Besser schneiden mit R2D2

10. Februar 2010
Teilen

Wer vom Roboter am Herzen operiert wurde, kann mit einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität rechnen. Das beweist eine Studie, die von Innsbrucker Herzchirurgen durchgeführt wurde.

Angina pectoris, Herzrhythmusstörungen, akutes Koronarsyndrom, „stumme“ Myokardischämie, akuter Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz und plötzlicher Herztod – die koronare Herzkrankheit (KHK) gehört in den Industrienationen zu den häufigsten Todesursachen. Sie ist führend bei Frauen über dem 65. und Männern ab dem 45. Lebensjahr. Auch in den Entwicklungsländern gewinnt die KHK zunehmend an Bedeutung durch die Annäherung an den westlichen Lebensstil. Österreich liegt in Bezug auf die Mortalität der Erkrankung verglichen mit den übrigen europäischen Staaten im Mittelfeld. Innerhalb des Landes besteht ein deutliches Ost-West-Gefälle: Das Risiko an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, ist in Wien am höchsten.

Medizinrobotik bewährt sich

Die KHK, bei der ein Missverhältnis zwischen myokardialem Sauerstoffbedarf und –angebot vorliegt, entsteht durch einen erhöhten koronaren Widerstand. Dieser wird durch Makroangiopathie und Stenosierung der Koronarterien hervorgerufen, kann aber auch in Folge angeborener stenosierender Muskelbrücken entstehen. Sauerstoffbedarf steigernde Faktoren (z. B. arterielle Hypertonie) oder extrakardiale Parameter (z. B. Hyperthyreose, Anämie oder Lungenerkrankungen) können der Erkrankung zusätzlich Vorschub leisten. Für die Therapie der KHK liegen je nach Schweregrad drei verschiedene Behandlungswege vor: Die konservativ medikamentöse Therapie, endovaskuläre Verfahren mit Ballondilatation oder Stentimplantation und die Bypass-Chirurgie. In ihren grundlegenden Prinzipien hat sich die chirurgische Revaskularisation in den letzten Jahrzehnten kaum verändert. Sie wurde jedoch um minimal-invasive Techniken und den Einsatz von medizinischen Robotersystemen erweitert. Durch diese neuen Strategien wurden in der Koronarchirurgie die Verringerung des Operationstraumas, eine Verkürzung des Krankenhausaufenthaltes, sowie eine frühere Reintegration und Rehabilitation angestrebt. Diese Überlegungen erwiesen sich als richtig, wie eine kürzlich publizierte Studie der Universitätsklinik Innsbruck zeigte: Ein Team der Abteilung für Herzchirurgie konnte eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität nach Roboter-Bypassoperation gegenüber Patienten nach konventioneller chirurgischer Behandlung nachweisen.

Geringes OP-Trauma, maximale Verbesserung

„Nach Roboteroperation können Patienten schon nach 16 Tagen Autofahren, während konventionell Operierte erst nach 35 Tagen am Steuer sitzen. Haushaltstätigkeiten werden nach 18, statt nach 31 Tagen aufgenommen. Sportliche Tätigkeiten wie Radfahren beginnen die Roboterpatienten schon nach einem Monat, während offen operierte Patienten zwei Monate brauchen, bis sie leichten Sport betreiben können“, berichtet Studienleiter Univ.-Doz. Dr. Nikolaos Bonaros. „Auch bezüglich des SF-36 Score, einem Messinstrument für die Lebensqualität, schneiden die Roboterpatienten signifikant besser ab“. Im Gegensatz zum offenen chirurgischen Verfahren, bei dem der Chirurg den Brustkorb des Patienten mit einem circa zwanzig Zentimeter langen Schnitt eröffnet, erhält der Patient beim Robotersystem lediglich drei kleine Incisionen. Die Roboterinstrumente können präzise positioniert werden. Sie sind mit 7 Freiheitsgraden laparoskopischen Instrumenten und der menschlichen Hand beim Manövrieren auf engstem Raum überlegen. Gesteuert wird das Robotersystem vom Chirurgen, der die Präzisionsinstrumente über eine Kontrollkonsole und Steuergriffe führt. Weniger Schmerzen, weniger Wundheilungsstörungen, weniger Blutverlust, weniger Narben, kürzere Krankenhausverweildauer, weniger Einschränkungen im Alltagsleben, rasche Wiederaufnahme der täglichen Aktivitäten: Die Patienten profitieren von der Methode, wie die aktuelle Studie belegt.

Next: Neue DaVinci-Generation und Hybrid-OP

Auf dem Gebiet der Roboter-Bypasschirurgie nimmt Innsbruck weltweit eine Vorreiterrolle ein: Der Operationsroboter Da Vinci ist dort bereits seit neun Jahren im Einsatz. Mit bisher 350 Roboter-Bypassoperationen zeichnet sich die Abteilung für Herzchirurgie als eines der drei weltweit führenden Zentren aus. Derzeit werden neben Bypassoperationen auch Verschlüsse von Vorhofseptumdefekten und Platzierungen spezieller Elektroden zur kardialen Resynchronisationstherapie mit dem Roboter durchgeführt. „Eine Erweiterung der Behandlungsmöglichkeiten für Herzpatienten ist mit der Einführung der nächsten Generation des DaVinci-Systems und mit der Einrichtung eines Hybrid-OPs zu erwarten“, so Bonaros. In diesen OPs werden endoskopische Operationen mit Ballon-Katheterverfahren kombiniert. Interventionelle Kardiologen und Herzchirurgen arbeiten im Team, um Patienten mit multiplen Verengungen an den Herzkranzgefäßen ein minimal-invasives Verfahren zu ermöglichen.

11 Wertungen (4.45 ø)
Allgemein

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: