Lieferengpässe: Auf der Jagd nach Schuldigen

27. April 2018

Immer wieder kommt es zu Lieferengpässen. Davon sind nicht nur Analgetika und Nasensprays betroffen, sondern auch lebensnotwendige Arzneimittel. Für sie gibt es nicht immer eine Alternative. Auf eine Lösung des Problems wartet man vergeblich. Wer ist schuld?

Jeder Berufszweig hat einen Szenejargon, auch die Apotheker. Ein Beispiel: die Aussage „Ihr Präparat ist defekt“. Für Apotheker ist klar, was damit gemeint ist. Ein Unwissender ist verwirrt: Wie, defekt? Ist es runtergefallen? Tatsächlich bedeutet dieser Satz aber, das Arzneimittel ist nicht lieferbar. Und dieser Zustand ist schon nach kürzester Zeit ein Problem. Denn Lieferengpässe können im Einzelfall für Patienten sogar lebensbedrohlich sein.

Nicht jedes Medikament, das einmal nicht sofort nachbestellt werden kann, fällt in diese Kategorie. Auf der Website des BfArM findet man folgende Definition: „Ist die Auslieferung von Humanarzneimitteln über etwa zwei Wochen unterbrochen – z.B. durch Produktionsausfälle aufgrund eines Rohstoffmangels oder durch Qualitätsprobleme – spricht man von einem Lieferengpass.“

Öffentliche Apotheken und Kliniken – jeder hat unterschiedliche Sorgen

Lieferengpässe werden in erster Linie durch die Referenzapotheken-Umfrage erfasst. Sie wird von der Arzneimittelkommission (AMK) durchgeführt, die letzte Umfrage fand im Oktober 2016 statt. Bundesweit wurden 482 Apotheken befragt, in wie weit sie schon von Lieferengpässen betroffen waren. Ein Auszug der Ergebnisse: 43 Prozent der Apotheken hielten Rücksprache mit dem Arzt, damit dieser ein anderes Arzneimittel verordnete. Etwa 60 Prozent der Apotheken waren gezwungen, das verordnete Arzneimittel gegen ein wirkstoffgleiches Präparat auszutauschen. Bis zu 25 Prozent aller Lieferengpässe hatten nach Schätzungen der Apotheker nachteilige Auswirkungen für die Versorgung des Patienten. Dies geschah in den vergangenen Monaten der Studie öfter als 15 Mal.

Bei einer Umfrage der European Association of Hospital Pharmacists (EAHP) aus dem Jahr 2014 wurden 600 Krankenhausapotheker in 36 europäischen Ländern befragt. Am häufigsten wurden Engpässe im Bereich von Antibiotika (57 Prozent) und Onkologika (55 Prozent) berichtet. Die publizierte Liste machte aber vor allem deutlich, wie unterschiedlich die Verteilung von Engpässen allein in Europa ist.

Frankreich: 530 Medikamente nicht lieferbar

Das Problem der „defekten“ Arzneimittel ist derzeit vor allem in Frankreich verbreitet. Die französische Tageszeitung „Le Parisien“ titelte im Februar dieses Jahres: „Beispielloser Mangel an lebenswichtigen Medikamenten in Frankreich“.  Laut Medienberichten hat es dort im vergangenen Jahr 530 nicht lieferbare Medikamente gegeben. Die meisten von ihnen sind laut der französischen Arzneimittelbehörde ANSM Präparate mit großem therapeutischen Stellenwert („MITM“/ Médicaments d’intéret thérapeutique majeur). Sie sind unverzichtbar für die Versorgung. Impfstoffe und Neurologika gegen Morbus Parkinson und Epilepsie sind besonders häufig betroffen.

Auf diese Missstände wurde reagiert: Bereits im Jahr 2016 folgte in Frankreich eine Novellierung des Arzneimittelgesetzes. Demnach gilt ein Arzneimittel als nicht lieferbar, wenn der Apotheker das Präparat nicht innerhalb von 72 Stunden beziehen und abgeben kann. Sobald dies der Fall ist, muss die Apotheke den Vorgang der Behörde melden. Auch die Hersteller sind verpflichtet, entstehende Engpässe der ANSM zu melden. Diese Regelung ist erheblich strenger als in Deutschland, hierzulande spricht man erst nach einem Auslieferungs-Stopp von zwei Wochen von einem Lieferengpass.

Kommt es zum Lieferengpass, kann die französische Arzneimittelbehörde ANSM entscheiden, für gewisse Medikamente nur noch den Vertriebsweg Krankenhausapotheke offen zu halten, um die wenigen Präparate im Markt gebündelt und kontrolliert abzugeben. Außerdem ist die Behörde berechtigt, einen „Sicherheitsbestand“ aufzubauen und ihn gegebenenfalls kontrolliert abzugeben.

Alles begann mit Hans Rudolf Diefenbach

Ein Offenbacher Apotheker namens Hans Rudolf Diefenbach wies im Sommer 2012 auf das Problem mit Lieferengpässen hin und weckte damit großes mediales Interesse. Seitdem sind Engpässe bei Arzneimitteln ein großes Thema. Einer der Kritikpunkte war fehlende Transparenz. Die öffentliche Debatte führte zu ersten behördlichen Maßnahmen wie der Einrichtung eines Online-Registers beim BfArM im April 2013 und den Auftrag an die Fachgesellschaften, Listen mit essentiellen Arzneimitteln zu erstellen.

Ein weiterer Schritt nach vorne war der Beschluss des Gesetz zur Stärkung der Arzneimittelversorgung im März 2017 . „Das Gesetz leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dass Arzneimittel mit einem Mehrnutzen schnell den Weg in die Versorgung finden, Antibiotika-Resistenzen und Lieferengpässe bekämpft werden und die Arzneimittelversorgung von Krebskranken weiter verbessert wird“, versprach der damalige Gesundheitsminister Gröhe in der Pressemitteilung der vorherigen Legislaturperiode.

Wie ist der Status quo der Gesetzeslage bei Lieferengpässen? Es gibt für pharmazeutische Unternehmer, Großhändler und Apothekenleiter bestimmte Vorgaben, die sie einhalten müssen:

  • 52b (2) AMG Bereitstellung von Arzneimitteln: „Pharmazeutische Unternehmer müssen im Rahmen ihrer Verantwortlichkeit eine bedarfsgerechte und kontinuierliche Belieferung vollversorgender Arzneimittelgroßhandlungen gewährleisten.“
  • 52b (3) AMG Bereitstellung von Arzneimitteln: „Vollversorgende Arzneimittelgroßhandlungen sind Großhandlungen, die ein vollständiges, herstellerneutral gestaltetes Sortiment an apothekenpflichtigen Arzneimitteln unterhalten, das nach Breite und Tiefe so beschaffen ist, dass damit der Bedarf von Patienten von den mit der Großhandlung in Geschäftsbeziehung stehenden Apotheken werktäglich innerhalb angemessener Zeit gedeckt werden kann; die vorzuhaltenden Arzneimittel müssen dabei mindestens dem durchschnittlichen Bedarf für zwei Wochen entsprechen. […]“
  • 15 Abs. 1 der Apothekenbetriebsordnung: „Der Apothekenleiter hat die Arzneimittel und apothekenpflichtigen Medizinprodukte, die zur Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung der Bevölkerung notwendig sind, in einer Menge vorrätig zu halten, die mindestens dem durchschnittlichen Bedarf für eine Woche entspricht.“

Die Frage bleibt: Kann der Gesetzgeber mit einem Gesetz verhindern, dass es zu Lieferengpässen kommt?

Register ist unvollständig

Hersteller sind bisher nur dazu verpflichtet, Lieferengpässe an Kliniken zu melden. Zurzeit können Pharmafirmen Lieferengpässe auch an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden – müssen aber nicht. Im Februar 2017 beispielsweise waren 30 versorgungskritische Arzneimittel nicht verfügbar, von denen nur acht in dem Register gelistet wurden.

Das BfArM gehe davon aus, dass 90 Prozent der Lieferengpässe durch Qualitätsmängel in der Produktion bedingt seien, berichtete das Ärzteblatt im vergangenen Jahr. Obwohl die relevanten Standards international gälten, würden zunehmend Verstöße aus Ländern wie Indien oder China bekannt. Weitere Ursachen für Engpässe seien eine Bedarfssteigerung und Marktrücknahmen. Prof. Karl Broich, Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), äußerte sich dazu im vergangenen Jahr in einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie:

„Wir sehen mit Sorge, dass es etwa bei Antibiotika und Zytostatika immer wieder zu Lieferengpässen kommt. Der intensive Austausch mit allen beteiligten Akteuren im Jour fixe und unsere Lieferengpass-Liste, die auf freiwilligen Meldungen der Industrie beruht, sind bereits wichtige Schritte hin zu mehr Transparenz und Versorgungssicherheit für die Patientinnen und Patienten“.

Der von Broich erwähnte Jour Fixe soll dazu dienen, die Versorgungslage zu beobachten und zu bewerten. Das Protokoll der Sitzung vom 30.11.17 kann barrierefrei geladen werden. Aktionen wie diese sind hilfreich, ob sie ausreichen, darf man hinterfragen.

Verglichen mit der aktuellen Situation in Deutschland, herrscht in den USA in Sachen Lieferengpässen extreme Transparenz. Apotheker und Ärzte können in Onlinedatenbanken Lieferengpässe einsehen. Weitere Informationen, die man in der Datenbank nachlesen kann: der Grund für die Verzögerung, welche Alternativen am Markt verfügbar sind, eine Liste von Alternativen der Alternativen und die voraussichtliche Dauer des Lieferengpasses.

Auf der Website des BfArm gibt es eine Liste gemeldeter Lieferengpässe für Humanarzneimittel und das Paul-Ehrlich-Institut listet speziell Lieferengpässe von Human-Impfstoffen auf. Trotzdem: Die Liste ist zwar hilfreich, aber leider unvollständig.

Apotheker müssen es allen recht machten

Der Apotheker sitzt bei einem Lieferengpass zwischen den Stühlen: Er muss den verunsicherten und oft verärgerten Patienten die Sachlage erklären, er muss häufig Kontakt zum Arzt suchen und er muss die strengen Vorgaben der Kostenträger erfüllen, wenn es darum geht, einen Ersatz zu finden. Eine sinnvolle Arbeitshilfe „Sonderkennzeichen“ bietet auch das Deutsche Apothekenportal. Die Arbeitshilfe gibt eine Anleitung zur retaxsicheren Anwendung des Sonderkennzeichens und zeigt auf, in welchen Fällen eine zusätzliche Begründung auf das Rezept muss.

Plättchenhemmer mal wieder nicht lieferbar

Ein Beispiel für ein nicht zu ersetzendes Präparat ist Aspirin i.v.® der Firma Bayer. Der Pharmakonzern ist der einzige Hersteller, der ASS in dieser Darreichungsform in Deutschland anbietet. Das Medikament senkt die Mortalitätsrate nach einem Akuten Coronarsyndrom (ACS) erheblich und wird meist bereits in der präklinischen Phase verabreicht.

„Wir haben die gleiche Situation wie letztes Jahr“, gesteht eine Bayer-Sprecherin gegenüber der Deutschen Apothekerzeitung (DAZ). Qualitätsbedingte Ausfälle sind für den Engpass verantwortlich, der bereits mehrfach auftrat. In der injizierbaren Formulierung ist nicht „einfache“ Acetylsalicylsäure, sondern der komplexe Wirkstoff D,L-Lysinacetylsalicylat Glycin (LASAG) enthalten. Bayer dementiert eine völlige Lieferunfähigkeit, man liefere „bedarfsgerecht“. Kann eine orale Gabe als Tablette oder Granulat eine i.v.-Gabe ersetzen? „Die schnellstmögliche Verabreichung von ASS – oral oder intravenös bei Schluckproblemen – wird für alle Patienten ohne Kontraindikationen empfohlen“, zitiert die Bayersprecherin die aktuelle ESC-Leitlinie. Ob das Mittel oral eingenommen oder gespritzt wird, kann in Notfällen aber einen gravierenden Unterschied machen. Denn in injizierbarer Form wirkt das Medikament schneller und die Bioverfügbarkeit ist höher. In Fällen wie diesen können Lieferengpässe schwerwiegende Folgen haben.

Transplantationen müssen verschoben werden

Schlagzeilen machten auch mehrere Engpässe bei dem Krebsmittel Melphalan, das unter anderem bei Stammzelltransplantationen eingesetzt wird. Bei 15 Patienten mussten die Konditionierungsschemata für die autologe Stammzelltransplantation geändert, bei 48 Patienten die Transplantation verschoben werden. In keinem der Fälle lag eine medizinische Indikation vor. Alleiniger Grund war der Lieferengpass des Arzneistoffs Melphalan. Bei einer früheren Melphalan-Knappheit wurde die Therapie allein in Deutschland bereits in 50 Fällen verschoben – möglicherweise mit dramatischen Folgen für die Erkrankten, berichtete der NDR zu Beginn dieses Jahres.

Remifentanyl hinterlässt Versorgungslücke

Viele Monate lang war das Opioid Remifentanil nicht lieferbar. Es wirkt stark und kurz und ist deshalb für Operationen das ideale Schmerzmittel. Operationen müssten deshalb verschoben werden, schlug man in der FAZ Alarm. Sicherlich übertrieben, denn es gibt ja Alternativen, auch wenn diese nicht ganz so gut steuerbar sind. Die Firma GSK lässt den Wirkstoff Remifentanyl in Italien und Dresden produzieren. Der Vertrieb wurde an die Südafrikanische Firma ASPEN verkauft. Manche vermuten hinter dem Engpass eine Strategie: „Welches Spiel wird also hier gespielt? Wird hier künstlich eine Verknappung vorgegaukelt, um den Preis in Deutschland hoch zu halten oder andere profitablere Märkte zu bedienen“, fragten sich Prof . Dr. Ulrike Holzgrabe und Dr. Helmut Buschman in einem investigativen Artikel.

Zu wenig Adrenalin?

Auch Allergiker bleiben von Engpässen nicht verschont. Das Nasenspray Cromohexal fehlt schon länger in den Apothekenregalen und das wird sich in dieser Allergiesaison auch nicht mehr ändern, wie die DAZ vor wenigen Tagen berichtete. Bei anaphylaktischen Reaktionen der Phase III und IV kommen Adrenalin i.m und H1-Anthistaminika zum Einsatz. Derzeit ist weder der Adrenalin Notfallpen Fastjekt ®, noch das Kortikoid Celestamine lieferbar. Bereits im Januar dieses Jahres meldete der Hersteller MSD den Engpass bei Celestamine® N 0,5 liquidum an das BfArM. Der Hersteller schätzt, dass er bis Ende Mai 2018 die Lage im Griff hat.

Auch wenn ein Lieferengpass von zwei wichtigen Notfallmedikamenten erstmal dramatisch klingt, kann Entwarnung gegeben werden. Adrenalin ist von zahlreichen anderen Herstellern als Injektionslösung verfügbar und als Antihistaminika stehen noch Clemastin und Dimetinden zur Verfügung.

Wer austauscht, muss kritisch prüfen

Wenn Arzneistoffe eine besondere Galenik aufweisen, eine kleine therapeutische Breite besitzen oder eine kritische Kinetik haben, ist ein Austausch der Arzneistoffe kritisch. Dies gilt unter anderem für folgende Wirkstoffe

Eine vollständige Auflistung mit Begründung kann auf der Homepage www.pharmazeutsiche-bedenken.de eingesehen werden. Apotheker können sich direkt per RSS-Feed über Lieferengpässe informieren lassen.

Die Liste vorübergehender Engpässe ließe sich noch weiterführen. Der Betablocker Metoprolol, die Analgetika Metamizol und Ibuprofen, das Psychopharmakon Quetiapin, das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin sowie zahlreiche orale Antidiabetika sind weitere Beispiele für das Problem.

68 Wertungen (4.82 ø)

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14 Kommentare:

Ich möchte darum bitten, dass der Fehler im Artikel korrigiert wird, der bereits von anderen Usern erwähnt wurde:
Celestamine enthält Betamethason und ist damit kein H1-Antihistaminikum, sondern ein orales Glucocorticoid. Es ist nicht ungewöhnlich, dass einem Bienenstich-Allergiker neben Fastjekt und Celestamine auch zusätzlich noch Fenistil-Lösung verordnet wird, mit entsprechend spezieller Dosierungsvorgabe.
Ansonsten ausgezeichneter Artikel!

@#11
Manchen KKs reicht noch nicht einmal die Defektbestätigung des Großhandels, sondern verlangen sie vom Hersteller direkt. Dabei ist der direkte Vertriebsweg Hersteller – Apotheke zum einen eher unüblich, zum anderen ist es schwierig, diesen Beleg zu erhalten, da sich die Hersteller selbstverständlich davor scheuen, ihr eigenes Versagen zuzugeben.

#14 |
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Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

. Derzeit ist weder der Adrenalin Notfallpen Fastjekt ®, noch das Antihistaminikum Celestamine lieferbar. ????
Dachte immer Celestamin sei ein synthetisches Glukokortikoid

#13 |
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Ja, ja, manche können den Hals nicht voll genug kriegen

#12 |
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Apothekerin

Ein informativer Artikel, den ich mir schon vor geraumer Zeit und nicht nur in wissenschaftlichen Fachmedien gewünscht hätte. Es ist wahr : Apothekenmitarbeiter müssen versuchen es allen recht zu machen. Ein Job bei dem wir eine gewisse Übung haben, was das Vermitteln zwischen Arzt und Patient angeht. Seit es diese Versorgungsengpässe gibt, verkomplizieren sich die Abläufe in der Kommunikation allerdings erheblich. Einzelne Präparate sind teilweise monatelang nicht lieferbar. Das bedeutet , das man diesen Umstand den Patienten erklären muss und den Ärzten. Wenn man an den Arzthelferinnen am Telefon vorbei kommt, heißt das. Auch das klappt nicht immer. Parallel dazu kommuniziert man mit den Großhändlern und den Herstellerfirmen ab wann eventuell neue Ware kommen könnte. Und zu allem Überfluss muss man sich eine Nichtlieferbarkeit noch vom Großhandel schriftlich bestätigen lassen und den Beweis dem bedruckten Rezept anheften. Sollte beim Bedrucken des Rezeptes oder bei der Dokumentation dazu ein Fehler passieren, wird die Krankenkasse die Verordnung 13 Monate später auf 0€ retaxieren und das Geld dafür zurück fordern. Diesen ganzen Aufwand betreiben Apotheken mittlerweile tagtäglich bei X Rezepten wegen -zig Präparaten.
Ja, ich wünschte wirklich das ein solcher Artikel schon vor Monaten den Weg aus der Fachpresse heraus gefunden hätte!

#11 |
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“Wird hier künstlich eine Verknappung vorgegaukelt, um den Preis in Deutschland hoch zu halten oder andere profitablere Märkte zu bedienen“

Ist das wirklich eine Frage?
Bei uns kostet Remifentanyl jetzt das 5fache.

DHB wurde vom Markt genommen. Dann kam Xomolix.
Kostet jetzt auch ein Vielfaches.

Es lebe die freie Marktwirtschaft!

#10 |
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Celestamine ist übrigens kein Antihistamin. Der Inhaltsstoff ist Betamethason. Sehr interessanter Artikel-

#9 |
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Nichtmedizinische Berufe

Das war erst der Anfang.Wie es dann weiter geht, werden wir abzuwarten haben. Wie wir lasen, scheint Xylometazolin etwas Harmloses zu sein: Damit unterschätzte man diesen bedeutenden Wirkstoff.Wer etwa schwere COPD-Probleme mit bedrohlicher Atemnot hat, empfindet sie bei zugleich herrschender Atemnot durch eine Nasennebenhöhlenentzündung nahezu als psychisch erlebte Lebensbedrohlichkeit durch Erstickungsgefahr: Und in so einem Falle ist das nicht nur ein bloßes Nasenspray, sondern wirklich für die durchatmungsfähigkeit lebenwichtiges Pharmakon.Wenn schon so ein simples Arzneimittel fehlen kann, wieviel schlimmer sieht es dann aus, wenn alles heruntergewirtschaftet sein wird und das Wichtigste nicht mehr erhältlich sein wird?Also gut wirtschaften sollten wir jederzeit doch zu wissen verstehen.Anders wäre es arg.

#8 |
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Apotheker Ulrich Winter
Apotheker Ulrich Winter

wenn die Krankenkassen mit den intransparenten Rabattverträgen so in einen gut funktionierenden Markt eingreifen, dann sind manche Lieferengpässe nicht verwunderlich.
Ein Anbieter in einem Rabattvertrag sollte nachweisen, dass er auch 10 Millionen Patienten versorgen kann, oder kaum auf dem Markt z.B. L-Thyroxin von Aventis, schon nicht lieferbar usw.
Und Rabattverträge für Parkinsonmittel gehören im Patienteninteresse so und so abgeschafft.
Im übrigen haben die Apotheken durchaus einen Vorrat für 14 Tage,- ich bin übrigens angestellt- so viel zur Gier der Kaufleute

#7 |
  2

Die Gier der Kaufleute, bloss nicht eine Packung zuviel auf Lager haben, könnte Geld kosten. Ab un d zu soll es dann Vulkane geben die den Flugverkehr aus China blockieren oder Container, die auf dem Weg von Indien über Bord gehen.
Da fallen mir doch z.B. auch Desinfektionsmittel ein oder auch Hilfsmittel, die plötzlich sechs Monate nicht lieferbar waren. Absturz vom Marktführer für immer
und dann? Der Verantwortliche längst woanders in leitender Position. So ist das im Frühkapitalismus,.

#6 |
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Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

Nur das Problem ist, dass CDU-SPD geführte Politik hierzulande sehr, sehr langsam auf Veränderungen und Bedarf von Veränderung reagiert, man blockiert sich häufig gegenseitig. Ein Problem muss erst riesengroß werden, bis es überhaupt gesehen wird und etwas passiert, oder es wird etwas geändert was gar nicht notwendig war. Präventiv und vorausschauend zu regieren passiert bei uns einfach nicht, dann kommt noch nicht zu unterschätzender Lobby-Einfluss auf die Politik. Ach.. da sehe schwarz, dass es sich überhaupt irgendetwas ändert..

#5 |
  3
Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

Kann ich J. Kögler auch nur zustimmen, dass Frankreichs Beispiel auch hier völlig okay wäre. Da Pharmakonzerne vorwiegend wirtschaftliche Interessen an der Produktion haben, müssen sie gesetzlich gezwungen werden auch humane Ziele als Priorität zu setzen!

#4 |
  2
Dipl.-Ing. Michael Kreienberg
Dipl.-Ing. Michael Kreienberg

Bleibt ergänzend anzumerken, dass Herr Dr. Diefenbach im Jahr 2017 nach 30 Jahren im Rahmen der Nachfolge seine Rosen-Apotheke in Offenbach in neue Hände gegeben hat, siehe auch das Porträt in der Apotheker-Zeitung: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/11/03/diefenbach

Schön, dass die Nachfolge gelungen ist und es nahtlos weitergeht. Wir haben hier in Offenbach leider viele Beispiele, wo dies leider nicht geklappt hat.

#3 |
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Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Es ist so zum ko***n!
Bei manchen Sachen versteht man es wirklich nicht (Ibu, Penicillin…). Vieles ist aber auch gekünstelt und anderes sind RV-AM und der Versuch der Hersteller, sich wegen Fehlplanung, den Hintern zu retten.

Ich bin ganz klar dafür, dass hier genauso zu handhaben wie in Frankreich, was die Definition von “Lieferengpass” angeht.
Auch sollte der genannte §52b AMG mMn verschärft werden. Dann hört endlich mal das gekünstelte Theater auf mit “nicht lieferbaren”, also vielmehr kontingentierten AM, die nicht an die GH geliefert werden! Sondern teilweise nur EINZELN(!) von der Apo beim Hersteller bestellt werden können. Ist spaßig, wenn das mehrfach am Tag vorkommt und man jedesmal neu das Bestellformular ausfüllen und incl Handelsbescheinigung & geschwärzter Rezeptkopie faxen muss, da man nur einzeln bei Bedarf ( = Rezept) bestellen darf und nicht fürs Lager.
Besonders solche Kontingentierungen finde ich das absolut aller letzte!
Es sind so oft gekünstelte Lieferengpässe, allerdings kann man so natürlich bei Lieferproblemen schön behaupten man könne doch problemlos liefern. Was gerade bei RV wichtig ist um den Bonus zu behalten. Nur leider können Patienten dann nicht oft nicht schnell genug versorgt werden und eine Sonder-PZN geht nur selten, da Akutversorgung ja bekanntlich nicht von allen GKVen und nicht bei allen AM anerkannt wird und verfügbar war es ja laut Hersteller auch…
Ich höre am Telefon inzwischen bereits an den Phrasen sehr präzise woran ich bin und echte Engpässe sind vergleichsweise selten.

So ein Kapitalimus hat im Gesundheitssystem absolut gar nichts zu suchen! Ich behaupte 75-80% aller Engpässe, sind politisch, wirtschaftlich künstlich oder den RV der GKV geschuldet und die wenigsten davon sind echt und die wenigsten wären problematisch im Apothekenbereich, wenn es nicht so restriktiv kapitalistisch und bürokratisch wäre, sondern es vorrangig um die Gesundheit der Menschen gehen würde

#2 |
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Alles gut beschrieben. Nur, wer ist denn nun schuld? Warum kann die Pharmaindustrie nicht liefern? Warum ist ein Rohstoff nicht verfügbar? Warum gibt es Qualitätsprobleme? Gab es doch vor 30 Jahren nicht. Also, wo wird geschlammt und was für Konsequenzen gibt es? Die betroffenen Hersteller müssten an den Pranger gestellt und anschließend boykottiert werden. Nur das zeigt Wirkung.
Gregor Huesmann

#1 |
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