Schilddrüsendysfunktion: Mutter, Vater, kinderlos?

22. Mai 2018

Viele Frauen sind ungewollt kinderlos, weil die Schilddrüse Probleme macht. Aber: „Die Schilddrüsenfunktion jeder Frau kann so eingestellt werden, dass von dieser Seite kein Hindernis mehr besteht, schwanger zu werden“, sagt Schilddrüsen-Experte Dr. Schützler.

Nicht nur Geschlechtshormone beeinflussen die Fruchtbarkeit. Auch Schilddrüsenhormone haben gravierende Auswirkungen auf den Stoffwechsel des gesamten Körpers – auch auf die Entwicklung der Eizellen, die Implantation und die frühe fetale Entwicklung. Gibt es mit der Schilddrüse Probleme, hat das Folgen: Erkrankungen und Schilddrüsenperoxidase-Autoantikörper (TPO-Ak) stehen mit einer gestörten Follikulogenese, Spermatogenese, Befruchtung und Embryogenese im Zusammenhang.

In den Reproduktionsorganen werden Rezeptoren und Transporter für Schilddrüsenhormone sowie Deiodinasen exprimiert, wie eine italienische Studie aus dem Jahr 2014 zeigt. Diese Erkenntnis unterstreicht zusätzlich, wie wichtig Schilddrüsenhormone im Zusammenhang mit der Fertilität und der frühen Schwangerschaft sind. Ab wann wird ein unausgeglichener Schilddrüsenhormonhaushalt kritisch und wie steuert der Arzt optimal entgegen?

Welcher TSH-Wert ist normal?

In ihrem Artikel „Schilddrüse, Fertilität und Schwangerschaft“ weisen C. Bullmann und T. Minnemann darauf hin, dass der Referenzbereich für Thyrotropin (TSH) kontrovers diskutiert wird. Ab einem TSH von 2,5 mIU/l werden gehäuft Autoantikörper gegen Schilddrüsenproteine gefunden, sodass einige Labore einen oberen Grenzwert von 2,5 mIU/l festgelegt haben. Der Normverteilungskurve nach liegt der obere Referenzbereich jedoch bei 4,2 mIU/l.  Frauen, die mehr als ein Jahr lang erfolglos versucht hatten, schwanger zu werden, hatten durchschnittlich häufiger TSH-Werte über 2,5 mIU/l. Auch ein über längere Zeit bestehender TSH-Wert unter 0,09 mIU/l dürfte bei den meisten Frauen ungünstig für die Entstehung einer Schwangerschaft sein, da eine Hyperthyreose die Nidation stört.

Die Konzentration der Schilddrüsenhormone im Blut spiegelt nicht zwangsläufig ihre zelluläre Verfügbarkeit und Aktivität wider. Auch Dr. Werner Schützler, Facharzt für Radiologie mit Nuklearmedizin, hat dies beobachtet und stellt dazu folgenden Vergleich an: „Wenn die Autobahn voller Möbellaster ist, heißt das noch nicht, dass es in den Geschäften auch Möbel zu kaufen gibt.“ Dabei stehen die Möbel sinnbildlich für die Schilddrüsenhormone, die Konzentration der Schilddrüsenhormone im Blut wird mit einer Autobahn und die zelluläre Verfügbarkeit mit Geschäften verglichen.

Schützler hat die Erfahrung gemacht, dass jeder Mensch seinen eigenen TSH-Referenzbereich hat. Allgemein gelte, dass ein am Tag ermittelter TSH-Wert über 2,5 mIU/l bei jeder Frau mit Kinderwunsch korrigiert werden sollte. TSH-Konzentrationen im unteren Referenzbereich seien für die Entstehung einer Schwangerschaft grundsätzlich besser. Nachts im Schlaf steigt der TSH-Wert an, bis zu 25 mIU/l gelten als normal. Laut Schützler gibt es Frauen, die am Tag zwar einen normalen TSH-Wert haben, nachts aber Werte über 25 mIU/l erreichen. Diese würden von einer Substitution profitieren. Exogene Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle: „Wenn ein hervorragendes Spermiogramm vorliegt, dann wird eine Schwangerschaft auch bei leicht gestörten Werten eintreten. Bei schlechtem Spermiogramm sollte jedoch versucht werden, optimale Werte zu erzielen.“

Fast jede zweite gebärfähige Frau hat Jodmangel

Fehlfunktionen der Schilddrüse betreffen überwiegend Frauen. Schätzungen zufolge besteht bei 44 % aller Frauen im gebärfähigen Alter ein Jodmangel. Bei manifesten Störungen der Schilddrüsenfunktion sind sowohl die Konzentrationen von TSH als auch von T3 (Triiodthyronin) und T4 (Thyroxin) verändert. Sie gehen eindeutig mit Zyklusstörungen einher, treten mit Prävalenzen bis 0,5 % aber eher selten auf. Häufiger hingegen sind subklinische oder latente Schilddrüsendysfunktionen, bei denen sich nur eine isolierte Veränderung des TSH zeigt.

Laut Colorado-Studie sind etwa 8 % der fertilen Frauen von einer Hypothyreose betroffen, aus der NHANES III Studie ergab sich eine Prävalenz von 5,8 %. Eine Hypothyreose wird oft durch Autoantikörper verursacht. Schilddrüsen-Autoimmunität betrifft bis zu 20 % der Frauen im gebärfähigen Alter und ist damit die häufigste Autoimmunerkrankung in dieser Gruppe. Daten der NHANES III Studie zufolge haben 10,4 ± 0,5 % der Bevölkerung Antikörper gegen Thyreoglobulin und 11,3 ± 0,4 % gegen Schilddrüsenperoxidase (TPO-Ak). Das relative Risiko für Infertilität ist bei euthyreoten Patientinnen mit TPO-Ak durchschnittlich 2,1- bis 3,2-fach höher verglichen mit Frauen ohne TPO-Ak. Auch die Fehlgeburtenrate ist bei euthyreoten Frauen mit TPO-Ak erhöht.

 

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Steuerung der Sekretion von Schilddrüsenhormone durch den thyreotropen Regelkreis. © W. Schützler

„T3 macht schwanger, T4 erhält die Schwangerschaft“

Schützler wurde schon häufig nach einer Standardbehandlung gefragt. Die gibt es seiner Ansicht nach aber nicht: „Für die Therapie von Schilddrüsendysfunktionen gibt es kein ,Kochrezept’“, erklärt er und betont, dass eine eingehende Untersuchung, besonders aber die Befragung der Patienten in Bezug auf klinische Symptome von herausragender Bedeutung ist. Als Spezialist mit großem Erfahrungsschatz verlässt er zuweilen bewusst den konventionellen Behandlungsrahmen und toleriert auch Laborwerte außerhalb des Normbereiches, solange keine klinischen Symptome evident werden. Gute Erfolge bei unerfülltem Kinderwunsch hat er mit sehr individuellen Therapien unter der Gabe von T3 bzw. T3/T4-Kombipräparaten gemacht. „T3 macht schwanger, T4 erhält die Schwangerschaft“, erklärt Schützler.

Er beschreibt T3 als einen Prolaktin-Antagonisten, der den Pulsgenerator für die Sexualfunktionen aktiviert: „Ein gezielt eingesetzter T3-Impuls in den Morgenstunden, dessen Intensität individuell auf die Bedürfnisse der Frau zugeschnitten sein muss, kann die Fertilität entscheidend steigern.“ Da das System pulsatil arbeitet, ist die Messung einzelner Werte unter Umständen wenig aufschlussreich. Schützler vergleicht dies mit einer punktuellen Voltmessung an einer Wechselstromdose: „Der Referenzbereich von 0-220 Volt wäre normal. Aber ein gemittelter Wert von 110 Volt als Angabe für die Leistung, die man der Steckdose entnehmen könnte, wäre falsch.“ Weiter weist er darauf hin, dass T3 in sehr kleinen Schritten dosiert werden muss, da es im Gegensatz zu T4 eine schnelle und starke Wirkung entfaltet.

Therapieansatz: Gegen den Strom

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Dr. Schützler mit seiner Enkelin. Die Mutter leidet an einer Hashimoto-Thyreoiditis, die Schwangerschaft trat bei einer Therapie mit einem T3/T4-Kombipräparat ein. © W. Schützler

Mit der Verschreibung von T3 geht er einen anderen Weg als die meisten seiner Kollegen, z. B. Bullmann und Minnemann, die feststellen: „Im Falle einer geplanten oder bestehenden Schwangerschaft ist von einer kombinierten Schilddrüsenhormonsubstitution abzuraten, da die Einstellung aufgrund der schnellen TSH-Suppression durch den T3-Anteil schwieriger zu beurteilen ist.“

Der thyreotrope Regelkreis unterliegt einer zirkadianen Rhythmik. TSH- und T3-Spiegel weisen einen Tagesrhythmus mit nächtlichem Peak auf. Aus diesem Grund müssen Schilddrüsenhormone morgens eingenommen werden, damit ihre optimale Wirkung gewährleistet ist.

Die Bedeutung der molekularen Uhr für die weibliche HypothalamusHypophysen-Gonaden-Achse ist in der Reproduktionsphysiologie allgemein akzeptiert: Nahezu jede Funktion dieser Achse unterliegt direkt oder indirekt der Kontrolle des zirkadianen Rhythmus. Epidemiologische Untersuchungen und tierexperimentelle Studien deuten darauf hin, dass das Timing der Reproduktionszyklen beeinträchtigt wird, wenn der Hell-Dunkel-Zyklus akut (Jetlag) oder chronisch (Schichtarbeit) verschoben ist. Beispielsweise wurden einer amerikanischen Studie zufolge bei Frauen in Schichtarbeit weniger reife Eizellen gefunden als bei Frauen, die nur am Tag arbeiteten.

Als wesentlichen Lebensstilfaktor, durch den Frauen ihre Fruchtbarkeit beeinflussen können, nennt Schützler dementsprechend einen regelmäßigen Tagesablauf sowie das Vermeiden von künstlichem Licht mit einem hohen Blaulichtanteil. Er geht davon aus, dass sich Schwankungen der Körpertemperatur im Tagesverlauf auf die Fruchtbarkeit auswirken. Seiner Meinung nach kann eine Frau, die bei größerer Zeitverschiebung längere Zeit im Ausland war, nach ihrer Rückkehr nicht damit rechnen, sofort schwanger werden zu können, weil ihre Zirkadianrhythmik gestört ist. Er sagt: „Wenn eine Frau nach Tokio fliegt, dann ist ihr Jetlag nach drei Tagen weg. Aber die Körpertemperatur bleibt wochenlang wie zuvor am Tag bei 36 °C und steigt in der Nacht auf 37 °C an.“

Die Schilddrüsenhormone vermitteln dem Körper den Takt der Sonne, die weiblichen Sexualhormone arbeiteten im Takt des Mondes. Die Überlagerung dieser Taktgeber bestimmt die Fertilität. Wenn eine Frau schwanger werden will, dann sollten die Schilddrüsenhormone im richtigen Takt arbeiten. Laut Schützler reicht es nicht aus, nur zu überprüfen, ob der TSH-Wert im offiziellen Referenzbereich liegt. Neben einer individualisierten Therapie wirbt er für Lebensstiländerungen, die einen regelmäßigen Tagesrhythmus und Entschleunigung umfassen.

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14 Kommentare:

Dr. med. Werner Schützler
Dr. med. Werner Schützler

Zur ‚sensitive(n) Messung von TSH‘: – Danke für das Interesse. Hier ist meine Stellungnahme:
In Kalifornien wurde der obere Grenzwert von TSH auf 2,5 mU/l gesetzt. Eine Studie mit gleichem Vorgehen in Mecklenburg-Vorpommern kam zu einem oberen Wert von 2,12. Gleichwohl blieb die Gesellschaft für Endokrinologie bei einem Wert von 4,0. Es besteht aber Konsens, dass bei Kinderwunsch der TSH-Wert unter 4,0 liegen soll: Es ist ja schön, dass TSH so genau bestimmt werden kann, ich würde ihn aber nicht als ‚sensitiv‘ bezeichnen. Jeder Mensch hat einen individuellen TSH-Wert, der u.a. von seiner individuellen Jodversorgung abhängt. Auch die Tageszeit, zu der die Blutabnahme erfolgt, hat einen Einfluss auf die Höhe des TSH-Werts. – Ich erinnere mich an den Fall eines Pat. mit schwerer kardialer Erkrankung, der bei peripherer Euthyreose einen TSH-Wert von 0,15mU/l hatte. Der Arzt der Intensivstation wollte unbedingt wissen, ob eine Fehlfunktion der Schidddrüse zu diesem Wert geführt hat. Ich sollte dies nachweisen oder ausschließen: Der TRH-Test fiel eindeutig positiv aus, es kam zu einer Steigerung auf >5, und die Sache war geklärt.
Übrigens: Frauen mit Kinderwunsch haben üblicherweise keine Osteoporose, sie fühlen sich im Regelfall gesund und klagen auch nicht über Herrhythmusstörungen. Sollte eine junge Frau mit Kinderwunsch Herzrhythmusstörungen haben, so sollte man diese vor einer gezielten Schilddrüsenbehandlung abklären.
MfG. Werner Schützler

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Dr. med. Werner Schützler
Dr. med. Werner Schützler

Zum Biorhythmus: Der Nucleus suprachiasmaticus ist ein Bestandteil des Hypothalamus. Er liegt oberhalb des Chiasma opticum. Der SNC hat eine entscheidende Bedeutung für die Regulation des zirkadianen Rhythmus. Der Nucleus suprachiasmaticus ist der Hauptzeitgeber der inneren Uhr des Menschen, der einen endogenen zirkadianen Rhythmus generiert. Eine Zerstörung dieses Kerngebietes führt zu einer Aufhebung der zirkadianen Rhythmik. Einen vom Hypothalamus ausgehende Nervenimpuls, der eine Ausschüttung von TRH an den im Hypophysenstil endenden Nervenzellen bewirkt, habe ich in einem kleinen ‘Lehr-Video’ dargestellt. Hier ist die Beziehung zwischen der ‘inneren Uhr’ und der Schilddrüsenfunktion dargestellt. – Das Video kann auf meiner Webseite ‘www.schilddruese.online’ abgerufen werden (Rubrik: Information / Regelkreis (Infografik)). – Als Comiczeichner habe ich Cartoons im Deutschen Ärzteblatt und bei DocCheck veröffentlicht. Auf dem letzten Symposium über die menschliche Schilddrüse in Heidelberg habe ich in 2 Vorträgen von mir produzierte Bilder sehen können. Auch dieses Video kann gerne von Kollegen zum Unterricht verwendet werden.

#13 |
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Hallo – zu Ihrem Beitrag vom 26. Mai 2018 um 14:10 Uhr.

Sie wollen nicht wirklich wegen dreier historischer Fallberichte – ohne kontrolliertes Setting, ohne Kontrollgruppe und ohne interdisziplinäre Evaluation – und einer verwegenen Theorie zum TRH-Test (den keiner mehr braucht: dafür haben wir ja nun die sensitive TSH-Messung zur Differenzierung von latenter und manifester Hyp-er-thyreose, für die Hypothyreose ist er eh nicht spezifisch genug und macht zu viele Gesunde krank) und entgegen allen gängigen Leitlinien (ETA, ATA, DGIM, DGGG) eine Empfehlung zur Therapie euthyreoter Frauen mit T4 und T3 aussprechen??

Das ist unnötig und in der Masse teuer und woher wissen Sie dass das nicht schadet? Könnte ein Risiko für Osteoporose oder Herzrythmusstörungen sein. Ich kenne keine Studie die zeigt dass Kombi T4+T3 für Mutter und Kind nützlich ist (aktuelle Daten zeigen ja eher dass wir möglicherweise zu scharf einstellen) und keine Studie die zeigt dass das umgekehrt ungefährlich ist.

MfG – Ihr oej

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Hallo – zu Ihrem Beitrag vom 25. Mai 2018 um 10:35 Uhr.

Zur Klarstellung:

Der Embryo entsteht nicht nach der Nidation sondern durch die Nidation. Es wird nicht Beta-HCG produziert sondern hCG und nicht vom Embryo sondern von der Placenta. hCG wird zum Schwangerschaftsnachweis seit vielen Jahren im Blut bestimmt – der Test ist sehr viel sensitiver und spezifischer als der früher verwendete ß-hCG-Assay im Urin. ß-hCG stimuliert die SD nicht: das ist nur die ß-Kette, die macht gar nix. hCG bindet mit einer Affinität von 0,1 Promille derer von TSH an den TSH-Rezeptor der SD, dadurch kommt es zu einer zusätzlichen Stimulation der SD: da hCG üblicherweise bis zu 20.000 bis 50.000 Units im Blut hat entspricht das einem TSH von bis zu 5, so dass das native TSH abfällt: wirken tun weiter beide, das ist physiologisch und braucht keine Theraoie – mit einer Hyperthyroxinämie hat das aber nix zu tun, die höheren Gesamt-SD-Hormon-Spiegel kommen vom Anstieg des TBG durch die vermehrte Östrogenwirkung: der Speicher ist halt größer. FT3 und FT4 sind je nach Assay weiter im Referenzbereich oder werden sogar eher etwas niedriger als sonst gemessen. Der Embryo hat keine T4-Rezeptoren (zumindest sind die noch nicht nachgewiesen worden und es ist auch unklar was das sein oder bewirken soll) sondern seine Zellen haben ebenso wie alle anderen Säugetierzellen mindestens 25 verschiedenen Transporter für SD-Hormone, die wichtigsten davon sind MCT-8 und -10. Der Embryo entnimmt dem mütterlichen Blut nix direkt, da er dazu gar keinen Kontakt hat: der Transfer von Substanzen findet diaplazentar statt, über die Nabelschnur. Der Embryo nimmt über diesen indirekten Weg sowohl T4 als auch T3 auf, grob in dem Verhältnis wie FT4 und FT3 bei der Mutter sind. Selbstverständlich haben alle Zellen des Embryo im Zellkern T3-Rezeptoren, sonst könnten die SD-Hormone ja nicht wirken – T3 wirkt direkt, T4 wird in den Zellen zu T3 umgewandelt, denn nur T3 wirkt am Rezeptor.

MfG – Ihr oej

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Dr. med. Werner Schützler
Dr. med. Werner Schützler

Zu erhöhten TSH-Werten in der Nacht: Der TRH-Test ist verpönt. Die Substanz Antepan, mit der man den Test durchführen konnte, ist nicht mehr erhältlich. Die maximale Stimulation der Hypophyse mit dieser Substanz führte dazu, dass sich ein Großteil der Granula, in denen das TSH gelagert wird, entleerte. Das Ergebnis war – ich hoffe , dass ich das jetzt nicht weiter erklären muss – der höchste Wert, der in den letzten 3 Wochen in der Nacht aufgetreten ist. Frauen mit einem pathologischen TRH-Test profitieren von einer L-Thyroxin-Medikation. (Hierzu gibt es eine Kasuistik von 3 Frauen mit Abort bei angeblich euthyreoter Stoffwechsellage, welche ich innerhalb von ca. 15 Monaten ‚sammelte‘. Die Kasuistik kann bei DocCheck und auf meiner Webseite: http://www.Schilddruese.online in der Rubrik ‚Kinderwunsch‘ aufgerufen werden). Da derartige Frauen ohne TRH-Test nicht mehr identifiziert werden können, beginnt jetzt ein Rätselraten. Einer gesunden Frau, die einen normalen TRH-Test hätte, wird durch die Gabe von 50µg L-Thyroxin und 5µg T3 kein Schaden zugefügt. Der TSH-Wert dieser Frauen könnte etwas absinken. Im Uterus befinden sich TSH-Rezeptoren: es darf spekuliert werden, wozu diese da sind, denn Schilddrüsenhormone produziert der Uterus nicht. Wenn der TSH-Wert abnormal hoch ist, ist es nicht mehr so leicht schwanger zu werden. Eine leichte Absenkung des TSH-Werts ist also bezogen auf Kinderwunsch eher günstig zumal auch die Prolaktin produzierenden Zellen, deren Sensitivität durch T3 bezüglich eines TRH-Impulses senken lassen, in der Hypophyse jetzt weniger stark auf TRH-Impulse reagieren. Ein Erniedrigung von Prolaktin ist für die Entstehung einer Schwangerschaft günstig.

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Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young haben bereits Anfang 1980 bei Fruchtfliegen das Gen “period” isoliert, welches den biologischen Tag-Nacht-Rhythmus steuert. Vorher gab es nur Vermutungen, dass bestimmte Gene den Tag-Rhythmus bei allen Lebewesen steuern. Experimente mit Fruchtfliegen brachten den Durchbruch, das Gen mit dem den Namen “period” zu identifizieren.
“Period” beeinflusst den Tag-Nacht-Rhythmus der Taufliege, aber wie?
Hall (73) und Rosbash (74) von der Brandeis University, Boston/USA, entdeckten das Protein (PER), welches sich auf biomolekularem Weg in den Zellen bevorzugt nachts anreichert und am Tag wieder abgebaut wird. Die Konzentration des PER-Eiweißes schwankt im 24 Stunden-Rhythmus, synchronisiert mit dem Tag-Nacht-Zyklus.
Doch wie wird diese Tag-Nacht-Oszillation erzeugt und aufrechterhalten? Das PER-Protein reguliert wohl selbst seine Produktion, in dem es die Aktivität des period-Gens steuert.
Doch wie gelangt das Eiweißmolekül in den Zellkern, wo sich das Genmaterial befindet? Denn PER wird außerhalb des Kerns im Zytoplasma produziert.
Dazu lieferte 1994 Young (69) von der Rockefeller University, New York/USA, die Lösung. Er entdeckte ein weiteres Uhren-Gen namens “timeless”, welches ein sogenanntes TIM-Protein kodiert. Wenn sich TIM und PER verbinden, können die beiden Proteine in das Innere des Zellkerns vordringen, wo sie die Aktivität des period-Gens blockieren. Das war der Rückkopplungsmechanismus, welcher die zyklische Anreicherung des PER-Proteins erklären konnte.
Ein weiteres Gen namens “doubletime” kontrolliert die Periodizität des Rhythmus, mit dem das PER-Protein produziert wird: Eine weitere Entdeckung von Young. Es codiert das DBT-Protein und verzögert damit die Anreicherung PER-Proteins verzögert. So wurde das biologische Prinzip der Inneren Uhr weitgehend aufgeklärt.
Erklärt wird damit beim Menschen, wie der natürliche Tag-Nacht-Rhythmus bei einem akutem Jetlag und chronischer Schichtarbeit aus dem Takt gerät, bzw. dies symptomatisch werden kann. Unsere innere Uhr ist unter anderem daran beteiligt, uns schläfrig werden zu lassen und steuert die zirkadiane Regulation der Körpertemperatur.
Mit der Behauptung: “Die Schilddrüsenhormone vermitteln dem Körper den Takt der Sonne, die weiblichen Sexualhormone arbeiteten im Takt des Mondes. Die Überlagerung dieser Taktgeber bestimmt die Fertilität” stehen die Forschungsarbeiten und der Nobelpreis für Physiologie und Medizin 2017 an Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young weder formal noch inhaltlich in irgendeinem wissenschaftlichen Zusammenhang.

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Dr. med. Werner Schützler
Dr. med. Werner Schützler

(Zum Beitrag von Prof. Janssen) Vor der Nidation ist die Frau nicht schwanger. Nach der Nidation entsteht ein Embryo, der Beta-HCG produziert, welches dann im Urin nachgewiesen wird, um eine vermutete Schwangerschaft nachzuweisen. Beta-HCG bewirkt eine Stimulation der Schilddrüse: der TSH-Wert sinkt. Erniedrigte TSH-Werte in der Frühschwangerschaft sind physiologisch. Es handelt sich dann auch nicht um eine Fehlfunktion der Schilddrüse, sondern vielmehr um eine Hyperthyroxinämie, welche (abgesehen von Sonderformen) auch nicht therapiert werden sollte.
Der Embryo hat T4-Rezeptoren, die L-Thyroxin aus dem mütterlichen Blut entnehmen. T3 interessiert ihn offenbar nicht, wahrscheinlich hat er hierfür keine Rezeptoren. Wird zu wenig T4 von der Mutter bereit gestellt, kann sich der Embryo nur schlecht entwickeln: Im Extremfall kann es zum Abort kommen.

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Dr. med. Werner Schützler
Dr. med. Werner Schützler

(Zum Beitrag von Dr. med. Thomas Georg Schätzler): Da der Zusammenhang von Biorhythmus und Fertilität in Frage gestellt wird, möchte ich darauf hinweisen, dass Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young für ihre Forschungen zur Funktionsweise der Inneren Uhr, die den Biorhythmus von Lebewesen steuert, einen Nobelpreis erhalten haben. Diese Arbeiten waren mir nicht bekannt, als ich 2016 auf meiner Webseite (www.schilddruese.online) postuliert habe, dass der Mond (die Menstruationsblutungen erfolgen im Takt des Mondes) und Sonne einen bedeutenden Einfluss auf die Fertilität einer Frau haben.
“Das Leben auf der Erde richtet sich nach der Rotation des Planeten. Schon lange ist bekannt, dass Lebewesen, der Mensch eingeschlossen, eine innere, biologische Uhr haben. Sie hilft uns dabei, uns an den Tagesrhythmus anzupassen. Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash and Michael W. Young haben in das Innere unserer biologischen Uhr gespäht und deren Funktionsweise ausgeleuchtet. Ihre Entdeckungen erklären, wie Pflanzen, Tiere und Menschen sich an biologische Rhythmen anpassen und so synchron zur Erdrotation leben.”
Nobelpreis-Komitee des Karolinska-Instituts

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Das hierzulande verpönte Pregnenolon kann Wunder wirken.

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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

die meisten Frauen haben eher einen Progesteronmangel (neben anderen Hormonproblemen ),
einen Selenmangel (oft + Zinkdefizit ) u.
tote ,beherdete Zähne im Ok – Seitenzahnbereich -Molaren 6 u. 7

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Danke für den Artikel.
Super Arzt der Dr. Schützler.
Genaue Anamnese und individuelle Verschreibungen sind in der Regel das große Manko bei den Ärzten.
lg

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Liebe Kollege, Prof. Dr. med. Onno E. Janßen, Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie (DDG) am “endokrinologikum” Hamburg http://www.endokrinologikum.com,
Sie sprechen mir aus der Seele!
Nicht nur, dass eine einzelne Familienkasuistik nicht geeignet ist, “Schilddrüsendysfunktion: Mutter, Vater, kinderlos?” zu erläutern. Sondern auch die Leitsätze: “Die Schilddrüsenhormone vermitteln dem Körper den Takt der Sonne, die weiblichen Sexualhormone arbeiteten im Takt des Mondes. Die Überlagerung dieser Taktgeber bestimmt die Fertilität” sind von Aberglauben und naivem Empirismus geprägt.
Für die Fertilitätsdiagnostik ist das Anti-Müller-Hormon entscheidender: “Es korreliert mit der Funktion der Eierstöcke. Es ist der Marker, der am frühesten mit dem Alter korreliert, die kleinste Variabilität innerhalb und zwischen den Zyklen hat und so zu einem beliebigen Zeitpunkt bestimmt werden kann. Bei Werten über 6,95 ng/ml besteht ein hohes Risiko für die Ausbildung eines ovariellen Hyperstimulationssyndroms. Mit zunehmendem Alter sinkt der AMH-Spiegel der Frau entsprechend dem Verlust an ovarieller Funktionsreserve ab. Dabei ist ein Abfall des AMH schon vor einem eindeutigen Anstieg des FSH erkennbar. Modifiziert nach
https://de.wikipedia.org/wiki/Anti-M%C3%BCller-Hormon).
Vgl. http://flexikon.doccheck.com/de/Anti-M%C3%BCller-Hormon

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Hi –
– woher kommt die Information oder wo ist publiziert dass euthyreote Frauen davon profitieren wenn sie bei physiologisch erhöhten nächtlichen TSH-Werten mit TH substituiert werden?
– woher kommt die Information oder wo ist publiziert dass niedrige TSH Werte die Nidation oder Fertilität stören? 9% aller schwangeren Frauen haben ein niedriges und weitere 9% ein supprimiertes TSH – wie sind die denn dann schwanger geworden?
– Eine Hypothyreose wird NICHT durch Autoantikörper verursacht: Die Ak zeigen nur die Schädigung an die durch ein (leider immer noch unbekanntes) Geschehen / Agens verursacht wird. 30% aller AIT Patienten haben keine positiven Ak aber dennoch eine Hypothyreose und eine echoarme SD.
– Infertilität und Abortrate bei Frauen mit SD-Ak ist erhöht weil AIT mit PCOS assoziiert ist – das wird nicht durch die Ak verursacht sondern das Krankheitsgeschehen des PCOS link: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=PCOS+AIT
– wo bitte ist die Aussage “T3 macht schwanger, T4 erhält die Schwangerschaft” durch Studien belegt, wo ist das publiziert? In den aktuellen gynäkologischen und endokrinologischen Leitlinen (z.B. von der ETA oder ATA) finden sich dazu keine Aussagen, im Gegenteil, es wird von einer T3- oder Kombi T3+T4-Therapie abgeraten.
– woher wissen die Schilddrüsenhormone dass sie sich nach der Sonne, und die weiblichen Sexualhormone dass sie sich nach dem Mond richten sollen? Ist das dann in Australien andersherum?
Mit herzlichem Dank – Ihr oej

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Innerhalb der Euthyreose sind potenzielle Dysfunktionen zu finden. Man unterscheidet also: absolute Hypothreose, potenzielle Hypothyreose, absolute Euthyreose, potentielle Hyperthyreose und absolute Hyperthyreose. Ausser der absoluten Euthyreose sind alle behandlungsbedürftig. Diagnosen laufen über das TSH, die absolute Euthyreose liegt zwischen 0,9 und 2,4.

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