Aderhautmelanom: Wer löst den Fall?

4. Mai 2018

Die Häufung einer seltenen Tumorerkankung in zwei US-Städten stellt Mediziner vor ein Rätsel. Über 50 Menschen erkrankten an einem Aderhautmelanom. Ein spannendes Detail: Der Großteil der Patienten besuchte die gleiche Universität. Die Ursache ist bislang unbekannt.

Das Aderhautmelanom ist zwar der häufigste direkt das Auge betreffende Tumor. Mit einer Inzidenz von 1:100.000 zählt es aber dennoch zu den seltenen Krebserkrankungen. Die Prognose ist aufgrund seiner oft schnellen hämatogenen Metastasierung sehr ungünstig. Das höchste Erkrankungsrisiko besteht zwischen dem 60. und dem 70. Lebensjahr.

Eine Häufung der Fälle in den USA gibt Epidemiologen derzeit Rätsel auf: Betroffen sind die beiden Städte Huntersville, North Carolina und Auburn, Alabama. Dort wurden inzwischen mehr als 50 Fälle dieser Krebserkrankung bekannt. Mindestens 38 Patienten sollen die Auburn University zwischen den Jahren 1983 und 2001 besucht haben. Vier starben an der Erkrankung. In Huntersville erkrankten in den letzten Jahren 23 Personen, darunter viele junge Frauen.

Seltener Tumor im Freundeskreis

Das Aderhautmelanom entwickelt sich in der Choroidea aus entarteten Melanozyten. Durch eine dunkle Pigmentierung kann der Tumor im betroffenen Auge unter Umständen sichtbar sein, doch häufig wird er erst bei der augenärztlichen Routineuntersuchung festgestellt. Zu den Symptomen zählen das Nachlassen der Sehkraft und Diplopie.

Als eine der ersten Patienten aus der Auburn-Gruppe wurde im Jahr 2001 die damals 31-jährige Allyson Allred mit dem Aderhautmelanom diagnostiziert, elf Jahre nach ihrem Abschluss an der Auburn University. Erst kürzlich unterzog sie sich einer Bestrahlung zur Behandlung von Hirnmetastasen. Gegenüber CNN erklärt sie: „Ich erzählte meinem Arzt, dass zwei meiner Freunde an dem gleichen Tumor erkrankt waren. Da realisierten die Ärzte, dass es ein Muster geben muss und begannen es näher zu untersuchen.“

Was steckt dahinter?

„Wir arbeiten eng mit der Stadt Auburn, den Betroffenen und Ärzten zusammen“, erklärt Justin George, Krebsepidemiologie am Alabama Department of Public Health. „Wir werden alle eingereichten Fälle dahingehend überprüfen, ob bei den Betroffenen tatsächlich ein Aderhautmelanom vorliegt und die Ursache ausfindig machen.“

Hellhäutige Menschen und bestimmte Berufsgruppen wie Köche und Metallarbeiter sind laut einer Studie häufiger vom Aderhautmelanom betroffen. Die genauen Gründe sind aber nicht bekannt. Laut George könne man in den aktuellen Fällen noch keine gemeinsame Ursache für die lokale Häufung der Erkrankungen ausmachen. Auch in Huntersville konnte man laut offizieller Untersuchungen noch kein Muster finden.

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4 Kommentare:

@#3: Sehr gute Recherche Herr Bühr: Die trotz des Verbotes noch immer in sehr vielen Tattoopigmenten enthaltenen PAKs, Azofarbstoffe und Schwermitalle richten immer wieder Übles an. Schon heute sehen wir bei jungen Leuten eine Zunahme insbesondere von Lymphdrüsenkrebs. (http://news.doccheck.com/de/168558/mehr-krebserkrankungen-bei-jugendlichen/ ) und andere pathologische Zustande nach Tätowierungen (http://news.doccheck.com/de/blog/post/8317-tiefschwarze-lymphknoten/?utm_source=DC-Newsletter&utm_medium=E-Mail&utm_campaign=Newsletter-DE-DocCheckNews18.09(Mittwoch)-2018-02-28&user=ggg4yi2x&n=4522&d=28&chk=398caf381c955ce2277256818bb8c21e). Die in allen Tattoofarben leuchtenden Lymphknoten, die man bei Tattooträgern findet, sprechen eine deutliche Sprache. Und ich fürchte (ich hoffe, ich irre mich), wenn die heutige “Tattoomanie-Generation” in ein gesetzteres Alter kommt, wird es einen unschönen Anstieg diverser Krebsleiden geben. Aber als Mahner – insbesondere vor Großflächentätowierungen – wird man als rückständig verhöhnt und fühlt sich wie ein Kassandrarufer in der Wüste.

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Heilpraktiker

“An elevated risk of ocular melanoma was seen among welders (odds ratio = 7.3; 95% confidence interval = 2.6–20.1 for men), and a dose–response relationship with job duration was observed.The study also showed increased risk of ocular melanoma among male cooks, and among female metal workers and material handling operators.” (Occupational risk factors, ultraviolet radiation, and ocular melanoma: a case–control study in France) Das größte Risiko hatten bisher Schweißer, Köche und Frauen, die mit Metall hantieren. Was haben diese Gruppen gemeinsam? IR-Strahlung und PAKhaltige Verbrennungsgase ins Gesicht und Umgang mit Metallen.
Nun sind vor allem junge Frauen betroffen aus zwei Universitäten im Südosten der USA. Mit einigem Nachdenken bin ich auf folgende Spur gestoßen: unter den Studenten von Auburn war/ist zum einen ein spezielles Tattoo verbreitet. Nun sind Tattoofarben bekannt dafür, PAKhaltig zu sein bzw. gewesen zu sein in den 80er und 90ern und auch Azopigmente zu enthalten. Beides ist als Auslöser für Melanome bekannt und zusammen zu 56 % verantwortlich für Melanome mit Assoziation zu Tattoos (https://www.allgemeinarzt-online.de/atemwege/a/koennen-tattoos-hautkrebs-ausloesen-1810695). Diese treten jedoch gehäuft an sonnenexponierten Stellen auf (Arme und Beine) … wie kann das ins Auge gehen?
Da fällt mein Augenmerk ganz natürlich auf Permanent Makeup. Ein Fade-out solch eines tättowierten Lidstrichs, Augenbrauenstrichs etc. verteilt sich mit Sicherheit lymphogen/hämatogen auch in die Augen … und ist, falls es in der Aderhaut zu Ablagerungen kommt, dort auch der UVstrahlung ausgesetzt, besonders im sonnigen Süden der USA, … sollte das am Ende der Preis der Schönheit sein für hellhäutige junge Damen aus der gehobenen Mittelschicht?

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Frage: was haben die betroffenen Patienten studiert?- Mikroskopbeleuchtung?

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Ein “Schuss ins Blaue”: Die Beamer und Overheadprojektoren u. ä., die in der Universität Auburn in den Jahren 1983-2001 benutzt wurden, einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Außerdem: Gab es evtl. in Huntersville z. B. ein Kino oder eine Sportsbar mit besonderen Projektoren, in denen die v. a. jungen Frauen regelmäßig zu Besuch waren?
Idee 2: Wie sieht es mit Sonnenbänken/Solarien aus?

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