Cannabis: Prävention greift zu kurz

30. Juli 2013
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Junge Schweizer, die Alkohol trinken, Tabak oder Cannabis rauchen, informieren sich häufiger über Suchtmittel als abstinente Gleichaltrige. Rein informationsbasierte Prävention greift somit zu kurz, so zuimdest die studienbeteiligten Sozial- und Präventivmediziner.

91 Prozent der durchschnittlich 20 Jahre alten Schweizer Männer trinken Alkohol. Knapp die Hälfte davon trinkt jeweils sechs oder mehr Getränke nacheinander und weist damit einen Risikokonsum auf. 44 Prozent der Schweizer rauchen Tabak, davon sind der Großteil Risikokonsumenten – sie rauchen mindestens einmal täglich. 36 Prozent der jungen Erwachsenen rauchen Cannabis, wobei etwas mehr als die Hälfte Risikokonsumenten sind, die mindestens zweimal pro Woche kiffen. Ob sich diese jungen Schweizer über Suchtmittel wie Alkohol, Tabak, Cannabis oder andere Drogen informieren und die gesundheitlichen Risiken ihres Konsums kennen und verstehen, erhoben Sozial- und Präventivmediziner der Universität Zürich. Sie befragten im Rahmen einer nationalen Kohortenstudie rund 12.000 Männer anlässlich ihrer Rekrutierung für den Militärdienst.

Wer konsumiert, sucht eher nach Information

16 Prozent der befragten jungen Schweizer haben in den letzten 12 Monaten elektronische Medien benutzt, um aktiv mehr über Suchtmittel zu erfahren. Bei den Risikokonsumenten von Alkohol oder Tabak taten dies 20 Prozent und 38 Prozent bei den Risikokonsumenten von Cannabis. Zudem informieren sich Risikokonsumenten von Alkohol oder Tabak zweieinhalbmal häufiger als Abstinente. Cannabiskonsumenten recherchieren viermal häufiger nach Suchtmitteln, die Risikokonsumenten darunter sogar fünfmal häufiger als solche, die nicht Cannabis rauchen. „Die Informationssuche hängt stark von der konsumierten Substanz ab. Generell suchen Suchtmittelkonsumenten im Vergleich zu Abstinenten eher nach Informationen über Suchtmittel“, erklärt Meichun Mohler-Kuo, Dozentin am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich.

Mehr als 70 Prozent der befragten Männer, die Suchtmittel konsumieren – und insbesondere die Risikokonsumenten – schätzen ihr Wissen über die gesundheitlichen Folgen von Alkohol-, Tabak- oder Cannabiskonsum als sehr gut ein. Sie schätzen damit ihr Wissen als besser ein, als sich diesbezüglich Abstinente beurteilen. Französischsprachige Schweizer und Maturanden bewerten ihr Wissen über die Gesundheitsrisiken bei übermäßigem Konsum leicht besser als Deutschschweizer und Männer mit niedrigerer Schulbildung.

Information als Prävention greift zu kurz

Präventionskampagnen, die Jugendliche über die Risiken von Suchtmitteln aufklären und davon abhalten sollten, basieren normalerweise auf der Vermittlung von Informationen. „Information alleine reicht jedoch nicht als Präventionsmaßnahme. Es braucht differenziertere Ansätze für die aufgeklärten Konsumenten“, sagt Meichun Mohler-Kuo. Deshalb sollten Medienkampagnen zur Prävention von Substanzmissbrauch kritisch begutachtet werden. „Es ist wichtig, Präventionsmaßnahmen zu untersuchen und zu entwickeln, die die Kompetenzen der gut informierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen berücksichtigen.“

Originalpublikation:

Health literacy and substance use in young Swiss men
Meichun Mohler-Kuo et al.; International Journal of Public Health. doi: 10.1007/s00038-013-0487-9; 2013

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1 Kommentar:

Gast
Gast

Die Dosis macht das Gift, die Neugier die Sucht.

Leider bin ich ein schlechtes Vorbild für meine Kinder und gutes Vorbild zu sein, ist die wichtigste Prävention überhaupt. Aber sich eine Sucht abzugewöhnen, ist eine reine Kopfsache,bzw. den richtigen Schalter umzulegen. Ich erkläre meinen Kindern immer, dass jeder Mensch Schwächen hat und man diese auch ausleben darf, aber immer wieder selbstkritisch hinterfragen sollte. Auf jeden Fall sollte man sich liebeMenschen suchen, mit denen man über Süchte, Ängste usw. reden kann, dann haben diese Geister im Kopf, keine so große Macht.

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