Tschüss Physikum!

12. März 2010
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Im Modellstudiengang am Uniklinik Aachen ist die Trennung zwischen Klinik- und Vorklinik zugunsten Organsystem-orientiertem Lernen aufgehoben worden. Das Physikum nach dem 4. Semester ist Geschichte, aber nach dem 6. Semester wartet die Ärztliche Basisprüfung. Wie man sich am besten für die „Prüfung der Prüfungen“ vorbereitet, berichten wir Euch in dieser Serie.

Eigentlich hört sich das Buchstabenkürzel „OSPE“ ganz niedlich an. Zumindest erwartet man nichts wirklich Böses dahinter. OSPE steht in modernem Fakultätsenglisch für „Objective Structured Practical Examination“ und zu gut deutsch für „Objektive strukturierte praktische Prüfung“. Man kann es aber auch anders auffassen: Für die meisten Medizinstudenten in Aachen ist dieses Kürzel in den letzten Jahren zu einem echten kalten Schauer geworden. Lernstress ohne Ende, schlaflose Nächte, kaum Noch Zeit für Hobbies und Freunde… ein Ausnahmezustand! Ob dieser Mythos stimmt, werden wir erleben. Jede Woche gibt es nun hoffentlich spannende Geschichten aus dem Klinikum Aachen und drum herum, falls daneben ein Leben noch möglich sein sollte.

Drei dunkle Tage im September

Noch 6 Monate. So in etwa. Zumindest die vorläufige Terminplanung sagt, dass es am Mittwoch, den 15. September soweit ist. Und weil das ganze so schön sein soll, dauert es auch drei Tage. Eigentlich nur 2 Tage, denn je nachdem, in welcher Gruppe ein Student dabei ist, ist der mündliche Teil entweder nur Donnerstags oder Mittwochs. Aber ein ganzes Semester wird an diesen 3 Tagen ziemlich von der Rolle sein, das zeigt die Erfahrung der Vorjahre.
Eine mündliche Prüfung an vielen Stationen, mit teilweise wildfremden Prüfern und sowieso komplett unbekannten Fragen, und am Freitag eine 200-Fragen Multiple-Choice-Klausur als krönender Abschluss.
In den kommenden Wochen wird uns noch ausführlich vorgestellt, was wie wann auf uns zukommt, aber man kennt ja auch Freunde aus den höheren Semestern. Im Grunde weiß man jetzt schon genug, um sich ein bisschen verrückt zu machen. Aber dafür ist es in der Tat noch ein bisschen früh.

Jede Zeit nutzen…

Diesen Tipp bekommt man häufiger von Kommilitonen aus den höheren Semestern. „Am besten schon mal ein paar Blöcke wiederholen, die schwer waren oder lange her sind.“ Blöcke? Wir in Aachen bekommen ein Organ nicht fachlich häppchenweise zerstückelt, sondern eher am Stück auf einem großen Teller serviert. Nach den ersten 2 Semestern, die sich mit viel Biochemie, Zellbiologie, Physik und Biologie liebevoll „Homogenisierungsphase“ schimpfen, startet ab Semester 3 die „Lernspirale“ mit den Systemblöcken.

Beispiel Herz-Kreislauf – alles komplett – natürlich Anatomie, Physiologie und Pharmakologie, aber auch direkt Pathologie, Innere, Radiologie, Embryologie… alles dabei. Und so sammeln wir bis zum Ende des 6. Fachsemesters einen ersten Einstieg in alle Fächer. Letztes Semester, also bis vor einigen wenigen Wochen, wurden uns die Gedärme („Gastro-Block“) sowie HuGO (Systemblock Harn- und Geschlechtsorgane) präsentiert. Das waren recht umfangreiche Systemblöcke, die noch durch mehr oder weniger beliebte Nebenfächer verdünnt worden sind. Der gute Tipp der älteren, jetzt schon mal ein bisschen anzufangen und zu wiederholen wird dadurch unfassbar schwierig: Die meisten von uns brauchen erstmal etwas Urlaub und Erholung.

Viele aus meinem Semester famulieren in diesen Semesterferien noch einmal 15 oder sogar 30 Tage. Ich hatte mich auch erst für eine Famulatur beworben, dann aber doch wieder abgesagt, um ein bisschen an meiner Doktorarbeit zu werkeln. Das ist zusätzlich noch ein Druckpunkt, der bis zu Beginn der heißen Lernphase fertig sein sollte. Und Urlaub muss ja auch noch sein.

Erholung bei den Nashörnern

Ich halte in Aachen die Stellung und versuche doch zumindest schon mal die Materialien für die Basisprüfung ein bisschen zu Recht zu legen, andere famulieren derweil am Ende der Welt in Namibia. Ein guter Freund aus dem Semester, ist gerade 4 Wochen in Windhoek im Krankenhaus und lernt vermutlich nicht nur viel für seine berufliche Zukunft, sondern auch fürs Leben.
Ende des Monats, wenn seine Famulatur vorbei ist, fliege ich runter und wir machen noch 14 Tage Urlaub in Namibia. So habe auch ich jetzt eine wunderbare Ausrede gefunden: Safari vorbereiten, mich impfen lassen, meinen Reisepass abholen, Rucksack packen – alles sehr viel wichtiger als jetzt schon an die Basisprüfung zu denken.
Vielleicht guck ich morgen mal in den „Trepel“ – vielleicht, vielleicht auch nicht!
„Vielleicht“ ist ein tolles Wort, wenn es um Lernplanung geht!

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