e-Rauch zieht nicht

24. Februar 2010
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Für Raucher die Erlösung: Kein Rauchverbot mehr in Kneipen. Elektrisch erzeugter Dampf, vermischt mit Nikotin und Aromen, verspricht Genuss, ohne die Umwelt zu belasten. Was wie ein Glimmstängel aussieht, nennt sich E-Zigarette. Aber kann das gesund sein?

Bei der elektrischen Zigarette, Zigarre oder Pfeife wird in der Regel flüssiges Nikotin, verpackt in so genannten Depots oder Kartuschen, in Dampf aufgelöst und das dabei entstehende Aerosol eingeatmet. Der Raucher inhaliert also keinen Tabakrauch und deshalb auch keinen Teer, kein Kohlenmonoxid oder sonstige krebserregende Stoffe, so das Credo der Online-Anbieter. Und wo kein Tabak verbrennt, gebe es für E-Smoker aber auch für Passivraucher kein gesundheitliches Risiko. Die elektrischen Glimmstängel kann man bisher nur in einschlägigen Web-Shops bestellen. Ein großer Teil der nikotinhaltigen Vaporizer wird von Händlern aus China importiert. Auf die Frage, wie groß der deutsche Markt bzw. die Nachfrage ist, hüllen sich die Anbieter in Schweigen. Es laufe ganz ordentlich, ist zu hören. Insgesamt drängt sich das Gefühl auf, dass die E-Gemeinde den Ball absichtlich flach hält. Man will offensichtlich keine schlafenden Hunde wecken. Denn noch gibt es zu viele offene Fragen. Was wird eigentlich in welchen Mengen inhaliert? Sind in dem Gemisch aus Nikotin und Aromen karzinogene Stoffe enthalten? Besteht Sucht- oder Vergiftungsgefahr? Sollen die gleichen Vorschriften wie für Tabakprodukte gelten? Oder fallen die Elektro-Zigaretten unter die Arzneimittelverordnung, wenn mit Raucherentwöhnung geworben wird?

Internethandel erschwert Verbote

Wie sicher oder unsicher E-Zigaretten sind, diese Frage beschäftigt weltweit Gesundheitsorganisationen. In einigen Ländern ist der Import, die Produktion und der Verkauf verboten, wie beispielsweise in Australien, Brasilien und Dänemark. In Österreich gelten die E-Dampfer als Arzneimittel und bedürfen daher der Zulassung gemäß Arzneimittelverordnung. Ein Antrag liegt bisher nicht vor, aber gedampft wird trotzdem. Der Insidertipp: Preiswert in Holland bestellen. In der Schweiz ist der Verkauf von E-Zigaretten gesetzlich verboten, wenn sie Nikotin enthalten. Aber Verbote lassen sich eben im Internet-Handel nur schwer durchsetzen.

Harmlose Menge krebserregender Stoffe?

Das britische Gesundheitsministerium richtete sich vor kurzem an die Öffentlichkeit mit der Empfehlung, “vorsichtig” beim Konsum von E-Zigaretten zu sein. Anlass für die britische Stellungnahme war ein Bericht im British Medical Journal (BMJ). Darin fordern zwei griechische Forscher, den Konsum des Rauchersatzes ganz einzustellen, so lange nicht in Studien nachgewiesen ist, dass sie gesundheitlich unbedenklich sind. Sie bemängeln, dass die Ergebnisse bisheriger Untersuchungen sehr spärlich sind. Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) berichtete beispielsweise, dass sie Spuren von krebsfördernden Chemikalien entdeckt hätte. Beispielsweise Diethylenglykol, das u.a. ein Bestandteil von Gefrierschutzmitteln ist. Zu den festgestellten Mengen gibt es keine Angabe. Ein griechisches Institut hingegen, das die Dampfstängel ganz neutral untersuchte, konnte keine chemische Kontaminierung feststellen. Ein privates Gesundheitsunternehmen auf Neuseeland stellte wiederum krebserzeugende Stoffe fest. Allerdings handele es sich um harmlose Mengen. Die Neuseeländer kommen zu dem Ergebnis, dass E-Zigaretten eine sichere Alternative zu normalen Zigaretten sind. Die Studie wurde übrigens vom chinesischen Hersteller der elektrischen Zigarette “Ruyan” finanziert.

Langzeitstudien fehlen

In Deutschland gibt es bisher nur eine offizielle Stellungnahme zu elektronischen Zigaretten. Sie wurde 2008 vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) veröffentlicht. Darin heißt es: “Das BfR rät zu vorsichtigem Umgang mit den elektronischen Zigaretten.” Eine abschließende gesundheitliche Bewertung sei nicht möglich, da wesentliche Informationen fehlen. Bleibt die Frage: Warum? Von Dr. med. Martina Pötschke-Langer, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle erfährt DocCheck, dass es bisher noch keine Langzeitstudien gibt, weil die strittigen Produkte noch nicht so lange auf dem Markt sind. Am DKFZ werden die Inhaltsstoffe der E-Dampfer, wie beispielsweise Propylenglykol, Glyzerin, Ethanol und diverse Aromen, mit denen das Gemisch schmackhaft gemacht wird, seit ein paar Jahren genauer unter die Lupe genommen. Die Frage sei, wie verträglich diese Substanzen sind, wenn sie über einen längeren Zeitraum direkt inhaliert werden. Die bisherigen Erkenntnisse, so die Medizinerin, reichen nicht aus, um gesundheitliche Schäden auszuschließen. Deswegen sei es unverantwortlich, von harmlosen Mengen krebserregender Stoffe zu sprechen.

Unklare Kompetenzen

Sorgen bereiten Pötschke-Langer auch die gerade in USA gestarteten Marketingaktionen, mit denen insbesondere junge Menschen zum Konsum von E-Zigaretten verlockt werden sollen. Und das, obwohl bekannt sei, dass Nikotin abhängig macht. Offensichtlich gibt es in Amerika weniger Skrupel, was die Bedenklichkeit des Dampfstängels betrifft. Ein Bundesgericht sprach der FDA gerade die Kompetenz ab, die strittigen Produkte als Arzneimittel einzustufen und verbot der Administration, die Einfuhr und den Vertrieb zu behindern. In Deutschland, so erfahren wir aus dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), ist die Überwachung der Sicherheit und der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von E-Zigaretten Ländersache. Bei weiteren Fragen könnten wir uns bitte an das Bundesgesundheitsministerium wenden. Das haben wir getan. Eine Antwort steht noch aus. Es erreichte uns schließlich noch eine Stellungnahme von einem Promoter der E-Zigarette, Christoph Jungmann. Er sieht einer gesetzlichen Regelung skeptisch entgegen, weil die Tabakindustrie ein starkes Eigeninteresse haben wird, die elektrische Variante zu verbieten. Jungmann schätzt, dass derzeit etwa 1.000 E-Zigaretten pro Monat in Deutschland verkauft werden.

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10 Kommentare:

Weitere medizinische Berufe

rauchen ist schädlich,das ist unbestritten. Ich selber rauche gerne und auch schon lange. jedoch wie werde ich,wenn ich das rauchen tatsächlich aufgeben möchte von den deutschen Krankenkassen unterstützt, lächerliche Vorschläge werden gemacht. Eine Alternative sind die angebotenen “Antirauchermittel” (verdienen diese überhaupt den Namen)bestimmt nicht. Ich habe sogar den Verdacht,dass diese Mittel von der Tabakindustrie gefördert werden!
Ähnlich wird es bei der E-Zigarette sein

#10 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Sehr geehrter Dr. Loenicker,

genau darum geht es doch vielen der Dampfer!
Wegzukommen ist in den Dampferkreisen das zu 95% gewünschte Ziel. Weg vom Nikotin ist auch mein Ziel!

Das Problem, und das ist verständlicherweise den meisten Ärzten nicht bewusst, vielleicht mit Ausnahme von Neurologen, die sich mit schwer Hirngeschädigten Patienten befassen, ist nicht nur das Nikotin, viel mehr ist es das Ritual des Rauchens.

Hier haben die Pflegekräfte die Nase vorne. Aus einem einfachen Grund: Uns ist es bereits seit der Ausbildung bekannt, dass ritualisiertes Handeln ein sehr wichtiger Teil des Alltags ist! In der Pflege wird bei Patienten mit neurologischen Schädigungen gerne ein Modell angewandt, das auf den klangvollen Namen “Basale Stimualtion” hört. Dabei geht es unter Anderem um die Wiedererlangung von Alltagskompetenz durch Berücksichtigung der gewohnten Rituale.

Der Raucher ist auch so ein “Gewohnheitstier”, das sich schwer tut, auf die gewohnten Rituale zu verzichten. Kommt dann noch der Faktor der Sucht bzw. des Entzugs hinzu, sind die guten Vorsätze nur allzuleicht wieder über Bord geworfen.

Der Vorteil, den ich auch bei mir persönlich sehe, ist es, dass ich durch das Dampfen meine Rituale beibehalten kann, aber aktuell z.B. mit nikotinfreiem Liquid vor dem PC sitze. Ein großer Schritt für mich persönlich!

Alles Weitere wird sich zeigen, momentan bin ich einfach froh, hiermit eine für MICH sehr gute Lösung MEINER Probleme gefunden zu haben.

Übrigens: Auch die Pharmaindustrie ist schon auf den Ritual-Zug aufgesprungen! Sehen Sie sich nur die aktuelle “Nikorette”-Werbung an…

MfG

Alfons Paintner

#9 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Sehr geehrter Dr. Loenicker,

genau darum geht es doch vielen der Dampfer!
Wegzukommen ist in den Dampferkreisen das zu 95% gewünschte Ziel. Weg vom Nikotin ist auch mein Ziel!

Das Problem, und das ist verständlicherweise den meisten Ärzten, vielleicht mit Ausnahme von Neurologen, die sich mit schwer Hirngeschädigten Patienten befassen, ist nicht nur das Nikotin, viel mehr ist es das Ritual des Rauchens.

Hier haben die Pflegekräfte die Nase vorne. Aus einem einfachen Grund: Uns ist es bereits seit der Ausbildung bekannt, dass ritualisiertes Handeln ein sehr wichtiger Teil des Alltags ist! In der Pflege wird bei Patienten mit neurologischen Schädigungen gerne ein Modell angewandt, das auf den klangvollen Namen “Basale Stimualtion” hört. Dabei geht es unter Anderem um die Wiedererlangung von Alltagskompetenz durch Berücksichtigung der gewohnten Rituale.

Der Raucher ist auch so ein “Gewohnheitstier”, das sich schwer tut, auf die gewohnten Rituale zu verzichten. Kommt dann noch der Faktor der Sucht bzw. des Entzugs hinzu, sind die guten Vorsätze nur allzuleicht wieder über Bord geworfen.

Der Vorteil, den ich auch bei mir persönlich sehe, ist es, dass ich durch das Dampfen meine Rituale beibehalten kann, aber aktuell z.B. mit nikotinfreiem Liquid vor dem PC sitze. Ein großer Schritt für mich persönlich!

Alles Weitere wird sich zeigen, momentan bin ich einfach froh, hiermit eine für MICH sehr gute Lösung MEINER Probleme gefunden zu haben.

Übrigens: Auch die Pharmaindustrie ist schon auf den Ritual-Zug aufgesprungen! Sehen Sie sich nur die aktuelle “Nikorette”-Werbung an…

MfG

Alfons Paintner

#8 |
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statt aständig nach neuen Möglichkeiten des Nikotingenusses zu suchen,sollte nach effizienten Methoden der Nikotinentwöhnung gesucht werden.Nikotingenuß ist immer schädlich in welcher Form auch immer

#7 |
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Christoph Ossolinski
Christoph Ossolinski

Problematisch finde ich die nicht standardisierte Nicotin Freisetzung aus einer solchen Zigarette. Ich bezweifle, dass die Lösung tatsächlich in einer tschechischen Apotheke hergestellt wird. Der folgende Text stammt von der Homepage eines der Anbieter von solchen Zigaretten. Ich gehe eher davon aus, dass auch diese Lösung aus China stammt. Eine Apotheke ist an die Kennzeichnungspflicht der Gefäße gebunden. Aus diesem Grund habe ich die Herstellung einer derartigen Lösung abgelehnt.

Alle in unserem Shop angebotenen Nachfüllflüssigkeiten – E-Liquids – werden in einer Apotheke gemischt und mit natürlichen ätherischen Ölen oder künstlichen Aromen gemischt und hergestellt.

Inhaltsstoffe:
1% Alkohol, Propylen-Glycol, Tabakextrakt, Acetyl Pyrazine (Aromastoffen aus der Kruste von Roggenbrot), Aromastoffe und ätherische Öle.

#6 |
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Irene Linnemann
Irene Linnemann

Ich dampfe jetzt seit 6 Monaten, im Auto, zuhause vorm PC, im Flugzeug, also überall dort, wo man normale Zigaretten bei Strafe nicht rauchen darf. Für mich als Genußraucher ist das eine echte Alternative, meinem Genuß oder Sucht, wie auch immer man es nennen mag ungestraft frönen kann. Selbst im Flugzeug ist das dampfen kein Problem, oder im Restaurant. Für mich war wichtig, meine nichtrauchenden Mitmenschen nicht mehr zu belästigen und mein zuhause rauchfrei und zugegeben sauber zu halten. Sehr positiver Effekt, ich rauche weniger, bin besser drauf, kriege besser Luft. Klar ist rauchen ist nicht gesund, so oder so. Und Sucht ist Sucht, davon los zu kommen nicht so ganz einfach.
Ich finde den Beitrag sehr gelungen und informativ.

#5 |
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Ich als Raucher bin vor allem durch die zunehmenden Rauchverbote genervt. Darf man die E-Zigarette eigentlich ueberall in Rauchverbotszonen (Flugzeug, Airport, Krankenhaus) benutzen oder ist man damit genauso beschraenkt wie mit klassischen Tabakprodukten? Ich hab im Flieger noch keinen “dampfen” gesehen.

#4 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Ich selber bin seit gut vier Wochen nur noch reiner “Dampfer” und muss sagen, es geht mir gut!

Besser noch, ich bekomme wieder Luft, kann den Bus verjagen, ohne ausser Puste zu kommen…

Natürlich ist in den Nikotinhaltigen Liquids ein Suchtmittel, nämlich Nikotin, das bei Missbrauch (und das ist schon der normale Gebrauch) ein Suchtverhalten auslösen kann bzw. dieses nicht verhindert.

Aber ehrlich gesagt, lieber bin ich immer noch Süchtig und befriedige nebenbei auch meine Ritualsucht (von der komischerweise nie gesprochen wird), als immer kurzatmig und vielleicht in ein paar Jahren Lungenkrebspatient!

Es ist nicht der Weisheit letzter Schluss, es ist aber immerhin eine Variante, die weniger Gefahr beherbergt als die altbekannte, die Zigarette. Und das ist doch immerhin ein Schritt für mich in die richtige Richtung…

Übrigens: Jeder verantwortungsvolle Händler warnt vor dem Gebrauch durch: Nichtraucher, Schwangere, Minderjährige etc… Das ist deutlich mehr, als die Tabaklobby bisher freiwillig gemacht hat!

Meiner Meinung nach ist das “Dampfen” nicht die Lösung für das Problem der Nikotinsucht!
Für mich persönlich ist es die (vorübergehende?) Lösung MEINER Probleme mit dem Rauchen. Mein Ziel ist es, nur noch “Nuller” zu dampfen.

Und süchtig kann ich nicht werden, das bin ich schon…

#3 |
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Friedemann Alsdorf
Friedemann Alsdorf

Eine Diskussion über enthaltene Schadstoffe geht größtenteils am Problem vorbei, da normale Zigaretten weit mehr Schadstoffe enthalten. Das Problem ist, hier gebe ich Prof. Liesen recht, das Suchtpotenzial und die damit verbundenen Risiken, zumal wenn die E-Zigarrette als “gesunde Alternative” an junge Menschen vermarktet wird.

#2 |
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Prof. Dr. Heinz Liesen
Prof. Dr. Heinz Liesen

das Gefährlichste an dieser E-Zigarette wird sein, dass das Nikotin über den Dopaminstoffwechsel süchtig macht und es langfristig, insbesondere bei höherem Konsum zu Persönlichkeitsveränderungen und vom Gehirn ausgehenden Gesundheitsschäden führen wird.

#1 |
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