Hausärzte: „Fußabtreter der Nation“

23. Mai 2018

Hausärzte sollen alle Erkrankungen erkennen, dabei nicht zu viel Diagnostik machen, immer schnell sein und bitte auch auf die Kosten achten. Wie soll das gehen? Kollegin Dr. Sandra Masannek, Fachärztin für Allgemeinmedizin, nennt es die Quadratur des Kreises.

 

Das Interview in schriftlicher Ausführung:

Dr. med. Sandra Masannek, Fachärztin für Allgemeinmedizin:

„Auf gesundheitspolitischer Ebene ist man so ein bisschen der Fußabtreter der Nation. Also auch wenn man es leider manchmal – glaube ich – in der Ärztekammer nicht ganz einfach mit der Position der Hausärzte hat, weil bei uns landet einfach alles. Wenn ein Kollege sagt: „Der Patient ist austherapiert“, kann ich den nicht wegschicken. Der sitzt bei mir. Wenn irgendein Kollege ganz salopp sagt: „Das Labor muss mal eben abgenommen werden“, dann kommt der damit zu mir. Sodass man also für alle auch manchmal ein bisschen die Drecksarbeit machen muss. Oder eben – wenn wirklich ein Kollege nicht aufklärt, dass eine bösartige Erkrankung vorliegt – sitzt der Patient weinend bei uns.

Sind die Erwartungen an Sie als Hausärztin zu hoch?

Es ist so: Als Hausarzt werden von unheimlich vielen Seiten Erwartungen an einen herangetragen und diese Erwartungen widersprechen sich. Beispiel: Wir sollen Antibiotika nicht verschreiben wenn sie nicht indiziert sind. Verständlich und medizinisch richtig. Der Patient kommt aber mit der Erwartung: Schnell Antibiotika, schnell fit, der Arbeitgeber hängt ihm im Nacken und er soll schnell wieder arbeiten.

Das heißt der Patient sitzt hier und ich kann versuchen ihm das zu erklären. Dafür brauch ich viel Zeit, ich hab aber viele Leute [im Wartezimmer]– dann passt das wieder nicht zusammen.

Ich soll alles erkennen, soll aber gleichzeitig einen Patienten, der eher ein psychosomatisches Problem hat nicht zu viel Diagnostik machen, weil man weiß, dass das seinen Zustand verschlimmert. Aber auch da wieder, der Patient erwartet was, wir müssen allen anderen Erwartungen gerecht werden und dann sollen wir auch noch auf die Kosten achten.

Das ist die Quadratur des Kreises, mit all diesen Anforderungen. Eine alleine kriegen wir hin, zwei kriegen wir auch noch unter einen Hut. Alle zusammen wird dann manchmal echt schwierig.

Wie lässt sich die Situation für Hausärzte verbessern?

Also was sich ändern sollte wäre meiner Meinung nach, dass Arbeitnehmer erst mal wirklich zu Hause bleiben können. Für bis zu fünf Tage ohne AO. Dann hätten wir den Kopf frei für die Patienten, die es brauchen und bräuchten nicht für einen Verwaltungsakt ­– der normalerweise ein Telefonanruf ist wie „Ich kann heut nicht kommen“ – hier fünf bis zehn Minuten mit allem Pipapo, Papierkram, Dokumentation und bla. Obwohl die Patienten nicht so krank sind, dass sie uns brauchen.

Haben sie aus wirtschaftlichen Gründen Ihre Therapie schon einmal angepasst?

Jein. Dass ich die Therapie komplett über den Haufen geworfen habe: Nein, das nicht. Aber in der Umsetzung der Therapie haben wir es ja manchmal schwer.

Beispiel: Aufgrund der langen Anfahrtswege hier auf dem Land. Vor Kurzem kam ein Patient, war am Arm operiert worden – Bizepssehnenruptur – der brauchte Physiotherapie. Wir haben genau zwei Orthopäden hier, Termin in vier Monaten [möglich]. Der braucht seine Physiotherapie aber jetzt. Das heißt: Unser Budget wird entweder belastet mit der Physiotherapie oder wir müssen ihn irgendwie wieder in die Warteliste kriegen. Das heißt, entweder ich hänge mich ans Telefon – oder ich lass meinen Patienten hängen – oder ich belaste mein Budget, mit etwas, das eigentlich orthopädisch ist und uns damit wirtschaftlich auf die Füße fällt.

Warum würden Sie Studenten den Beruf des Hausarztes empfehlen?

Weil es gewissermaßen die Essenz des Arztes ist. Also einerseits hat es diese wahnsinnige Breite. Keine Scheuklappen, es kann alles kommen. Die andere Sache ist, weil man auch glaub ich manchmal – zumindest wenn man reinschnuppert – danach den Hausarzt besser versteht. Und weil man im Studium sehr gerne die total abgefahrenen seltenen Sachen lernt, aber manchmal den Bezug zur Basis verliert. Da ist die Hausarzt-Medizin [wieder] die Basis.“

78 Wertungen (4.72 ø)

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25 Kommentare:

Rolf Horn
Rolf Horn

Liebe Frau Kollegin, Sie haben vollkommen Recht. Nur sollte man noch erwähnen, dass wir Hausärzte von einer Facharzt KV regiert werden, die wenig Verständnis für diese unsere Belange übrig hat und so wird sich in Zukunft auch nichts an dem hausgemachten Hausarztmangel ändern!

#25 |
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Also bei manchen Kommentaren hier drängt sich mir doch wirklich die Frage auf, warum hier Hinz und Kunz ohne jegliches medizinische oder gesundheitspolitische Fachwissen mitdiskutieren darf.
Ein IQ von 130 scheint da auch weder für die Rechtschreibung noch für eine sachliche und produktive Diskussion hilfreich zu sein.
Zum frustrierten Rumstänkern sollte man sich doch ein anderes Forum suchen.

Zur Sache:
Hausarzt zu sein ist ein schöner Beruf, ich würde es wieder werden und kann es auch dem medizinischen Nachwuchs empfehlen.
Es gibt Dinge, die es einem schwer machen, aber gerade die persönlichiche Bindung zu den Patienten, und auch die Wertschätzung, die einem von dieser Seite entgegengebracht wird, das selbstbestimmtere Arbeiten (gegenüber der Klinik), und dass man wirklich die ganze Bandbreite der Medizin sieht und abdeckt, machen den Job schön und interessant und bis zu einem gewissen Grad auch familientauglich.

Dennoch stehe ich völlig hinter dem, was Fr. Dr. Masannek gesagt hat, was, wie ich denke, nicht als Jammern, sondern als Hinweis auf Missstände zu verstehen ist. Nicht umsonst gibt es reihenweise Praxen, die schließen und keinen Nachfolger finden. Nicht umsonst möchte kaum einer den Job mehr machen.
Wie anscheinend Herr Abendroth, der uns als “Kammerbonzen” tituliert, nicht weiß, sind nun mal die Haus- und Kinderärzte die am schlechtesten verdienenden unter allen Medizinern. Auch hier bitte nicht als Jammern verstehen, aber es ist nun mal Tatsache, dass weiterhin die apparative Medizin um ein vielfaches besser bezahlt wird, als die “Barfußmedizin” , die sprechende Medizin der Hausärzte. Gleichzeitig ist es aber das, was meistens eigentlich vonnöten ist. Jemand der erstmal zuhört, das Problem erfasst, dem Patienten ERKLÄRT und bespricht, was zu tun ist. Das kostet Zeit.
Umso ärgerlicher finde ich da, dass von Fachärzten häufig die Leistung abgerechnet wird, deren Inhalt eigentlich auch eine Patienteninformation ist, aber kein Gespräch mit dem Patienten erfolgt, sondern er dann an den Hausarzt verwiesen wird “Der bespricht das dann mit ihnen.”
Zeit , die sich kaum angemessen in einer Ziffer wiederspiegeln lässt.
Ganz zu schweigen von den Anforderungen der verschiedenen Fachärzte, der Hausarzt möge Labor abnehmen, Neurologen, Orthopäden, HNO Ärzte haben da beim Blutabnehmen oft 2 linke Hände. Komisch nur , dass es bei Privatpatienten dennoch funktioniert….
Dann soll der Hausarztin bitte auch noch die empfohlenen Medikamente aufschreiben, PPI und Eradikation vom Gastroenterologen, diverse Antiepileptika und Psychopharmaka vom Neurologen, Schmerzmittel vom Otrhopäden, das bisschen Tamsulosin vom Urologen fällt da gar nicht mehr ins Gewicht…
Der Orthopäde hat dann auch leider nur versucht die Spritzen für 200 Euro an den Mann zu bringen, die der Patient dankend abgelehnt hat, nun steht der Patient wieder bei uns, und wir verordnen dann also die Physio.

Fest steht, die Hausärzte haben im Vergleich zu den Fachärzten eine deutlich kleinere Lobby und einen viel geringeren kammerpolitischen Einfluss, obwohl sie mengenmäßig die größte Einzelne Gruppe darstellen. Da sollte sich was ändern.
Dazu müssen wir uns als Hausärzte natürlich auch selbst engagieren!!

Zum Zweiten denke ich auch, dass die arztbezogene Budgetierung ein großes Problem ist. Wenn die Indikation stimmt sollte die Diagnostik und Therapie nicht von einem Budget abhängen.

#24 |
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Nichtmedizinische Berufe

ja, und man stelle sich nur vor man ist krank und erwerbsunfähig und im SGB inkl manipuliertem Existensminimum Begrenzung deportiert… ich denke mal laut: wenn der Akademiker mit mutmaßlich Erwerbsumfang 3000+ ein Fußabtreter sein soll, wo stehe ich dann eigentlich? …lalala Dreck in den Ritzen im Paket… ich glaube so vervollständigt sich das zu einem Bild. Ich freue mich schon auf meinen Hausarzt Besuch, packe ganz viel Mitgefühl ein wenn ich aus der Ritze im Paket krieche und rutsche am besten mit dem was ich habe als Mitgefühl für die armen Fußmatten auf den Knien bereits ab meine Haustür.

Ja es gibt Missstände aber liebe intellektuellen hier, Metapher sind eher Populismus als irgendwas mit Ratio und das ist für einen Menschen jenseits IQ 130 zusätzlich zum SGB, CDU, FTP, …. eine ziemliche Ohrfeige.

Aber tatsächlich bin ich ja nicht Druck im der Ritze im Parkett und ich entlastete die Ärzte und Ärztinnen am besten vor ihrem Empfindungen sich als Fußmatten zu sehen dadurch dass ich brav u leise meine Schmerzen nutze und Schmerz ist ja neurale Energie und schaffe schaffe Empathie abbaue, womöglich wird es ja noch gewalttätigen um kriegen gehen und dann weiß ich ja noch wer sich als Fußmatte angeboten hatte. Leidensdruck möge da helfen, schön feste drücken Frau Dr. med. pressen und atmen nicht vergessen. Ich warte schon seit 2004 auf meine Leid Entbindung.

Und jetzt alle einstimmig bitte: ooohhhhu mimimi, arme Fussmatte, arme arme, ooohhhh, lasset uns betten dass man später Fussmatten Upcycelt oder ordentlich in Pflege an den Rand deportiert.

Gesundheit und Segen, Salve Römers und Barbarista. Heulem wir alle bisschen leiser und preisen die Clouds die dies uns stumm jedem für sich erlaut.

Wer möchte darf differenzial diagnostotizieren gegem Psychose ud oder etwas was ihr neural nicht fassen fähig seid.

#23 |
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P.S. Und bevor wer auch immer über mich herfällt: ich bin nicht “nur” Radiologe, ich habe 1 Jahr Innere, 1 1/2 Jahre Allgemeinmedizin und 1 Jahr universitäre Chirurgie auf der Uhr. Ich denke, ich weiß, worüber ich rede.

#22 |
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@11 ff.
Heute saß eine Hausärztin bei mir, die sich die Lunge hat röntgen lassen zum Ausschluß Pneumonie. Symptome: produktiver Husten, kein Fieber, leicht gelblicher Auswurf. Selbstauskultatorisch eine gewisse Spastik rechte Lunge.
Radiologisch keine Pneumonie, etwas Zeichnungsvermehrung re. Unterlappen, z.B. Bronchitis. Sie fragte mich, was ich denn empfehlen würde. Ich sagte, ich empfähle einen pflanzlichen Schleimlöser (z.B. Gelomyrtol ft. (R)), Inhalationen mit echten Kamilleblüten (Apotheke), evtl. in den Sud 1 Tropfen Pfefferminzkonzentrat. Da die meisten Atemwegsinfekte viral sind, kein Antibiotikum. Gewisse körperliche Ruhe, aber ruhige Spaziergänge, viel trinken. Die Idee fand sie prima. Daher frage ich jetzt: warum hauen wir so oft mit der Antibiotikakeule um uns? Ich habe in meinen 5 Lebensjahrzehnten bestenfalls 6-7 Mal ein Antibiotikum verordnet bekommen oder selbst verordnet, früher wegen häufiger Mittelohrentzündungen, in den letzten 30 Jahren nur zweimal. Kenne aber Patienten, die 3-4 Mal im Jahr beim Arzt sind und jedesmal ein Antibiotikum bekommen, ob Bauchweh, Halsweh oder Tinnitus. Das kann doch so nicht gehen.

#21 |
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Ich denke es ist ambivalent: Ja es ist ein schwerer Job ebenso wie der Pädiater, der der HA für das Kind ist. Andererseits: leitliniengerechte und sorgfältige Therapie sollten alle FÄ (vor allem im direkten Patientenkontakt) praktizieren. Das betrifft also auch viele andere Sprechstunden. Und letztlich werden hier Schwierigkeiten angesprochen, die zum Alltag des HA gehören und die man mit der Wahl dieses FA dann auch in Kauf nimmt, auch wenn es vielleicht anfangs nicht so bewusst ist.

#20 |
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Nichtmedizinische Berufe

Für Hausarzt und FA f.Allgemeinmedizin ist zweifellos eine gute Sozialkompetenz für den Arzt und Patient von großer Bedeutung. Diese führt in der Regel zu einer schnellen und guten Anamnese/Diagnose und damit meistens zu einer entweder treffsicheren Behandlung oder Überweisung zu einem zuständigen FA. Letztere wiederum ergänzt durch Rück-Bericht an den überweisenden Hausarzt dessen Patientenakte und verstärkt gleichzeitig das Vertrauensverhältnis von HA und FA.

#19 |
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Nichtmedizinische Berufe

Mein Vorschlag an die Ärzteschaft wäre, dass diese sich über ihre Interessenverbände mehr zur Wehr setzen gegenüber den Politikern, die die Gesetze machen.
Es gibt sooo vieles zu verbessern im Sinne der Interessen von Patienten und Ärzten.
Ein Arzt sollte ausreichend Zeit haben, sich mit einem Patienten zu beschäftigen, d. h. der Zeitfaktor sollte viel mehr berücksichtigt werden bei den ärztlichen Honoraren.
Ich selbst bin chronisch krank und behaupte, dass es VIEL teurer ist für die kranken Kassen und damit für die Allgemeinheit, wenn die Diagnose durch Zeitmangel der Ärzte viel später gestellt wird. Das wäre zumindest zu einem wesentlichen Teil zu verhindern, wenn ein Arzt mehr Zeit fürs Nachdenken bekäme.
Hinzu kommt der Schaden für den Patienten, der bei einer spät erkannten Krankheit oft bleibende Schäden bereits hat.
Von den Kosten für evtl. Frühberentungen will ich ganz schweigen …

#18 |
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Dr. med. Walter Bachmann
Dr. med. Walter Bachmann

Einer meiner früheren Chefs:”Hausärzte sind auch Aerzte”.
Die Interpretation ist ambivalent!
Dr.Walter Bachmann

#17 |
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Das Problem der Anerkennung unserer Arbeitsleistung lässt sich nicht mit den hier angesprochenen Bemühungen lösen. Sie sind ja gerade der Irrweg, den Politik und Standespolitik seit Jahrzehnten gehen und uns damit immer mehr ins Hamsterrad zwingen.

Diesem Dilemma ist alleine zu entkommen, wenn – erstens – die vom Patienten geforderte ARZTZEIT honoriert wird und – zweitens – dieser Patient dann SELBST die Rechnung dafür erhält. Darin allein steckt die Chance, den “Markt” zu regulieren, aber nicht im ewig gleichen Überstülpen von heute versuchten und morgen vergessenen “Regularien”!

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1 Wir brauchen mehr gut qualifizierte Hausärzte, keine Freibriefe ungestraft als Arbeitnehmer zu Hause bleiben zu dürfen.
Aber das Problem mit mehr und besser wurde schon vor 50 Jahren diskutiert aber Dank reichl.Dummheit der Weichensteller hat sich bislang nichts geändert.Es soll immer nochPoliziker, Kaufleute und Journalisten geben, die von einer Überversorgung sprechen.
2 Früher wurden die Kinder von Hausärzten selbst auch gerne welche (z.B. ich selbst) Die Folgegenarition sagt dazu nur lapidar, das sie sich von Politik und Kassen nicht verarschen lässt. Fragwürdiges Qualitätsmangment (schauen sie mal in die Kliniken mit den Superstatistiken, als Hausarzt sieht den Murks, der dann ganz anders aussieht) Regressgefahr, dümmliche Anfragen und Besserwisserei von aussen (s.u) und nun auch noch Datenschutz führen dazu , dass sich die Jungen lieber anstellen lassen oder gleich ins Ausland gehen wo bessere Arbeitsbedingungen herrschen.

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Sehr geehrter HERR A B E D R O T H (und nur an IHRE Adresse),

ich hoffe, dass Ihnen nach der Antwort von Frau Dr. med. Masannek ein wenig eindämmert wie peinlich und plakativ Ihr Kommentar ist und Sie sich zutiefst dafür schämen, wie unqualifiziert Sie -als offensichtlich “Nicht-Mediziner”, der keine Ahnung von dem eigentlich angesprochenem Problem hat- Ihren Senf absondern.
Es kling so, als hätten Sie irgendwo die Thematik der Antibiotika-Resistenzen aufgeschnappt und sind obendrein auch noch so unverschämt dreist, dass Sie noch eine “strafrechtlich zu verfolgendes Fehlverhalten” ins Spiel bringen.
Wenn berufserfahrene Kollegen unter uns verstehen, was ich meine und wo man SIE vom geistigen Niveau her anzusiedeln muss, wissen diese bestimmt auch, dass man Ihre Unterstellung:”….Schuld sind immer die anderen, vor allem der böse Staat, wirtsachaftliche Zwänge … Schlimmes Gejammere wie üblich bei den Kammerbonzen…” nicht weiter kommentieren muss.
Ein trauriges Dilemma, dass jeder wie SIE ein Forum bekommt, um zu Allem seinen Senf abzugeben. Dies endet noch fatal! Die Anfänge sieht man schon in unseren Medien.
Sie haben das Problem nicht verstanden. Sie haben völlig am Thema vorbei kommentiert. Und dann noch so bösartig.

#14 |
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Dr. Gero Schwarz
Dr. Gero Schwarz

gfd

#13 |
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Sehr geehrter Herr Abendroth,

ich habe im Interview nicht gesagt, dass ich diese Antibiotika verschreibe, nur dass sie erwartet werden und es Zeit kostet, das dem Patienten zu erklären und damit nicht zum “schnell, schnell” und einem vollen Wartezimmer passt. Sie können gern mal in der Infektsaison bei uns mitlaufen und sich davon selbst überzeugen, gerade wenn Sie direkt das Strafgesetzbuch bemühen möchten.
Vom “bösen Staat” ist ebenfalls im Interview nicht die Rede, sondern von (jede für sich genommen verständlichen, aber in Kombination schwierigen) Anforderungen. Also bitte, bevor Sie ausfallend werden (“Kammerbonzen”) erstmal in Ruhe lesen, das wäre sehr freundlich.

#12 |
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Medizinjournalist

Nicht indizierte Antibiotika zu verschreiben und damit zur Verbreitung von Resistenzen beizutragen, lässt sich mit “Zeitmangel” und/oder “Druck der Patienten” kaum rechtfertigen. In meinen Augen liegt hier ein fast schon ein strafrechtlich zu verfolgendes Fehlverhalten vor. Verordnen Sie auch Opioide nach diesem Schema? Und ansonsten: Schuld sind immer die anderen, vor allem der böse Staat, wirtsachaftliche Zwänge … Schlimmes Gejammere wie üblich bei den Kammerbonzen..

#11 |
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Nichtmedizinische Berufe

“Wir sollen Antibiotika nicht verschreiben wenn sie nicht indiziert sind. Verständlich und medizinisch richtig. Der Patient kommt aber mit der Erwartung: Schnell Antibiotika, schnell fit, der Arbeitgeber hängt ihm im Nacken und er soll schnell wieder arbeiten.”
Wenn das Antibiotikum nicht indiziert ist, kann er nicht schneller arbeiten, weil es nix nützt. Wenn es doch was nützt , war es indiziert und es wurde was übersehen, beispielsweise eine Seitenstrangangina.
“Also was sich ändern sollte wäre meiner Meinung nach, dass Arbeitnehmer erst mal wirklich zu Hause bleiben können. Für bis zu fünf Tage ohne AO. .”
Vollkommen richtig. Liegt imho am grundsätzlichen Misstrauen hierzulande gegenüber dem Bürger.
In Dänemark gibt es grundsätzlich überhaupt keine Verpflichtung zu ärztlichen Krankschreibungen. Wenn ein Arbeitgeber diese trotzdem haben will, muss er dafür eine Gebühr (etwa 175 Euro) zahlen.
In Schweden ist nach 8 Tagen ein Attest erforderlich ,
nur die Franzosen toppen uns.
Genauso die Unsitte ,dass Schulen immer öfter ein ärztliches Attest verlangen – anstatt eine Entschuldigung der Eltern.
“Der braucht seine Physiotherapie aber jetzt. Das heißt: Unser Budget wird entweder belastet mit der Physiotherapie ”
Die Budgetierung ist Unsinn. Hier trifft zu, was ich vorher über das grundsätzliche Misstrauen gesagt habe, nicht nur dem Bürger gegenüber , sndern auch der Ärzteschaft.

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Hi,
auch verlorene Zeit – Impfpass. Er muß elektronisch sein (GK hat für das eine gute Möglichkeit. Chip ist schon drin).

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ein kleiner aber sehr gut beschriebener Teil des Hausarztseins. Unsere Gewissenhaftigkeit steht im Konflikt zu den Bedingungen, die uns auferlegt werden und die, wenn man sie offenlegt, niemand glaubt. Das ist zermübend, es erleichterte mir erheblich das Aufgeben dieses eigentlich tollen Berufes.

#8 |
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Nichtmedizinische Berufe

Die Budgetierung, hat in den letzten 30 Jahren zu keiner Verbesserung der medizinischen Versorgung geführt. Ganz im Gegenteil. Das sieht man an diesem Beispiel deutlich.
Die Hausärzte haben auf jeden Fall mehr Chancen, diese und andere Forderungen politisch durchzusetzen, wenn sie sich mit den grundversorgenden Fachärzten zusammentun, in einem fachübergreifenden Verband wie dem NAV-Virchow-Bund: http://bit.ly/2IIGumI. Der Streit Hausärzte vs. Fachärzte ist doch von gestern! Im Berufsalltag klappt’s ja auch mit der Kooperation…

#7 |
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Mein Wunsch war es, seit der Kindheit, Allgemeinmediziner zu werden. Allerdings ist mir bei genanntem Kostendruck, Fremdbestimmung und möglichen Regressforderungen die Lust an dieser FA-Ausbildung vergangen.

#6 |
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Der Präsident der Bundesärztekammer, der radiologische Kollege Prof. h.c. (HH) Dr. med. Frank Ulrich Montgomery und BÄK-Vorstandsmitglied bzw. langjähriger bayrischer Landesärztekammer-“Hausarzt”-Präsident Dr. Max Kaplan aus München beschwören alljährlich auf dem Deutschen Ärztetag den unmittelbar bevorstehenden Paradigmenwechsel der hausärztlichen Tätigkeiten: Hin zum unverzichtbaren Lotsen und gutbezahlten bio-psycho-sozialen Generalisten in der täglichen Krankenversorgung in Stadt und Land. Und weg vom Hausbesuchs-“Treppenterrier” als gesundheitspolitischem Aushilfs-Gemischtwarenladen mit Austausch von Allgemeinplätzen in MVZ’s bzw. Familien- und Hausarzt-Praxen.
Dazu meine persönliche hausärztliche Standortbestimmung:
Permanente Missachtung der hausärztlichen Allgemeinmedizin, die 80 bis 85 Prozent aller Beratungsanlässe lösen und zugleich Lotsenfunktion bzw. notwendiges Nadelöhr für ambulante/klinische fach- und spezialärztliche Weiterbehandlung darstellen kann, bedeutet ökologisch wie ökonomisch eine Vergeudung vorhandener Ressourcen plan- und sinnvoller Stufendiagnostik und -therapie. Denn in der biografischen Lebenswirklichkeit unserer Patientinnen und Patienten bzw. im ärztlichen Behandlungsalltag zwischen lapidaren Befindlichkeits-störung und hochdramatischen Krankheiten sind die fach-/spezialärztlichen Behandlungen und klinischen Krankenhausbehandlungen grundsätzlich Ausnahmesituationen. Die lebenslange, generationenübergreifende, bio-psycho-soziale Begleitung ist das Metier der hausärztlichen Profession.
• Steuerung (Lotsenfunktion) und Koordination mit abgestuften und offen vernetzten Strukturen durch primärmedizinische Hausärzte/-innen auf der Basis von präformiertem, geschultem medizinischen Laienwissen, allgemeinärztlich-internistisch-pädiatrischen Grundversorgung, fachärztlicher-, spezialmedizinischer-, ambulanter bis stationärer Stufendiagnostik, Therapie und Versorgung vom Kreiskrankenhaus bis zur Universitätsklinik sind realisierbar. Das Paradoxon von Versorgungsungleichheit im ländlichen und städtischen Raum, in Ballungszentren, sozialen Brennpunkten und Randbezirken, aber auch die Massenabfertigung in vielen Praxen, Fließbandmedizin in manchen Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), Arbeitsverdichtung in den Kliniken führen zur Reduzierung von Empathie, Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und gegenseitigem Respekt von Patienten wie Ärzten.
• Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und auch Private Krankenversicherung (PKV) im ausbalancierten Spannungsverhältnis zwischen Solidarität der Versichertengemeinschaft, Selbstverantwortung und Subsidiarität müssen ausschließen, dass Krankenversicherte in einer Art „flatrate“ oder „all you can eat“ Manier besinnungslos personelle und technische Medizinbetriebsressourcen abgreifen – ohne Steuerung durch Gesundheitserziehung, Prävention, medizinische Fachberufe, Ärztinnen und Ärzte im primärmedizinischen Bereich. Gesunder Menschenverstand, bewährte Hausmittel insbesondere bei Bagatellerkrankungen des Alltags sind für die Bewahrung von Autonomie, Selbstbestimmung und Selbstbehauptung vorteilhaft.
• Die Medizinalisierung und Medikalisierung der Menschen schreitet voran. Bei Bronchitis der (vorschnelle) Griff zum Antibiotikum; bei Rückenschmerzen sofort NSAR; bei Schnupfen und Sinusitis sofort Pharmakotherapie und keine Naturheilverfahren. Bei jedem Kopfschmerz steckt mindestens Migräne dahinter, abzuklären durch Schädel-MRT, Neurologen oder besser gleich Neurochirurgen. Jede Prellung wird geröntgt, jede Verletzung zum Chirurgen, jede Arthrose zum Rheumatologen, jede Schilddrüse zum Radiologen geschickt.
• Der diametrale Gegensatz zwischen universitärer/klinischer Hochleistungs- und Intensivmedizin und der “Feld-, Wald- und Wiesenmedizin” hausärztlicher Provenienz führt zu Verständnislosigkeit, Konflikten und Schuldzuweisungen. Widersprüche zwischen Herz-Lungen-Transplantationen (HLTX), interventioneller Kardiologie, Onkologie, Nephrologie, Neurochirurgie usw. und mit Pflanzenextrakten aus der Laienapotheke vorbehandelten Fließschnupfen mit Bronchialkatarrh und evtl. AU-Wunsch in der allgemeinmedizinisch-internistischen hausärztlichen Praxis eines sozialen Brennpunktes oder einer Landgemeinde könnten größer nicht sein.
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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Dr. med.univ. Helmut Benda
Dr. med.univ. Helmut Benda

Niemand soll glauben, es sei in Österreich besser. Vor 9 Jahren bin ich in Deutschland Assi für Innere geworden. Und weils spannend war und ich auch schon älter, hat es mir nichts ausgemacht, die Ausbildungszeiten zu vernachlässigen. Ich bin gern Arzt für Allgemeinmedizin, weil ich es eben die ganze Medizin umfasst von der Psychiatrie über Chirurgie, Innere und Pharmakologie. Wohl gemerkt ich bin kein Facharzt. Weil dass hat die Österreichische ÄK verbockt. Die Zulassungsprüfung gibts aber immer noch. Und unlängst hat der Chef der ÄK Wien lautstark öffentlich verkündet, dass die Ärzte in ihrer Ausbildung nicht das lernen, was Sie in der Praxis brauchen. Er findet nix daran. Weil sonst wär er ja als Verantwortlicher zurückgetreten. Im übrigen hat er das Ausfüllen von Formularen gemeint, das man in der Ausbildung im Krankenhaus angeblich nicht lernt Ich hab ihm vorgeschlagen Schreibmaschinkurse verpflichtend einzuführen.
Mehr brauch ich hier wohl nicht zu sagen, oder ….

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Der “Facharzt für Allgemeinmedizin” ist wirklich der Depp der ärztlichen Heilberufe. Unsere nicht vorhandene Standesvertretung die nur katzbuckelnd jede politische Kröte von KV oder Berlin schluckt, ist erbärmlich. Die jetzt kommende Telematikstruktur ist nur ein weiteres Beispiel dafür – Kosten für uns mit IT Ärger ohne Nutzen – dazu gibt es endlose weitere Beispiele…..ich denke man will den Allgemeinarzt als Einzelkämpferlein mittelfristig in die MVZ Kultur zwingen – ..

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Immer wieder würde ich mich für den Beruf des Arztes entscheiden, aber niemals mehr für den Allgemeinmediziner. Wir sind tatsächlich die Fussabtreter. Selbst die Arzthelferinnen der “noblen” Fachärzte schicken zurück zu den Hausärzten, wenn sie selbst keine Termine mehr haben.

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Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

“Also was sich ändern sollte wäre meiner Meinung nach, dass Arbeitnehmer erst mal wirklich zu Hause bleiben können. Für bis zu fünf Tage ohne AO.” Theoretisch haben wir das ja für 3 Tage. Allerdings dürfen AG ja dennoch ab dem Tag 1 eine AU verlangen und tun es leider fast alle, obwohl damit wirklich niemandem geholfen ist. Auch nicht dem Betrieb, da ein AN mit AU gewöhnlich die volle Zeit ausschöpft, anstatt wieder arbeiten zu gehen sobald er gesund ist. Oft wäre die Fehltage ohne AU viel weniger, wie man in diversen Nachbarländern eindrucksvoll sieht.
Ich finde das Gesetz sollte so abgeändert werden das, bis hin zu X mal pro Jahr, immer erst ab Tag 4. eine AU vorliegen muss. Ohne Sonderregelungen, welche der AG sich ausdenken darf. Es gibt inzwischen deswegen leider genug Ärzte, die einfach für 2-3 Tage eine AU ausstellen oder verlängern, ohne groß zu fragen oder zu diagnostizieren. Sicherlich alles andere als richtig aber andauernde Überbelastung bringt sowas offensichtlich mit sich

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