KV-SafeNet oder doch net?

17. Februar 2010
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Nicht lange her, da haben Ärzteverbände sich zur Empfehlung zur Online-Anbindung von Praxen durchgerungen. Das Echo war begrenzt. In Bayern führt die KV deswegen ein PIN/TAN-Verfahren ein. In der Pfalz sind plötzlich Karten erlaubt. Droht das Online-Chaos?

Praxiscomputer ans Netz? Das war wegen berechtigter Sicherheitsbedenken lange Jahre komplett indiskutabel. Das Dogma weichte freilich auf, als sich mehr und mehr Anbieter mit speziell für das Gesundheitswesen konzipierten Intranet-Lösungen auf den Markt wagten. Vor anderthalb Jahren zogen dann auch die Spitzenverbände der Ärzteschaft, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Bundesärztekammer, nach. Mit den von beiden Organen gemeinsam verantworteten Empfehlungen zum Datenschutz gab es erstmals einen offiziellen Leitfaden, auf den sich Ärzte, die mit ihrer Praxis online gehen wollen, seither berufen können.

Das KV SafeNet bleibt hinter den Erwartungen zurück

Die Botschaft dieses Leitfadens ist auch ziemlich eindeutig: Zu bevorzugen ist ein so genanntes Hardware-VPN (Virtual Private Network), also ein mittels VPN-Box aufgebautes Intranet. Nur das biete jene maximale Sicherheit, die im medizinischen Bereich anzustreben sei, heißt es sinngemäß in den Empfehlungen. Natürlich war die Veröffentlichung im Sommer 2009 kein Zufall: Die Kassenärztlichen Vereinigungen hatten mit dem KV-SafeNet ein eigenes Hardware-Intranet zur Kommunikation zwischen Arzt und KV entwickelt. Der Fairness halber muss man allerdings dazu sagen, dass die Empfehlungen diesbezüglich neutral waren und sind. Spezielle SafeNet-Router sind bis heute keine zwingende Voraussetzung, um die Empfehlungen von KBV und BÄK einzuhalten. Es geht auch mit anderen Boxen.

So weit, so gut, dachte man damals. Seither freilich hat sich ein Problem aufgetan. Vor lauter Vorfreude wurde seitens der Kassenärztlichen Bundesvereinigung beschlossen, die stark bürokratiereduzierende Online-Abrechnung mit der KV für Kassenärzte ab 2011 zur Pflicht zu machen. In einem Jahr also. Unglücklicherweise haben bisher aber nur etwa 10000 niedergelassene Ärzte bundesweit einen SafeNet-Anschluss von einem der dafür in Frage kommenden Anbieter beantragt. Das zumindest ist die offizielle Zahl der KBV. Soll heißen: Wenn sich hier nicht schleunigst was tut, wird das entweder nichts mit der flächendeckenden Online-Abrechnung. Oder aber, andere Variante, die Ärzte rechnen online ab, aber ohne KV SafeNet. Das geht durchaus, entspricht dann aber nicht den Empfehlungen der Spitzenverbände.

KV Ident als „Online Light“?

Der Grund für die Zurückhaltung der Ärzte ist relativ simpel. Das SafeNet kostet Geld, so rund 20 bis 30 Euro pro Monat. Zwar gibt es diverse Online-Initiativen der KVen, die Online-Abrechnern das online abrechnen finanziell versüßen. Das war aber offensichtlich nicht überzeugend genug, beziehungsweise teilweise waren die Teilnehmerzahlen in diesen Initiativen auch einfach limitiert. Nachdem auch im Gebiet der KV Bayerns die SafeNet-Quote bisher nicht wesentlich über 10 Prozent liegt, zieht man dort jetzt die Notbremse und präsentiert der etwas erstaunten Fachöffentlichkeit das KV Ident-Verfahren. Klingt aufwändig, ist aber nichts anderes als ein abgewandeltes PIN/TAN-Verfahren, bei dem nicht – wie bei den meisten Banken – TAN-Listen verschickt werden, sondern eine kleine Tabelle, ein TAN-Generator. Will sich ein Arzt via KV Ident bei der KB Bayerns einloggen, dann gibt er eine PIN ein und dann eine TAN, die jeweils für jede Sitzung individuell erzeugt wird. Die entsprechenden Vorgaben erhält er von der Software. Den einzugebenden Code liest er dann von seiner Tabelle ab. Das Ganze kostet die Ärzte nichts extra. Online-Banking halt.

Schöne bunte Online-Welt

Dass die KV Bayerns als Mit-Erfinderin des KV SafeNet jetzt plötzlich eine kostenlose Alternative präsentiert, ist nicht ganz ohne Pikanterie. Jene Ärzte, die das SafeNet schon nutzen, könnten sich zumindest fragen, warum sie Geld für etwas bezahlen sollen, das andere umsonst kriegen. Denn die KV-Anwendungen, die über SafeNet und KV Ident zur Verfügung stehen, sollen sich nicht unterscheiden, heißt es. KV Ident ist im Übrigen auch nicht die einzige Orchidee in der ärztlichen Online-Welt. Die KV Rheinland-Pfalz lässt für ihre Online-Anwendungen seit Kurzem neben dem KV SafeNet die MediSign-Karte zu, bietet also einen dritten Weg, der so in den Empfehlungen der Spitzenverbände auch nicht vorkommt. Dieser liegt preislich zwischen SafeNet und KV Ident. Als weitere Option steht zumindest punktuell bereits der elektronische Heilberufsausweis zur Verfügung, den die Ärztekammern gerade einführen wollen. Die interessanten Fragen lauten jetzt: Droht das totale Online-Chaos im deutschen Gesundheitswesen? Stirbt das KV SafeNet aus? Setzt sich der elektronische Heilberufsausweis durch oder wird er eine Pleite? Oder ist die Tatsache, dass dank unterschiedlicher Wege zum Netz vermutlich mehr Ärzte den Weg in die Online-Welt finden werden, schon ein Segen an sich?

76 Wertungen (3.91 ø)
Allgemein

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14 Kommentare:

Dr. med. Rainer K. Fontana
Dr. med. Rainer K. Fontana

Ich stecke meine Abrechnung als 3,5″ Diskette in einen DIN C6 Umschlag und sende ihn an die KV.
Risiko? Die Datei ist doch verschlüsselt!!!

Diese Datei als normale email versenden?
Warum nicht?
Wenn jemand sagt, das wäre unsicher, dann muss er mir erzählen, dass die Verschlüsselung nichts taugt.

Und warum verschlüsseln wir dann unsere Abrechnung?

Die KBV und KVen ist ein Sammelbecken von Nichtsnutzen und Loosern, die in der freien Wirtschaft keine Berufschance hätten. Das gilt sicher auch für einige ärztliche Mitarbeiter dort, was die Empathiefähigkeit gegenüber kranken Menschen angeht.

In Betrieben wie BASF oder SAP würden nach 24 Stunden die ersten Köpfe rollen, wenn solches Mismanagement ans Tageslicht käme.

#14 |
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Aus meiner Sicht ist es mehr als ärgerlich, dass die KVB einen einfachen VPN-Tunnel so darstellt, als wäre es ihre eigene Neuerfindung. Ich kann nicht einsehen, weshalb es zur Übermittlung von Abrechnungsdaten einer besonderen Verbindung bedarf. Es ließen sich diese paar Daten problemlos als PGP-verschlüsselte email verschicken (PGP ist zudem noch OpenSource und kostenfrei). Selbst Geheimdienste verschicken PGP-verschlüsselte Daten! Dieses Theater um D2D, KV SafeNet, spezielle von der KV zertifizierte Provider und spezielle Router ist m. E. nur nervig und kostet unser Geld!

#13 |
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Medizinischer Dokumentar

Lt. KV-MV ist das SafeNet doch schon das sicherste. Von diesen anderen Verfahren ist hier garnicht die Rede. Ärgerlich, da ich ca. 10 Kunden von mir dieses SafeNet eingerichtet habe. Das zum Thema Vertrauen und Ehrlichkeit der KV.

#12 |
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Dr. med. ERNST  H. Tremblau
Dr. med. ERNST H. Tremblau

siehe bitte unter als Absenderbetreff
Gruß Tremblau

#11 |
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Dr. Hellmut Anger
Dr. Hellmut Anger

ICH GEHE MIT MEINEM PRAXISPC NICHT ONLINE, und schon gar nicht daueronline.
Onlineabrechnung büerokratieentlastend? Für wen denn? Doch sicher nicht für uns, denn es ist nicht vorgesehen, das, was wir bislang an die KV schicken müssen, ebenfalls onlinefähig zu machen! Ob wir das Zeug nun mit oder ohne Diskette an die KV senden, ist ja wohl völlig egal!
Also will die KV doch wohl nichts anderes, als unbemerkt in unseren Computern stöbern zu können, was soll das Ganze denn sonst?
KV-Safe-Net? Nette Idee zum Geldeinsammeln, mehr ist da auch nicht dran!
Also ab 2011 Abrechnung auf USB-Stick ziehen, von irgend einem PC an KV senden, so läuft es schon seit Längerem mit den DMP-Daten an die entsprechende Stelle.
Und schon war’s das mit der Online-Anbindung des PraxisPC.

#10 |
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Dr. med. Wiltert Wilts
Dr. med. Wiltert Wilts

Hallo Herr Schimmler,
die KV HB kocht ein eigenes Süppchen und informiert wissentlich FALSCH. Ich kenne Kollegen und ich werde es auch so machen, die via ISDN / D2D abrechnen – ohne monatliche Extra-Kosten. Läuft über KV Nordrhein. Wie es genau geht, weiss ich nicht zu 100 %, aber wie gesagt, mindestens 1 Kollege führt das bereits jetzt durch.

#9 |
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Dr. med. Mark Andrew Neumann
Dr. med. Mark Andrew Neumann

Die Online-Abrechnung geht mit der ISDN-Direkteinwahl(wenn man einen solchen Grundanschluß hat) preiswert und sicher mit D2D und PIN ohne SafeNet. Ich nutze keinen HBA, aber er geht in dieser Zusammenstellung wohl auch. Kostete mich nur ein billiges ISDN-Modem. Wird vielleicht deshalb nicht so propagiert? Am Thema vorbei oder auch eine preiswerte Online-Alternative?

#8 |
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Die DMP-Dokumentationen werden auch ohne teure VPN-Lösungen übermittelt, das dort verwendete Verfahren ist sicher und bewährt.

Die bisher gehörten Argumente pro KV-Safenet sind keine sachlichen…

#7 |
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Veit-Peter Hain
Veit-Peter Hain

Die KZV Koblenz-Trier, jetzt Teil der KZV Rheinland-Pfalz hat die medisign-Karte schon vor Jahren eingeführt (Derzeit ca. 100 ¿ Jahresgebühr). Inzwischen gibt es zusätzlich ein anderes Verschlüsselungsverfahren, das die KZV Rheinland-Pfalz aktuell kostenlos zur Verfügung stellt. Dies funktioniert ebenso gut. Ob die Sicherheit des Systems tatsächlich vergleichbar ist kann ich nicht wirklich beurteilen.

#6 |
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Dr. med. Andreas Gross
Dr. med. Andreas Gross

Habe mir KV Safenet aufdrängen lassen, wenn ich aber das jetzt lese, ist das ja fast genauso wie Internetabzocke, fühle mich verar…..

#5 |
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Dr.med Raimund von Helden
Dr.med Raimund von Helden

Wenn man bedenkt, dass die ganze Quartalsabrechnung nur 1 Megabyte umfasst, dann ist das KV-SafeNet die Dauermiete eines Sattelschlepper zum Transport eines Streichholzdöschens einmal in 3 Monaten…

#4 |
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Dr. med. Martin Schmidt
Dr. med. Martin Schmidt

Mein Hardware Einrichter hat mir vom KV SafeNet abgeraten, weil er es für völlig überflüssig hält. Er ist der Meinung, dass die Abrechnung mit der KV auch ohne dies geht und auch so kommen wird. Mein jetziger Online-Anschluss funktioniert auch ohne monatliche Extra Kosten.

#3 |
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Walter Schimmler
Walter Schimmler

Sehr geehrter Herr Graetzel,

Die KV Bremen hat mir soeben die Auskunft gegeben, dass sich KV Ident nicht für die Online-Abrechnung eigne, sondern nur zur Kontaktaufnahme zwischen Arzt und KV Bayern. Dann bräuchte man ja doch eine kostenträchtige Verbindung zusätzlich oder?

Oder irrt die KV Bremen?

Ich bin mit freundlichem Gruß W. Schimmler

#2 |
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KV-Safenet ist eine Abzocke, ähnlich der GEZ-Gebühr für Praxis-Rechner.

#1 |
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