Schlanke Beine – zum Sterben schön

10. Februar 2010
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Besonders Frauen ärgern sich über einen großen Umfang ihrer Oberschenkel. Beine so schmal wie lang sind aber zumindest medizinisch gar nicht so erstrebenswert. Denn ein geringer Schenkelumfang erhöht offenbar das Risiko einer späteren Herzerkrankung und des Todes.

Dicke Schenkel entsprechen kaum dem gängigen Schönheitsideal, sind allerdings aus medizinischer Sicht mit Vorteilen behaftet. Denn stramme Schenkel mit einem Umfang von 60 cm sind mit Herzgesundheit assoziiert. Frauen und Männer unterhalb dieser magischen Grenze erkranken deutlich häufiger am Herzen und riskieren, früher zu sterben, ergab eine Studie von Berit Heitmann vom Institut für Präventivmedizin des Kopenhagener Universitätskrankenhauses. Damit entdeckte sie vielleicht einen neuen Parameter und Marker des kardiovaskulären Risikos.

Fett: Gefährlich oder harmlos?

Bereits belegt ist eine U-förmige Beziehung zwischen dem Body Mass Index (BMI) und der Mortalität. Sowohl ein zu hoher als auch zu niedriger BMI sind demnach mit Krankheit und Tod assoziiert. Während bei Übergewicht der hohe Fettanteil für das erhöhte Todesrisiko verantwortlich ist, ist es bei Untergewicht wahrscheinlich der zu geringe Anteil an freiem Fett. Im Hinblick auf das kardiovaskuläre Risiko erwies sich allerdings der BMI als nicht so aussagekräftig wie Messungen des zentralen Fettanteils, etwa des Taille-Hüft-Umfangs (Waist-to-Hip-Ratio) oder des Verhältnisses der Körpergröße zur Taille (Waist-to Height-Ratio), ergab eine Metaanalyse (Journal of Clinical Epidemiology 2008; 61: 646-653). Damit ist Fett nicht grundsätzlich gefährlich, jedoch die Verteilung bedeutend. Die aktuelle Studie weist nun eine neue möglicherweise relevante anthropometrische Messung als relevant aus. Dabei zeigte sich des Maß des Oberschenkelumfangs unterhalb der Glutealfalte völlig unabhängig von Messungen des Bauchfetts oder allgemeinen Fetts.

Dünne Beine, krankes Herz

Zugrunde liegt die Auswertung von Daten des dänischen MONICA (Multinational MONItoring of trends and determinants in CArdiovascular disease)-Projekts. Diese von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) initiierte Studie diente in den 80er Jahren der Ermittlung von Risikofaktoren und deren Veränderungen in 21 Ländern. Von den durchschnittlich 50 Jahre alten 2.800 Frauen und Männern lagen verschiedenste Messungen wie Größe, Gewicht, Oberschenkel-, Hüft- und Taillenumfang sowie bioelektrische Impedanzmessungen der Körperzusammensetzung vor. Mittels nationaler Register ließen sich Personen identifizieren, die in den folgenden zehn Jahren kardiovaskulär erkrankten oder nach 12,5 Jahren gestorben waren.

Personen mit dünnen Oberschenkeln, gemessen unterhalb der Glutealfalte, wiesen ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und die koronare Herzkrankheit auf. Auch die Gesamtsterblichkeit betroffener Frauen und Männer war erhöht. Dabei zeigte sich ein Grenzwert von 60 cm. Unterhalb jener Grenze war das Erkrankungs- und Todesrisiko mehr als doppelt so hoch wie bei Menschen mit kräftigeren Schenkeln. Allerdings war noch mehr Schenkelumfang nicht mit einem zusätzlichen Nutzen verbunden. Die Ergebnisse waren von anderen bekannten Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Hyperlipidämie, u.a. unabhängig.

Starke Muckis an Beinen und Herz

Der Fakt, dass die gefundenen Zusammenhänge nicht vom Körperfett oder dem abdominalen Fett abhängen, lässt die Forscher vermuten, dass die geringe Muskelmasse bei dünnen Beinen verantwortlich zu machen ist. Allerdings führten sie keine Untersuchungen der Gewebezusammensetzung durch. Doch stimmt diese Theorie mit anderen Befunden überein, wonach eine geringere Körpermuskelmasse mit der Entwicklung eines Typ-II-Diabetes assoziiert ist und mit einer erhöhten Insulinresistenz einhergeht. Dies hat mit Über- oder Untergewicht zunächst einmal wenig zu tun, was z.B. auch für Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) bekannt ist. Diese weisen speziell an der unteren Extremität einen Muskelschwund auf. Ihr mittlerer Oberschenkeldurchmesser erwies sich in einer Studie als besserer Prädiktor der Mortalität als der BMI.

Möglicherweise ist der geringe Schenkelumfang schlicht ein Maß für mangelnde körperliche Aktivität. Einfaches Gegenmittel wäre demnach Training. Auch wenn die Befunde in weiteren Studien zu bestätigen sind, wie es im zugehörigen Editorial heißt, könnte der Oberschenkelumfang Ärzten helfen, Risikopatienten zu identifizieren.

146 Wertungen (3.86 ø)
Allgemein

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16 Kommentare:

Weitere medizinische Berufe

Ich liiiieeeebe diese z.T. witzigen, z.T. total blöden Kommentare :-))

#16 |
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Tanja Rührmund
Tanja Rührmund

@13: ich verstehe die korrelation zwischen glühwürmchen und straßenlaternen nicht, tät mich interessieren…
und wir haben wieder keinen grund gefunden, sich mittels schokolade den umfang aufzubauen, schade eigentlich…

#15 |
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Benno Mertens
Benno Mertens

Danke Herr Kron (13)!
Wann hören diese Korrelativ-Studien endlich auf? so ähnlich wie das “neue Ergebnis” , dass geringes Übergewicht mit längerem Leben und Untergewicht mit früherem Tod assoziiert ist:
Kann es sein, dass da noch andere Faktoeren eine Rolle spielen? z.B. wiegen Raucher weniger, konsumierende Erkrankungen führen auch zu niedrigerem Körpergewicht, hingegen Sport das Körpergewicht erhöht. Werden diesse Daten aus der Studie herausgerechnet oder ist es in unserer so ergebnisorientierten Forschung nicht eher so , dass jedes signifikante Ergebnis und sei es noch so korrelativ, ausgeschlachtet werden muss?

Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.
MFG

#14 |
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sigrid graeve
sigrid graeve

treibt moderat sport an der frischen luft , esst gesund, am besten biologisch das vsollte reichen wenn sonst nichts patologisches vorliegt

#13 |
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Hat denn niemand die Auswirkungen des Körperfettanteils bzw. des Muskelanteils untersucht? Den Bauchumfang zu messen mag wohl Sinn habem da auch bei sehr entwickelter Bauchmuskulatur die Dicke des Bauchmuskels in cm ausgedrückt nicht so gewaltig wird (von zusätzlich mit Implantaten aufgepumpften Anabolikamonstern einmal abgesehen). Dagegen einen Messwert aufzunehmen, der von zwei Einflussgrößen bestimmt wird, die man nicht trennen kann und deren gegensätzliche Einflüsse man zusammen betrachtet – ich weiß nicht…
Da wird Fett am Oberschenkel, das möglicherweise eher durch Musklen unterfüttert wird, zu “gutem” Fett?

#12 |
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Müsste man zu diesen ominösen 60 cm OS-Umfang (wie gemessen: diagonal parallel zum Verlauf der Glutealfalte oder horizontal?) nicht auch wenigstens Körperlänge und/oder Gewicht in Beziehung setzen? Oder eher mit der Dicke der Fettschicht am OS? Oder die Dicke der Fettschicht am OS mit Körperlänge und/oder Gewicht? Oder die prozentuale Muskelmasse mit dem Umfang u/o die Dicke der Fettschicht am OS mit Körperlänge und/oder Gewicht? Oder alles mit allem/jedem, oder?

#11 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

@ 2:
UNd wie gestaltet sich das dann? (also das binnen 3 Sekunden erkennen anhand der hängenden Brüste)- da müssen Sie aber sehr überzeugend sein, dass die Damen ihre Hüllen fallen lassen…

#10 |
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Ärztin

laufe marathon, fahre fahrrad, mache kitesurfen fahre ski und tauche falle ich nun demnächst tot um( und zwar zu 100%), weil ich keine 60 cm aufzuweisen habe???ich liebe diese wunderbaren und nützlichen untersuchungen, die uns immer wieder mit ihren plattitüden erfreuen und so what…. ab in den papierkorb

#9 |
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Nur eine Randbemerkung: Eine statistische Assoziation oder Korrelation ist etwas anderes als ein kausaler Zusammenhang. Will heißen: Die dünnen Oberschenkel tun gar nichts, nicht einmal das Risiko für einen vorzeitigen Tod erhöhen. Glühwürmchen sind auch nicht die Ursache dafür, dass Staßenlampen leuchten. Eine Korrelation gibt es aber schon.
Der Hinweis, dass mangelnde Muskeln irgendwie ein zeichen dafür sein könnten, dass nicht alles zum Besten steht, ist trotzdem gut.

#8 |
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6 “Risiko des Todes ist eigentlich immer 100%” SEHR GUT

#7 |
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Heilpraktikerin

Das Risiko des Todes ist eigentlich immer 100%. Oder?

#6 |
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Heilpraktikerin

Dem Kommentar von Frau Dr.med. A. Hempel kann ich voll zustimmen. Natürlich sind adipöse Nichtraucher/innen wegen erhöhten Blutfettwerten auch gefährdet. Sportliche Betätigung verschafft nicht unbedingt schlankere Beine, aber festes Bindegewebe. Das ist bei starken Rauchern sehr oft schwächer.

#5 |
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Dr. Sabine Dettling
Dr. Sabine Dettling

Diabetes Typ II wird ja nicht umsonst auch als Muskelmangelerkrankung bezeichnet, wobei Muskelmangel sich nicht nur auf die Oberschenkel bezieht. Wie sieht’s denn bei Menschen aus, welche die o. a. dünnen Oberschenkel, aber dafür eine sehr kräftige Rumpf- u./. Armmuskulatur aufweisen?

#4 |
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Elke Mattasits
Elke Mattasits

Na denn is ja alle bestens bei mir ;o)))

#3 |
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TBB Hermann Cesar
TBB Hermann Cesar

Der Muskelschwund bei Oberschenkeln und Brüsten (Frauen)ist maßgeblich bei Raucher/Innen feststellbar.Auch an den hängenden Wangen ist dies ersichtlich.Logischerweise betreiben diese Gruppen wenig oder kaum Sport,da sie keine Kondition haben und ständig in Zeitnot sind.Für das Inhalieren von 20 Sargnägeln wenden sie täglich ca 2,5 Stunden auf,wobei sie einem zusätzlichen Stress ausgesetzt sind.Ich erkenne Raucher/Innen zu mindest 80% innerhalb von 3 Sekunden.Wetten dass ….

#2 |
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Dr. med. Annerose Hempel
Dr. med. Annerose Hempel

prima

#1 |
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