollack in Bezug auf derartige Thesen, und setzt einen drauf: Im Umkehrschluss begünstige Übergewicht die Krebsentstehung lediglich infolge gestiegener Wachstumshormonwerte. Vor allem adipöse Menschen seien von hohen IGF-1 Spiegeln bedroht, betont der Kanadier. Wie komplex die Art der Ernährung oder einer Diät den Brustkrebs entstehen oder verhindern kann, zeigten Schweizer Wissenschaftler um Andrea Huwiler vom Institut für Pharmakologie der Universität Bern. Danach wirken beispielsweise Fette als Signalmoleküle, indem sie gezielt in zelluläre Prozesse wie Zellteilung und Zelltod eingreifen. So kommt dem Fett-Botenstoff Sphingosin-1-Phosphat eine Krebswachstum fördernde Funktion zu – es regt nicht nur die Zellteilung an, sondern schützt den Tumor vor dem Zelltod. Zudem fördert Sphingosin-1-Phosphat die Migration von Tumorzellen, eine wichtige Voraussetzung für die Metastasierung. „In Kulturen von Brustkrebszellen konnte gezeigt werden, dass speziell die Sphingosinkinase-1 durch krebsrelevante Wachstumsfaktoren wie Östrogen, Prolaktin oder den epidermalen Wachstumsfaktor EGF hochreguliert wird und dieses Enzym dann Zellwachstum und Zellmigration fördert“, erklärten die Forscher gemeinsam mit dem Team um Josef Pfeilschifter vom Institut für Allgemeine Pharmakologie und Toxikologie am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main im März vergangenen Jahres. Weniger Fett, weniger Krebs, dank weniger riskanter Signalmolekülen? Und was soll man eigentlich beachten?

Glaubt man Cleary’s Ergebnissen, ließe sich als Arzt vor allem eine schlichte Erkenntnis als Empfehlung für die Patienten mitnehmen: Wer seine Kalorien zügelt, senkt das Tumorrisiko – wer zwischendurch nascht und danach erneut abnimmt, senkt es deutlich mehr.

213 Wertungen (4.38 ø)
Allgemein

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

10 Kommentare:

Studentin

Wie soll denn die Konsequenz aus diesen Ergebnissen aussehen? Sollen jetzt alle Frauen präventiv ihr Leben lang eine Diät einhalten, die immer wieder unterbrochen wird damit zu- und direkt wieder abgenommen werden kann?

#10 |
  0
Marion Plathof
Marion Plathof

Ad 1/3: Ausnahmen bestätigen immer die Regel. Es gibt leider viel junge, schlanke Frauen, die Brustkrebs haben.

#9 |
  0
Elisabeth Metz-Melchior
Elisabeth Metz-Melchior

Wie in vielen Fällen heute üblich, es gab genug Ärzte, Laien und Naturheilkundler, die es längst wußten, aber ohne “wissenschaftliche” Nachweise glaubt der Mensch von heute kaum noch etwas.
Wäre schön, wenn solche Artikel auch die breite Masse erreichen würden, statt nur Werbung für Süßes, Coca Cola und Mc Donald und &

#8 |
  0
Heilpraktiker

Wenn wir über den Tellerrand hinausschauen und uns die TCM (Trad. chin. Medizin) betrachten können wir dafür eine Erklärung finden. Humor (Feuchtigkeit) und Pituita (Schleim) erzeugen z.B. Übergewicht sind aber auch für Lipome, Fibrome, Zysten bzw. Tumore allgemein mitverantwortlich. Über die Bösartigkeit des Tumors sagt das noch nicht’s aus, da sind noch andere Faktoren beteiligt. Für die Entstehung von ‘Feuchtigkeit’ ist die Überlastung der Mitte (Milz-Pankreas, Magen) verantwortlich. Die Therapie in der TCM ist jetzt nicht einfach nur abnehmen (was die Mitte auch belastet), sondern gleichzeitig die Mitte stärken über z.B. chinesische Heilkräuter. Das deckt sich interessanterweise auch mit der Studie, in der Intervallabnehmen besser abschneidet: Abnehmen zu schnell oder zu lange schädigt die Mitte. In Intervallen kann sich die Mitte wieder regenerieren.

Werner Lachenmaier, Heilpraktiker

#7 |
  0
Dr. med. Michael Loder
Dr. med. Michael Loder

Ich erinnere an den Aussenseiter Rudolf Breuss, der mit dem 42-Tage Fasten Programm den Krebs besiegt haben wollte.

#6 |
  0

Es ist schon seit längerer Zeit bekannt dass bei Hungerzeiten
zB während Kriege die Anzahl der Krebs und Herzerkrankungen viel weniger war.Wahrscheinlich braucht man viel mehr Zeit bis der Mechanismus klar wird.Jedenfalls eine Diät wäre wahrscheinlich die beste Protektion

#5 |
  0
Iris Appel
Iris Appel

ich denke, die Hormonlage ist ein recht wichtiger Faktor… nicht umsonst schützt Stillen vor Brustkrebs bzw. senkt das Risiko deutlich!

Stillen sollte meiner Meinung nach viel mehr gefördert werden, weil es Kind und Mutter vor so vielen Erkrankungen schützt oder zumindest das Erkrankungsrisiko senkt.
Für Interessierte ein Link:
http://www.promom.org/101/

#4 |
  0
Eva Balster-De Beer
Eva Balster-De Beer

nicht Kalorien reduzieren, sondern Kohlhydrate, siehe Coy-Diät!

#3 |
  0

Ad 1: Man wird kaum eine Studie finden, die sich mit allen Gesichtspunkten eines Themas auseinandersetzen kann…

#2 |
  0
Manfred Pelzl
Manfred Pelzl

so what : KEIN ZUCKER FÜR DEN AFFEN ! (LOU REED : STAY HUNGRY ! ( sometimes…)

#1 |
  0
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: