Friedemann und die Protestapotheker: Wer schreibt, der bleibt

2. August 2013
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Ein Briefwechsel der besonderen Art: Kollegen erhofften sich von Friedemann Schmidt Antworten auf dringende Fragen des Berufsstands. Der ABDA-Chef wich gekonnt aus und erntete postwendend das nächste Schreiben.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit überraschte ABDA-Chef Friedemann Schmidt mit einer ungewöhnlichen Aktion. Im Januar traf er sich mit Protestapothekern zum gemeinsamen Austausch. Es ging um mehr Transparenz, um bessere Möglichkeiten, die Basis einzubinden – aber auch letztlich um einen Dialog. Was vielversprechend begann, geriet schnell ins Stocken. Grund genug für Protestapotheker, einen offenen Brief an Friedemann Schmidt zu schreiben – mit brisantem Inhalt. Kollegen wollen wissen, warum diverse Zukunftsthemen nicht bearbeitet werden.

Brisante Post

Schmidt antwortete umgehend. Wann es „Apotheker 2.0“ mit neuen Kompetenzen gibt, kann auch er nicht sagen. „Die Apothekerschaft beschäftigt sich seit 20 Jahren mit der Neuausrichtung des Berufs und dem Ziel, mehr Verantwortung für Apotheker in der Arzneimittelversorgung zu erreichen“, so seine Einschätzung. Er sieht zwar Fortschritte, das Ziel sei aber keinesfalls erreicht. Auch hätten Kollegen langjährige Erfahrung darin, „Frontalangriffe“ abzuwehren. Schmidt: „Es gab und gibt immer politische und gesellschaftliche Kräfte, die es sich zum Ziel gesetzt haben, unsere Berufsausübung, das Eigentum an unseren Apotheken, die Apothekenpflicht und unsere heilberuflichen Grundwerte infrage zu stellen.“ Entsprechende Strömungen konnten sich aber nicht durchsetzen – „zweifellos ein Ergebnis erfolgreicher  Berufspolitik, welches manche Kolleginnen und Kollegen angesichts der Mühen des apothekerlichen Alltages gelegentlich aus dem Blick verlieren“.

„Simplifizierender Pseudoliberalismus“

Darüber hinaus wollten Apotheker wissen, was die ABDA gegen Angriffe von Krankenkassen zu unternehmen gedenke. „Dass nun der GKV-Spitzenverband in seinem Positionspapier zur Bundestagswahl sich ausgerechnet zum Fürsprecher eines von der Zeit überholten simplifizierenden Pseudoliberalismus macht, ärgert mich ebenso wie Sie“, schreibt Friedemann Schmidt. „Ich halte es allerdings, anders als Sie das offenbar tun, für wenig sinnvoll, dem praktisch ohne mediale oder politische Resonanz gebliebenen Papier durch lautes Gezeter unverdiente Aufmerksamkeit zu verschaffen.“ Diesen Fehler hätten Kollegen in der Vergangenheit schon mehrfach gemacht.

Wir müssen draußen bleiben

Ein weiterer Dauerbrenner: Mit dem ABDA-KBV-Modell versuchen Spitzenverbände, die Versorgungssituation von Patienten zu verbessern. Als zentrale Elemente sehen Pharmazeuten eine Wirkstoffverordnung, einen Medikationskatalog sowie ein Medikationsmanagement. Während das Projekt ins Stocken geraten ist, schlossen der Verband der Ersatzkassen (vdek) und der Hausärzteverband Sachsen-Anhalt einen neuen Vertrag ab. Vorgesehen ist unter anderem – Überraschung – ein Medikationsmanagement, und zwar ohne Apotheker. Friedemann Schmidt kann den Vorwurf, Kollegen würden schrittweise ausgeschlossen, nicht nachvollziehen. Der „Medicheck“ sei auch nur ein „weiterer von vielen untauglichen Versuchen des Hausärzteverbandes und einzelner Krankenkassen, das Zukunftsthema zu besetzen.“ Für den ABDA-Chef ist allerdings auch klar, dass Apotheker keinen Monopolanspruch auf dieses Tätigkeitsfeld haben. „Unser Vorsprung liegt in der Einbeziehung der Selbstmedikation und unserem im Vergleich zur Arztpraxis niedrigschwelligeren Zugang.“

Nur Bares ist Wahres

Mehr Leistung bedeutet aber auch, über neue Honorarmodelle nachzudenken. Laut Schmidt sei es Aufgabe der Apothekerschaft, „Politik und Kassen von der ethischen Verpflichtung sowie der  fachlichen und volkswirtschaftlichen Sinnhaftigkeit der Leistung zu überzeugen und eine angemessene Vergütung zu erreichen“. Während Oppositionsparteien im aktuellen Wahlkampf über eine Abkehr von packungsbezogenen Vergütungen nachdenken, wird dies von der ABDA weder erwogen noch angestrebt. Schmidt: „Uns geht es um eine Ergänzung des bisherigen Vergütungssystems, um konkret leistungsbezogene Elemente“ mit dem Ziel, Anreize zum Ausbau wissensbasierter, pharmazeutischer Dienstleistungen zu schaffen.

Allgemeinplätze ohne konkrete Aussagen

Protestapotheker waren mit diesen Statements nicht wirklich zufrieden. Ihr Vorwurf an Schmidt:  „Sie beantworten leider keine unserer berechtigten und ernst gemeinten Fragen, sondern liefern uns Allgemeinplätze, die keinerlei konkrete und später nachprüfbare Aussagen enthalten.“ Jetzt folgte ein Forderungskatalog. Um Zukunftsperspektiven greifbarer zu machen, ist die ABDA gefordert, ein Konzept zu erarbeiten, wo Kollegen in fünf oder zehn Jahren stehen möchten. Bei der aktuellen Diskussion zum Leitbild sollen nicht nur Delegierte mit eingebunden werden, sondern Apotheker an der Basis. Hier bietet sich eine Umfrage an, und zwar zeitnah, um entsprechende Resultate beim Apothekertag zu besprechen. In Zukunft sind auch innovative Strategien zur Vergütung gefordert: Packungszahlen, Fallzahlen, Zusatzleistungen oder vielleicht eine „Gebührenordnung für Apotheken“ (GOAp).

Kompetenzen stärker einbringen

Bleibt noch eine Altlast: Obwohl sich die Hauptversammlung der ABDA bereits 2003 dafür ausgesprochen hatte, Apotheker in den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zu entsenden, scheiterten entsprechende Pläne bislang am lieben Geld: Einerseits verlangt der G-BA sogenannte Systemzuschläge von Mitgliedern, andererseits erwartet die ABDA höhere Personalkosten im eigenen Hause. Momentan können lediglich pharmazeutische Stellungnahmen abgegeben werden, ohne an Entscheidungen direkt mitzuwirken. Im zweiten Schreiben an Friedemann Schmidt heißt es deshalb, die ABDA solle bis zum DAT ein Konzept erarbeiten, „mit welcher Personalie und mit welchem Budget eine Teilnahme der ABDA zukünftig im Gemeinsamen Bundesausschuss gesichert wird“. Finanzielle Ausflüchte lässt die Basis nicht mehr gelten: „Uns ist bekannt, dass die ABDA Finanzmittel in Höhe von rund 34-35 Millionen Euro im Rücken hat“, stellen Protestapotheker klar.

Starker Rückhalt

Viele Fragen, eine Forderung: „Wir erwarten diesmal eine adäquate Reaktion und die unverzügliche Umsetzung der Forderungen, damit bis zum DAT schon Ergebnisse zu sehen sind“, schreiben Protestler im zweiten Brief. Friedemann Schmidt ließ durchblicken, keine neuerliche Antwort zu verfassen. Das mag insofern erstaunen, als mehr und mehr Kollegen ein Mitspracherecht fordern. Das zweite Schreiben unterzeichneten immerhin 55 Apotheker. An der Basis wächst die Unzufriedenheit.

62 Wertungen (4.58 ø)

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14 Kommentare:

Apotheker Bernd Zahn
Apotheker Bernd Zahn

Bernd Zahn, Adler-Apotheke
Ich kenne Friedemann Schmidt noch aus Zeiten der DDR-Pharmazie.
Die bisherige Kritik findet meine volle Zustimmung. Obwohl sich unser
Präsident sicher bemüht, das Apothekenwesen zu reformieren, aber gegen die
verkrusteten und längst nicht mehr zeitgemäßen Strukturen des Gesundheitswesen kann er auch nur vergeblich ankämpfen.Das mangelnde Interesse zur Teilnahme an den Verbandswahlen spiegelt die Meinung der Basis wider. Wahrscheinlich muß das System erst zusammenbrechen. Aber dann ist es meist zu spät.

#14 |
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Winfried Meyer c./o. www.apointernetclub.blogspot.de
Winfried Meyer c./o. www.apointernetclub.blogspot.de

Sprechen der LAV-Hessen-Vorsitzende Dr. Homann und dessen Vize Dr. Diefenbach die gleiche Sprache, sprechen die Beiden überhaupt miteinander über die mangelnde Kommunikation zwischen ABDA-“Führung” einerseits und ABDA-Gesellschafter andererseits ? Bleibt das alles vorborgen in gleicher Intransparenz von wachsweichen Gemeinplatzformulierungen, wie bei der ABDA ? Warum ?
http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/politik/news/2013/08/05/hessen-wollen-ueber-abda-strukturen-diskutieren/10699.html
(Leserkommentare)

#13 |
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Rolf Lachenmaier
Rolf Lachenmaier
#12 |
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Winfried Meyer c./o. www.apointernetclub.blogspot.de
Winfried Meyer c./o. www.apointernetclub.blogspot.de

Herr Dr. Keshavarz,
59.000 beitragszahlende Pharmazeuten haben sich schlicht + einfach “verzockt” … aus Bequemlichkeit.
Warum formuliere ich so “despektierlich” und provokant ?
siehe z.B. die (leider nur 3) Kommentare in http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/spektrum/news/2013/05/28/kkh-chef-ein-gemeinsames-wichtiges-zukunftsprojekt/10180.html

#11 |
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Dr. Mehdi Keshavarz
Dr. Mehdi Keshavarz

Um Herrn Friedmann Schmidt zu zeigen, daß wir ihn und solche, wie ihn, nicht barauchen, sollten wir Apotheker, die sich nicht länger und mehr knechten lassen wollen auf eine “Abfindung” pochen. Das Vermögen von ABDA (gezahlt durch die Beiträge der Apotheker) wird auf ca. 3,8 Milliarden Euro (Immobilien u.s.w.) geschätzt. Bei einer Apothkerzahl von ca. 21000 sollten wir um eine Verteilung der von den Apothekern in den letzten 40-50 Jahren eingezahlten Beiträgen pochen, dann hätten die Apotheker, die aufhören möchten, eine gute Abfindung und alle die gerne sich weiter durch die Politik und Krankenkassen ärgern lassen wollen, haben die Freiheit sich dies weiter an zu tun. Also, wir brauchen nur eine großartige Solidarität und dann können wir gemeinsam ABDA abschafen und uns endlich befreien. Also, “viva Revolution!”

#10 |
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Dr. Mehdi Keshavarz
Dr. Mehdi Keshavarz

ya

#9 |
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Selbstst. Apothekerin

statt Geld für ineffektive Killefitz-Aktionen auszugeben, wäre die ABDA gut beraten, das dafür eingesparte Geld für die Entsendung in den G-BA auszugeben.
Schließlich müssen sich alle Apotheker mit den Folgen von dessen unfachmännischen Beschlüssen herumschlagen, die oftmals nur entsetztes Kopfschütteln auslösen.
Stichwort “Austauschbare Arzneiformen”.

#8 |
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Apotheker

Schade! Wäre der aktuelle präsidiale Erguss als Videoclip schon früher veröffentlicht worden, währen bestimmt noch mehr Kollegen vom Selbstbeweihräucherungs-Dunst benebelt auf der Schleimspur aus- und in die Unterschriftenliste ´reingerutscht.
Selbstverständlich mit Ausnahme er hinlänglich bekannten Jubelapotheker, die darauf zwar auch ausgerutscht, aber- ihrem Vorturner folgend direkt im A… von Politik und Krakas gelandet sind.

#7 |
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Bisher ist von Herrn Friedland Schmidt nur heiße Luft verbreitet worden. Es gilt immer noch der alte Wahlspruch der ABDA: wer sich bewegt hat verloren.

#6 |
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Gast
Gast

und der liebe Friedemann schaute stumm auf dem ganzen Tisch herum…..ABDA, schlaf weiter !!!

#5 |
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Apothekerin

damit nicht nachgezählt werden muß :
es sind 68 kolleginnen und kollegen.
und bei einem muß ich mich entschuldigen, den dr. titel habe ich vergessen !

#4 |
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Apothekerin

1. die unterzeichner :
Die Unterzeichner
Elisabeth Adolph, Mohren-Apotheke, Cochem
Thomas Arnet, Eberstein Apotheke, Baden-Baden
Gabriela Aures, Rathausapotheke, Gaimersheim,
Florian Becker, Beckersche Apotheke, Bad Waldsee
Ulrike Bohrmann-Witt, Palmen Apotheke, Kassel
Thomas Bongkroll, Senden/Westf.
Bettina Brüggemann, Marien Apotheke, Durmersheim
Ralph Bukowski, Brunnen Apotheke, Ebensfeld
Dr. Hans Rudolf Diefenbach, Rosen Apotheke, Offenbach
(Ausnahme Punkt Finanzstruktur ABDA und Frist Umfrage 10.09.13)
Dieter Dosquet, Herz Apotheke, Viersen
Georg Dribusch, Apo-im TAO-Gesundheitspark, Paderborn
Jochen Eichholtz, Mühlen Apotheke, Nienburg/Weser
Joachim Eisele, Rathaus Apotheke, Hedelfingen
Wolfgang Eisele, Schwäbisch Gmünd
Eckhard Falke, Magnus Apotheke, Hannover
Andreas Flöter, Laurentius Apotheke, Merzenich
Christian Giese, Karl-Apotheke, Karlsruhe
Doris Gresselmeyer, Linden-Apotheke, Bremen
Silke Hans, Wasserburg-Apotheke, Kleve
Maria Happe, Einhorn Apotheke, Münster
Yvonne Höflich, Höflich Apotheke am Kreisel, Manching
Barbara Hoffmann, Apotheke am Bahnhof, Stuttgart
Elisabeth Jedamzik, Ingolstadt
Jürgen Kalthegener, Mommsen-Apotheke, Essen
Björn Kersting, Apotheke Alte Messe, Leipzig
Andreas Kleine, Apotheke bei der Mühle , Wittmund
Dr. Christoph Klotz, Münster
Tobias König, Anker-Apotheke, Haar
Ann-Katrin Kossendey, Kossendeys Gesundheitshaus,
Wiefelstede
Stephan Kurzeder, Stadt Apotheke, Ingolstadt
Tilman La Roche, Seelberg Apotheke, Stuttgart
Rolf Lachenmeier, Berg-Apotheke, Hildesheim
Annett Wahl, Lamberti Apotheke, Nettetal
Paul Leßmöllmann, Essen
Martin Lörzer, Schwan Apotheke, Bad Brückenau
Thomas Luft, Post-Apotheke Neckarhausen, Erdingen-
Neckarhausen
Dr. Andrea Malcher, Regina Apotheke, Düsseldorf
Carmen Mader, Stammham
Anke Marx, Westfalen-Apotheke, Lotte
Olga Massold, Erlen-Apotheke, Isernhagen
Christian Meisen, Windmühlen-Apotheke, Viersen
Reinhard Mertins, Elefanten-Apotheke, Dortmund
Erik Modrack, Limes-Apotheke, Schwalbach
Gunnar Müller, Sonnen-Apotheke, Detmold
Christiane Patzelt, Land-Apotheke, Leegebruch
Christian Redmann, Stadt-Apotheke, Ebermannstadt
Maike Rebentisch, Berg-Apotheke, Hildesheim
Meinolf Reis, St.-Andreas-Apotheke, Eitensheim
Reinhard Rodiger, Berlin
Reinhard Rokitta, Punkt-Apotheke, Bünde
Georg Schmitz-Remy, RüschhausApotheke, Münster
Kai Solka, DocMorris Apotheke , Parchim
Isabella Stavenhagen-Neumann, Gronauer-Apotheke,
Bergisch-Gladbach
Ulrich Ströh, Belvedere-Apotheke, Kiel
Andrei Sucher, Apotheke Alte Messe, Leipzig
Lothar Walter, Max&Moritz Apotheke, Kamen
Christoph Weis, Apotheke am Dom, Geisenheim
Dr. Joachim Wiegert, Adler-Apotheke, Gronau
Klaus Wilhelm, Igel Apotheke , Wallenfels
Dennis Witt, Palmen-Apotheke-Brückenhof, Kassel
Gunnar Witzmann, Köln
Ursula Holder, Stadt Apotheke, Münsingen
Keno Trüper, Donatus Apotheke, Linz am Rhein
Barbara Rehrl, Gaimersheim
M. Ehrlich, Baumschulen Apotheke, Halstenbek
Norbert Mertens, Delphin Apotheke, Paderborn
Dr. Bernd Dotzauer, Neue Apotheke, Grafenberg
Arndt Backhaus,Adler Apotheke , Langenberg

2. wenn ich an das weihnachtsvideo denke….DA hätte fs mal lieber geschwiegen…

#3 |
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Rolf Lachenmaier
Rolf Lachenmaier

Der letzte Stand der Unterzeichner liegt meines Wissens letzte Woche bei 68. Die 55 waren bis zum Terminversand des offenen Briefes an die Fachpresse zustande gekommen…

#2 |
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Apotheker

der neue präsident sondert auch nur warme luft ab.
dazu ist er auch noch arrogant

#1 |
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