„Mit 140/90 mmHg sollten wir nicht zufrieden sein“

25. April 2018

Die Zielwerte zur Behandlung von Hypertonie wurden in den USA neu definiert. Prof. Schmieder wirkt an der Überarbeitung der Europäischen Leitlinie für Bluthochdruck mit. Er hält es für wahrscheinlich, dass auch für Deutschland die Zielwerte nach unten korrigiert werden.

29 Wertungen (2 ø)
Allgemein

7 Kommentare:

Zahnarzt | Zahnärztin

Als Zahnarzt UND Mathematiker graust es mich vor dieser Sprint-“Studie”. Da hat man so ziemlich alles falsch gemacht, was man für eine Statistik falsch machen kann! Die Aussagekraft der Studie ist absolut NULL! Der wissenschaftliche Beirat der Zeitschrift, die eine Veröffentlichung der Studie zugestimmt hat, sollte wegen wissenschaftlicher Unfähigkeit zurücktreten!!!

#7 |
  0
Nichtmedizinischer Beruf

genau, betablocker für alle und dann jede menge entwässerungstabletten, mindestens 10 km/tag laufen, nur noch grünfutter und ja keinen tropfen alkohol zu sich nehmen – ich bin (durch betablocker?) vor über 25 jahren diabetiker mit allen nebenwirkungen geworden, habe blasenkrebs und sepsis überstanden, und versuche, unseren enkeln zu erklären, dass weder die schule noch die medizin zu ernst zu nehmen sind. sie machen jetzt reiki (spassübungen) zusammen mit mir und bewundern mich, wenn ich morgens 8 und abends 5 tabletten schlucke und das alles mit viel humor. ich werde im herbst 75 jahre.
körper – geist (vlt. auch seele) bedingen sich gegenseitig, mein geist hat zurzeit viel arbeit mit meinem körper, aber das war (und wird) auch mal anders. seit tausenden von jahren gilt weltweit ‘mens sana in corpore sano’ und umgekehrt

#6 |
  5
Nichtmedizinischer Beruf

Bald nehmen wir alle Betablocker!

#5 |
  0

Impressum: Angaben gemäß § 5 TMG: Name: Dr. med. Thomas G. Schätzler: Hausarzt-Praxis, Kleppingstraße 24, 44135 Dortmund, Telefon 0231 523002; FAX 0231 52453470; E-Mail: th.g.schaetzler@gmx.de;  Aufsichtsbehörde: Ärztekammer Westfalen-Lippe Münster/Dortmund; Berufsbezeichnung: Facharzt für Allgemeinmedizin; Zuständige Kammer: Ärztekammer Westfalen-Lippe Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV: Dr. med. Thomas G. Schätzler, Hausarzt-Praxis, Kleppingstraße, 44135 Dortmund

#4 |
  0

SPRINT – “Mehr Transparenz wagen”!
Nach einer völlig chaotisch konzipierten SPRINT-STUDIE blieben neue Zielwerte zur Behandlung der Hypertonie nicht nur in den USA völlig unbewiesene Spekulationen. Trotzdem wurde versucht, Zielwerte neu zu definieren.
Eine kleine Übersicht der mir vorliegenden Kongressberichte/Nachrichten/Headlines:
“Plötzlich Hypertoniker – neue US-Leitlinie senkt Grenzwert auf 130/80 und macht jeden Zweiten zum Hochdruckkranken – Beim AHA-Kongress sorgt die neue Hypertonie-Guideline für Aufsehen: Der Grenzwert sinkt auf 130/80 mmHg – und macht die Hälfte der US-Bürger zu Hypertonikern. Kongress-Berichterstattung, 14 Nov 2017
Alles auf Anfang: Warum die SPRINT-Studie das Blutdruck-Ziel doch nicht ändert – SPRINT ändert nichts an den bisherigen Blutdruck-Zielen, hieß es beim Kongress der Hochdruckliga. Die sensationellen Ergebnisse waren wohl ein Mess-Artefakt. Kongress-Berichterstattung, 16 Dez 2016
SPRINT-Studie im Kreuzfeuer: Experte zweifelt Methodik an – und erteilt Senkung der Blutdruckziele eine klare Absage – Eine unübliche Blutdruckmessung lässt die SPRINT-Studie fragwürdig erscheinen. Die Blutdruckziele deshalb zu senken, sei fahrlässig, hieß es beim ESC. Kongress-Berichterstattung, 30 Aug 2016
US-Empfehlungen lockern Blutdruckzielwerte für Ältere und setzen neue Altersgrenzen – Kritik von Deutscher Hochdruckliga – Den Blutdruckzielwert lockern, nur weil der Patient älter als 60 ist? Das ist laut einer Stellungnahme der Deutschen Hochdruckliga keine gute Idee. Nachrichten, 1 Feb 2017
Die SPRINT-Studie setzt neue Blutdruck-Maßstäbe – aber tatsächlich auch für alle Hypertoniker? – Beim Kardiologen-Kongress diskutierten Experten, ob die SPRINT-Ergebnisse nun implizieren, dass für Hypertoniker ein Blutdruckziel von 120 mmHg gilt.
Nachrichten, 13 Apr 2016” (Zitat Ende).
https://search.medscape.com/search/de/?q=sprint%20%20blutdruckmessung
BP-Management beeinflusst Ergebnisse
Mit “Automated compared to manual office blood pressure and to home blood pressure in hypertensive patients” von Jan Filipovský et al.
http://www.tandfonline.com/doi/full/10.3109/08037051.2015.1134086
wurde bereits nachgewiesen, dass Messmethoden die Blutdruckwerte deutlich und hochsignifikant beeinflussen können. Die Ergebnisse der Blutdruckmessung bei Hypertonie-Patienten unter 3 verschiedenen Bedingungen wurden verglichen:
– automatische unbeobachtete Messung (wie in SPRINT),
– Messung durch medizinisches Personal,
– häusliche Messung.
Alle 3 führten zu unterschiedlichen durchschnittlichen Blutdruckwerten von 131,2/77,8 mmHg, 146,9/85,8 mmHg bzw. 137,7/79,4 mmHg.
Volatile SPRINT Mess-Methodik
Jetzt müssen die SPRINT-Forscher und ihre Adlaten auch noch ex-post zerknirscht zugeben, dass ihre hochgepriesene, angeblich objektive Messmethodik der systolischen/diastolischen, automatisierten Blutdruck-Messung nach Riva-Rocci mit elektronischer Registrierung der Korotkow-Geräusche in einem Extra-Raum so gar nicht so stattgefunden haben:
– Nur 43% waren in der Ruhe- u n d Messphase immer allein im Raum;
– 28% waren währen dieser Phasen immer unter Aufsicht und nie alleine;
– 22% waren nur in der Ruhephase allein im Raum
– 7% waren nur in der Messphase allein im Raum.
SPRINT disqualifiziert sich damit selbst.
Eine lange Liste von Ausschlüssen disqualifiziert eine signifikante Aussagekraft der SPRINT-Studie und relativiert sie als relevante Datengrundlage für die US-Entscheidung niedrigerer Blutdruck-Grenzwerte: „Lower blood pressure target greatly reduces cardiovascular complications and deaths in older adults: High blood pressure, or hypertension, is a leading risk factor for heart disease, stroke, kidney failure, and other health problems. An estimated 1 in 3 people in the United States has high blood pressure“, wird behauptet. In Wahrheit geschah das Gegenteil.
Risikofaktoren wurden ausgeblendet
SPRINT ließ eine Fülle wesentlich entscheidender Faktoren, einschließlich Typ-2-Diabetes, einfach weg. Für die SPRINT-Studie hatte man zum Beispiel explizit Rollstuhlfahrer, Pflegeheim-, Grad 3-Hypertonie-, therapieresistente Hypertonie-, Schlaganfall- und Diabetespatienten bzw. sogar Orthostase-Syndrome ausgeschlossen. Die Liste der Ausschluss-Positionen umfasst insgesamt 20 Einzelpunkte: Angefangen mit fehlender Adhärenz/Compliance, Zustand nach ACS, Myokardinfarkt und PCI angefangen, bis zu Zystennieren, Glomerulonephritis, Herzinsuffizienz mit linksventrikulärer Ejektionsfraktion kleiner 35 %, zu dickem oder zu dünnem Armumfang, Krebsdiagnose und –therapie innerhalb der letzten 2 Jahre, Alkoholabusus, Umzugsplänen, unbeabsichtigtem Gewichtsverlust von mehr als 10 %. Um nur einige Items zu nennen…
Signifikant unterschiedliche Behandlungs-Regime
Doch die SPRINT-Studie hielt sich außer mit Allgemeinplätzen gar nicht lange damit auf zu differenzieren, mit welchen Antihypertensiva im Detail denn nun die Intensivbehandlungs-Gruppe therapiert wurde, bzw. welche Medikamente im Standard-Therapie-Arm denn vornehmlich weggelassen wurden. [“All major classes of antihypertensive agents were included in the formulary and were provided at no cost to the participants. SPRINT investigators could also prescribe other antihypertensive medications (not provided by the study)”].
SPRINT-Hype-irreführend
Die mit falschen Vorschusslorbeeren “gehypte” SPRINT-Studie arbeitete mit unkritisch-naivem Empirisismus. Bluthochdruck-Patienten sollte ein neuer systolischer RR-Zielwert von 120 mm Hg statt bisher 140 mm Hg vorgeben werden. Aber ist “SPRINT-STUDIE – Niedrigere Blutdruckziele auch im hohen Alter sinnvoll” nicht eher eine wissenschaftliche Irreführung (“scientific misconduct”)?
“Holzklasse”
Extrem viele Ausschlusskriterien existierten, welche insbesondere die reale Welt unserer ä l t e r e n hypertensiologisch betreuten Patienten gar nicht abbilden kann. Es gab eine “Holzklasse” von Patienten, die gemäß US-Leitlinien primär nur mit Saluretika mehr recht als schlecht und mit Blutdrucksenkung bis 140/80 mm Hg austherapiert wurden [“Chlorthalidone was encouraged as the primary thiazide-type diuretic”].
“Luxusklasse”
Es gab eine “Luxusklasse”, welche um das Ziel der Blutdrucksenkung bis 120/80 zu erreichen, zusätzlich mit Schleifendiuretika, Betablockern [“loop diuretics (for participants with advanced chronic kidney disease), and beta-adrenergic blockers (for those with coronary artery disease)”] und mit Amlodipin [“amlodipine as the preferred calcium-channel blocker”] behandelt wurde.
SPRINT-follow-up zu kurz
Der mittlere SPRINT-Follow-up betrug nur 3,3 Jahre. Danach wurde die Studie unverständlicherweise abgebrochen, obwohl eine medikamentöse Blutdrucksenkung typischerweise eine lebenslange Intervention bedeutet bzw. der in SPRINT detektierte Morbiditäts- und Mortalitätsunterschied auch mit dem unterschiedlichen Interventionsniveau der Blutdruckkontrolle [„Intensive versus Standard Blood-Pressure Control“] erklärt werden konnte.
Keine Differenzierung
Die SPRINT-Studie hielt sich aber gar nicht lange damit auf zu differenzieren, mit welchen Antihypertensiva im Detail denn nun die Intensivbehandlungs-Gruppe therapiert wurde, bzw. welche Medikamente im Standard-Therapie-Arm denn vornehmlich weggelassen wurden. [“All major classes of antihypertensive agents were included in the formulary and were provided at no cost to the participants. SPRINT investigators could also prescribe other antihypertensive medications (not provided by the study). The protocol encouraged, but did not mandate, the use of drug classes with the strongest evidence for reduction in cardiovascular outcomes, including thiazide-type diuretics (encouraged as the first-line agent), loop diuretics (for participants with advanced chronic kidney disease), and beta-adrenergic blockers (for those with coronary artery disease). Chlorthalidone was encouraged as the primary thiazide-type diuretic, and amlodipine as the preferred calcium-channel blocker”].
Zusammenfassung
Zusammengefasst besteht meiner Meinung nach der hochgradige Verdacht, dass es sich bei der im Intensiv-Behandlungsarm forcierten SPRINT-Blutdrucksenkung um reine Surrogat-Ergebnisse handelt. Die RR-Messungen waren nur Surrogat-Parameter, die vordergründig belegen sollten, dass die Blutdrucksenkung bis 120/80 mm Hg das eigentliche Ziel gewesen sei. In Wahrheit bestand das Intensiv-Blutdruckmanagement aus Kombinationen von Anthypertensiva (Polypharmazie) mit vasoaktiven, perfusionssteigernden, Kardio-, Nephro- und Schlaganfall-protektiven Substanzen. Und nur deshalb profitierte die “Luxusklasse” bei größerem Medikamenten-Einsatz, niedrigeren RR-Werten und besserer Morbidität bzw. Mortalität.
Die SPRINT-Autoren sollten wirklich: “Mehr Transparenz wagen”! Dann würde ebenso offensichtlich wie öffentlich, dass die Studienergebnisse nun wirklich nicht zum kompletten Umschreiben der US-Leitlinien taugen.
Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
http://news.doccheck.com/de/blog/post/3421-sprint-studie-the-big-swindle/

#3 |
  0
Ergotherapeut/in

Diesen Beitrag kann man sich sparen. Das biologische Grenzwerte von der Pharmaindustrie mitbestimmt werden, sollte eigentlich klar sein

#2 |
  1
Arzt | Ärztin

Ich plädiere für folgende Zielwerte: HbA1c 2,5 %, LDL-Cholesterin 35 mg/dl, Blutdruck 30/10 mmHg, lebenslange Alkohol- und Nikotinkarenz und persönliche Haftung des verantwortlichen Arztes (geht bei Ableben des Arztes auf den jeweiligen Chef der Planungsgruppe Leitlinien über), wenn der Patient dennoch entweder das 106. Lebensjahr nicht mit einem Karnofsky von > 90% vollendet und/oder später an einem Tumor- oder Herzkreislaufleiden verstirbt.

#1 |
  7


Copyright © 2020 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: