Arzt im Notfall: Erste oder zweite Hilfe?

25. April 2018

Beim Thema Erste Hilfe herrscht oft Unsicherheit und Berührungsangst – auch unter Ärzten. DocCheck fragte nach: Könntest du auf der Stelle korrekt Erste Hilfe leisten? Acht von zehn Ärzten fühlen sich dazu in der Lage. Jeder fünfte ist unsicher. Woran liegt das?

Der Kommentar eines Users in den DocCheck News war für die Redaktion Anlass, einmal über das Thema Erste Hilfe zu berichten. Der Rettungssanitäter kritisierte in seinem Kommentar, dass Ärzte ihr Wissen und Können hinsichtlich lebensrettender Sofortmaßnahmen viel zu selten auffrischten. Dieser Kommentar erhielt 49 Likes.

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Der Kommentar wirft die Frage auf: Wie viele Ärzte trauen sich zu, bei einem medizinischen Notfall korrekt Erste Hilfe zu leisten? Vor einigen Wochen führte die Redaktion deshalb eine Umfrage durch, an der 660 Ärzte teilnahmen. Diese ergab, dass acht von zehn Ärzten sich dazu in der Lage fühlen, im Notfall richtig Erste Hilfe zu leisten. Trotzdem: Jeder fünfte fühlt sich unsicher.

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Wie verlässlich diese Selbsteinschätzung ist, lässt sich nicht beantworten aber zumindest kritisch hinterfragen. In diesem Zusammenhang ist eine Befragung aus dem Jahr 2013 interessant: Der ADAC und das Deutsche Rote Kreuz hatten je 200 Autofahrer aus 14 verschiedenen Ländern befragt, ob sie sich zutrauten, bei einem Unfall lebensrettende Sofortmaßnahmen einzuleiten. Etwa 70 % der Befragten beantworteten dies mit einem „Ja“.

Die Realität sieht aber etwas anders aus, wie die Ergebnisse des Vergleichs zeigten. Es kannten nur etwa 30 % der Autofahrer alle erforderlichen Schritte. Etwa 40 % wussten, was bei einem Atemstillstand zu tun ist und nur knapp die Hälfte beherrschte die stabilen Seitenlage. Nur einer von fünf war imstande, eine Person korrekt wiederzubeleben. Ob die Selbsteinschätzung immer dem tatsächlichen Können in einer Stresssituation entspricht, ist also fraglich – auch bei Ärzten.

Kaum einer traut sich eine Herzdruckmassage zu

In der allgemeinen Bevölkerung hält sich nicht einmal jeder Vierte für einen guten Ersthelfer. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Asklepios-Kliniken, an der bundesweit 1.000 Deutsche ab 18 Jahren teilgenommen hatten. Zwei Drittel der Befragten trauten sich zwar zu, organisatorisch und psychologisch zu helfen, eine Herzdruckmassage jedoch würden sich nur sehr wenige zutrauen. Bei mehr als der Hälfte der Befragten lag der letzte Erste Hilfe-Kurs mehr als zehn Jahre zurück, bei Älteren sogar mehr als 20 Jahre. „Das Interesse am Thema und die grundsätzliche Bereitschaft zu helfen sind groß, aber das Wissen lückenhaft, und vor lebensrettenden Maßnahmen scheuen viele aus Angst, etwas falsch zu machen, leider zurück“, so Prof. Dr. Alexander Ghanem, leitender Oberarzt der Kardiologie der Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg, in einer Pressemitteilung.

Ärzte wiederholen EH-Lehrgang „eher selten“

Doch wie oft frischen Ärzte, die nicht regelmäßig mit Notfällen konfrontiert werden, ihre Kenntnisse auf und üben das richtige Vorgehen bei einem medizinischen Notfall? „Es gibt darüber [wie oft Ärzte einen Erste Hilfe Kurs besuchen] keine statistische Erfassung. Aus der Beobachtung heraus würde ich sagen, dass Ärzte eher selten den Erste Hilfe-Lehrgang wiederholen,“ so Sigrid H. Bohnen, Lehrbeauftragte für die Multiplikatorenschulung von Erste-Hilfe-Ausbildern beim Landesverband Westfalen-Lippe des Deutschen Roten Kreuzes.

Dr. Rockmann, Chefarzt des Notfallzentrums der Barmherzigen Brüder in Regensburg, kann dies nur bestätigen. Das Thema würde zwar im Studium gelehrt, ob der Mediziner damit im Beruf nochmals konfrontiert wird, hänge aber davon ab, wo und in welchem Fachgebiet er beschäftigt sei. Ärzte und pflegerisches Personal beispielsweise, die in einem Krankenhaus arbeiten, würden regelmäßig in den Basis-Maßnahmen „Erste Hilfe/Reanimation“ geschult. Inhalt dieser Auffrisch- und Reanimationskurse ist die Erste Hilfe an einer leblosen Person. Aber: „Verletzte bei einem Autounfall leben in der Regel noch. Das sind also zwei verschiedene Situationen!“, gibt der Notfallmediziner zu bedenken. Anders sieht es bei niedergelassenen Ärzten aus. „Diese haben einen freien Beruf und können daher selber entscheiden, ob sie einen Erste Hilfe-Kurs besuchen oder nicht“ erklärt Rockmann.

Leitlinien ändern sich – auch bei Erster Hilfe!

Um jedoch Bekanntes neu ins Gedächtnis zu rufen und Routine zu bekommen, ist es sinnvoll, dass auch Ärzte, die nicht regelmäßig mit medizinischen Notfällen zu tun haben, sich regelmäßig mit dem Thema Erste Hilfe beschäftigen. Rockmanns Empfehlung lautet: alle fünf Jahre sollten sowohl Ärzte als auch Nicht-Mediziner ihre Erste Hilfe-Kenntnisse auffrischen.

Denn alle fünf Jahre werden die Leitlinien des Europäischen Rates für Wiederbelebung überarbeitet. Die nächste Revision ist 2020 fällig. „Bei diesen Überarbeitungen wird immer etwas geändert – teilweise auch ganz grundlegende Dinge. Bis 2005 beispielsweise lautete die Empfehlung noch: nach 15 Thoraxkompressionen zwei Mal Beatmen. Heute reanimiert man 30 zu 2“ erläutert Rockmann.

Etwas öfters empfiehlt das Deutsche Rote Kreuz einen Auffrischungskurs. „Das tägliche Arbeiten mit Patienten muss, je nach Tätigkeitsfeld, nicht zwingend etwas mit Notfällen zu tun haben. Von daher kann man eine Aussage für alle Ärzte oder medizinisches Personal nicht treffen. Das Deutsche Rote Kreuz empfiehlt prinzipiell die Wiederholung von Erste Hilfe-Lehrgängen alle drei Jahre,“ so Bohnen.

Inhalte eines Erste Hilfe-Kurses

Kurse werden von den verschiedensten Anbietern wie z. B. der Kassenärztlichen Vereinigung, dem Deutschen Roten Kreuz oder auch privatwirtschaftlich organisierten Firmen durchgeführt. Auch die vermittelten Inhalte sind sehr unterschiedlich. Die Themen eines vom Deutschen Roten Kreuz angebotenen Kurses sind die Versorgung lebensbedrohlicher Verletzungen und Erkrankungen, Versorgung von Verletzungen durch thermische Schäden, Verletzungen des Bewegungsapparates, Eigenschutz, Absicherung von Unfallstellen und Retten von Verletzten aus Gefahren.

„Der Lehrgang ist sehr praktisch ausgelegt und gibt dem Teilnehmer sehr viel Raum zum Training in Gruppen“, so Bohnen. Die Kosten belaufen sich auf etwa 35 Euro. „Prinzipiell muss jeder Teilnehmer den Erste Hilfe-Kurs selbst bezahlen. Wenn ein Auftraggeber den Teilnehmer schickt, z. B. die Firma, dann kommt diese oder die Berufsgenossenschaft dafür auf,“ so Bohnen.

Neben diesen Kursen, die Sofortmaßnahmen am Unfallort vermitteln sollen, werden auch Praxiskurse, in denen der Praxisinhaber zusammen mit seinem Fall ein realistisches Szenario übt, oder sog. ATLS-Kurse angeboten. Die Abkürzung ATLS steht für Advanced Trauma Life Support. Dieser Kurs vermittelt das standardisierte, prioritätenorientierte Vorgehen bei schwer verletzten Patienten im Schockraum und richtet sich primär an Ärzte, die an der akutklinischen Versorgung von Schwerverletzten beteiligt sind. Die Kosten belaufen sich auf etwa 1.500 Euro.

Wer nicht hilft, macht sich strafbar

Bei einem Notfall ist jeder – egal ob Arzt oder Nicht-Mediziner – verpflichtet, nach seinen Möglichkeiten Erste Hilfe zu leisten. „Man ist nicht verpflichtet, eine bestimmte Erste Hilfe zu leisten, wenn man dies nicht kann. Man ist jedoch verpflichtet, Hilfe zu leisten – und zwar so gut, wie man es kann,“ erklärt Rockmann und nennt als Beispiel folgenden Fall: „Angenommen, eine Person kann kein Blut sehen und ist aus diesem Grund z. B. Psychiater geworden. Von diesem Menschen kann man nicht erwarten, dass er eine spritzende Blutung aktiv richtig stillt, da er sonst selbst umkippt. Aber man kann von ihm erwarten, dass er die Aufgabe an eine andere Person delegiert und dieser Anweisungen gibt.“

Wer nicht hilft, macht sich sogar strafbar. Im § 323c des Strafgesetzbuches heißt es:
„(1) Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“

Der gefährlichste Fehler

Der gefährlichste Fehler – da sind sich Bohnen und Rockmann einig – ist, gar nichts zu tun. „Am häufigsten falsch gemacht wird, dass gar nichts gemacht wird, aus der Angst heraus, etwas falsch machen zu können. Wenn Ersthelfer sich trauen, an Verletzte heranzugehen, und aktiv Hilfe zu leisten, sind sie erfahrungsgemäß sehr behutsam und schädigen keine Verletzten,“ so Bohnen.

Rockmann stimmt zu und ergänzt: „Bei einem leblosen Menschen können Ersthelfende keinen Fehler machen, denn toter als tot geht nicht. In so einem Fall kann man nur noch versuchen, ihn wieder ins Leben zurückzuholen.“ Wie diese Erste Hilfe im Idealfall ablaufen sollte, wird in den Leitlinien des Deutschen Rats für Wiederbelebung beschrieben. Einer der wichtigsten Aspekte ist: Hilfe holen. „Man muss von jedem Menschen – ob er jetzt Arzt ist oder nicht – erwarten können, dass er an der Situation nicht achtlos vorbeigeht, sondern sich involviert, die 112 wählt und sich kümmert, bis professionelle Hilfe kommt.“

Lebt der Verletzte noch, kann man natürlich auch etwas falsch machen. Bei einem Unfall sofort mit der Ersten Hilfe zu beginnen, ist etwa so ein Fehler. Denn grundsätzlich haben Absicherungs-Maßnahmen und der Eigen- und Fremdschutz Vorrang vor Maßnahmen am Betroffenen. Bei Starkstromunfällen oder Gasunfällen beispielsweise kann man außer einen Notruf absetzen nicht viel tun, ohne sein eigenes Leben zu gefährden. Es gilt immer folgende Reihenfolge: Schützen – Melden – Helfen. Ein fataler Fehler ist, aus Angst, etwas falsch zu machen, einen Reanimationspflichtigen nicht wiederzubeleben. Denn jede Massage ist besser als keine. Selbst eine Mund-zu-Beatmung ist nicht unbedingt notwendig. Tipp: Beatmungstücher nehmen die Scheu davor, einen Fremden mit dem Mund zu beatmen und minimieren zudem das Risiko einer Infektion.

Gedächtnisstützen für den Notfall

Hilfreich für solche Notfälle sind sicherlich kleine Gedächtnisstützen mit den wichtigsten Sofortmaßnahmen. Im Internet findet man hierzu Faltpläne und Übersichten unterschiedlichster Anbieter, die Interessierte sich ausdrucken und im Geldbeutel oder Handschuhfach des Autos mitführen können. Aber auch Erste Hilfe-Apps wie z. B. die des Deutschen Roten Kreuzes oder die Kindernotfall-App der Barmer und der Johanniter-Unfallhilfe können in Notfall-Situationen den Helfenden unterstützen. „Die Apps sind eine gute Ergänzung und Möglichkeit für die schnelle Unterstützung. Sie können aber einen Erste-Hilfe-Lehrgang nicht ersetzen, da das praktische Training fehlt“ so Bohnen.

 

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Übersicht: Handeln im Notfall (© ADAC)

Üben im Team

Informationen über Erste Hilfe auf Internetseiten (Rockmann empfiehlt die des Europäischen Rates für Wiederbelebung) einzuholen, ist ein guter Anfang, sollte aber nur der erste von vielen Schritten sein, um sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Insbesondere niedergelassenen Ärzten legt Rockmann Praxiskurse ans Herz, da die Wahrscheinlichkeit eines Notfalls in der Praxis am höchsten ist. Angeboten werden solche Kurse unter anderem von der Kassenärztlichen Vereinigung. „Diese Kurse stellen weniger die medizinische Therapie, sondern das Zusammenwirken der Mitspieler in den Vordergrund. Das halte ich für sehr sinnvoll,“ sagt Rockmann und ergänzt: „Ich glaube, dass allein die Beschäftigung mit dem Thema Angst abbaut.“

56 Wertungen (4.79 ø)

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17 Kommentare:

12) Danke Herr Pohlmann. Für ich treffen Sie den Nagel auf den Kopf. Falls Sie mal einen Referenten brauchen zum Thema “Hilfe! Wo ist mein RTW?” – Ich stelle mich gerne kostenlos zur Verfügung, was natürlich nicht als Kritik an den RD gedacht ist. Ich glaube, das ist ein Murphy’sches Gesetz: Hast du einen Notfall an einem Ende des Landkreises, so ist der RTW mit Sicherheit gerade am anderen Ende des Landkreises. Erschwert wird dies ganze im Winter dann noch durch Schnee und Glatteis. Die ganzen Episoden würden aber die Kommentargrenzen sprengen. Und an alle zur Beruhigung: Solange ich noch aktiv in der Patientenbehandlung tätig war, habe ich jedes Jahr einen HLW-Kurs absolviert, jetzt in der Regel alle zwei Jahre. Der letzte Kurs vor knapp 10 Tagen

#17 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

@Daniela Bulach-Friedel – Die aktuellen Richtlinien finden Sie unter: https://www.grc-org.de/downloads/Leitlinien-2015-Kompakt.pdf

Zu Ihren Fragen:
Weiß ich denn in dem Moment noch, wars 15 zu 2 oder 30 zu 2?
-> Das ist letztlich ziemlich egal, solange Sie tief und schnell genug den Brustkorb eindrücken. Dazu müssen Sie kurz über dem unteren Ende des Brustbeins die Handballen aufsetzen, Ihren Po von den Hacken abheben und sich mit stramm durchgestrecknen Armen weit über den Partienten lehnen. Dann mit Ihrem vollen Gewicht ~ 2 x pro Sekunde komprimieren. (Ich bevorzuge als Taktgeber den Radetzkymarsch, andere mögen “Staying Alive”:) Die Beatmung können Sie auch weglassen, wenn Sie das verunsichert, so wichtig ist das bei Erwachsenen nicht.

Beatmungsmaske, so ist die denn und wie ging das nochmal? (in den Kursen wurde mal angesprochen, dass es so etwas gibt)? Ist der jetzt unter oder über 18?
-> Lassen Sie bloß die Finger von Hilfsmitteln jeglicher Art, das ist nur sinnvoll, wenn man damit regelmäßig übt. Das einzige, was ich bei Laienhelfern evtl. empfehlen würde, sind Beatmungstücher, um Hemmschwellen abzubauen.

Darf ich nun den Kopf nach hinten kippen
-> Nicht bloß dürfen, sondern ganz dringend müssen! Selbst wenn Sie sich sonst nichts zutrauen, machen Sie bitte auf jeden Fall das. An dieser Empfehlung wird sich auch ganz sicher niemals etwas ändern!

(ab welchem Alter war das nochmal?) oder das Kinn nur nach vorne schieben (wie bei Kindern)?
-> Bei Erwachsenen wird bis zum Maximum überstreckt, bei Kindern sanft/leicht, bei Babys gar nicht.

Und wieviel Luft blase ich da nun rein, wie war die Regel nochmal für die verschiedenen Altersstufen?
-> Für Erwachsene atmen Sie selber ganz normal ein und beatmen dann die Menge, die Sie normalerweise ausatmen. Die Menge, die Sie unter Streß ohne nachzudenken normal einatmen, ist perfekt richtig dosiert für Beatmung. Bei Kindern reicht es, die Hälfte auszuatmen, bei Babys nur soviel Luft, wie ein kleiner Seufzer.

Und Kinder atmen doch schneller, wie schnell
-> Das ist ziemlich egal. Der wichtige Unterschied ist, daß bei Kinder die Beatmung wichtiger ist als die Herzmassage. Egal, was los ist, beatmen Sie das Kind 5 x, bevor Sie irgendetwas anderes tun. Häufig ist die Gefahr damit schon gebannt.

und weit rein muss ich da nochmal bei wem drücken. Bei Erwachsenen mit Handballen, aber bei Kindern wüßte ich nicht mehr, mit wieviel Fingern in welchem Alter…
-> Falls bei Kindern eine Herzmassage nötig erscheint, merken Sie sich nur, daß der Brustkorb nicht viel weiter als bis zur Hälfte zusammengedrückt werden sollte. Wie Sie das anstellen, ist ziemlich egal. Erfahrungsgemäß reicht bei Kindern dafür meist eine Hand und bei Säuglingen reichen zwei Finger. Man kann Säuglinge auch mit den Händen umfassen und mit den Daumen drücken. Machen Sie das nach Gefühl unter Sichtkontrolle, dann paßt das schon..

in allen Kursen habe ich gehört: Hauptsache, ich mache überhaupt etwas. Aber Mensch, irgendeine andere Aussage gabs da doch auch mal bei Helm auf, wenn jemand irgendwie atmet, aber vielleicht eine Wirbelsäulenverletzung oder ein SHT? Soll ich den nun besser abziehen oder nicht? V.a., wenn er noch atmet…
-> Es geht dabei nicht darum, ob der noch atmert, sondern um die Gefahr, an Erbrochenem zu Ersticken, die bei jedem Bewußtlosen besteht. Solange der Helm drauf ist, kann man diese Gefahr nicht abwenden. Wichtig ist beim Abnehmen des Helms die Halswirbelsäule unter Zug zu setzen, damit die nicht verdreht oder abgeknickt wird. Dafür nimmt man den Kopf in die Hand und schiebt den Kopf, bzw. bei zwei Helfern zieht einer mit beiden Händen und der andere nimmt den Helm ab.

Nochwas: Niemand erwartet, daß ein Laienhelfer die aktuellsten Leitlinien kennt. Hintergrund von Leitlinienänderungen ist, daß man bei der Auswertung von x-tausend Einsätzen manchmal feststellt, daß eine andere Methode ein klein bißchen besser funktionieren könnte. Machen Sie sich da keinen Kopf drum, sowas betrifft vor allem Ausbilder und Rettungspersonal. Bezüglich Laien waren die Änderungen der letzten Zeit übrigens überwiegend Vereinfachungen, die nicht zu besseren, sondern zu leichter anwendbaren Varianten führen sollten. Die einzige Änderung, die wirklich eine wichtige medizinische Verbesserug darstellt, ist die Vorgabe, schon bei gestörter Atmung zu reanimieren und nicht erst bei Atemstillstand.

BTW: Jeder Rettungsleitstellenmitarbeiter wird sich freuen, wie ein Schneekönig, wenn er Sie in einer Notfallsituation über Telefon anleiten darf. Einfach die 112 wählen und dann den Anweisungen folgen. Solange Sie sich daran erinnern, wird alles gut.

#16 |
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Psychotherapeutin

>Infoblatt des ADAC: Dort ist fälschlicherweise immer noch von “Atemstillstand” >die Rede anstelle von beeinträchtigter/gestörter Atmung.
Die offiziellen >Empfehlungen wurden vor einiger Zeit dahingehend geändert, weil es schlicht >falsch wäre zu warten, bis jemand gar nicht mehr atmet, bevor man mit der >Reanimation beginnt.

Und genau das ist m.M. nach das Problem. Ich bin kein Arzt, aber in einem helfenden Beruf. Ich mache immer wieder ErsteHilfe-Kurse – Kinder/Erwachsene. Lange her hieß es mal, man solle mit einem Spiegel prüfen, ob derjenige noch atmet. Jetzt die o.g. Aussage – in den letzten 2 Kursen war m.W. nur von Atemstillstand die Rede.
Gilt denn das nun auch sicher wirklich, was oben gesagt wurde?

Also es gibt in den Kursen teilweise widersprüchliche Informationen, was denn nun anscheinend (gerade) gilt. Die Regeln haben sich außerdem generell geändert – im Urlaub kam ich dann als Ersthelfer an einen Unfallort. Und war froh, dass der Mensch geatmet hat und ansprechbar war. Weiß ich denn in dem Moment noch, wars 15 zu 2 oder 30 zu 2? Beatmungsmaske, so ist die denn und wie ging das nochmal? (in den Kursen wurde mal angesprochen, dass es so etwas gibt)? Ist der jetzt unter oder über 18? Darf ich nun den Kopf nach hinten kippen (ab welchem Alter war das nochmal?) oder das Kinn nur nach vorne schieben (wie bei Kindern)? Und wieviel Luft blase ich da nun rein, wie war die Regel nochmal für die verschiedenen Altersstufen? Und Kinder atmen doch schneller, wie schnell und weit rein muss ich da nochmal bei wem drücken. Bei Erwachsenen mit Handballen, aber bei Kindern wüßte ich nicht mehr, mit wieviel Fingern in welchem Alter… in allen Kursen habe ich gehört: Hauptsache, ich mache überhaupt etwas. Aber Mensch, irgendeine andere Aussage gabs da doch auch mal bei Helm auf, wenn jemand irgendwie atmet, aber vielleicht eine Wirbelsäulenverletzung oder ein SHT? Soll ich den nun besser abziehen oder nicht? V.a., wenn er noch atmet…
Also, ich wäre im Notfall trotz mehrerer Kurse weiter eher unsicher.
Werde sobald möglich also nochmal einen Kurs machen.

>wären hier die Interessen des Motorradfahrers höher zu werten, der >offenbar in höchster Lebensgefahr schwebt. Da die Unfallstelle bereits >abgesichert ist, könnten sie anhalten, ohne die Kinder dem Risiko eines >Verkehrsunfalls auzusetzen. Bleibt nur der Umstand, daß die Kinder etwas >von dem Geschehen mitbekommen würden. Das kann belastend sein, mehr >aber auch nicht. Man kann die Kinder in einigem Abstand zum Geschehen >lassen und einen der weiteren anwesenden Ersthelfer bitten

Also ich bin mir da nicht so sicher, ob das so einfach ist:
Mein Kinder, selbst der 2-Jährige, z.B., da bin ich mir eher sehr sicher, würden sich spätestens nach ein paar Minuten abschnallen (Neugier, Durst, Helfen wollen, Angsthaben…) oder abschnallen lassen vom Geschwister und dann entweder das Fenster runterkurbeln und die Tür von außen öffnen – und über diesen Trick die Kindersicherung ausschalten. Oder nach vorne klettern. Und wenn sich dabei dann hoffentlich nicht versehentlich die Handbremse löst, vorne über die Fahrertür aussteigen… die geht normal genau zur Straßenseite hin. D.h. ich könnte sie keinesfalls weit weg parken, dann hätte ich sie nicht im Auge. Und auch ansonsten ist da eine ziemliche Gefahr… nicht immer ist so ein Unfall auf einem wenig befahrenen Feldweg.

Mein Grosser kam mit schon aus seinem Maxicosi alleine raus. Und später konnte er sich – egal bei welchem Sitz – unter dem Tisch durchzwängen. Und inzwischen kann er sich alleine aus jedem Sitz abschnallen. Kinder sind alle unterschiedlich, da kann man nicht generell sagen, dass da nichts passieren würde.

Und wenn es z.B. im Sommer sehr heiß im Auto ist, muss ich während der ersten Hilfe auch überlegen, ob sie nicht überhitzen im Auto (das kann ja im schlimmsten Fall schon nach ein paar Minuten sein). Und im Winter, ob es noch nicht schon zu kalt geworden ist.

Und wenn man hilft und mit der Hilfe-Situation alleine dann schon etwas überfordert ist, ob man da dann auch noch die geistigen Kapazitäten hat, die Übersicht zu bewahren und zwischen 2 Situationen hin- und herzuschalten und die Zeit richtig einzuschätzen?

Bei keinem der Fälle/Unfälle, die ich miterlebt habe, war übringens jemals ein anderer Helfer am Start. Entweder nachts um 2 Uhr lag jemand mitten auf der Straße (damals war ich als Frau im Stockdunkeln mit dem Auto alleine unterwegs und bin trotz Risiko ausgestiegen, um einem Mann zu helfen, der sich dann “nur” als betrunken herausstellte und den ich an die Seite ziehen und dann Hilfe holen konnte) oder es fühlte sich niemand anders berufen. Oder wir sprachen nicht dieselbe Sprache.

#15 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

@Olaf Pohlmann: Bei der Vorstellung, daß Rettungsdienstler Notfallpatienten ganz ohne Equipment versorgen müssen, mußte ich schmunzeln. Ähnlich dürfte es bei den Arztkollegen sein. Als ich vor einiger Zeit von einem Notfall im Park beim Sport berichtet hatte, wurde von eben diesen neben Blutzuckermessung (“Ist hier zufällig ein Diabetiker anwesend?”) unter anderem auch das Legen einer Thoraxdrainage empfohlen. Allernötigstenfalls hätte ich es mit einem Taschenmesser und einer Kugelschreiberhülse versuchen können – aber wirklich nur im äußersten Notfall …;) Geholfen hätte es eh nix, der Mann hatte einen plötzlichen Herztod, dem dann sehr gut mittels HLW entgegengewirkt werden konnte – ganz ohne Equipment.^^

#14 |
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Roman Haack
Roman Haack

Kommentar #7 war natürlich etwas polarisierend. Leider nur eine Rückmeldung, aber vielen Dank dafür an Fr. Diederichs (der ich zustimme). Gemeint war Folgendes: Gerade bei Autobahnunfällen muss die Abwägung innerhalb weniger Sekunden getroffen werden. In dieser Zeit ist die unerwartete Situation zu realisieren und es ist die Entscheidung zum Anhalten zu treffen. Kommen Bedenken ins Spiel, ist die Situation schnell räumlich und mental “außer Sichtweite”, oder neue Bedenken hinsichtlich der Etablierung einer weiteren Unfallquelle (v.a. wenn kein Seitenstreifen vorhanden ist) kommen zum Tragen. Die regelmäßige Fortbildung führt grundsätzlich zu einer Neubefassung mit dem Thema Nothilfe, was in der akuten Situation zu einer schnelleren Abwägung und mit höherer Wahrscheinlichkeit zu einem tatsächlichen Eingreifen führen dürfte. Für die hier vertretenen RA’n und NÄ ist das natürlich nicht relevant, für die meisten anderen aber schon. Auch deshalb war dies ein wirklich gutes Thema.

#13 |
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Rettungsassistent

Guter Artikel! Kann ein guter „Augenöffner“ sein!
Bei den Kommentaren bekomme ich allerdings das Gefühl, dass wir „Rettungsdienstler“ in dieser Hinsicht über allem stehen. Denken meine Kollegen das wirklich? Vermutlich wären es hier 10/10 die sich für befähigt halten. Und auch hier wird die Praxis etwas anderes zeigen! Habt ihr schon mal eine Fortbildung „Hilfe! Wo ist mein RTW?“ gemacht? Ihr werdet euch wundern. Also bitte, nicht immer diese Kasten-Diskussionen!
Erste Hilfe unterscheidet sich nun mal von Notfall- und Allgemeinmedizn. Das müssen wir zur Kenntnis nehmen (dafür dieser gute Artikel) und uns alle immer wieder fortbilden und schulen. Bestenfalls ohne schlechtes Gefühl einer Schwäche sondern mit breiter Brust!

#12 |
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Heilpraktikerin

Zum Thema “Zustand nach ÄBD”, vor allem mal ein Denkanstoß für die Rettungsdienstkollegen: Wir sehen im Dienst nur die Patienten, die eben vom ärztlichen Notdienst nicht suffizient versorgt werden (können). Bei der Einsatztaktung in so manchem Zuständigkeitsbereich ist wohl davon auszugehen, dass der Rettungsdienst 90% der Patienten nicht zu Gesicht bekommt, eben weil es der ÄBD allein in den Griff bekommt.
Und ansonsten …qualitätsmäßig so´ne und und solche gibt es wohl in jeder Profession…

#11 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

Kleine Anmerkung zum Infoblatt des ADAC: Dort ist fälschlicherweise immer noch von “Atemstillstand” die Rede anstelle von beeinträchtigter/gestörter Atmung. Die offiziellen Empfehlungen wurden vor einiger Zeit dahingehend geändert, weil es schlicht falsch wäre zu warten, bis jemand gar nicht mehr atmet, bevor man mit der Reanimation beginnt. Richtig ist es genau andersherum: Atmet der Patient tief und regelmäßig? Wenn nein, soll der Ersthelfer reanimieren. Da die Bedeutung der Thoraxkompressionen inzwischen weit über die der Beatmung gestellt wird in der Laienreanimation, bedeutet das für die Empfehlungen, daß Ersthelfer bei gestörter Atmung Thoraxkompressionen anwenden sollen, bis die Rettungsdienstler übernehmen. Diese sehr klaren und eindeutigen Vorgaben sollen außerdem dazu beitragen, die Unsicherheiten und Hemmungen auf Seiten der Laienhelfer zu verringern, weil diese so den klaren Auftrag bekommen, ausnahmslos bei jeder Atemstörung Thoraxkompressionen anzuwenden, ohne vorher Art und Schwere der Beeinträchtigung bestimmen zu müssen.

Daß Erfühlen von Puls bzw. Herzschlag wird richtigerweise nicht angeführt. Das ist auch schon deutlich länger aus den Empfehlungen raus, weil viel zu fehleranfällig und meist überflüssig.

#10 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

@Roman Haack: Schönes Beispiel für einen Interessenskonflikt. Aus meiner Sicht wären hier die Interessen des Motorradfahrers höher zu werten, der offenbar in höchster Lebensgefahr schwebt. Da die Unfallstelle bereits abgesichert ist, könnten sie anhalten, ohne die Kinder dem Risiko eines Verkehrsunfalls auzusetzen. Bleibt nur der Umstand, daß die Kinder etwas von dem Geschehen mitbekommen würden. Das kann belastend sein, mehr aber auch nicht. Man kann die Kinder in einigem Abstand zum Geschehen lassen und einen der weiteren anwesenden Ersthelfer bitten, sich um die Kinder zu kümmern und diese auf Abstand zu halten. Im Anschluß kann man mit den Kindern die Situation nachbesprechen und ihnen damit etwas über die Wichtigkeit von Nothilfe vermitteln. Weiterzufahren mit dem Argument, der Motorradfahrer hätte vermutlich ohnehin nur eine geringe Überlebenschance, da wäre es wichtiger, den Kindern diesen Anblick zu ersparen, fände ich selbstgerecht und unsozial.

Es wäre mir auch neu, daß man im Beisein von Kindern nach “allg. Rechtsnormen” grundsätzlich von der Pflicht zur Nothilfe entbunden ist. Das halte ich für eine Fehlinterpretation der Rechtslage. Man könnte in einem solchen Fall durchaus Erste Hilfe leisten, ohne die Kinder übermäßig zu gefährden oder zu belasten, wie bereits beschrieben.

Zum Schuß die Gretchenfrage: Stellen Sie sich vor, ihr Sohn/ihre Tochter wäre der/die verletzte Motorradfahrer(in) und Sie erfahren, daß ein fachkundiger Umfallzeuge vorbeigefahren ist, ohne zu versuchen, ihrem Kind die fürs dessen Überleben unverzichtbare Blutungsstillung zukommen zu lassen, weil ihm das Leben ihres Kindes weniger Wert war als das ungestörte Wohlbefinden seiner eigenen Kinder. Ich vermute, Sie wären außer sich vor Wut und das völlig zurecht.

#9 |
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Hayo Funk
Hayo Funk

In Deutschland braucht jeder der einen Führerschein absolvieren möchte einen Erste Hilfe Kurs welcher ein Training der Wiederbelebung beinhaltet.
Ein Freund von mir arbeitet als Pilot und muss regelmäßig seine Kenntnisse in in diesem Bereich auffrischen.

Für Ärzte gibt es weder eine Pflicht einen Erste Hilfe Kurs zu besuchen,
noch gibt eine Pflicht sich mit dem Thema Wiederbelebung zu beschäftigen.

Als Pilot dürfte man nicht mehr fliegen und einen Führerschein würde man so auch nicht bekommen. Aber für die Arbeit an großen Kliniken reicht das. ; )

#8 |
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Roman Haack
Roman Haack

Ernst gemeinte Detailfrage zu spezifischer Situation: Motorradunfall auf unbeschränkter AB, augenscheinlich leblose Person, Arm (mglw. Von Leitplanke) abgeflext, Unfallstelle bereits abgesichert, Ersthelfer vor Ort, lfd. Reanimationsversuch, allerdings ohne Kompressionsmaßnahmen trotz sichtbar starker Blutung aus vaskulärem System an der Fraktur. Mehrere kleine Kinder im Auto. Welche Reaktion wäre angemessen? Zusätzlich zu mehreren weiteren Ersthelferfahrzeugen anhalten bei geringer Erfolgswahrscheinlichkeit und die Kinder für den Versuch die Situation positiv zu beeinflussen dem Geschehen aussetzen bzw. Möglichen Folgeunfällen, oder es dabei belassen? Allg. Rechtsnormen priorisieren das Kindeswohl. Was wäre nach ethischen Grundsätzen richtig?

#7 |
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Rettungsassistent

Als Berufsretter (NotSan) habe ich den Eindruck, dass sich die “Rettungsgemeinde” oft unangemessen und herablassend sich gegenüber den niedergelassenen Fachärzte auslassen. Rettungs-/Notfallmedizin beinhaltet das Beherrschen vieler Fertigkeiten, die nach der Ausbildung durch Routine und Erfahrung erworben werden. Wo bleibt da die menschliche Betrachtungsweise? Wie soll z.B. meine Augenärztin meines Vertrauens, die ich für eine absolute Koryphäe halte, diese Fertigkeiten erwerben. Diese Frau ist eine Topmedizinerin auf ihrem Gebiet – mir reicht das. Ich würde ihr eine Unsicherheit bei einem Notfall, den sie extrem selten erlebt, niemals vorwerfen. Dafür sind dann Notärzte und Rettungsfachpersonal da. Die machen das regelmäßig – hier darf man Erwartungen haben. Aber Hand auf´s Herz! Klappt da fachlich immer alles so wie es soll? Wird da immer aktuell leitliniengerecht versogt? Ein menschlicher interprofessioneller Umgang mit dem gegenseitigen angemessenen Respekt würde oft auch den betroffenen Patienten helfen. Natürlich gibt es in diesem Zusammenhang Geschichten, die jeder erfahrene Retter erzählen kann. Aber solche Geschichten kann ich auch über Sanis und Notärzte erzählen -leider auch nicht gerade viel weniger. Letztlich hilft es in der Diskussion, in Zeiten der immer mehr geforderten Spezialisierung, vielleicht auch die Erwartungen an sein Gegenüber zu korrigieren und dadurch den Druck etwas rauszunehmen. Eine Erst-Versorgung auf einem Erste-Hilfe-Level ist für alle Mitbürger natürlich anzustreben.

#6 |
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Rettungsassistent

Ich möchte gerne das Kommentar von Herrn Mühlbauer aufgreifen.

Ja, es stimmt wohl, den Begriff ZUSTAND NACH HAUSARZT gibt es vermutlich Bundesweit.
Das liegt nun einmal daran das die Schwerpunkte beider ziemlich verschieden sind.
Von einem Niedergelassem Hausarzt zu erwarten, adäquate und vollumfängliche Notfallversorgung zu leisten geht meiner Meinung nach zu weit.

Nicht umsonst gibt es den Fachkundenachweis für Ärzte, um im RETTUNGSDIENST tätig werden zu dürfen. Das kommt nicht von ungefähr.
Und mal ehrlich, eine vollumfängliche Vorbereitung auf das was der Rettungsdienst zu bieten hat, ist das nun wirklich nicht. Da kann von Glück reden wer seine ersten Gehversuche im Rettungsdienst an der Seite eines besonnenen, erfahrenen Rettungsassistenten bzw. Notfallsanitäters macht.

Was ich allerdings sehr wohl von JEDEM ARZT erwarten kann, sind die Grundlagen der Erst Versorgung UND Diagnostik. Das kann und darf man von jedem erwarten, der Medizin studiert hat und geschworen hat Menschen zu helfen. Da muss es auch schon mehr als die gemeine Erste Hilfe sein. >>Stichwort Garant

#5 |
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Rettungsassistent

Ich möchte gerne das Kommentar von Herrn Mühlbauer aufgreifen.

Ja, es stimmt wohl, den Begriff ZUSTAND NACH HAUSARZT gibt es vermutlich Bundesweit.
Das liegt nun einmal daran das die Schwerpunkte beider ziemlich verschieden sind.
Von einem Niedergelassem Hausarzt zu erwarten, adäquate und vollumfängliche Notfallversorgung zu leisten geht meiner Meinung nach zu weit.

Nicht umsonst gibt es den Fachkundenachweis für Ärzte um im. RETTUNGSDIENST tätig werden zu dürfen. Das kommt nicht von ungefähr.
Und mal ehrlich, eine vollumfängliche Vorbereitung auf das wad der Rettungsdienst zu bieten hat, ist das nun wirklich nicht. Da kann von Glück reden wer seine ersten Gehversuche im Rettungsdienst an der Seite eines besonnenen, erfahrenen Rettungsassistenten bzw. Notfallsanitäters macht.

Was ich allerdings sehr wohl von JEDEM ARZT erwarten kann, sind die Grundlagen der Erst Versorgung UND Diagnostik. Das kann und darf man von jedem erwarten, der Medizin studiert hat und geschworen hat Menschen zu helfen. Da musd es auch mehr als die gemeine Erste Hilfe sein. Stichwort Garant.
Aber wo ist die Grenze?
Was kann ich erwarten, was ist definitiv zu viel?
Genau da ist so unglaublich viel Raum für Missverständnisse und Vorurteile.
Die einzige Möglichkeit diesem Problem entgegen zu wirken ist, über seinen eigenen Schatten zu springen und sich die Gegenseite mal anzuschauen.
Gerne auch mal praktisch.
Und das.GILT FÜR BEIDE SEITEN.
Es ist sooo leicht über andere, besonders andere Fachbereiche zu Urteilen wenn man keine Ahnung hat wie es dort abläuft.

Ich verstehe sehr gut, dass nach dem Studium, mit frischem Wissen, klinischer Erfahrung, die Bereitschaft zu helfen sicher größer ist, als nach 20 Jahren in der eigenen Praxis. Das darf aber nicht als Vorwand geltend gemacht werden.
Für andere Berufe darf man das gerne vorbringen, sich zu sehr spezialisiert zu haben, aber nicht als Mediziner.
Das gilt bis über das Berufsende hinaus, Menschen zu helfen, auch in akuter Not.
Und da darf man ich als Bürger auch erwarten das ein Arzt sich eigenständig darum bemüht, auf dem laufenden und in Übung zu bleiben.

Vorurteile können wir auf keiner der beiden Seiten gebrauchen, Eigeninitiative und Offenheit dagegen schon.

#4 |
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Rettungsassistent

Ich finde es sehr gut, dass dieses Thema aufgegriffen wird, da ich aus der Praxis zumindest subjektiv bestätigen kann, dass es einigen Ärzten an praktischer Erfahrung in Notsituationen fehlt.

Es gibt genug Möglichkeiten, sich auch als Arzt fit zu halten ohne sich die Blöße des Nichtwissens geben zu müssen.
In den meisten Rettungsdienstbereichen werden Fortbildungen zusammen mit der Ärzteschaft abgehalten. Sich hier einzuklinken ist häufig sogar sehr gerne gesehen.
Außerdem baut es Missverständnis an der Schnittstelle Arzt /Rettungsdienst ab.

Ein Arzt in einem regulären EH Kurs würde sicher für Gesprächsstoff bei den Teilnehmern sorgen. Nicht immer hilfreich.
Die angesprochenen InHOUSE Kurse sind eine sehr gute Sache.

Ich persönlich würde die Umfrage sehr gerne noch etwas detaillierter gestellt sehen.
Wer der befragten verfügt über Erfahrungen in der regelmäßigen Notfallversorgung, wer kennt “nur” seinen Praxisalltag?
Das würde sicher für mehr Transparenz bei der Umfrage sorgen.

Oliver Debbert
Hauptberuflicher Rettungsassistent

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Sicher manches richtig. Die Notfallrettung in den Bundesländern ist unterschiedlich geregelt. Wir haben die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin, so dass man davon ausgehen kann, dass zumindest die Notärzte auch privat erste Hilfe leisten können. Wenn allerdings ein leitender Notarzt, der privat einer Verletzten beisteht, von einem Rettungsassistenten wortlos beiseite gedrängt wird, vergeht auch einem Arzt die Lust auf Erste Hilfe. Wir haben ja die Hilfsfristen im Rettungsdienst.

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Gesundheits- und Krankenpfleger

8 von 10 Ärzte sagen ja.
Nun liebe Ärzte da seid ihr aber ganz schön von euch überzeugt.
Gratulation.
Leider ist die Realität ganz anders auch wenn das jetzt viele verneinen.

Ich weiss von was ich rede ich war 25 Jahre als hauptamtlicher Rettungsassistent und ex.Krpfl in Bayern tätig und habe in hunderten von Einsätzen teils mit niedergelassenen Ärzten und Bereitschaftsärzten gearbeitet.

Wissen sie wie man Einsätze nennt wo vorher ein Bereitschaftsarzt tätig wurde und dann den RD alarmierte und wieder zum nächsten Pat. fuhr obwohl der Pat. aufgrund seiner Erkrankung o. Verletzung keinesfalls hätte allein gelassen werden dürfen?

Z.n. ABD Ärztlicher Bereitschaftsdienst.

Ich spreche den Ärzten nicht ihre med. Kompetenz im Klinikdienst oder im Praxisdienst ab, nein selbstverständlich nicht aber sollte ich z.b. einen schweren Verkehrsunfall erleiden und ich könnte mir aussuchen wer kommt dann ziehe ich erfahrene Rettungsassistenten einem Haus o. Bereitschaftsarzt vor.
Deshalb sage ich 8 von 10 Ärzten mögen sich zwar vorstellen sie könnten adäquat helfen aber wie alles im Leben. aber auch auf die Praxis kommt es an.
Man möge mir die Majestätsbeleidigung verzeihen die keine war und auch nie eine sein sollte und bitte es richtig zu verstehen

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