Sprechstunde beim Ärztchen

3. März 2010
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Ein Medizinstudent wird ab dem ersten Studientag von allen möglichen Freunden und Bekannten um medizinischen Rat gefragt. Gerne hilft man, ob rechtlich ganz korrekt oder nicht, mit guten Tipps - gewissermaßen im Stadium "nicht mehr ganz Laie" und "noch nicht ganz Arzt". Und auch bei der Eigenbehandlung zeigen angehende Ärzte ungeahnte Kreativität.

„Ein Arzt ist Arzt, wenn er die Approbation in der Hand hält und am besten noch eine gute Berufshaftpflicht abgeschlossen hat“ – das ist die rechtliche Lage in Deutschland. Streng genommen darf ein Medizinstudent, egal ob Pflegepraktikant oder Famulant gar nichts, wenn nicht vom jeweiligen Verantwortlichen „unter persönlicher Betreuung und Anleitung“ gearbeitet wird. Dies kann man – gerade im Pflegepraktikum – auch nutzen, wenn man nicht für jeden unangenhmen Job herangezogen möchte. Aber spätestens in der Famulatur, wenn man richtige ärztliche Tätigkeiten machen will, sollte man immer Kopf haben, dass man immer für die Absicherung zu sorgen hat, gerade wenn die eigene Karriere weitergehen soll. Besser einmal mehr fragen und zeigen lassen als einmal zu wenig.

Was ist im Privatleben erlaubt und was nicht?

Eigentlich ist es hier nicht anders. Ein Rat an einen Freund, die Mutter oder den Nachbarn über eine medizinische Frage ist nichts anderes als ein Rat von Laie zu Laie, quasi Nachbarschaftshilfe. Es ist dabei völlig egal, ob der künftige Mediziner erst vor 5 Minuten seine ZVS-Zulassungsbescheinigung erhalten hat oder gestern alle Examensfragen richtig beantwortet hat. Rein rechtlich, ohne Approbationsurkunde, sollte der junge Mediziner immer darauf hinweisen, dass er immer nach bestem Wissen und Gewissen antwortet, dieser Ratschlag aber ein freundlicher Tipp unter Laien darstellt. Der Gang zum Arzt des Vertrauens sollte immer empfohlen werden.

Brötchen und Frikadelle sind das gleiche wie eine Tablette Paracetamol…

…zumindest, wenn es um Diebstahl am Arbeitsplatz (Famulaturplatz, Praktikumsplatz) geht. Die fristlose Kündigung ist gerechtfertigt, wenn am Arbeitsplatz geklaut wird – egal ob eine Frikadelle für wenige Cent oder ein Multifunktionsdrucker für mehrere Tausend Euro. Dies wurde unter Staunen der deutschen Öffentlichkeit von einem Gericht neuerlich bestätigt.

Ganz gefährlich ist somit auch das Verabreichen oder auch nur Anreichen („Geben“) von Medikamenten an Dritte. Hier begibt sich der Student gleich doppelt aufs Glatteis. Die gut gemeinte Empfehlung „nimm einfach mal 1000 mg ASS“ kann nach hinten losgehen, wenn nicht klar der Laienstatus formuliert wird und der „gute Freund“ später mit Ulkusleiden und Magenperforation eine Klage anstrengt. Und auch, wenn es „alle Ärzte und Schwestern genauso machen“, das Mitnehmen von Medikamenten aus Stationsschränken, OP-Vorräumen oder sonst irgendwo aus einer Klinik und einer Praxis ist Diebstahl und zusätzlich noch ein Verstoß gegen das Arzneimittelrecht. Das geht insbesondere bei verschreibungspflichtigen Medikamenten. Auch schon bei der „leichtesten Kortisoncreme“ oder dem Antibiotikum gegen die eigene Angina kann man vor den Folgen nur warnen. Besonders drastisch sind die die Folgen naturgemäß, wenn zusätzlich noch ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelrecht im Raum steht.

Riskante Selbstbehandlung

Außerdem ist die unkritische Selbstbehandlung auch nicht ungefährlich. Wenn man einfachen Zugang hat, liest die Versuchung nahe, schneller zu einer medikamentösen Therapie zu greifen, als eine Apotheke aufzusuchen. Das vorhandene und immer weiter wachsende Fachwissen ermöglichen ziemliche Wagnisse: „Bevor wir Karnevalsdonnerstag losgehen, nehmen wir immer prophylaktisch erstmal 40 mg Omeprazol“, sagt Timm S., der an seiner rheinischen-närrischen Hochschule Mittwochs noch eine Pharmakologie-Klausur geschrieben hat und am Donnerstag richtig abfeiern will. Omeprazol schützt bekannter weise die Magenschleimhaut, insbesondere wenn man später noch eine Tablette NSAR benötigt. Nein, Schmerzen hat Timm nicht. Die Jungs nutzen eher die Nebenwirkung von Aspirin Komplex: „Das ist Pseudoephidrin drin, da ist man länger fit“. Und am nächsten morgen? Da wartet schon Metoclopramid und Paracetamol gegen den Kater mit Übelkeit und Kopfweh.

Das ist nicht ungefährlich. Zwar ist noch keiner der Jungs zu Schaden gekommen, wenn man von Hangover am nächsten Tag absieht, aber zu allen Medikamenten gibt es mehrseitige Beipackzettel. „Kein Problem, wir haben das im Fachinfo nachgelesen, das überlebt man schon!“ Das ist sicher auch nur ein spezieller Fall, denn die Karnevals-Clown-Frau neben Timm, eigentlich Patricia aus dem 8. Semester, weiß es besser: „Party ist wichtig, und notfalls auch knalle-voll, aber dann reichen mir Mineralwasser und schlafen. Wer feiern kann, muss auch leiden können!“

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Allgemein

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3 Kommentare:

Weitere medizinische Berufe

Rein rechtlich mag der Artikel ja zutreffen. Fakt ist aber, das viele med. Studenten in den letzten Semestern in etlichen med. Bereichen sich besser auskennen, als der Arzt, der schon 15 Jahre praktiziert.
Das einzige, was dem gutem und jungem Studenten dann noch fehlt, ist die Berufspraxis und halt die Approbation.

Ich lasse mich lieber von einem jungen und tatkräftigen Arzt behandel, als von einem Arzt, der kaum die neusten Behandlungsmethoden kennt.

Nach dem Motto “Das haben wir immer schon so gemacht”

#3 |
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Stefanie Merse
Stefanie Merse

Um auf Nummer sicher zu gehen, lohnt es sich schon während des Studiums eine Berufshaftpflicht abzuschließen. Es gibt extra Studententarife und auch bei Auslandsfamulaturen ist man dann stets auf der sicheren/ abgesicheten Seite – ungemein beruhigend ;-)

#2 |
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Studentin der Humanmedizin

“Nimm einfach mal 1000mg ASS” ist aber auch nach der Approbation keine gute Idee…. denn auch als approbierter Arzt sollte man nicht gleich die frisch abgeschlossene Berufshaftpflicht in Anspruch nehmen…

#1 |
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