Antidepressiva: Traurige Wirkung

24. Februar 2010
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Bei Depressionen sind Psychopharmaka schnell verschrieben. Der Trend geht zur psychotropen Polypharmakotherapie. Die Wirksamkeit von Antidepressiva allerdings ist in vielen Fällen kaum besser als Placebo.

Der Diagnose einer Depression folgt nicht selten eine antidepressive Medikation. In den meisten Fällen handelt es sich um leichte bis moderate Erkrankungen, bei denen Pillen jedoch nicht helfen, ergab eine Metaanalyse von Jay Fournier der Universität von Pennsylvania in Philadelphia und Mitarbeitern.

Sie hatten die Ergebnisse von sechs Studien zusammengefasst und die Wirksamkeit des Serotonin-Wiederaufnahmehemmers Paroxetin und trizyklischen Antidepressivums Imipramin mit Placebo verglichen. Ihr Fazit: Nur bei sehr schweren Symptomen, gemessen anhand der Hamilton Rating Scale of Depression (HDRS), ist ein substanzieller Nutzen nachweisbar. Diese Patienten erreichen einen HDRS-Wert von 25. Bei Patienten mit Basiswerten unter 23 ließ sich allerdings kaum ein Unterschied zwischen der Therapie mit einem Antidepressivum und Placebo ausmachen.

Warum Antidepressiva nicht wirken

„Die Annahme einer Wirksamkeit von Antidepressiva geht auf Untersuchungen zurück, die lediglich Patienten mit schwereren Depressionen berücksichtigten“, so Fournier. Dass diese Tatsache im Marketing von Produkten unerwähnt bleibt, sollte weder Ärzte noch Patienten überraschen.

Der biologischen Ursache eines ausbleibenden Ansprechens auf SSRI sind US-Forscher der Columbia Universität in New York auf der Spur. Verantwortlich ist eine hohe Anzahl von Autorezeptoren auf serotinergen Nervenzellen der Raphe-Kerne, so die Forscher in der Fachzeitschrift Neuron. Bei zu vielen Serotoninrezeptoren des Typs 1A der Raphe-Neurone kommt es zu einem negativen Feedback, in dessen Folge weiniger Serotonin produziert wird.

Die Forscher erschufen Mäuse mit einer höheren und niedrigen Dichte an Autorezeptoren auf serotinergen Zellen der Raphe-Kerne. Die Mäuse erhielten Nahrung in einer hellen Umgebung, was bei den Tieren Angst auslöst. Antidepressiva sollten dem entgegenwirken. Doch verfehlten die Medikamente bei Tieren mit einem Überschuss an Autorezeptoren ihre Wirkung. „Je mehr Antidepressiva verabreicht werden, um die Serotoninmenge zu erhöhen, desto weniger Serotonin produzieren die Nervenzellen“, so der Pharmakologe Rene Hen. Eine Reduktion dieser Autorezeptoren etwa über eine Blockade könnte zukünftig die Ansprechrate auf SSRI verbessern.

Viele Pillen bedeuten nicht unbedingt mehr Wirkung

Ob solche Befunde die Verschreibungspraxis von Morgen beeinflussen, darf bezweifelt werden. Denn der Trend geht zur Polypharmakotherapie psychischer Erkrankungen. Immer mehr Patienten erhalten Kombinationstherapien aus Antidepressiva und Antipsychotika, ergaben Daten zum Verschreibungsmuster von US-Psychiatern. Gerade wenn ein Antidepressivum nicht wirkt, kommt häufig ein zweites dazu, auch wenn Wirksamkeitsbelege fehlen.

Zwischen 1996/97 und 2005/6 stieg der Anteil von Arztbesuchen, bei denen zwei oder mehr Medikamente verschrieben wurden von 42,6 Prozent auf 59,8 Prozent. Das Verschreiben von drei oder mehr Medikamenten schoss von 16,6 auf 33,2 Prozent in die Höhe. Durchschnittlich erhielten Patienten nicht wie früher ein Medikament, sondern gleich zwei, was einer Steigerung von 40 Prozent entspricht. Häufigste Kombinationen waren Antidepressiva und Sedativa/Hypnotika mit 23,1 Prozent, gefolgt von Kombinationen aus Antidepressiva und Antipsychotika mit 12,9 Prozent und Kombinationen aus zwei Antidepressiva mit 12,6 Prozent.

Dynamische Psychotherapie vergleichsweise hocheffektiv

Die Evidenz des zusätzlichen Nutzens einer Polytherapie mit psychotropen Substanzen ist begrenzt, so die Autoren des Berichts. Zudem nehmen Nebenwirkungen unter Mehrfachtherapien zu und sind nicht nur auf z. T. ganz erhebliche Gewichtszunahmen begrenzt, sondern beeinflussen den Stoffwechsel nachhaltig.

Wer bei leichteren bis mäßigen depressiven Erkrankungen keine Pillen schlucken will, ist möglicherweise mit anderen Therapien besser beraten. Nicht so bequem, aber nachhaltig gut wirksam etwa hat sich unlängst die psychodynamische Therapie erwiesen. Jonathan Shedler der University of Colorado Denver School of Medicine hat acht Metaanalysen mit 160 Studien zur psychodynamischen Therapie und neun Metaanalysen zu anderen psychologischen Therapieformen und der Antidepressivatherapie bei mentalen Erkrankungen überprüft.

Mit einer Effektgröße von 0,97 in einer großen Metaanalyse mit über 1.400 Patienten bescheinigt Shedler der psychodynamischen Therapie eine sehr gute Wirksamkeit bei Depressionen, Angst-, Panikstörungen und stressbezogenen körperlichen Beschwerden. Acht Monate nach Beendigung der Therapie war die Wirksamkeit der Behandlung sogar noch um 50 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Effektgrößen für die am häufigsten bei depressiven Erkrankungen angewendeten Antidepressiva betrugen lediglich 0,31.

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30 Kommentare:

Dr. med. Reinhard Fischer
Dr. med. Reinhard Fischer

Ich vermisse bei der ganzen Diskussion die Berücksichtigung der Arbeiten des Arbeitskreises um Prof. Dr. Holsboer vom Max-Plank-Institut München.

#30 |
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Es ist eine Zumutung, was ich hier an Relativierungen lesen muß..die Behandlung von Depressionen ist eine ärztliche Kunst, zu der eine Unmenge an medizinischem und psychologischem Wissen, lange Erfahrung und und und gehört..allein die extrem schwierige Beurteilung der Persönlichkeit, die emminente Bedeutung fürdie Diagnose, den Krankheitsverlauf, die Medikation hat,kann niemand außfer einem Facharzt oder ein Psychologe, der sich gut spezialisiert hat, bewältigen..ganz zu schweigen von der Differentialdiagnose..was hier Heilpraktiker etc verloren haben , weiß ich nicht, dies ist in meinen Augen Körperverletzung..Wer würde die Behandlung von Diabetes, Multipler Sklerose, Rheuma,Schizophrenie,Schilddrüsen-CA anderen als der ärtzlichen Kunst überlassen? Was bilden sich denn hier eigentlich einige ärztliche “Kollegen” ein?
Nur Diplompsychologen können in Grenzen (leichteDepressionen) Fachärzte verantwortlich ersetzen..und jeder vernünftige Psychologe sucht ab einer leichten bis mittelschweren Depression die Kombinationstherapie mit dem Facharzt..Also, Hände weg von wirklich depressiv Erkrankten, wenn man diese Kunst nicht gelernt und verstanden hat..

#29 |
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Dipl.-Psych. Barbara Maria Schoog
Dipl.-Psych. Barbara Maria Schoog

Was für ein Fehlgriff! Nicht die antidepressiva sind schlecht, sondern die Ärzte, die sich mit dem Bild der Depressionen nicht auskemnen und wahllos bei der geringsten Kleinigkewit Pillen verschreiben! die Autorin sollte gründlicher recherchieren – die Metastudie hat erhebliche Mängel und läßt die SNRI aus. Höchste Wirksamkeit bei schweren Depressionen, endogenen Depressionen und Depressionen in der PTSD hat die Kombination aus Pharmako- u. Psychotherapie. Und: manchmal, ja, ist eine Kombination von Antidepressive mit Antipsychotika notwendig, einerseits zur Augmentation, andererseits bei Depressionen mit psychotischer Symptomatik (ICD lesen!!!).

#28 |
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Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Vielen Dank an Herrn Lang, mit dem ich die positive Erfahrung des Laufens teile. Allerdings weiss ich auch, wie schwer der Weg in die körperliche Aktivität sein kann und dass die so leicht zu schluckende Pille vielfach verlockender ist, als den inneren Schweinehund zu besiegen.
Doch gerade dieses Überwinden schafft eine Erfahrung von Selbstbestimmung und Stärke. Tschüss, bin laufen :)

#27 |
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Nichtmedizinische Berufe

Samstagabend halbelf. Habe mir nach einem arbeitsreichen Tag die Zeit genommen, als nichtbetroffener/nichtdepressiever
8fachen Großvater und seit/mit 40 Jahren aktiver, praktischer und ununterbrochener Langlauf/Waldlauf-Erfahrung alle 32 bis halbelf eingegangenen Kommentare zum Thema Depression und deren erfolgreichen/erfolglosen Therapien durchzuackern:Kennt denn von all dden Koryphäen niemand den Psychologen/Psychiater Dr. Ulrich Barthmann,
der von einem über 70jährigen, alten Waldläufer vom nichtlaufenden “Saulus” zum laufenden “Paulus” umgepolt wurde und über das rezeptfreie Medikament “Wald-Dauerlauf”
ein tolles Buch über seine eigene Wandlung und über die therapeutische Wirkung bei seinen depressiven Patienten geschrieben hat?
Ich selbst weiß und habe es in meiner 40jährigen Praxis als Langstreckenläufer mit und an meinen vielen Laufkollegen-und Kolleginnen vielfach erlebt, wie einfach, billig, hocheffektiv und dauerhaft wirkend ein ganz simpler Waldlauf über 1-2 Stunden auf das Gemüt/die persönliche Verfassung wirkt und Depressionen, Sorgen und Ängste in herrliches Wohlgefühl sublimiert.
Und dabei werden die Läufer/innen nicht dick und fett, sondern in allen körperlichen, seelischen und geistigen Sektoren dauerhaft gesund.
Das ist natürlich stark vereinfacht, unüblich, furchtbar profan und niemand verdient etwas dabei.
Und das ist der einzige Haken!

#26 |
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Hallo Fr. Hoffmann..VD für Ihre Einlassung hier..Sie bestätigen öffentlich,was ich als Arzt und PTler 1000-fach erlebt habe..es ist soooo wichtig, dass die Betroffenen sich äußern, mitteilen, nicht verstecken, es ist gut für Sie, gut für uns Ärzte und gut für alle, die schweigend leiden..leseübrigens gerade mit traurigem Vergnügen “Mängelexemplar” v. Sarah Kuttner..auch dies bestätigt alles von Ihnen, mir und einigen anderen Erfahrenen hier gesagte,allerdings -im Gegensatz zu mir :-S- unterhaltsam und witzig und eben wieder als selbst Betrofene..unbedingt lesen!! lg Dr. Vieten

#25 |
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Gespsprächstherapien sind im Bereich der Frauenheilkunde meist effektiver als mwedikamentöse Therapien

#24 |
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Dr. med. Karl-Heinz Durkowiak
Dr. med. Karl-Heinz Durkowiak

Informativ in der Darstellung, auch für einen “Chirurgen” nachvollziehbar

#23 |
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Studentin

Sehr geehrte Frau Reinecke!
Nein, Sie bilden sich das nicht ein! Bei mir ist es genau andersherum: ich habe zuerst nur Medikemnete genommen und später eine Psychotherapie zusätzlich begonnen und kann nur bestätigen, was einige Studien schon lange belegen –> die beste Therapie besteht aus einer Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie. Allerdings nur bei endogenen Erkrankungen. Wenn die Depression aber psychoreaktiv ist, dann bringen Medikamente natürlich nicht viel. Ich denke, dass mauss man deutlich unterscheiden!!! Gerade eine kognitive Verhaltenstherapie kann einen Nutzen bringen, indemm man bestimmte Gedankenmuster abzulegen lernt, die eine Depression zusätzlich triggern können. Von Psychoanalyse bei jemndem, der gerade in einer Depression steckt halte ich nicht so viel. Absolut jeder Depressive, den ich kenne und der eine solche Therapie gemacht hat, sagte zu mir, dass die Therapie zwar “interessant” war, sie aber überhaupt nicht weiter brachte. Manchen hat es sogar geschadet in alten Kamellen rumzustochern…

#22 |
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Psychoanalyse,psychotrope Substanzen und Heilpraktiker.
Inhaltliche Kenntnisse über Psychoanalyse,Psychopharmaka und deren effektive Handhabung -am besten zum Benefit der Patienten im gegebenen Fall noch in Kombination-dürften kaum im begrenzten Wissensbereich eines Heilpraktikers zureichend vorhanden sein.Psychoanalytiker und Psychiater in Personalunion-selten,sehr seltenUnd die jeweilig präferierte “Schule” noch angemessen dem Einzelfall.Eine äußerst anspruchsvolle Thematik,die erfreulicherweise pragmatisch oft auch besser “läuft” als theoretisch anzunehmen wäre.Vieles liegt sicher im Argen,gesellschaftlich respektive individuell.mfg.r.sautter.

#21 |
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Die referierte Metastudie zur Wirksamkeit von Antidepressiva leidet an einer Reihe erheblicher methodischer Probleme. Deren größtes ist die Festsetzung des Effektivitätskriteriums für die Wirksamkeit . Es wurden da, ohne dass dies näher begründet wurde, 3 Punkte in HDRS definiert, die dann aber von allen Probanden (= Datensätzen) erfüllt werden mussten, unabhängig vom Ausgangswert. D.h. es urde ein linearer Verlauf einer Besserung gefordert. Wo gibt es sowas in der Medizin/Biologie?

#20 |
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peter kelczynski
peter kelczynski

durch eine kleinhirnerkrankung mit allen vielfältigen problemen erlebte ich depressive episoden mit sehr düsteren gedanken. mir hat die minidosis von 10 mg paroxetin täglich geholfen: ca. 10 tage nach einnahmebeginn stellten sich wieder normalere gedanken ein. tagestherapiekosten ca. 18 cent!

gruss in die runde

#19 |
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Dr. med. Sonja Gawehn
Dr. med. Sonja Gawehn

Jeder Psychiater weiß, daß das Trivialliteratur ist, was Sie schreiben. Mit dem Artikel tragen Sie aber lediglich zu weiterer Verunsicherung der Patienten bei. Soll ich den Depressiven jetzt sagen, ich könne Ihnen leider erst in 5 Monaten helfen, weil die Wartezeiten für einen Psychotherapieplatz so lange sind? Ich finde es unangebracht, einem Arzt zu unterstellen, er wolle eine für ihn selbst “bequeme” Therapie verordnen. Manchmal muß man vielleicht auch einen Kompromiss zwischen der Machbarkeit und dem anzustrebenden Idealzustand eingehen und da ist es besser, ich betreue den Patienten medikamentös als zu sagen, man könne ihm nicht helfen- was ja auch gar nicht wahr ist. Ich habe noch keinen erlebt, der nicht von einer empathischen Behandlung profitiert hat- auch wenn es sich dabei um eher kurze Kontakte gehandelt hat. Die Studienlage ist sicher für die Ausbildung und als Hintergrundinformation wichtig, aber ich weiß, daß sie für einen Patienten nicht hilfreich ist und die nackten Fakten wenig Hoffnung vermitteln.
Eine psychodynamische Therapie- darüber hinaus- ist nicht für jeden Patienten geeignet und wenn verbreitet wird, daß das die einzig sinnvolle Methode sei (sicher ist sie für die geeigneten Patienten hervorragend!), trägt auch das zur Entmutigung bei- und zwar überflüssigerweise!

#18 |
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Martina Reinecke
Martina Reinecke

Genau das, was Herr Stiehler in seinem Beitrag sagt, hat mir, als Betroffene, in diesen Tagen meine Psychiaterin gesagt. Nämlich, dass nach längerer Zeit des ‘gutgehens’sich der Hirnstoffwechsel verändert.
Ich habe mich viele Jahre mit Psychtherapie ohne medikamentöse Behandlung über Wasser gehalten. Richtig gut ging es mir nie. Seit ich mich für eine unterstützende medikamnetöse Therapie entschieden habe und diese Med. einnehme, geht es mir so gut, wie seit Jahrzehnten nicht!!! Vielleicht bilde ich mir die Wirkung ja ein und auch Plazebo hätte geholfen!!!!!

#17 |
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Dr. rer. medic. Christian Wienbruch
Dr. rer. medic. Christian Wienbruch

Wenn man die Kommentare so liest, wird einem ja Angst und Bange. Für alle diejenigen, die den Original-Artikel von Fournier nicht gelesen haben, hier die Schlussfolgerung der Autoren.

“Conclusions The magnitude of benefit of antidepressantmedication compared with
placebo increases with severity of depression symptoms and may be minimal or nonexistent, on average, in patients with mild or moderate symptoms. For patients with very severe depression, the benefit of medications over placebo is substantial.”

Frau Hoffmann, ich finde ihre obige Darstellung von daher etwas unglücklich, wenn sie auch sachlich richtig ist.

An die Ärzteschaft – es dürfte mittlerweile aufgrund der Datenlage klar sein, daß mit Antidepressiva nicht alle Fälle von Depressionen erfolgreich therapiert werden können, diese Analyse von Fournier zeigt es ganz deutlich, das funktioniert nur bei den schwersten Fällen.In Anbetracht der nicht unerheblichen Nebenwirkungen von Psychopharmaka liegt die Zukunft der Behandlung von allen Depression wohl eher in einem Miteinander von Ärzten und Psychotherapeuten und nicht in einem Gegeneinander.

Priv-Doz. Dr. Christian Wienbruch

#16 |
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Hallo Herr Wiegmann, hallo Fr. teitermann,

Prof. Kielholz habe ich persönlich kennenlernen dürfen, in davos, wir haben uns damals über die sog. Winterdepression unterhalten..er sagte, er habe bei 7000 depressiv erkrankten Pat bis dato 2 (!) diese Diagnose gegeben..ich habe seitdem genau hingesehen, und bei meinen bisher 4000 Pat keinmal diese Diagnose gestellt..soviel zum Thema Winterdression, an der aber kräftig Geld verdient wurde..nun ,da der Verkauf von Lichtquellen vorbei ist, stellt auch kaum einer der Kollegen mehr diese diagnose..so ähnlich läuft das auch mit fast allen von den anderen Therapien..empfehle die S3-Richtlinien der DGPPN, gerade veröffentlicht…da kommt man auf den neuesten Stand..sehr gut war auch der artikel im FOCUS Anf November,da stand für den Nicht-experten fats alles Richtige drin..
Bzgl der Medis ohen Gewichtszunahme etc ( meistens): Die genannten Nebenwirkungen beruhen fast immer auf unerwünschten Wirkungen am Acethylcholinrezeptor (Andockstelle) oder dem Histamin-Rezeptor..Mittel, die dies meist umgehen, heissen z.B. Citalopram, Moclobemid, Sertralin, Seroxat, Bupropion,Agomelatin,Escitalopram,Venlaflaxin,Reboxetin

alle dies Medis haben ziemlich genau die gleiche Erfolgsquote von 50-70% im ersten Versuch, man sollte sie zwei Wochen in der richtigen Dosierung egebn, bei etwas erfolg dann Verdoppeln, bei gutem Erfolg bei der Dosis bleiben, nach 4 Wochen wieder überprüfen..wenn ich nach 2-3 Wochen keinen Erfolg feststellen kann, dann Medikament bereits wechseln ,zuwarten bringt gar nichts..wirken allerdings weiterhin Belastungen von innen oder außen auf den Patienten ein, dann hilft auch deas Medikament nicht gut ) z.B. Partnerschaftsprobleme), wird sozusagen gebrenmst..LG Dr. Vieten,Mönchengladbach

#15 |
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Vor 20 Jahren waren wir weiter: Da kannte noch jeder Psychiater die Arbeiten von Kielholz und wusste, dass es endogene und psychoreaktive Depressionen zu unterscheiden gibt.Die Ersten sind die Domäne der Antidepressiva, bei den anderen dürften sie wirkungslos sein. Da geht es nicht ohne Psychotherapie. Der Wahn, dass alles messbar sein muss, hat dieses Wissen verschüttet und so ist – von fast allen Hochschullehren rund um den Globus propagiert – eine inhaltsleere Psychiatrie entstanden, die Fakten, die der scheinbar so exakten empirischen Forschung nicht zugänglich sind ignoriert.

#14 |
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Freude über die einfachheit der Diagnostik und der Therapie befällt mich: Depressionen sind erblich, umweltbedingt, Vitaminmangel, Folgen schlechter Politik und schlechter Moral. Therapie ist Oligobims, Analyse, Verhaltenstherapie, Revolution, Genreparatur, Vitamine, Stoffwechselumstellung. Fehlt bei der Ursache noch der Wettereinfluß, die Borreliose, der Elektrosmog, Amalgam und die Hormone im Fleisch. An Therapie fehlt mir die Homöopathie, Akupunktur, Gesundbeten und das Arbeitslager. Man könnte allerdings auch den Experten Gehör schenken, die bei schweren Depressionen eine genetische Komponente und eine Umweltnoxe als Auslöser der Depression für notwendig halten und die mit Pharmako- und Psychotherapie (gleich welcher Art- nur Vertrauen und Hoffnung beim Patienten sowie Empathie beim Therapeuten sind wichtig) gute Erfahrungen gemacht haben.

#13 |
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Kathrin…ich weiß. es ist wirkungslos, aber nicht mehr genau warum… Hirnschranke? ich bin gerade krank und schaue Olympia..aber ich werde es später für dich herausfinden…wenn du willst..lg Jürgen

#12 |
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Also, es ist schon eine tolle Verarschung ( ist das denn typisch für Heilpraktiker?) hier davon zu berichten, Sie,Herr Jürgens, würden keine Medikamente geben! Es ist Ihnen gar nicht erlaubt, anerkannt Wirksames zu verordnen,sonst würden Sie sich strafbar machen!!Ihr Dr-Titel ist auch kein Dr. med, sondern ein Dr.rer.nat!!
Antidepressiva haben eine intention-to-treat-Quote von 5, d.h., dass man 5 Pat damit behandeln muß, um einem zu nutzen.Zum Vergleich: Das allseits beliebte ASS (“Aspirin”) zur Blutverdünnung hat eine intention-to-treat von 95 (man muss also 95 Pat damit behandeln, um einem zu nutzen)!!!
Tiefenpsychologische Therapien (also auch die unkonkret so genannte psychodynamische PT hier) sind eher GEFÄHRLICH! Man redet in solchen Therapien IMMER über belastende Inhalte,und genau Belastungen muß man vermeiden oder reduzieren , will man schnell aus der Depression herauskommen (ich spreche von mittelschweren und schweren Depressionen, nicht von leichten)..Wenn man einmal ,um weiterzukommen, tiefenpsychologisch in einer Stunde arbeitet,sollte man rasch wieder aufhören, um diese belastenden Erinnerungen nicht mächtig werden zu lassen.Später,nach der Depression, dann kann Tiefenpsychologie oft Sinn machen,und aus den Erfahrungen in der D. weiß man jetzt auch recht genau, wo die belastenden Konflikte der Vergangenheit liegen..

#11 |
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Nadine Petzold
Nadine Petzold

@10:
Erinnerung an Tryptophan-Katastrophe…… die Angst ist zu groß bzw. die Patienten wollen ein solch negativ belastetes Medikament niciht mehr.

#10 |
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Oliver Klein
Oliver Klein

ad 10:
Weil mit L-Tryptophan kein Geld zu verdienen ist, ist ja auch so simpel.

#9 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

vielleicht (ich gebe die Hoffnung ja nicht auf) gibt es jemanden hier, der mir erklären kann, warum SSRI verschrieben werden, wenn man das Problem auch mit L-Tryptophan lösen könnte, besser gesagt: worin liegt die Logik, einen SSRI zu verschreiben, wenn man den mangelnden Stoff auch einfach zuführen könnte? Das ist eine ernstgemeinte Frage, und jeder, der auch nur in der Nähe von Medizin oder Pharmazie tätig ist, wird von mir mit dieser Frage gelöchert. Bis dato konnte es mir alelrdings keiner erklären. Also: ich wäre wirklich dankbar. Danke

#8 |
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Mitarbeiterin Industrie

Herr Jürgens,
wie hoch ist pronzentual die Ausbeute Ihrer Rückmeldebögen nach einem Jahr und wie viele Patienten haben sich bis dahin suizidiert, da ihnen durch Ihre pillenlose “Therapie” nicht geholfen wurde ? Es besteht heute bei namhaften und seriösen Psychiatern überhaupt kein Zweifel mehr, dass eine effiziente Therapie schwerer depressiver Erkrankungen nur durch eine Kombination aus Medikamenten (ja, auch Tranquillizern wenn es kurzfristig sein muss !) und psychotherapeutischen und sonstigen Massnahmen zu bewerkstelligen ist. Von leichten depressiven Verstimmungszuständen mal abgesehen, die auch besser im Gespräch mit engen Vertrauten abgehandelt werden können. Es gibt leider viel zu viele schlechte Psychotherapeuten, die ihre Patienten dazu missbrauchen, um sich selbst zu therapieren. Beispiele gibt es dafür genügend.Da möchte ich mich weitgehend dem Kommentar von Herrn Veith anschliessen.
Selbstverständlich sind Depressionen nicht NUR auf Hirnstoffwechselveränderungen zurückzuführen. Da gehören genetische, traumatische und sonstige Faktoren dazu. Auf jeden Fall kann man diese armen und gequälten Betroffenen nicht durch monate- oder jahrelanges Hinhalten einer vernünftigen Therapie entziehen. Sie als HP haben nun mal keine Möglichkeit der Verordnung von Medikamenten, ausser homöopathischen, nicht verschreibungspflichtigen Kügelchen und müssen auf die “Mobilisation von Ressourcen” der Patienten hoffen. Jede Depression bessert sich über kurz oder lang. Ich wünsche Ihnen, dass Sie selbst nie an einer schweren Depression erkranken.

#7 |
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Ärztin

gut daß das wort gehirnstoffwechsel gefallen ist: orthomolekulare diagnose und therapie unterstützt wesentlich eine therapie und führt zur nachhaltigkeit des therapieerfolgs, meist liegt eine deutlich mangelsituation an vitamin d, b6,b12 zink, magnesium, coenzym q10 und vitamin c vor, dies ist schon zu diagnostizieren, wenn die serumspiegel normal niedrig sind.

#6 |
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Hallo Herr Dr. Zahn,

“psychodynamische Therapien” umfasst in den meisten Studien “Psychoanalyse” und “Tiefenpsychologisch fundierte Therapie”, also solche Therapieformen, die im Grundgedanken auf Sigmund Freud zurück gehen und von einem “dynamischen” innerpsychischen Prozess ausgehen.

Die (kognitive) Verhaltenstherapie und die Gesprächspsychotherapie (nach Rogers) haben ihre Wirksamkeit bei den genannten Störungen übrigens auch bewiesen.

Und wer den Hirnstoffwechsel als alleinige Ursache der Depression sieht hat unter Umständen Henne & Ei verwechselt. Nach guter Psychotherapie verändert sich nachweislich auch der Gehirnstoffwechsel.

Mit freundlichen Grüßen,
Gerald Stiehler

#5 |
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Medizinjournalist

Ein großer Teil der Patienten mit einfachkeithalber irgendwann als Depressionen diagnostizierten Beschwerden leiden nicht an Verhaltens- oder sozialen Auftritts- und Interaktionsstörungen und brauchen kein Jahr psychosoziales Polytechnikum, um wieder auf die Sprünge zu kommen, sondern leiden an unterschiedlichen Veränderungen ihres Gehirnstoffwechsels. Viele dieser Menschen können sich Psychotherapien nicht leisten, wollen die Krankenkassen nicht übers Ohr hauen, bzw. hat ein Überangebot an miesen Therapeuten und schlechte einschlägige Erfahrungen bereits zu einem Unglauben an ihre Methoden, Schulen und Heilsversprechungen geführt. Solche Menschen nehmen u.U. die falschen Antidepressiva (es gibt ein erheblich mehr differenzierendes Angebot als die Medikamente A,B und C), brauchen zusätzlich Tranquilizer (“Zweizügelabhängigkeit”) und werden vielfach aufgrund einer geringgeschätzten sozialen Stellung (Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, Rentner) als Drittklassepatienten geächtet und wie bettelnde Drogensüchtige behandelt. Es ist immer hochinteressant, Meinungen wie die von Herrn Dr. rer. nat. Jürgens mit der Realität für die meisten betroffenen Menschen zu vergleichen. (Klingt nach Erfolgsverheissung 97% zu 0,97%.) Psycholanalysen werden weiters von ausgebildeten Psychoanalytikern(!) durchgeführt und nicht von medizinischen Laien, katholischen Halbakademikern und umgeschulten Sozialarbeitern. Es bestehen allerdings Begriffsunterschiede innerhalb der deutschsprachigen Länder, das gesamteuropäische Beruf(ung)swirrwarr inklusive BetrügerInnenanteil ist unüberschaubar.

#4 |
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Apothekerin

Als Apothekerin kann ich bestätigen, dass i.d.R. zumindest zwei Medikamente verordnet werden ( Antidepressivum und Hypnoticum). Viele Patienten/Innen haben keine Besserung, aber Gewichtsprobleme, was die Gesamtproblematik noch erhöht.
Besonders problematisch sehe ich, dass viele Entscheidungsträger in der Wirtschaft und der Verwaltung offenbar nur noch unter antideprssiver Therapie “funktionieren” können. Stress, Überlastung, Burn-out, keine Streitkultur in unserer globalen Gesellschaft kosten die Krankenkassen Milliarden.
Unsere Gesellschaft ist krank!

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Dr. rer. nat Martin Jürgens
Dr. rer. nat Martin Jürgens

Hallo Herr Zahn, gemeint ist Psychoanalyse, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Psychodynamische_Therapie.

Zum Artikel: Aus meiner Erfahrung als HP für Psychotherapie kann ich die Effektivität von Psychotherapie bestätigen (ich arbeite ganz ohne Pillen, sondern mobilisiere die meist blockierten Ressourcen des Patienten). Nach einem Jahr bekommen meine Patienten einen Rückmeldebogen, die die Nachhaltigkeit der Psychotherapie bestätigen. Durch Psychotherapie lernen die Patienten, SELBER das Problem zu lösen. Die erworbene innere Stärke und die erworbenen Techniken helfen dann auch bei FOLGENDEN Problemen im Leben.

#2 |
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psychodynamische Therapie? ein paar Hinweise wären nett.

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