Die Alleingebärenden

13. Juni 2018

Das Gebären ohne jegliche Geburtshilfe von Hebamme oder Arzt ist derzeit ein Trend. Im Internet häufen sich Beiträge und Videos von überzeugten Müttern, die nicht mehr „fremdbestimmt“ gebären wollen. Ärzte hingegen warnen: Solche Geburten seien unverantwortlich.

Immer mehr Frauen kritisieren Interventionen wie die künstliche Geburtseinleitung, Dammschnitte oder die allzu rasche Abnabelung. Sie fühlen sich fremdbestimmt. Deswegen häufen sich Berichte über Schwangere, die sich zu einer Alleingeburt entschieden haben. Obwohl diese Art zu gebären unter Experten umstritten ist, findet sich in der Ärzteschaft eine Befürworterin: Sarah Schmid bestärkt Frauen darin, alleine zu gebären. „Nach einer verbesserungswürdigen Hausgeburt habe ich die anderen fünf Kinder in Eigenregie zur Welt gebracht“, schreibt sie auf ihrer Website. „Diese Geburten haben mich begeistert. Ich wünsche mir sehr, dass noch viel mehr Frauen wagen, ihrem eigenen Körper zu vertrauen, Ängste zu hinterfragen und sich freizumachen vom angstgetriebenen heutigen Geburtshilfesystem.“

Ihre Mission: ein „neues weibliches Selbstbewusstsein und eine Gebärkultur jenseits der Arzt- und Angstfixierung“ zu schaffen. Auf ihrer Website sammelt Schmid unterschiedliche Berichte von alleingebärenden Frauen, die ihren Nachwuchs selbstbestimmt und interventionsarm, aber keinesfalls risikoarm auf die Welt bringen. Was sagen Gynäkologen dazu?

Gebären fern von Standards

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Christian Albring © Frauenärzte im Netz / BvF

„Die Geburt ist die gefährlichste Stunde im Leben eines Menschen“, warnt Dr. Christian Albring. Er ist Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. „Wenn nur drei Minuten die Sauerstoffversorgung des Gehirns unterbleibt, resultieren lebenslange Schäden.“ Sein Verband lehnt Niederkünfte außerhalb von Geburtskliniken ab. „Dazu gehören auch Hausgeburten und Geburten in Geburtshäusern ohne frauenärztliche Anwesenheit“, sagt Albring. Alleingeburten ohne Hebamme gingen mit unverantwortlichen Gefahren einher. „Solche Geburten fallen weit hinter den globalen WHO-Standard zurück.“

Auch Professor Dr. Uwe Hasbargen, er leitet dsa Perinatalzentrum und die Geburtshilfe am Universitätsklinikum München-Großhadern, bestätigt: „Es ist gegen die Interessen des Kindes, ohne Not auf die Möglichkeiten medizinischer Hilfe zu verzichten.“

Der Direktor der Geburtsmedizin der Berliner Charité Professor Dr. Wolfgang Henrich hat ebenfalls wenig Verständnis für Alleingebärende. „Noch nie war die Mütter- und Kindersterblichkeit so niedrig wie heute“, betont Henrich. Er verweist auf Gefahren wie akuten Sauerstoffmangel, massive Blutungen oder Fruchtwasserembolien. Außerdem würden nahezu 50 Prozent aller Hausgeburten im Laufe der Niederkunft in eine Klinik verlegt. Gynäkologen bereitet der Trend viel Kopfzerbrechen.

Der Wunsch nach weniger als Gefahrenquelle

Genaue Statistiken gibt es hierzulande nicht. Allerdings wächst die Zahl von Erfahrungsberichten, die man online findet, stetig. Die Arzthelferin Jobina Schenk, die sich auf ihrem gleichnamigen Blog „Meisterin der Geburt“ nennt, hat 143 Erfahrungsberichte von Frauen gesammelt, die schon eine Alleingeburt erlebt haben. 114 davon aus Deutschland (Stand 2017). Ihr Ziel ist es, eigenständig Daten zu nicht assistierten Geburten (z.B. Gebärpositionen, Anzahl der Abbrüche von Alleingeburten, Geburtsorte) zusammenzutragen. In ihrer Auswertung für 2017 konstatiert auch sie steigende Zahlen für den Geburtstrend.

„Alleingeburten bei Risikoschwangerschaften scheinen in den Niederlanden ebenfalls zuzunehmen“, erklärt Martine Hollander vom Radboud University Medical Centre, Nijmegen, im Gespräch mit dem Autor. Sie beruft sich auf Befragungen verschiedener Fachgesellschaften und Berufsverbände.

Sie wollte wissen, welche Erfahrungen Hebammen und Gynäkologen mit schwangeren Frauen gemacht haben, die weniger Betreuung wünschen als in Leitlinien vorgesehen. Deshalb bat Hollander Kollegen, Fragebögen auszufüllen. 900 Vordrucke ließen sich auswerten, was einem Rücklauf von 21,7 Prozent entspricht.

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Martine Hollander © Radboud University Medical Centre

Am häufigsten wurden Tests auf Schwangerschaftsdiabetes abgelehnt (66,3 Prozent). Und trotz bestehenden Risikoschwangerschaften wählten 65,3 Prozent Hausgeburten. 39,6 Prozent entschieden sich für weniger Vorsorgeuntersuchungen als medizinisch empfehlenswert. Dem standen überflüssige Eingriffe gegenüber: Ein

Großteil der Befragten berichtete von mindestens einer Anfrage pro Jahr nach einem Wunsch-Kaiserschnitt.

Die Expertin sammelte weitere aktuelle Daten: „Unser nächstes Ziel war, die Motivation von Frauen für eine Geburt außerhal

b des Systems zu untersuchen, um Medizinern Einblicke und Empfehlungen zu geben.“ Sie führte strukturierte Interviews mit 28 Frauen durch, die sich trotz medizinischer Risiken für eine Alleingeburt entschieden hatten. Ihre Kohorte ist klein, liefert aber Anhaltspunkte für die Praxis.

Schwächen bei der Informationsbeschaffung stehen Hollander zufolge bei Entscheidungen an der Spitze: Wenig überraschend sind Online-Medien die wichtigste Quelle für werdende Mütter. Sie lesen Erfahrungsberichte über Alleingeburten, in denen die erfolg

reichen Niederkünfte in den rosigsten Farben geschildert werden, während Frauen, die medizinische Probleme hatten, nichts posten.

Wie reagiert man als Arzt richtig?

Wenig überraschend warnen niederländische Gynäkologen ihre Patientinnen häufig vor Alleingeburten. Nur messen viele der Frauen Hollander zufolge den Aussagen ihrer Ärzte nicht genügend Bedeutung bei. Mediziner gelten als Bedenkenträger, als Pessimisten, die natürlich immer das schlimmste Szenario darstellen. Patientinnen bewerten Risiken anders als ihre Ärzte. Das führt bei Geburtsvorbereitungen unweigerlich zu Meinungsverschiedenheiten, sodass Frauen außerhalb etablierter Versorgungsformen nach Alternativen suchen. Ärzten rät die Expertin deshalb:

  • Beraten Sie mit größtmöglichem Fingerspitzengefühl bei Gesprächen zu möglichen Risiken.
  • Um keine Ängste zu schüren, klären Sie zwar über Risiken auf, aber legen Sie nicht den Fokus darauf.
  • Wählen Sie flexible Ansätze bei der Geburtsplanung und gehen Sie den Weg der gemeinsamen Entscheidungsfindung.
  • Akzeptieren Sie autonome Entscheidungen von Frauen.
  • Halten Sie fundierte Informationen zu Alternativen, aber dennoch tragbaren Alternativen bereit.

Schwedische Forscher um Helena E. Lindgren von der Uni Göteborg bestätigen auf Basis eigener Befragungen die angeführten Punkte. Sie bewerten Alleingeburten als „Konflikt zwischen Verantwortung, Macht bzw. Kontrolle einerseits und Unsicherheiten gegenüber dem medizinischen System andererseits“. Das heißt: Mütter befürchten, dass ihnen Hebammen oder Ärzte Entscheidungen aufzwängen. Gebärende wollen selbst entscheiden, ob ein Dammschnitt erforderlich ist oder ob sie mit dem Durchtrennen der Nabelschnur vielleicht noch ein paar Minuten warten.

Fazit

Dass Frauen in Deutschland auf Geburtshilfe verzichten, lässt sich generell weder mit dem Hebammenmangel,  überfüllten Kreißsälen noch mit esoterischem Mumpitz erklären. Werdende Mütter entscheiden sich bewusst für Alleingeburten. Sie lehnen Bevormundungen bei medizinischen Eingriffen ab und suchen ihren eigenen Weg. Das sollte zu denken geben.

*Name von der Redaktion geändert

86 Wertungen (4.02 ø)

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44 Kommentare:

Als langjähriger Geburtshelfer fällt mir dazu nur ein: Wenn es dem Esel zu gut geht, geht er aufs Eis tanzen.

#44 |
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HPA Juliane Deinzer
HPA Juliane Deinzer

Es freut mich durchaus, dass dieses “Nischenthema” angesprochen wurde, stehe ich doch selber noch vor der ernsthaften Entscheidung, die richtige Geburtsumgebung auszusuchen.
Die Argumente “natürliche Umgebung” und “Entspannung” aufgrund eigener Intimsphäre und Alleinsein im Zimmer sollten hoffentlich nicht ohne Fundament sein, und toll wären da wirklich auch mal Studien dazu. Vielleicht lassen sich so auch protrahierte Geburtsverläufe vermeiden, und somit auch die Sorge um die Sauerstoffversorgung und ähnliche Sorgen verringern.
Neulich sah ich einer Katze bei einer Fußgeburt zu (nur das 2.von dreien war unten zuerst voraus), und leider… meinte ich, da irgendwie helfen zu müssen, die Fußgeburt war wesentlich anstrengender. Angst: Sauerstoff???. Da wäre die Katze wohl alleine viel besser dran gewesen (meinte, im Stehen wäre die Schwerkraft größer, also die Katze weiß schon selbst, was sie tut!!). Genau so geht es ganz sicher den gesunden Alleingebärenden, die wissen in aller Regel genau, was sie tun müssen- instinktiv.
Natürlich wissen wir alle, dass es auch ganz viele (viel zu viele) Problemgeburten gibt, eigentlich fast jede, wenn man die Dauer mit der der von mir erlebten Geburten der “Katzenviecher” vergleicht. Und meistens sind es ja (“nur”, natürlich nicht “nur”) Einlinge.

Der medizinische Fortschritt kann da auch gewiss helfen, sogar noch viel mehr als vor über 100 Jahren. Die Frage ist, ob da ein angerufener Rettungswagen/Notarztwagen, der hin und zurück bis zu 30 Minunten benötigt, immer ausreichend ist, oder ob der Transport da überhaupt noch möglich ist. Und für wieviel der Problempatienten (ja sicher “Patient”, also so gesund sind wir Menschen ja wirklich nicht, dass eine Geburt immer leicht vom Hocker oder von der Hocke geht) das überhaupt zumutbar ist.
Die Entscheidung, wer Kaiserschnitt, wer Krankenhaus-natürliche Entbindung, notfalls mit Hilfsmitteln oder PDA- oder wer am Besten gar nichts hat (nur sich selbst, und ausreichend HIlfsmaterial-Bettschutz-lärmresistente Wände), ist hier- falls notwendige rechtzeitige Intuition nicht vorhanden- die allergrößte ärztliche Herausforderung und Sorgfalt. Sicherheit gibt es nicht. Also müssten wir am besten alle mit Kaiserschnitt gebären, also so kann es ja auch nicht gehen. Natürlich darf die Mutter selbst entscheiden, sie muss dazu aber auch die richtige Beratung haben, keine zu ängstliche und auch keinesfalls eine zu nachlässige, muss auch über ALLE Nachteile der jeweiligen Methoden aufgeklärt werden.

Wenn die Mütter alle viel gesünder wären, könnten wirklich (wir sind nicht mehr so unterernährt wie früher Richtung Mittelalter) auch alle ganz harmlos zuhause gebären, doch so “gesund” ist meiner Meinung nach niemand. Ich fände für das Groß der “gesunden” Mütter, die selbstsicher sind, eine Geburtshausgeburt vermutlich am sinnvollsten, schon allein, damit die Nachbarn einen nicht stören (Schreie sind heutzutage komplett abgelehnt, dank Schmerzmittel hie und da). Aber ich fände auch da eine Alleingeburt empfehlenswert. Hebamme im Nachbarzimmer auf Abruf, die darf auch ruhig alles mithören. Ich fände dazu auch lebenswichtig, ein Geburtsrisiko nicht durch die Hebamme, sondern durch einen vollmedizinisch ausgebildeten Frauenarzt/Geburtsarzt festzustellen, sodass im Voraus schon Monate feststeht, dass das neue Leben leider nur per Klinik/OP-Saal möglich sein wird. Die momentan vorhandene Kompetenz dazu stellt für mich allerdings ein riesengroßes Fragezeichen da, die kennen sich nicht mal mit einer normalen, gesunden Schwangerschaft aus (eigener Erfahrungshorizont), und haben viel zu wenig allgemeinmedizinisches Wissen (wäre schön wenn besser). Notfalls wäre auch eine Zusammenarbeit von Hausarzt und Geburtshelfer sinnvoll.
Noch besser wäre es natürlich, gleich im Vornherein nur gesunde Frauen schwanger werden zu lassen, ich habe schon von so vielen “Alpträumen” trotz sehnlichstem Kinderwunsch und gewiss 500% Liebe zum Kind durch Schwangerschafts-/Geburtskomplikationen gehört. Und damit sparen sich die Mütter/Väter gleich die zu anstrengende Elternzeit mit kränkelnden/chronisch kranken Kindern.

#43 |
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Stimme dem Vorredner zu. Ärzte sind auch nur Menschen. Es gibt ja Geburtsplanungsgespräche, Kreißsaalbesichtigungen etc. um herauszufinden was zu einem passt. Man kann für oder gegen etwas sein, aber dann bitte mit den richtigen Argumenten. Alleingeburt heißt auch reelle Risiken wie Kindersterblichkeit, bleibende Schäden, Kindbettfieber etc. (wieder- nachdem sie reduziert bzw. überwunden waren) in Kauf zu nehmen.

#42 |
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Hebamme

Liebe Frau Jülicher,

sie sprechen mir von der Seele. Es sind nämlich wenige Patientinnen, die sich überhaupt trauen diese Probleme und schlechten Erfahrungen anzusprechen. Und gerade die Tatsache, dass Frauen jetzt so reagieren, nämlich im Alleingang, weist auf die enorme Verletzung und Enttäuschung oder sogar die große Angst vorab hin. Eine Angst, die die Angst vor dem Geburtsschmerz noch übertrifft. Das muss man sich einmal klar machen. Und das lässt sich nicht mit ein paar Phrasen abtun! Da helfen nicht ein paar Fortbildungen und ein bisschen Politur an der Oberfläche, wie es meist in dieser Zeit gehandhabt wird. Es ist genau das Problem dieser großen Oberflächlichkeit. Denn schon allein die Festlegung, was wichtig und notwendig ist, ist eine Bevormundung. Diese hat ein solches Ausmaß angenommen und Vertrauen derart unmöglich gemacht, dass sehr tiefgreifende Veränderungen nötig sind, um eine Kehrtwende einzuleiten. Zur Zeit passiert aber genau das Gegenteil. Immer mehr kleine Geburtsabteilungen schliessen und große Zentren werden errichtet. Geburt braucht vor allem Stille, Vertrauen, Sich wohl fühlen, Personen, die an den guten Ausgang denken und nicht stets Pathologie im Kopf haben. Damit projizieren sie diese nämlich auf die Gebärende. Geburtshäuser in der Nähe einer Klinik, das klingt recht gut.

#41 |
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Dr. med. Andrea Antolic
Dr. med. Andrea Antolic

Als Frauenärztin mit positiven wie negativen Erfahrungen in verschiedenen Kreißsäälen und mit verschiedenen TeamkollegInnen wie von den Anderen beschrieben, schließe ich mich den ausgewogenen Komentaren an, in denen die Beweggründe der Frauen verstanden werden und in denen dennoch aus SACHLICHEN Gründen gegen Alleingeburten argumentiert wird.
Menschen haben immer subjektiv gute Gründe für ihre Entscheidung, umso tragischer, dass diese gerade auf Erfahrungen in Kreißsäälen beruhen.
Ein PROFESSIONELLER Umgang damit bedingt, diese zu analysieren und entsprechend den Schlüssen daraus sachorientiert zu handeln, d.h. die Geburthilfe entsprechend verbessern: Personalfortbildungen, sowohl fachlich (z.B. Interventionen nur aus tatsächlich fachlichen Gründen) als auch in sozialen Fertigkeiten und Haltung, und außerdem auf politischer Ebene für ausreichende Ressourcen für die Geburtshilfe kämpfen (darunter auch für die Beleghebammen).
Es sollte zur Routine werden, während der Schwangerschaft bzw. vor der Geburt auf Bedenken (die leider einen realen Hintergrund haben) einzugehen und gemeinsam mit den Frauen einen Weg zu finden, wo sie sich nicht aus Angst selbst der professionellen Unterstützung berauben. Und für den Zeitraum nach der Geburt die Möglichkeit etablieren, das Erlebte aufzuarbeiten.

#40 |
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Ärztin

@Greta:
Ich denke, wir haben beide recht. Weil die Erfahrungen eben sehr unterschiedlich sind. Meine positiv, gute Aufklärung trotz schwieriger Situation, mit glücklichem Ergebnis für Mutter und Kind, von Verstümmelung kann da gar keine Rede sein, und ein Op-Katalog war kein Thema. Guter Arzt, der sich viel Zeit fürs Nähen genommen hat. Andere, schlechte Erfahrungen müssen eine gute nicht negieren. Wir sollten uns vielmehr einig sein, dass die Geburtshilfe besser gestellt werden sollte. Meine gute Erfahrung ist ja schon lange her (fast 14 Jahre), und seitdem ist vieles sehr viel schlechter geworden. Das muss verändert werden, damit Frauen nicht unsicher gebären müssen.

#39 |
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@Sylvia
Man weiß schon vorher ganz genau, wie weit es reißen wird? Fachgerecht in welchem Sinne, wenn überwiegend nicht indiziert und der Assistent mal schneiden soll für den Op-Katalog?
Frauen und vor allem Kind mit 7 cm Schnitten „gerettet“ munter beherzt mit Schlag durch alle Schichten? (Verziehungen- doch nur ästhetisch, Neurome- gibt es da nicht, hypertrophe Narben- Einzelfall, Muskelanteile durch- dann übe halt mit Biofeedback, „unbekannte“ Schichten nicht lege artis adaptiert- war halt der Assistent, muss man noch mal ran?)
Dammschnitte sind nur in wenigen Fällen gerechtfertigt. Nur weil die klinische Umsetzung den Studienergebnissen hinterherhinkt, werden die Fakten dazu nicht besser.
Die Raten sind zu hoch. Ebenso wie das Durchführen ohne Aufklärung bei klarer Ablehnung eine manifeste Straftat darstellt, wenn es trotzdem gemacht wird- gerade ohne hinreichende Notfallbegründung. Dass das sowohl Personal als auch rechtlich bis dato nicht interessiert, weil es schon immer so war und immer ein rechtfertigender Grund gefunden wird, ist eine andere Diskussion.
Abgesehen davon, wenn es reißen will, reißt es auch mit Dammschnitt parallel oder weiter.
In den chirurgischen Fächern, die sich u.a. auch mit Rekonstruktion und Narbenversorgung beschäftigen, gilt ein vorsätzlicher Schnitt in evt. noch ungünstiger Lokalisation und Schnittführung, wenn es auch irgend anders oder zu vermeiden geht, nicht gerade als vorauseilender gewebeschonender Goldstandard. Da gab es mal was mit Gewebeeigenschaften, Spannungslinien und Weg des geringsten Widerstandes.
Abgesehen davon, woher kommen ausufernde schwerste Risse und Schäden? Könnte nicht mit Geburtsforcierung, Position und Interventionen zusammenhängen? Aktuelle Studie zu Oxytocin und Beckenboden?
Aber auch da war sicher die Mutter schuld, zu wenig Himbeerblättertee und warum bloß keine elektive Sectio bei großem Kindskopf.
Erotik und Kontinenz-
nach einer derart übergriffigen Verstümmelung ohne relevante Notwendigkeit, ggf. schlechter Versorgung und evt. gegen den ausdrücklichen Willen?
Aber – ganz vergessen- war ja fürs Kind und wird in der Glückseligkeit gar nicht mehr traumatisierend wahrgenommen. Und ansonsten muss man es halt nur argumentativ gut an die Frau bringen. Undankbar, wenn sie diese „Unterstützung“ dann nicht mal zu würdigen weiß.

#38 |
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Ärztin

Ein gut und zum richtigen Zeitpunkt durchgeführter und fachgerecht genähter Dammschnitt kann ein Segen sein, im Vergleich zum Riss. Denn das Leben geht ja weiter, sowohl im Hinblick auf Kontinenz als auch in erotischer Hinsicht. Dass es in Kliniken (wenn überhaupt Kapazitäten da sind) und bei der Vor- und Nachbetreuung mangels Hebammen und Zeit schrecklich zugehen kann, steht fest. Dennoch sollte eine Reaktionsbildung in Form einer totalen Verweigerung klinischer Unterstützung kritisch betrachtet werden dürfen.

#37 |
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Auffällig, dass Ihre Artikel zum Thema Geburtshilfe weiterhin so unreflektiert und einseitig sind.
Schade, dass Sie nicht tiefergehend recherchieren und wirklich die Ursachen benennen, warum sich die Lage aktuell so entwickelt. Ebenso fällt der latent vorwurfsvolle Unterton geschwängert mit Unverständnis auf- Gebärende sind im Allgemeinen weder zu dumm noch zu uninformiert, um nicht zu wissen, was sie bewusst entscheiden. Langsam wandelt sich das Bewusstsein – höchste Zeit, muss man sagen.
Sie fühlen sich nicht fremdbestimmt- sie sind es. Ohne Ausnahme und schon in der Schwangerschaft.
Ohne Not verzichten die wenigsten-
der Entscheidung voraus gingen meist hochtraumatisierende „Entbindungen“ oder Recherche, wie weit es mit Patientenrechten der Mutter in der Klinik her ist und mit welcher Art der Betreuung man rechnen kann bei 6 Geburten parallel und 2 Hebammen.
Das Risiko, bleibende Schäden für Kind und Mutter in der Klinik mitzunehmen in der aktuellen Lage, liegt bei zarten 4% interventionsfreien Geburten auch nicht gerade niedrig.
Die auch physisch teils immensen Geburtsschäden der Mütter sind aber freudig in Kauf zu nehmendes Beiwerk und wer spricht schon von Trauma beim Säugling?
„Akzeptieren Sie autonome Entscheidungen von Frauen.“
Wir haben 2018 und das muss noch extra schriftlich fixiert werden? Unfassbar. Wir sind keine Brutkästen.
Informieren Sie sich mal über DRG und in welchem Tempo in Deutschland klinisch entbunden werden muss.
Die Herren des Fachgebietes sollten sich -statt betont sorgenvoll die Entwicklung zur Kenntnis zu nehmen und zu lamentieren, wie gefährlich ein natürlicher Vorgang ist- vehement für eine würdevolle und auf Menschen- und Patientenrechten basierte gut strukturierte Geburtshilfe einsetzen.
Geburtshäuser auf Klinikgelände.
Vernünftiger Abrechnungsmodus und ausreichender Personalschlüssel.
Maßnahmen aufgrund medizinischer Indikation, nicht zur Beschleunigung. Solide rechtswirksame Aufklärung.
Diskussion und Wahrnehmung der Rechte der Gebärenden und wie im -wirklichen- Notfall damit rechtlich fundiert umzugehen ist.
Wieviele abgelehnte Dammschnitte sind Notfälle?
Wieviele Einwilligungen zur „ganz akuten“ Notfall- Sectio, die dann allerdings noch 3 Stunden auf dem Gang warten kann, werden subtil erzwungen (Sie riskieren Ihr Kind?)?
Wieviele Wehentröpfe rein aus Zeitgründen?
Ich stimme als Medizinerin in einem Punkt zu: Auch ich empfinde Unbehagen bzgl. einer Alleingeburt ohne jegliche Begleitung.
Aber freiwillig nochmals in die pure Entmündigung gehen- Danke nein.
Solange es nur um ein -auf den ersten Blick- nicht offensichtlich geschädigtes Kind geht, kann man das einer gesunden Schwangeren aktuell nicht empfehlen- wenn sie auch ihre Rechte minimal gewahrt sehen möchte und eine einigermaßen kontinuierliche Betreuung.
Eine zumindest neutral verlaufende Klinikgeburt ohne unnötige Eingriffe ist schlicht Glück.
Und ganz nebenbei-
Das Leben lässt sich nicht kontrollieren und unter Ausschluss eines jeden Risikos beherrschen. Auch nicht mit Dauer-CTG und den Gynäkologen der Schöpfung.

#36 |
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Studentin der Humanmedizin

Bei den Spontangeburten meiner Kinder wollte ich gerne aus dem Kniestand oder aus der Hocke pressen, doch die Hebammen wollten den Prozess lieber bequem, wie auf dem Tablett serviert, beobachten. Und so presste ich in der Rückenlage meine jeweils über 4 kg schweren Kinder gegen die Schwerkraft den entspannten Hebammen entgegen, wobei eine kam noch auf eine hervorragende Idee, mit ihrem spitzen Ellenbogen auf meinem Bauch richtig schmerzhaft auszustreifen. Sie würde mir so bei der Kindsaustreibung helfen, sagte sie.
Die Geburten meinr Kinder waren nicht schön.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitbürger, versuchen Sie es mal bei einer Koprostase: legen Sie Sich auf den Rücken, ziehen Sie Ihre Beine hoch und pressen Sie. Oh ja! Da bekommen Sie wirklich einen Wunsch nach einer medizinischen Hilfe!
Seit diesen Geburten kann ich zumindest teilweise die Frauen verstehen, die lieber selbst über sich bestimmen wollen.

#35 |
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Student der Humanmedizin

Spontan fällt mir zu solchen Naturtrips folgendes Zitat ein:

“100-200 years ago, people ate organic unprocessed food and didn’t have vaccines and lived to the ripe old age of died in childbirth.”

#34 |
  5
Dr. med. Michael Schmiedle
Dr. med. Michael Schmiedle

Wenn wir wieder wie im Mittelalter gebären wollen, müssen wir auch Raten erhöhter Kindersterblichkeit, Müttersterblichkeit (nicht auszudenken bei einer Placenta previa) und Spätfolgen für den Beckenboden, wie ich sie als Urologe häufig sehe, im Falle unsachgemäßer Geburtsvorgänge akzeptieren. Wenn zumindest die Frauen, die sich für eine Alleingeburt entscheiden, dazu in vollumfänglichem Wissen um die Risiken dazu bereit sind, soll es mir Recht sein. Wir haben hier in Deutschland ja auch genügend Impfverweigerer. Das ist für mich dasselbe in grün.

#33 |
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Heilpraktikerin

Meine fünf Kinder habe ich in einer Geburtsklinik mit angeschlossener Kinderklinik bekommen. Meine älteste Tochter hat nicht gleich geatmet, wurde sofort von den Kinderärzten übernommen, es fand sich dann noch eine schlimme Erkrankung, die 6 Wochen Aufenthalt auf der Kinderintensivstation notwendig machte. Nicht auszudenken, wenn ich alleine, nur mit Laien, entbunden hätte. Bei den weiteren Geburten bin ich sehr gut betreut worden, die letzte Entbindung habe ich sehr selbstbestimmt fast alleine “geleitet”, man bekommt da eine gewisse Routine ;)
Ich kann allen Frauen nur raten, in eine Geburtsklinik zu gehen, trotz Routine oder mal einer barschen Bemerkung, Hebammen und Ärztinnen / Ärzte sind auch nur Menschen….

#32 |
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Dr. rer. nat. Ralf-Rüdiger Flörke
Dr. rer. nat. Ralf-Rüdiger Flörke

Wer einmal erlebt hat, was passiert, wenn bei einer Hausgeburt der Arzt nicht sofort da ist und Jahre später das schwerst behinderte Kind im Rollstuhl wiedertrifft, wird zu Hausgeburten oder gar Alleingeburten nur eine Meinung haben. Beabsichtigte (!) Alleingeburten grenzen m.E. an eine Straftat.
Was wir aber unbedingt brauchen: verlässliche Daten zu den beabsichtigten Alleingeburten. Handelt es sich nämlich letztlich um Einzelfälle, ist die Sache anders zu beurteilen, als wenn es sich um einen Trend handeln würde.

#31 |
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Nichtmedizinische Berufe

Wenn die Mutter gesund ist, und beim Fötus alles in Ordnung, dann kann ohne weiteres als Hausgeburt oder in einem Geburtshaus entbunden werden, begleitet durch Hebammen. Wenn es irgendwelche wirklichen, echten und realen Risiken gibt, sollte über eine Geburt in einer Klinik nachgedacht werden. Im Klinikalltag wird oft über den Kopf (und das Herz) der Mutter hinweg entschieden, Schichtwechsel, Überfüllung, Personalmangel … Was für ein idiotischer Trend, völlig allein zu entbinden. Es muss ja nicht immer die Klinik sein, aber allein, möglicherweise mit einem völlig überforderten Vater; wen wollen diese “trendigen” Mütter verklagen, wenn etwas schief geht?

Was mich auch ärgert, ist die Einstufung als “Risikoschwangerschaft”, sobald die Mutter 2 Jahre zu alt, 5 Kilo zu schwer, (bisher) Raucherin oder gelegentliche Weintrinkerin war, an einer vielbefahrenen Straße im 4. Stock wohnt, 1/2 Tafel Schokolade am Tag isst und keinen Brokkoli mag. Das trifft auf so viele Menschen zu, dass praktisch jede Frau mit mindestens einem Risiko behaftet scheint. Diese Einstufung verängstigt die Frauen, und die Freude ist gleich getrübt. Rauchen und Trinken sind schädlich, nicht nur in der Schwangerschaft, nicht nur für Frauen.

#30 |
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Hebamme

Ich halte nichts von Alleingeburten, kann die Frauen die sich dafür entscheiden allerdings verstehen.
Das was heute in Kliniken passiert ist einfach erschreckend, da wird Frauen Angst gemacht wenn sie es wagen etwas in Frage zu stellen, es werden jeden Tag Körperverletzungen ohne Einverständnis durchgeführt.
Da wird kristellert,geschnitten und die Würde von Mutter und Kind massiv verletzt.
Wir wissen heute vieles über Geburt und die Störungen der Geburt,geändert wird nichts.
Und wo bitte ist die ach so hochgelobte Sicherheit wenn 1 (!) Hebamme im Dienst 3 oder auch 4 Frauen gleichzeitig betreuen muss, weil schlicht kein Personal da ist ?
Das,was in den Kliniken passiert ist eine Schande und die Politik ändert nichts daran, im Gegenteil.
Nicht die Frauen die sich aus verschiedenen Gründen für eine AG entscheiden sind das Problem sondern die Zustände in den Kliniken und da ist es mittlerweile egal ob es das kleine Krankenhaus in der Kleinstadt ist oder der Super-Maximalversorger in der Großstadt.

#29 |
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Dr. med. Thomas Genz
Dr. med. Thomas Genz

Zunächst einmal – fraglos sind Schwangere und Gebärende nicht krank. Kreißende sind dennoch Patienten – sensu strictu. Nein, als Mann habe ich kein Kind geboren. Ich war aber bei der spontanen Geburt meiner Söhne (und als Kinder-Notarzt bei hunderten von Spontangeburten) dabei und habe mir nicht nur von meiner Frau bestätigen lassen, daß Wehen zu den stärksten Schmerzen überhaupt gehören. Und wer da nicht leidet – leidend = patiens – ist…
Zu Beginn meiner Weiterbildung als Kinderarzt in den frühen 80er Jahren nahm der Trend zur natürlichen Geburt Fahrt auf. Und ich werde nie vergessen, was einer der Vortragenden auf einem Kongress zur natürlichen Geburt kommentierte: man möge sich doch bitte die Grabsteine und Grabtafeln auf alten Friedhöfen und Kirchen ansehen. Wo ein Mann im Alter von vielleicht 45 Jahren neben seinen beiden Ehefrauen bestattet wurde, neben 3 oder 4 Kindern – und beide Ehefrauen gestorben im Alter zwischen 20 und 30 Jahren bei der Geburt des 4. oder 5. Kindes. Wenn wir DA wirklich wieder hinwollen – dann Gute Nacht.
Des Weiteren erinnere ich mich eines Kollegen, selber erfahrener Neugeborenen-Notarzt, der seine Frau nicht davon abhalten könnte, in einem Geburtshaus ohne Anwesenheit eines Arztes gebären zu wollen. Nichts, gar nichts gegen Hebammen, deren Arbeit heutzutage viel zu wenug geschätzt wird. Aber in diesem Fall – eine stark blutende Placenta accreta führte dazu, daß die Frau mit Notarztwagen in die nächste Frauenklinik gefahren wurde und knapp überlebte. Was wäre da wohl bei einer Alleingeburt passiert.
Sicher werden sich im heutigen Medzinbetrieb viele Gebärende Fremdbestimmung vorkommen. Nur: die Schließung der ortsnahen geburtshilflichen Abteilungen, die mangelnde Anzahl an betreuenden Hebammen, die lausige Entlohnung der Hebammen bei horrenden Haftpflichtversicheruns-Beiträgen, das alles haben weder die Ärzte noch die Hebammen beschlossen und somit auch nicht zu verantworten. Die Verantwortung hierfür liegt bei den Krankenkassen und der Politik – die für den von ihnen vergeigten Murks mit gespielter Empörung auf Ärzte und Hebammen deuten.

#28 |
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Studentin der Humanmedizin

Sehr geehrter Dr. med. Joachim Bordt,

die Alleingeburt ist natürlich keine gute Idee und nicht zu unterstützen. Dennoch halte ich es für falsch, die Probleme, die es in vielen Kliniken gibt und die die Frauen oft aus Angst dazu treibt klein zu reden. Ihren Ansatz, dass man sich die Geburtsklinik doch einfach sorgfältig aussuchen soll finde ich da schon fast respektlos den betroffenen Frauen gegenüber.
Zum einen muss eine Frau, wenn sie zur Geburt in eine Klinik geht darauf vertrauen dürfen, dass sie dort gut und als mündige Patientin behandelt wird. Schließlich müssen Sie sich auch darauf verlassen, dass Ihre KFZ Werkstatt ordentlich an Ihrem Auto arbeitet und sie nicht plötzlich auf der Autobahn einen Reifen verlieren. Oder darauf, dass Ihr Bankberater sich ordentlich um Ihre Geldanlagen kümmert und Ihnen keine faulen Anleihen unterjubelt. Jede Frau gibt sich bei der Geburtsortwahl große Mühe und muss erwarten dürfen, dass die Menschen, denen sie ihr Vertrauen schenkt das auch tun.

Das nächste Problem ist, dass es in vielen Landstrichen keine echte Auswahl gibt. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung erzählen, dass ich bei der Geburt meines ersten Kindes eine große Auswahl hatte und mich nach sorgfältiger Prüfung für ein Haus entschieden habe, wo ich zumindest mit dem Kreißsaal weitgehend zufrieden war. Aber selbst in dieser Region mit einer sehr dichten Versorgung gab es kaum ein Haus ohne bekannte Schwächen. Nun befinde ich mich in einer Region, in der es einfach deutlich weniger Krankenhäuser gibt. Bei den in realistischer Fahrdistanz in Frage kommenden Häusern habe ich bei keinem ein gutes Gefühl, da wirklich jedes Dinge nicht anbietet, die mir in dieser Situation wichtig wären. Hierbei meine ich nicht irgendwelche bunten Tücher an der Kreißsaaldecke, sondern eher Dinge wie eine fehlende Kinderklinik oder fehlende Möglichkeiten in der Anästhesie. Dabei muss ich erwähnen, dass ich immer noch in einem dicht besiedelten, wirtschaftlich wohlhabenden Gebiet in einer deutschen Großstadt lebe. Wie es erst in ländlichen Gebieten ohne Großstadt aussehen muss, möchte ich mir da gar nicht vorstellen.

Als Medizinstudentin und Mutter habe ich sowohl Einblicke in die ärztliche Seite, als auch in die Patientensicht bekommen und fand diese Mängel in unterschiedlichen Ausprägungen an mehr Orten, als mir lieb ist. In leider viel zu vielen Fällen konnte ich ein Eingreifen ohne ausreichende Kommunikation mit der Patientin beobachten. Solange kein echter Notkaiserschnitt nötig ist, muss immer die Zeit sein, kurz zu erklären, was man aus welchen Gründen tun möchte und wie die Alternativen aussehen. Dies wird leider immer noch viel zu häufig nicht gemacht. Dadurch entsteht Angst und Verunsicherung und ein Gefühl des ausgeliefert seins in einer sehr existentiellen Situation.

#27 |
  2

Wenn die Frauen selbstbestimmt nur sich selbst verwirklichen und dabei u.U. gefährden würden (Uterusatonie, Embolie und was nicht so alles an höchst zeitkritischen Notfällen passieren kann), dann könnte ich diesen Trend nur begrüßen, denn er würde dazu führen dass mehr Kapazitäten in einer regulären geburtshilflichen Abteilung für meine Frau zum Geburtstermin frei wäre. Leider wird nicht nur das Wohl der Gebärenden, sondern auch das des Neugeborenen gefährdet, und deshalb kann ich es leider nicht gutheißen.

#26 |
  18

Frau Wagner-Schröer, vielleicht ist es zielführender sich diese Gesellschaft und den Druck,den sie auf Frauen ausübt, die es wagen schwanger zu werden während sie berufstätig sind, genauer anzusehen. Die Frühgeburtenraten wollen doch nicht zurückgehen, obwohl der wunderbare medizynische Fortschritt doch so bedeutend ist. Es braucht doch ganz was anderes in der Schwangerschaft, Geborgenheit, Sicherheit, Jemanden der der Frau Mut zuspricht, möglichst eine Frau mit Erfahrung, die Unsicherheiten nicht mit der Aufzählung von Risiken beantwortet, sondern mit einer guten emotionalen Hilfestellung.
Wir leben in einer Gesellschaft, die nicht das Mutterwerden in Würde auf dem Plan hat, so fühlt frau sich dann halt eher krank,weil sie eine normale Schwnagerschaftsunpäßlichkeit nicht einfach mal so durch Hinlegen und Schonung oder auch mal eine Runde heulen durchleben kann.

#25 |
  5

Nachtrag:
Seit neuestem werde ich hier als Arzt geführt, finde keine Möglichkeit dies zu ändern. Ich bin nach wie vor Psychologe und Psychotherapeut. Und dabei bleibt es.

#24 |
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Hoffentlich hilft dieser Bericht, dass Frauen mit ihren Anliegen im Medizinbetrieb ein Stück weiter ernst genommen werden. Sterile, technisierte Betriebe für Massenabfertigung, in denen Geburten eingeleitet werden, damit der Herr Mediziner rechtzeitig ins Wochenende fahren, kann habe ich selbst gesehen.

Die Alternative von „Kamikaze-Geburten“ von Frauen, die sich teilweise schon von unserer Kultur losgesagt haben, kann es wohl nicht sein. Sie sind ein Hilferuf, den alle Beteiligten unbedingt ernst nehmen sollten!

#23 |
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Krankenpfleger Psychiatrie

Wir haben beides erlebt..zwei Krankenhausgeburten mit einem herzkranken Mädchen,das nach 10 Tagen starb und 2 Hausgeburten,von denen eine positiv endete und die zweite mit einem autistischen Sohn,der 10 Minuten geboren wurde,bevor die Hebamme kam.
Es ist also ein zweischneidiges Schwert aber alleine gebären sollte keine Frau..zuviel kann passieren.

#22 |
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Hebamme

Wenn diese Problematik wirklich zunimmt, und ich habe bisher keine Frau erlebt persönlich, die das vorhatte, dann wäre eine symptomatische Behandlung des Themas grob fahrlässig. Hier zeigt sich in den ersten Zügen, wozu die derzeitigen Konzentrationen in der Geburtshilfe führen. Es geht eben nicht nur um Zahlen, sondern um Menschen mit ihren unterschiedlichen Empfindungen, Vorstellungen, Erfahrungen und Ängsten. Der Hahn für andere Wege wird abgedreht, das ist deutlich sichtbar, die Wahlfreiheit geht zunehmend verloren. Viele Hebammen steigen aus, da sie den Druck und Kontrollwahn und den stetig zunehmenden Bürokratismus nicht mehr ertragen. Und siehe da, jetzt beginnen auch die Betroffenen die Konsequenzen zu spüren. Das ist ja nicht nur in dieser Sparte so. Denn Geburtshilfe ist eben in erster Linie keine Medizin, sondern einfühlsame Begleitung, die im Notfall auf medizinische Möglichkeiten zurückgreifen kann.

#21 |
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Chemiker

Bei der Geburt unserer Kinder war einmal eine Saugglocke nötig (das 1. die Tochter), und zweimal ein Kaiserschnitt (das 2. und 3. die Jungen). Großes Glück, dass die Geburten in Kliniken stattfanden! Unsere beiden Jungs hätten ihre Geburt nicht überlebt. Und was wäre aus meiner Frau geworden? Und dann aus mir?

#20 |
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Weitere medizinische Berufe

Dazu kommt sicher auch keine Impfungen?

#19 |
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JörgGFEtest: ich gebe Ihnen Recht! Schwangere sind nicht krank, also auch keine Patienten! Wieso ist es aber usus, dass sich 90% aller Schwangeren sofort nach Feststellung der Schwangerschaft mit dem “grünen Schein” für den Rest der Schwangerschaft arbeitsunfähig schreiben lassen? Also doch krank? Aber zum Shoppen, in den Urlaub fahren, Disko feiern… sind sie nicht zu krank! Schwangerschaft war zu Zeiten meiner Großmutter ein natürlicher Zustand eine Frau – wir sind zu Kinderkriegen von der Natur recht robust ausgestattet. Heute ist Schwangerschaft schon eine schwere “Krankheit”…

#18 |
  57

Als Ärztin, die einige Jahre in der Geburtshilfe gearbeitet hat, als es noch Hilfe war und nicht wie heute industrialisierte Medizin, habe ich meine Kinder zu Hause mit meiner Hebamme geboren. Komplikationen sind, wenn man begriffen hat, was das Wesen einer Geburt tatsächlich ist, fast ausschließlich durch Streß gemacht: Streß mit Wehen ins Auto zu müssen, die Aufnahme in der Klinik und im Kreissaal, wechselnde Hebammen, helles Licht, zu viele Fragen und Vorschriften, Untersuchungen und Beurteilung des Geburtsfortschrittes an den Maßstäbe gelegt werden, anstatt daß die Frau die Maßstäbe setzt, indem sie sich dem Prozess hingibt. Streßstoffwechsel steht dem Geburtsstoffwechsel und damit dem guten Verlauf einer Geburt diametral entgegen. Ärzte, vor allem männliche Ärzte, aber nicht nur, sind der größte Komplikationsfaktor überhaupt.

#17 |
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Nichtmedizinische Berufe

1.Ich kenne einige zynische Geschichten von Ärzten z. B.: Habe Theaterkarten – wir machen jetzt Kaiserschnitt damit ich rechzeitig los komme usw.
2. Man munkelt auch das die Kliniken Druck ausüben zu operieren oder andere unnötigen Maßnahmen durchzuführen um ihre wirtschaftlichen Vorgaben zu erfüllen.
3. Personalmangel

Zum Schluss raus ist es die Verwirtschaftlichung der Geburt der sich die Frauen entziehen möchten und die auch Ärzte dazu treibt Entscheidungen zu treffen die nicht an erster Stelle am besten für Mutter und Kind sind.

Meine Tochter ist in einem anthroposophischen und von der WHO als “kinderfreundlich” zertifizierten Krankenhaus zur Welt gekommen. Ein schönes Erlebnis. Das Krankenhaus arbeitet unter dem gleichen wirtschaftlichen Druck wie die anderen. Den anderen Krankenhäusern in der Region vertraue ich nicht.

Zum Schluss ist zu sagen das Schwangere nicht krank und deswegen keine Patienten sind.

#16 |
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Regina Clasen
Regina Clasen

Als Ärztin für Psychtherapeutische Medizin kommen immer wieder Frauen zu mir, die schlimme Erlebnisse mit Verletzungen ihrer Würde in Geburtskliniken zu verarbeiten versuchen. Das respektlose Verhalten von Klinikmitarbeitern gebärenden Frauen gegenüber ist erschreckend. Hebammen wird die selbständige Arbeit so erschwert, dass es sehr schwer ist , eine Hebamme für eine Hausgeburt zu finden. Statt sich über alleingebärende Frauen zu ereifern, erscheint es mir sinnvoller die Klinikzustände zu verändern und die Atmosphäre dort endlich zu verbessern und Patientinnen Respekt, Achtung und Freundlichkeit entgegenzubringen, was ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

#15 |
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Kinderkrankenpfleger

Wäre mein 2. Kind zuhause geboren, wäre er tot. Nabelschnurumschlingung (haben 10% aller Babies) und schon waren die Herztöne weg. Notfallmässige Zangengeburt ließ mich zum Glück ein gesundes Kind im Arm halten. Ich habe als Intensivschwester 13 Jahre auf der Früh- und Neugeborenenstation neben dem Kreißsaal gearbeitet und weiß, wie oft Notfälle vorkommen. Es ist ein geringer Prozentsatz, aber wenn man selbst betroffen ist, hat man die Folgen zu 100% zu tragen. Denkbar wäre für mich eine Alleingeburt im Kreißsaal, um bei Bedarf den Notfallknopf zu drücken.

#14 |
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Nichtmedizinische Berufe

ich sehe das Ganze als Protestbewegung . Was hier beklagt wird : zu wenig Zeit, zu viele Geräte, zu fremdbestimmt, das ist ja in der ganzen Medizin so, in der Geburtshilfe trifft es aber auf besonders sensible Frauen ( nicht Patientinnen, eine Schwangere ist keine Patientin – wird aber zu einer gemacht.) Gab es hier nicht einmal einen Artikel über Traumatisierung bei der Geburt http://news.doccheck.com/de/blog/post/7731-du-schreist-ja-wie-deine-mutter/?utm_source=news.doccheck.com&utm_medium=web&utm_campaign=DC%2BSearch

#13 |
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Heinrich Heintzmann
Heinrich Heintzmann

Trends haben in der Regel Ursachen.

Auch wenn die Versorgung gebärender Frauen den Zahlen nach noch gewährleistet ist, stellt sich doch für viele schwangere Frauen die Frage, welche Art der Versorgung sie zu erwarten haben. Der Hebammenmangel und überfüllte Kreißsäle – mithin Geburten nach Terminplan, betreut durch völlig unbekannte Personen – haben sehr wohl zu diesem Trend beigetragen.

Alleine der schlechte Ruf, der mittlerweile Geburten in Kliniken und Geburtshäusern vorauseilt, lässt viele Frauen über Alternativen nachdenken. Wenn sie dann noch Schwierigkeiten haben, vor Ort eine Hebamme zu finden, die sie geburtsvorbereitend begleitet und voraussichtlich auch bei der Geburt zur Seite steht, ist der Gedanke an eine „natürliche“ Geburt nicht mehr weit.

Mir scheint es ein generelles strukturelles Problem zu sein, das zunehmend Geburten entmenschlicht.

Hier ist die (Gesundheits-) Politik gefordert, damit sich Frauen – und auch deren Partner – wieder vertrauensvoll in dieser wichtigen Phase des Lebens betreut fühlen. Medizinische Standards alleine helfen nicht weiter, wichtig sind auch die Menschen, die diesen Gestalt verleihen. Und die müssen nicht nur vorhanden sein, sondern auch die Möglichkeit haben, Zeit für eine individuelle Betreuung aufzubringen.

#12 |
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Tobias Börchers
Tobias Börchers

Ich habe als Kinderarzt gute drei Jahre in der Neonatologie gearbeitet. Dort bin ich regelmäßig zu Geburten hinzugerufen worden, die plötzlich unvorhersehbar kritisch geworden sind! Und da kann ich aus hautnaher Erfahrung nur von einer unassistierten Geburt abraten! Zum Glück sind es die wenigsten, bei denen tatsächlich schwerwiegende Komplikationen auftreten – aber sie treten auf!!! Und dann wird man seines Lebens nicht mehr froh, wenn deswegen das eigene Kind schwere Schäden davonträgt oder gar stirbt! Ich kann aus eigener Erfahrung sagen dass im Laufe dieser 3 Jahre alleine während meiner Dienstzeit sicherlich gut über 20 Kinder gestorben wären, wenn keine medizinische Hilfe vorhanden gewesen wäre. Geschweige denn, dass die Mütter die Geburt überlebt hätten.
Warum also aus Stolz oder falsch verstandener Selbstbestimmung (an einer Geburt ist per se nichts Selbsbestimmtes mehr, wenn man mal darüber nachdenkt – wenn es los geht hat man selbst nichts mehr wirklich unter Kontrolle) nicht nur das Leben des Kindes, sondern auch das eigene und indirekt auch die Leben der restlichen Familienmitglieder in eine durchaus reelle Gefahr bringen? Eigentlich nur aus purem Egoismus – oder?

#11 |
  27
Torsten Vollbrecht
Torsten Vollbrecht

Sehr geehrter Herr Privatdozent Dr. Bordt,
stellen Sie sich bitte vor, eine wunderbare Geburtsklinik gefunden zu haben.
Und dann ist die/der betreuende Hebamme/Arzt an dem Geburtstermin nicht greifbar (Grippewelle, Terror, persönliche Umstände).
Oder es fällt ein Wort, dass Sie in den “falschen Hals” bekommen.
Oder eigene Traumata brechen auf.
Oder …
Sie werden mir bestimmt zustimmen, dass es oft auf die Wellenlänge und das Wohlfühlen ankommt.
Und da sind Frauen in einer echten Ausnahmesituation und keinesfalls Kindsmörderinnen.
Können Sie das nachvollziehen?
Im übrigen haben wir einen 15j. Sohn und das Buch “Alleingeburt” gelesen. Auch den Teil über die Sternenkinder/Totgeburten.

#10 |
  33

Auch ich habe zwei wunderbare Hausgeburten erlebt, die ich nie vergessen werde. Erst viel später, als Medizinstudentin und dann als Ärztin, habe ich begriffen, welchem Risiko ich ausgesetzt war, und welch großes Glück ich hatte, dass keinerlei Komplikationen aufgetreten waren.
Heute kann ich nur jeder Schwangeren raten, die Hilfe von Hebammen und Ärztinnen/Ärzten in Anspruch zu nehmen. Auch die viel spätere Geburt meines dritten Kindes – ich war 44 Jahre alt – war ein fantastisches Erlebnis, an das ich gerne zurückdenke. Es geschah in einem bayerischen Krankenhaus unter der Assistenz einer liebevollen Hebamme und einesempathischen Frauenarztes. Ich bin sehr froh, dass ich schließlich noch vernünftig wurde. Werdet Ihr es auch, liebe schwangere Frauen!

#9 |
  14

Frau Rabanus, jede Schwangere sollten sich ihre Geburtsklinik vor dem Entbindungszeitraum sorgfältig ansehen. Die von Ihnen berichteten Mängel sind keinesfalls überall präsent.

#8 |
  33

Eine Selbstverwirklichung zu Lasten eines zu gebärenden Kindes – das ist kriminell.
Im Schadensfall sollte sich die Mütter vor Gericht verantworten müssen.

#7 |
  66
Studentin der Humanmedizin

Ich verstehe die Motivation der Frauen, die sich für eine Alleingeburt entscheiden, werde selbst aber auf Grund der nicht kalkulierbaren Risiken wieder in eine Klinik gehen.
Leider ist es immernoch häufig so, dass Interventionen ohne akute Lebensgefahr einfach ohne Absprache und Ankündigung gemacht werden. Ich habe selbst erlebt, wie im Kreißsaal einfach zur Schere gegriffen und ein Dammschnitt gemacht wird ohne mit der Frau zu reden. Das empfinde ich als Körperverletzung, zumahl der Nutzen eines Dammschnittes nicht erwiesen ist. Dabei wurde mit als Praktikantin erzählt, dass man das, wenn es im Höhepunkt einer Wehe gemacht würde eh nicht spüren würde. Völliger Quatsch. Ich habe es sehr wohl gemerkt, als ich bei der Geburt meines ersten Kindes gerissen bin. Allgemein wird in vielen Häusern mit den Gebärenden wenig geredet und in der Situation wenig aufgeklärt. Sie werden aus Personalmangel viel alleine gelassen und dann mit irgendwelchen Maßnahmen, die sie nicht erklärt bekommen überrumpelt. Dass sich dem viele Frauen entziehen wollen verstehe ich vollkommen. Hier benötigt es ein Umdenken bei Ärzten, aber teilweise auch Hebammen und den Verantwortlichen im Gesundheitswesen. Frauen unter der Geburt sind keine unmündigen naiven Tiere. Man kann mit ihnen reden, gerade wenn man sich in der Anfangsphase Zeit nimmt und ihre Ängste, Meinungen und Bedenken ernst nimmt. Ja, es dauert, da man das nur in den Wehenpausen sinnvoll tun kann, aber damit würde sich dieser Trend schnell erledigen

#6 |
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Es ist im Gesundheitssystem nicht unüblich, den Patienten als im Wesentlichen unmündiges und inkompetentes Substrat zu behandeln, und schwangere Frauen sind oft besonders sensibel. Es könnte hilfreich sein, die Abklassifizierung “Risikoschwangere” näher zu erklären und der Schwangeren Hilfen an die Hand zu geben, die sie selbst zur Risikominimierung tun kann. Das verschärfte Verweisen auf eine “alternativlose Behandlung” kommt bei den Betroffenen weder in der Medizin noch in der Politik gut an! Aufbau von Vertrauen, Einhalten von Versprechen, verständliche Erklärungen können eine Brücke bauen. Ich habe meine drei Kinder im Krankenhaus zur Welt gebracht – aber abgesehen davon gehe ich weniger als ein Mal pro Jahr zum Arzt. Das “von oben herab behandeln” empfinde ich als nicht konstruktiv. Eine derartige Therapie muss nicht zeitraubend sein. Einfach den Begriff nennen, den ich dann anschließend googel, und mir das Röntgenbild usw. mitgeben – dann passt es auch in das Budget der Praxis.

#5 |
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Sieglinde D.A. Feick
Sieglinde D.A. Feick

Ein Trend!
Selbst Primaten, viele höhere Säugetiere, z.B. Elefanten bekommen bei der Geburt Hilfe von ihren Artgenossen……?
ich war dankbar, dass ich meine zwei Kinder in einer Klink bekam, und ich fühlte mich nicht fremdbestimmt! Eine Hausgeburt mit Hebammen Unterstützung wäre auch ok gewesen, aber ich hatte Angst um meine Kinder, falls eine Komplikation auftreten sollte.

#4 |
  6
Nichtmedizinische Berufe

Na das ist ja ein toller Arzt, wenn man jemanden für den Artikel sucht, der so etwas schreibt “Die Geburt ist die gefährlichste Stunde im Leben eines Menschen”. Genau so etwas möchte ich nicht. Ich möchte nicht, dass Ärzte uns Angst machen und genau deswegen möchten ich eine Alleingeburt anstreben.
Genauso der Satz “Noch nie war die Mütter- und Kindersterblichkeit so niedrig wie heute” ist nicht komplett richtig, wenn man sich die Statistik anschaut, dass trotz ansteigender KS Rate und ansteigender Interventionen die Müttersterblichkeit nicht gesunken ist.
Der Satz “Außerdem würden nahezu 50 Prozent aller Hausgeburten im Laufe der Niederkunft in eine Klinik verlegt.” bezieht sich auf keine Quelle, während aber die QUAG ganz andere Statistiken nachweisen kann und nicht alle Verlegungen gleich Notfall oder KS bedeuten.

Ich finde den Artikel leider nur mittelmäßig gut. Zwar wird erwähnt, dass und warum Frauen alleine gebären wollen, aber statt dort Frauen und Hebammen zu zitieren oder Fakten und Quellen (mit Nachweis und Links) einzubeziehen, kommen übertrieben unsachliche Zitate von Ärzten. Ist doch logisch, dass Ärzte abraten, denn mit Zustimmung würden sie kein Geld verdienen. Schade ist auch, dass keine Hebamme befragt wurde. Der Artikel macht eigentlich mehr Angst als Mut. Insofern leider aus meiner Sicht nicht gut, aus Sicht von Ärzten hingegen perfekte Panikmache.

#3 |
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Ärztin

In meinem familiären Umfeld ist gerade ein Mann mit 72 Jahren gestorben, der 72 Jahre ein Pflegefall ohne jegliche Kontaktaufnahme zum Umfeld war. Damals war keine Hebamme verfügbar. Und ich selbst bin als Mutter wegen damals drohender Komplikationen dankbar für die Unterstützung der Klinik, die Schlimmeres verhütet hat. Wie naiv kann man sein, wenn man aus idealistischen Gründen “Fremdbestimmung” ablehnt?

#2 |
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Guido Rieger
Guido Rieger

…ein grundsätzlich dummer Trend, scheint doch gerade die Möglichkeit der Hilfe durch Artgenossen bei hochentwickelten Säugern einen Vorteil zu bieten (sei es nun bei Walen oder Menschen). Ob durch Arzt, Hebamme, oder eine oder mehrere erfahrene Mütter sei nochmal dahingestellt…

#1 |
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