„Homöopathie hat keinen Platz in der Medizin“

8. Mai 2018

Von Anhängern zum Allheilmittel verklärt, von Schulmedizinern verpönt – die Diskussion um Homöopathie ist ein Dauerbrenner. Natalie Grams, Ärztin und Ex-Homöopathin, sieht für dieses „Glaubenssystem“ keinen Platz in der Medizin. Trotzdem könnten Ärzte von der Homöopathie lernen.

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10 Kommentare:

Die Medizin ist keine exakte Wissenschaft. Was ihr wissenschaftlich nennt ist nur Spielerei mit der Statistik. Irgendwann wird man auch die Wirksamkeit von alternativen Behandlungsmöglichkeiten “wissenschaftlich” nachweisen können.
Die Schulmedizin heißt Schulmedizin, weil sie noch viel lernen muß.

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Anja Kunitz
Anja Kunitz

Ich empfehle Ärzten, die nach einer (wirksamen) alternativen Behandlungsmethode suchen, sich mal mit Kampo-Medizin zu beschäftigen. Das ist die japanische Phytotherapie, jahrhundertealt, aber mit festgeschriebenen Regeln und Rezepten. Ich denke, das ist ein bisher wenig bekannter Ansatz, der sich zum Verbreiten lohnt.

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Nichtmedizinische Berufe

#5:Ich zitiere aus #5:
“Verstand und Intuition zu trennen, ist natürlich die beste Voraussetzung zur Verwissenschaftlichung.”-Das ist klassisch verbürgte Erkenntnis: Der bloße Menschen-Verstand , diese ergründende ratio, wird nicht erreichen, was einzig dem intuitiven Intellekt zugeordnet werden kann.Aber die schönsten phantastischen Intuitionen können in die Irre gehen und bedürfen der empirischen Bestätigung in naturwissenschaftlicher Hinsicht.Etc…etc…etc…

#8 |
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Nichtmedizinische Berufe

Wegschneiden:
Also was natürlich, pflanzenherkünftig uns gegn ist, wird dennoch als verbesserungswürdig erkannt sein wollen:
Nehmen wir Opium in der Hinsicht auf ein Medikament gegen Diarrhoe:
Man entwickelte Loperamid.Dieses Medikament vermeidet unerwünschte Nebenwirkungen:(Sedation etc):Hier wird die Naturheilkunde ersehen, dass chemisch-pharmazeutische Mittel nachmodelliert wurden unter dem Wegschneiden unerwünschter Nebenwirkungen:Dass sie korrigierte Natur-Wirkstoffe sind.Und das war nur ein Beispiel.Naturmedizin: Ja(welch ein Quatsch: Alle Pharmaka wurzeln im von der Natur Gegebenen)

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Heilpraktiker

Verschiedene Richtungen in der Medizin sind nicht neu. Sie gehören zu allen wissen-schaftlichen Fachgebieten. Das lässt sich nicht bestreiten. Hahnemann war innerhalb der Wissenschaft Medizin ein Revolutionär. Er behandelte die Menschen und nicht die Krankheiten. Er führte Krankenblätter und zwar mit allen geschilderten Symptomen. Er war Pharmakologe, Apotheker und schrieb ein sehr lange von Apothekern gebrauchtes Phytotherpie-Lexikon. Er kannte sich in der Chemie sehr gut aus und übersetzte chemische Fachliteratur. Die Entwicklung der Homöopathie ergab sich aus der Erfahrung, dass starkwirkende, allopathische Mittel (damals Pflanzen meist) viele Nebenwirkungen hatten, die er beobachtete. Die Verdünnung (Potenzierung) war zunächst bescheiden: D2, D3 und D4. In diesen Verdünnungen sind selbstverständlich noch viele Wirkstoffe – darüber hat Frau Grams niemals geschrieben und geredet, sondern immer von “der Homöopathie”. Die Niederpotenz-Homöopathie ist die am meisten verwendete. Die Hochpotenzen, ca. ab D12 werden eigentlich weniger verschieben. Bei starken Giften ist es allerdings angebracht – auch bei Opiaten. Hahnemann verwendete, was mir bekannt ist, als erster auch chemische Substanzen für die Therapie. Das ist nicht schlecht, das zu wissen, denn damit ist er auch der Begründer der schulmedizinischen Pharmazie. Was ergibt sich aus diesen historischen Fakten? Das es auf die Erfahrung ankommt, wie in der evidenzbasierten Medizin – und das dies kein Grund zur Aufregung ist.

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Im indischen Ayurveda ( die älteste Wissnschaft vom Leben) wird Körper , Seele und Geist nicht getrennt. Verstand und Intuition zu trennen, ist natürlich die beste Voraussetzung zur Verwissenschaftlichung. Im übrigen wird im Ayurveda präventiv behandelt u.a. mit Sustanzen ausschließlich aus der Natur. dadurch treten viele Krankheiten vor allem auch ZIvilisationskrankheiten gar nicht erst auf. Unser System greift ja erst , wenn es zu spät ist. Das ist aber nur ein Aspekt…Prävention wäre natürlich nicht im Sinne der Pharmandustrie…Das Zuwenden der Homöopathie als Abweg zu bezeichnen, gleichzeitig von einem Miteinander zu sprechen scheint mir widersprüchlich. Wenn Sie Verstand und Intuition trennen, ist das in der Tat nicht ganzheitlich. Den parallelen Anspruch einer humanistischen Denkweise kann ich allerdings nicht nachvollziehen ?

#5 |
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Nichtmedizinische Berufe

@Jens Lau: Schön wärs. Dr Grams ist aber mit ihrem Dialogangebot, nichts anderes war ja ihr erstes Buch, grandios gescheitert. Die Homöopathen wollen doch gar nichts wissen von psychothropen Effekten, von einer Psychotherapie light. Prof. Frass, einer der ganz großen Homöopathie-Vertreter, hat sich bei den Berliner Wirtschaftsgesprächen darüber ja geradezu lustig gemacht. Die Homöopathen bestehen nun mal auf ihrer spezifischen Arzneimitteltherapie. Und Selbstmedikation… ? Kann und dürfte es ja eh gar nicht geben.

Nein, der Zug ist abgefahren – den haben die Homöopathen abfahren lassen. Die Rolle, die sie hätten mitspielen können, wird die in die wissenschaftliche Medizin mehr und mehr integrierte Psychosomatik übernehmen. Zudem sind ja die Homöopathen in der Gesprächsführung alles andere als geschulte Professionelle, das wollen sie ja auch gar nicht sein. Das Anamnesegespräch dient der homöopathischen Mittelfindung. Ende. Nach Hahnemann dürfte eine “Zuwendung” an den Patienten ja gar nicht erfolgen, weil sonst die Genauigkeit und Vollständigkeit der Anamnese leiden würde.

By the way: NLP ist nach meinem Verständnis eine abzulehnende, weil letztlich manipulierende Scharlatanerie. Um Himmels Willen keine Verbindung auch noch von Homöopathie und NLP!

#4 |
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Nichtmedizinische Berufe

Werden von Homöopathiebefürwortern die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Homöopathie infrage gestellt? Überwiegend nein. Denn dann müsste man selbst Belege für die Wirksamkeit der Homöopathie vorlegen können. Das hat bisher noch kein Homöopathiebefürworter geschafft. Meist stützen sich diese auf persönliche Erfahrungen oder Hörensagengeschichten: „Mir hat es aber geholfen. Wie erklärt ihr das?“ „Meiner Katze hat es geholfen. Die kann nichts vom Placeboeffekt wissen“ „Meinen Kindern hilft es. Der Arzt kam mit ‚Chemie‘ nicht mehr weiter“. Etc, etc. Die Erklärung dafür ist psychologischer Natur. Zu allererst verbinden wir in unserer Erwartungshaltung ein Tun mit einer Folge – die Einnahme von Globuli mit dem Umstand, dass es einem selbst (dem Kind, dem Tier) besser geht. Das ist eine besondere Form von selektiver Wahrnehmung. Unsere Sinne sind evolutionär nicht dafür geschaffen, die ganze Wirklichkeit auch wirklich wahrzunehmen. Unsere Sinne und unser Gehirn filtern das Wahrnehmbare, das für unser Überleben notwendig ist. Natürlich hat sich unsere Wahrnehmung mit dem evolutionären Wachstum unseres Gehirns auch vergrößert. Trotzdem sind wir in extremem Maß darauf konditioniert, schnell wahrzunehmen, schnell zu denken und schnelle Schlussfolgerungen zu ziehen. Für Fluchtentscheidungen, wenn ein Tiger vor einem auftaucht: Prima. Um Dingen, die komplex zusammenhängen, wirklich auf den Grund zu gehen: Eher nicht prima.

Einen weitaus besseren Schritt hin zum Erkennen tatsächlicher Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung kann uns die Wissenschaft mit ihren Untersuchungsmethoden bieten. Sie kann liefert uns einen weitaus besseren Einblick in Zusammenhänge und eine weitaus größere Wahrscheinlichkeit, einer „Wirklichkeit“ nahezukommen als unsere Sinne. Dafür gibt es die Wissenschaft: Für objektive Untersuchungen, die menschliche, allzu menschliche Wahrnehmungsfaktoren zu berücksichtigen gelernt hat. Nicht nur in der Medizin. Auch in der Physik, in der Astronomie, in der Chemie, etc. Wenn also, um beim Thema zu bleiben, die medizinische Forschung feststellt, dass keine signifikante Wirkung der Homöopathie über den Placeboeffekt nachweisbar ist, dann trügen uns im berühmten „Einzelfall“, im „Mir hat es aber geholfen“ unsere Sinne! Das müssen wir anerkennen. Eine Medizin auf der Basis „persönlicher Erfahrung“ wäre ein Rückfall in vorwissenschaftliche Zeiten.

Hinzu kommt die Tatsache, dass sich Homöopathiebefürworter vielfach, wenn nicht überwiegend, gar nicht mehr an die ‚reine Lehre‘ Samuel Hahnemanns halten – (Was ist mit multikomplexen homöopathischen Mitteln? Verboten nach Hahnemann. Was ist mit ‚allopathischen‘ Mitteln zusätzlich zu homöopathischen? Verboten nach Hahnemann. Wer hält sich an die strengen Verhaltensregeln während einer ‚Kur‘ nach Hahnemann? – Selbstmedikation mit Homöopathie? Nach Hahnemann völligt undenkbar!). „Die“ Homöopathie gibt es überhaupt nicht, die Lehre ist heillos zersplittert. So gesehen, macht eine inhaltliche Debatte zu Homöopathie keinen Sinn mehr. Es wird nicht über Inhalte gestritten, sondern eine Seite fordert die Anerkennung der Realität ein und die andere verweigert sich dem. Das ist die „Diskussion“.

Nehmt die wissenschaftlichen Belege zur Kenntnis! Homöopathie kann keine Wirksamkeit nachweisen! Es ist nicht einmal eine Wirkung zu erwarten – weil sie mit gesicherten Erkenntnisse von Physik, Chemie, Biologie unvereinbar und in sich unplausibel und in sich widersprüchlich ist!

Homöopathie ist faktisch Glaube, Homöopathiekritik stützt sich auf Fakten. Diskussionen darüber sind obsolet!

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Jens Lau
Jens Lau

Zu befürchten ist, dass ein Kassensystem, das Patientengespräche nicht honoriert und evtl. auch eine Telemedizin, die Patienten vor den Rechner bittet, statt das Gespräch beim Arzt aufzusuchen eher den Weg zu Homöopathen frei macht. Dieser nimmt sich Zeit für die Anamnese, weist daneben auf ordnungtherapeutische Maßnahmen hin, wie es Hahnemann auch vorschrieb und ergründet, so möglich, die Causa, die dann ebenfalls beseitigt wird, wenn eben möglich. Die homöopathische Anamnese und Verschreibung verstehe ich auch als eine Art des neurolinguistischen Programmierens, wobei die Besprechung aller Beschwerden und Neigungen des Patienten -arzneilich als Globuli artikuliert- dem Patienten in Erinnnerung gerufen werden. So gesehen hat die Homöopathie auch einen Platz in der Medizin. Wer jedoch die Homöopathie dogmatisch betreibt und nicht stets den Krankheitsverlauf kritisch betrachtet und andere Verfahren vollkommen ablehnt, der könnte in der Tat eine Gefährdung des Patienten darstellen. Ich bin ganz bei Frau Grams, wenn sie vorschlägt, die Medizin so weiter zu entwickeln, dass positives jeder Richtung in die Medizin einfließen sollte. Was jedoch positiv ist, wird wohl von verschiedenen Richtungen der Lehrmedizin, der Alternativmedizin und der Kassen auch in Zukunft strittig sein.

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Nichtmedizinische Berufe

Über die Fakten zur Homöopathie – den nie erbrachten Wirkungsnachweis und die völlige Unplausibiliität und Widersprüchlichkeit ihrer Grundannahmen – kann man nicht mehr diskutieren. In der Tat ist die laufende “Diskussion” im Kern von Kritikerseite der Appell, die Fakten endlich zu realisieren und von Proponentenseite die Verweigerung dessen.
Dr. Grams hat wie kaum jemand (oder überhaupt niemand) diese Verweigerung ganz persönlich erfahren. Anerkennung dafür, dass sie nach wie vor bedauert, dass es nie zu einem Dialog kam.

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