Passivrauchen: Nur Sterben ist gesünder

30. November 2012
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Nichtraucherschutzgesetze und Rauchverbote haben den Flächenbrand der Raucherdiskussion in vielen westlichen Ländern weitgehend gelöscht. Aber die dicke Luft durch Feinstaubbelastung bleibt weiterhin bestehen.

Das Rauchverbot in Kneipen und der Gastronomie sorgt noch immer für Zündstoff. Einige Bundesländer haben ihre eigenen Regeln. Nichtsdestotrotz ist Deutschland heute weniger blau durch Zigarettendunst als noch vor wenigen Jahren.

Weniger Kranke durch öffentliches Rauchverbot

Die Gesetze zum Nichtraucherschutz tragen erste Früchte, wenn man Zahlen einer aktuellen Metaanalyse von Epidemiologen betrachtet. Insgesamt 45, der Untersuchung zugrundeliegende, Studien belegen den Zusammenhang zwischen den in verschiedenen Ländern erlassenen Raucherschutzgesetzen und Krankenhausaufnahmen wegen kardialen, zerebrovaskulären und respiratorischen Erkrankungen. Auch Deutschland ist dabei. In die Analyse gingen Studien ein, die vor dem 30. November 2011 veröffentlicht worden waren und 33 Nichtraucherschutzgesetze mit einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von 24 Monaten berücksichtigten. Demnach nahmen die Hospitalisierungen nach Erlass der Verbote schnell ab. Bei Herzinfarkten ließ sich ein Rückgang von 15 Prozent, bei Schlaganfällen von 16 Prozent und bei Lungenerkrankungen gar von 24 Prozent verzeichnen. Umfassendere Rauchverbote hatten größere Effekte als eingeschränkte Verbote, wie z.B. das Verbot des Rauchens am Arbeitsplatz.

Private Raucherlaubnis im Visier

Bleiben immer noch private Lebensbereiche wie etwa die Wohnung oder das Auto. Dort darf zur Zeit noch geraucht werden bis die Sicht aus dem Fenster gefährlich getrübt ist oder solange es die Gesundheit noch zulässt. Die Frage ist nur, wie lange noch? Denn die Feinstaubkonzentration im Innenraum eines Fahrzeugs – in dem geraucht wird – ist deutlich höher, als die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Innenräume festlegt. Dieser Grenzwert für PM 2,5 beträgt 25 µg/m3. Doch selbst bei kürzeren Autofahrten und bei geöffnetem Fenster wird es für alle Insassen gefährlich, denn die Konzentration steigt auf 85 µg/m3, im Extremfall sogar auf zehnmal höhere Werte. Solche Ergebnisse oder auch Klagen könnten zukünftig zu einem Rauchverbot im Auto und anderen Privaträumen führen. Schließlich wird Passivrauchen mit verschiedenen Erkrankungen und auch Todesfällen assoziiert. Die Deutsche Krebsgesellschaft fordert deshalb mehr Schutzmaßnahmen.

Tote durch Passivrauch

Die Größenordnung weltweiter Todesfälle durch Passivrauchen beziffert eine Studie der WHO anhand retrospektiver Daten. Demnach sind weltweit 40 Prozent der Kinder vom Passivrauch betroffen. Im Alter unter fünf Jahren erleiden sie häufig Atemwegserkrankungen. Zudem werden 33 Prozent männliche und 35 Prozent weibliche Nichtraucher durch den Zigarettenrauch belastet. Es wird geschätzt, dass aufgrund von Folgeerkrankungen insgesamt 603.000 Todesfälle, also ein Prozent der weltweiten Mortalität, dem Passivrauch geschuldet sind. Danach sind 379.000 Menschen an einer Ischämie des Herzens und 165.000 Personen an unteren Atemwegsinfektionen gestorben. Weitere Krankheiten, die durch Passivrauch ausgelöst wurden und zum Tod führten, waren Asthma (36.900 Tote) und Lungenkrebs (21.400 Tote). Nach einer Studie der Universität Münster sind in Deutschland jährlich 3.300 Todesfälle von Nichtrauchern durch Passivrauch zu verzeichnen.

Genug des Dunstes – auch ohne Zigaretten

Die Feinstaubbelastung durch Zigarettenrauch lässt sich verhältnismäßig einfach beeinflussen – notfalls mit Gesetzen. Nicht so die Belastung der Luft, die sich aufgrund des prognostizierten Wirtschaftwachstums und der Explosion der Weltbevölkerung nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ergeben wird. Demnach sterben ab dem Jahr 2050 weltweit 3,6 Millionen Menschen jährlich. Das sind doppelt so viele “Feinstaub-Tote” wie heutzutage. Besonders die Großstädte dieser Welt sind davon betroffen. Allen voran werden Städte in China und Indien an den Folgen der Feinstaubbelastung leiden. Dazu kommen möglicherweise Millionen Todesfälle aufgrund von Klimaveränderungen.

991 Wertungen (1.4 ø)

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26 Kommentare:

Dr. Jens-Peter Hrapia
Dr. Jens-Peter Hrapia

High Roland,

ganz meine Meinung.

#26 |
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Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

Oh bitte Herr Bock… soetwas subjektives, oberflächliches kann nicht mal..(ein Privatsender) herausbringen..

#25 |
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Tabakrauch belastet und stinkt.

#24 |
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Na ja, *ein* Feindbild braucht der Mensch nun einmal. Jahrtausendelang waren es Frauen, dann Leute mit nicht-mitteleuropäischer Hautfarbe, Homosexuelle und in letzter Zeit gar – man denke an die Verfilmung von Jurassic Parc – dicke Leute. Immer waren die “schuld” an irgend etwas, an der menschlichen Unzulänglichkeit, am Niedergang der Kultur, am Untergang von Gesellschaft und Familie oder am Zusammenbruch unseres Gesundheitssystems. Jetzt eben Raucher. Ich (Nichtraucherin) bin sehr für das Rauchverbot in öffentlichen Räumen, weil mich der Rauch der anderen nun einmal aufs schwerste belästigt. Aber man sollte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Eine weitere Substanzgruppe, die “verboten gehört”, wären eigentlich die Zucker und Süßstoffe, und das zeigt schon die Problematik des Ansatzes zu verbieten und nochmal zu verbieten. Wenn der Mensch sich selbst nicht klarmacht, was ihm zuträglich ist und was nicht, und sich daran hält, dann kann kein Verbot ihn retten. Auf meiner privaten Verbotsliste ständen auch Dinge wie
– Autofahrten unter 5 km
– private Fernsehsender
– gehärtete Fette
– Nachrichten über Promis
– und… und… und…

Viel Freude, sollte es mir je gelingen, meine Liste durchzusetzen!

Was die Statistiken angeht, müssen wir wohl noch ein wenig warten.

#23 |
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Also wie immer, NIchtraucher sterben gesündcr! – aber eben so sicher, aber auch nur einmal, und das, genau wie beim Raucher, am Ende des Lebens – alles andere sind doch nur wirtschaftliche Interessen. Was der Staat mit Rauchern verdient, sagt er nicht. Individualkraftverkewhr verbietet auch keiner, siehe die dadurch Verletzten, Toten und Behinderten.

#22 |
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Prof. Dr. med. Eckhard Klieser
Prof. Dr. med. Eckhard Klieser

ich behaupte das gegenteil, rauchen ist eigentlich so gesund, bin nichtraucher, es ist lächerlich wie derzeitig unsere pharisäer die raucher verteufeln

#21 |
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Manhard Voigt
Manhard Voigt

@ Dr. Hans-Peter Hollwege

Zitat: “[…] Versuche haben gezeigt, dass drei (!) vor sich hinglimmende Zigaretten in einer Garage mehr Feinstaub produzieren als ein Diesel PKW in einer halben Stunde Leerlauf. ”

Ich nehme an, dass wir die selben “Versuche” meinen. Leider war es so, dass man seinerzeit ein ungeeignetes Messgerät verwendete. ;-)

#20 |
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Unglaublicher Schwachsinn! Daß die Statistiken und sog. Gutachten allesamt geschönt teilweise gefälscht sind, ist doch klar. Schon zu meiner Studentenzeit sagte man: Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast. Wie man Todeszahlen auf Passivrauchen zurückführen kenn, entzieht sich jedem mathematisch-naturwissenschaftlichen Verständnis. Wenn ich keinen Rauch haben will, gehe ich eben in keine als solche ausgewiesene Raucherkneipe. Wo ist das Problem? Für mich als Nichtraucher wäre es natürlich ein Problem, mit einem Kettenraucher das Büro zu teilen, aber über dieses Stadium sind wir ja schon lange hinweg. Anstatt statistisches Blahblah zum Götzen zu machen, sollte man lieber auf dem Boden der Tatsachen bleiben, von dem jedoch besonders eine gewisse NRW-Ministerin nix hält. Raucher: Genießt es! Und Nichtraucher: Geht einfach dahin, wo heute nicht mehr geraucht wird (die absolute Mehrzahl aller Gaststätten, Feste usw.) Das ganze Gejammere ist doch einfach Quatsch. Und wenn Nr. 1 als selbsternannter Gutmensch die Raucherei insgesamt verdammen will, so werde ich mir extra darauf noch eine dicke Cohiba gönnen (oder zwei).

#19 |
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Norbert Manteuffel
Norbert Manteuffel

Dann wird das Essen und Trinken und Atmen verboten usw. Big Brother läßt grüßen!!!

#18 |
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Naturwissenschaftler

Feinstaub auf den Straßen wird von Dieselfahrzeugen und Anderen produziert und die Raucher müssen drunter leiden? Versuche haben gezeigt, dass drei (!) vor sich hinglimmende Zigaretten in einer Garage mehr Feinstaub produzieren als ein Diesel PKW in einer halben Stunde Leerlauf.

#17 |
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Altenpfleger

Nunja,
ein Freund von mir findet Gefallen daran, Raucher in seiner Nähe mit seinen Winden zu ärgern. Die sind immerhin “Bio”…;)

#16 |
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Dafür wiederholt er Unbewiesenes.

#15 |
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Der Artikel bringt nichts Neues.

#14 |
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Dr. Jürgen Braun-Himmerich
Dr. Jürgen Braun-Himmerich

drjbh
3.300 Tote durch Passivrauchen, von den schweren Herzkreislauferkrankungen, die oft nicht als schädigende Ursache durch das Passivrauchen erkannt werden, ganz abgesehen. Bedauerlich, dass viele Erwachsene, was das Rauchen betrifft, ihren Mitmenschen, insbesondere ihren Kindern, nicht als gutes Beispiel voran gehen. A propos gutes Beispiel. Wenn unser Altbundeskanzler Helmut Schmidt in der ‘Münchner Runde’ vor zwei Wochen eine Zigarette nach der anderen pafft und den Rauch rücksichtslos auf den anderthalb Meter entfernt sitzenden Moderator bläst, dann kann man das nur mit Altersstarrsinn und und fehlender Rücksichtnahme bezeichnen. Ganz abgesehen von dem schlechtem Vorbild, das er insbesondere den jugendlichen Zuschauern gibt. Lösung: ganz einfach, ihn zu solchen Sendungen nicht mehr einladen.

#13 |
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BI Bernd Rathgeber
BI Bernd Rathgeber

Zum Kommentar von Walter:
Rauchen ist wohl deswegen noch legal, weil der Staatdadurch massen an Steuern kasiert. Ich bin Nichtraucher, finde jedoch dass man das Rauchen nur dort verbieten sollte wo es andere gefährdet, auf jeden Fall im Auto, da es eine Droge ist. Ich packe ja auch nicht während der Fahrt die Wisky-Flasche aus und genehmige mir einen. Wenn ein Raucher andere nicht gefährdet, also gemütlich zu Hause oder auf der Raucherteraase eine qualmt, so ist mir das relativ “wurscht”,jedoch sollte im Rahmen der Gleichberechtigung Aller dann in der Firma dort eine Stechuhr hängen o.ä.Zu Verbesserung der Atemluftqualität und somit der Gesundheit der Lebewesen auf der Erde ist es aus meiner Sicht viel wichtige Fahrzeuge und Heizungsanalgen (öfen) aus dem Verkehr zu ziehen die unmengen an Feinstaub produzieren. Neuere Dieselfahrzeuge ohne Filter, Pelletöfen ohne Filter gehören verboten.

#12 |
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Die erhebliche Feinstaubemission durch Holzverbrennung (Schickimicki-Kamine und “Bio-Pellets) wird nicht erwähnt.
Da kann man nicht so bequem auf “die da” zeigen.

#11 |
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Wenn Mann zum Thema nichts zu melden hat und trotzdem tut als ob,soll mann vielleicht in der Politik versuchen.

#10 |
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Analphabeten erschrecken mich auch …

#9 |
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Erschrekend im der ganzer Diskusion ist für mich nur die Zahl der Gesundheittalibanen die ihren abstrusen und lebensfernen Ideologien in solchen Foren freien Lauf geben.

#8 |
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Ralf Schmiedel
Ralf Schmiedel

Rauchen ist ein Anachronismus aus grauer Vorzeit. Es passt nicht mehr ins 21. Jahrhundert.

#7 |
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Hm, eigenartige Überschrift –
Passivrauchen: Nur Sterben ist gesünder…
Oder verstehe ich’s nur nicht?
… ist gesünder… alles andere ist ungesünder als Passivrauchen?
Oder, ich suche den Witz (Geist) in der Überschrift.
Finde den aber auch nicht.

So gebe ich mich zufrieden damit, dass es eventuell hätte heißen sollen,
Passivrauchen: Nur Sterben ist ungesünder…
Und das “un” ging in der Überschrift verloren leider…

#6 |
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Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

Rauchverbot im Privaträumen ?! Soll das ein Witz sein ?! Feinstaub kommt nicht von Zigaretten allein, dann sollte man auch Dieselfahrzeuge verbieten und Beheizung mit Feuer und Teelichter mit Kerzen auch. Das Begriff “Feinstaub-Tote” – soll das etwa die nächste Hysterie schüren wie Begriff Atomkraft vor paar Jahren? Es gibt auch Menschen denen ihre persönliche Freiheit wichtig ist und @ Frau Zimmermann; Zusatzstoffe in Lebensmitteln haben noch keinen umgebracht, sind aber bei der Verarbeitung notwendig, schöner wäre sich genau darüber zu informieren was und wofür es ist (entbehrliche Sachen gibts es mitunter auch – gebe ich zu) aber sie können nicht verlangen, das andere Menschen sich unter eine Käseglocke setzen und Angst haben.

Für einen Trottel kann selbst Salz und Pfeffer gefährlich sein, trotzdem soll Umgang damit möglich und gelernt sein! Und nicht die Politiker sind hier gefragt. Alles und radikal zu verbieten ist Lösung nur für dumme, die selbst nichts mit Vernunft und Verstand auf die Reihe bekommen!

#5 |
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Monika Geissler
Monika Geissler

Bayern hat es uns doch vorgemacht, jetzt auch NRW. Warum schaffen das die anderen Länder nicht? Wo bleibt hier die EU?

#4 |
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Die Politik ist nicht bereit, ein konsequentes Rauchverbot um- und durchzusetzen. das wäre nur durch drastische Sanktionen möglich und machbar. Dazu besteht keine Beritschaft.

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Warum ist Alkohol noch legal? Warum dürfen künstliche Aromen, Zusatzstoffe und vieles mehr straflos Lebensmitteln zugesetzt werden? Warum darf Kleidung chemisch behandelt werden? Warum gibt es noch Mac Donalds, Burger King, Pommesbuden?

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Ergotherapeut

Das passiv rauchen erheblich schlimmer ist als das aktiv Rauchen und das in geschlossenen Räumen, Auto oder Wohnung, für Kinder oder andere Beifahrer ebenso schädlich ist wissen wir nicht est seit heute. Da liegt die Verantwortung bei jedem einzelnen und ich denke die muss man auch jedem einzelnen zu sprechen und dieses eher durch Aufklärung verändern. Denn wer soll das kontrolieren- im Auto in privat Wohnungen? Und vor dem Hintergrund das der Staat es in vielen anderen Bereichen nicht schafft die Bürger vor schädlichen Stoffen zu schützen- Weichmacher in Verpackungen, Ersatzstoffe in Lebensmittel bzw. die allg. Qualität unserer Lebensmittel,Nano Patikel, Abgase bei Autos-Flugzeugen, Schiffen… und und diese Liste ließe sich ohnen ende erweitern. Alles auch Stoffe von denen niemand weiß wie sie unseren sehr fein justierten, genialen Organismus, ganzheitlich betrachtet, in der Zukunft verändern und oder belasten. Aufklärung und Umsetzung von bekanntem Wissen ist doch das naheliegendste, wird aber leider nicht weiter bewertet, habe ich den Eindruck, da ich gerade hier sehr viel background Wissen erfahre . Ich bin übrigens Nichtraucher.

#1 |
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