Die gefährliche Extraportion Fruktose

12. April 2018

Zum Süßen verarbeiteter Lebensmittel wird in den USA häufig ein Fruktose-Glukose-Sirup aus Mais verwendet. Er steht im Verdacht, den Anstieg von Stoffwechselerkrankungen zu verursachen. Seit dem Wegfall der Zuckerquote befürchten Experten ähnliche Entwicklungen in Europa.

Der Einfachzucker Fruktose (Fruchtzucker) ist derzeit ein großes Thema in Medienberichten, insbesondere bei Verbrauchersendungen. Der Grund ist das seit letztem Herbst beschlossene Ende der Zuckerquote innerhalb der EU.

Vom in Deutschland verkauften Zucker mussten 85 Prozent aus der Produktion innerhalb der EU bezogen werden. Durch das Wegfallen dieser Quote wird sich der Zuckermarkt verändern. Die neue Situation ermöglicht es den Bauern, unbegrenzt Zucker (Saccharose) und Isoglukose herzustellen. Bei der Saccharose, die hierzulande aus der Zuckerrübe gewonnen wird, ist das Verhältnis von Glukose und Fruktose stets 1:1. Der Sirup Isoglukose wird aus Stärke erzeugt. Wie bei der Saccharose handelt es sich um ein Gemisch aus Glukose (Traubenzucker) und Fruktose, doch kann hier der Fruktosegehalt herstellungstechnisch variiert werden.

Zahlreiche Untersuchungen der letzten Jahre geben Hinweise darauf, dass der übermäßige Verzehr von Fruktose zur Entwicklung von metabolischen Krankheiten bis hin zum metabolischen Syndrom beiträgt. Adipositas, Dyslipidämie, Insulinresistenz, Diabetes mellitus und Hypertonie werden als Folgen beschrieben. In den USA wird Isoglukose seit langem zum Süßen von der Lebensmittel- und Getränkeindustrie genutzt. Äußerst kontrovers ist dort die Debatte darüber, ob Fruktose beziehungsweise Isoglukose die Ursache für den starken Anstieg stoffwechselerkrankter Menschen sein könnte. Ohne Zuckerquote mahnen Ernährungsexperten nun, dass auch in Europa die Isoglukose dem Haushaltszucker den Rang ablaufen und zu einem gesundheitlichen Problem werden könnte.

Gesunden und ungesunden Zucker gibt es nicht

Generell hatte Fruchtzucker lange das „Saubermann-Image“ unter den Einfachzuckern, denn schließlich kommt die Süße doch aus Obst und Früchten. Die positive Wahrnehmung innerhalb der Bevölkerung hat sicher auch die Sonderstellung der Fruktose für Diabetiker bedingt. Fruktose lässt mit einem glykämischen Index (GI) unter 20 im Gegensatz zur Glukose und Saccharose den Blutzucker nur gering ansteigen. Denn Fruktose wird im menschlichen Körper insulinunabhängig verstoffwechselt. Als natürliche Zuckerart ist Fruktose nicht zulassungspflichtig. Im Vergleich zur Saccharose hat Fruktose zudem eine deutlich höhere Süßkraft.

Broteinheit: abgeschafft

Wegen dieser Eigenschaften wurde Fruktose für Menschen mit Diabetes mellitus jahrzehntelang als gesunde Alternative zum Süßen empfohlen und in den allermeisten industriell hergestellten Produkten für Diabetiker eingesetzt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät jedoch bereits 2009, von dieser Sonderstellung der Fruktose Abstand zu nehmen. Sie untersuchten die bis dato vorhandenen Studien zum Konsum von mit Fruktose gesüßten Lebensmitteln und Getränken und kamen zu dem Ergebnis, „dass Fruktose keine Vorteile hat und der Einsatz nicht zu empfehlen ist. Entsprechend hält das Institut auch die Auslobung von Lebensmitteln als ‚für Diabetiker geeignet‘ für verzichtbar.“ Aufgrund der damals neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse wurde die Verordnung über diätetische Lebensmittel 2010 geändert. Seitdem müssen Lebensmittel für Diabetiker nicht mehr speziell gekennzeichnet sein und bedürfen keiner besonderen Rezeptur. Die Angabe der Broteinheit (BE) wurde damit abgeschafft. Führende Fachverbände wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und der Verband für Diätik und Ernährung e. V. bekräftigten die Änderungen. Diabetespatienten hätten durch die alte Verordnung oftmals ungerechtfertigt teure Produkte konsumiert. Viel wichtiger für Erkrankte seien individuelle Ernährungspläne unter Einbezug der Medikation sowie eine ausgewogene Vollwertkost.

Dass das Dogma des „gesunden Zuckers“ mittlerweile nicht mehr haltbar ist, bestätigt auch der Diabetologe Matthias Riedl in der NDR Verbrauchersendung MARKT: „Fruchtzucker oder Fruktose hat vom Wortsinn her ein umheimlich gesundes Image. Aber genau das Gegenteil ist der Fall“. Riedl bezeichnet Fruchtzucker als „Drama für unsere Gesundheit“. Vor allen Dingen in Light-Produkten wird Fruktose gerne genutzt, wie der Beitrag außerdem zeigt.

 

Fruktoseabbau läuft ungebremst und endet im Fettaufbau

Um zu verstehen, wie Fruktose krank machen kann, hilft es, sich den  Stoffwechselweg etwas genauer anzuschauen. In Deutschland gelangt die Fruktose noch hauptsächlich aus Saccharose in den Körper. Im Dünndarm spaltet die Saccharase das Disaccharid zu Glukose und Fruktose. Letztere wird hauptsächlich über das GLUT-5 Transportprotein in die Blutlaufbahn aufgenommen und über die Pfortader in die Leber transportiert. Für Fruktose alleine gibt es keinen Abbauweg. Wie bei vielen anderen Kohlenhydraten ist das Ziel deshalb, Fruktose so umzuwandeln, dass sie in die Glykolyse eingeschleust werden kann. Das geschieht in der Leber über den Fruktose-1-phosphat-Weg. Dabei entstehen am Ende 2 Pyruvat und 2  ATP.

Über die Pyruvat-Dehydrogenase-Reaktion wird aus dem Pyruvat der Glykolyse Acetyl-CoA gebildet, welches im Citratzyklus zu ATP, CO2 und Elektronen verbrannt werden kann. Acetyl-CoA dient jedoch auch als Vorstufe für die Synthese von Fettsäuren und Triacylglyceriden. Bei wenig Fett im Blut und sehr hoher Kohlenhydratzufuhr triggert Insulin die Lipogenese. Eine solche Kohlenhydratmast spielt vor allem bei Nutztieren eine Rolle. Aber auch beim Menschen läuft es so ab, wenn man zu viele Kohlenhydrate beziehungsweise Zucker isst. Die übermäßig neu gebildeten Fette führen zur Entstehung von Viszeralfett und auf Dauer zu Adipositas. Können sie auch nicht mehr schnell genug an das Blut abgegeben werden, erfolgt die Einlagerung im Lebergewebe. Es kommt zur sogenannten nicht-alkoholischen Fettleber, begleitet von oxidativem Zellstress und entzündlichen Prozessen.

Was die Situation umso schwieriger macht ist, dass der Fruktoseabbau in der Leber keinerlei Regulierung unterliegt. Der Schritt der Glykolyse mit dem wichtigsten regulatorischen Enzym Phosphofructokinase wird beim Fruktose-1-Phosphat-Weg umgangen. Beim Abbau von Glukose hingegen inhibiert Citrat die Phosphofructokinase. Ist genügend von der ersten Zwischenstufe des Citratzyclus in der Zelle vorhanden, ist dies das entscheidende Signal den Glukoseabbau zu stoppen. Bei der Fruktose fehlt diese Rückkopplung, der Abbau zu Pyruvat läuft ungebremst. So gibt es laufend Nachschub für die Synthese von Fetten.

Fruktose macht nicht satt und schädigt Organe

Die Hauptabbauprodukte der Fruktose sind Glukose, Lactat, freie Fettsäuren, Low Density Lipoproteine, Harnsäure und Methylglyoxal. Sie stehen im Verdacht, viele Organe zu schädigen. Vor allem der übermäßige Dauerkonsum wird derzeit kritisch hinterfragt. Ursprünglicherweise war die Fruktose aufgrund der schnellen, weil passiven und unregulierten, Verstoffwechselung eine sehr gute Energiequelle. Vor allem in Zeiten von Nahrungskarenz und großen energiezehrenden Wanderungen hat Fruktose den Menschen, und immer noch den Wildtieren, das Überleben in der Natur erleichtert. Heute, in Zeiten des Überflusses, des Konsums von industrieller Nahrung und ungenügender körperlicher Aktivität wird dieser Vorteil womöglich zu einem metabolischen Problem.

Studien an Nagern und Menschen haben außerdem gezeigt, dass Fruktose neuronale Regelkreise und kognitive Fähigkeiten verändern kann. Beispielsweise wurde die Ausschüttung des appetitanregenden Hormons Ghrelin in Ratten gesteigert. Bei Glukose war das nicht der Fall. Der Traubenzucker war zudem im Vergleich zum Fruchtzucker in der Lage, eine Sättigung bei Menschen hervorzurufen. Die Reduktion der Aktivität bestimmter Appetitzentren im Gehirn war dafür entscheidend, wie funktionelle Magnetresonanz-Untersuchungen zeigten.

Fruktose sorgt für Probleme im Darm

Mittlerweile weiß man auch, dass Fruktose im Überfluss einen ungünstigen Einfluss auf die Darmflora des Menschen hat. Für einen gesunden Organismus sind Zusammensetzung und Funktion der kommensalen Darmbakterien essentiell. Sie produzieren Vitamine und unterstützen das Immunsystem gegen Pathogene. Sie verdauen Ballaststoffe, dadurch entstehen unverzichtbare kurzkettige Fettsäuren, die die Tight Junctions der Darmwand verdichten. Die Ernährung des Wirtes spielt für den Fortbestand dieser wichtigen Partnerschaft eine tragende Rolle. Im Falle einer fruktosereichen Ernährung konnte man beispielsweise in in vivo Studien zeigen, dass Bifidobacterium und Lactobacillus signifikant reduziert wurden.

Die Veränderung des Speziesmusters im Darm führt demnach zu einer gestörten Symbiose mit weitreichenden Folgen. Proinflammatorische Spezies entzünden die Mucosa, wodurch deren Integrität so stark sinkt, dass pathogene Bakterien und deren Endotoxine in die Blutbahn gelangen und die Leber entzünden. Im schlimmsten Fall kommt es zur nicht-alkoholischen Steatohepatitis oder gar zur Zirrhose. Durch den löchrigen Darm gelangen zudem erhöhte Metabolitmengen in den Kreislauf. Noch mehr Fruktose kann einströmen. Das verstärkt zusätzlich die Fettablagerungen in der Leber mit den genannten Stoffwechselstörungen. Es wird deutlich, dass die Verdauungsvorgänge im Darm im engen Zusammenhang mit Organfunktionen stehen. Um das beschriebene Krankheitsbild zu vermeiden, wird empfohlen, sich mit Ballaststoffen und Pro/Prebiotika zu ernähren und regelmäßig körperlich aktiv zu sein.

Bisherige Studienlage uneindeutig

Bei der aktuellen Studienlage gibt es eine sehr große Kontroverse darüber, inwiefern Fruktose für all die beschriebenen Erkrankungen alleine verantwortlich gemacht werden kann. Kritik gibt es unter anderem daran, dass die bisherigen Studien sich zu sehr auf Tierexperimente beschränken und vor allem, dass das Studiendesign unrealistisch in Bezug auf die menschliche Ernährung sei. Gegner der sogenannten „Fruktose-Hypothese“ sind davon überzeugt, dass Fruktose nicht schädlicher ist als andere Zucker und dass ein Missbrauch nicht gefährlicher ist als der von anderen Nährstoffen. Sie finden, dass die meisten Experimente nur wenig Aussagekraft haben, weil dort extreme Überdosen von Fruktose eingesetzt werden. Dies entspreche nicht dem normalen Verzehrverhalten von Menschen und sei daher ungeeignet, um daraus gesundheitspolitische Empfehlungen abzuleiten. Sie sehen alleine eine gesteigerte Zufuhr der Gesamtkalorien als Ursache für die gestiegenen Zahlen von Adipositas und Co. in den USA.

Die Unterstützer der Fruktose-Hypothese bekräftigen, dass es vor allem mehr klinische Studien braucht. Diese sollten mindestens vier Wochen dauern und vorgegebene Ernährungsprotokolle beinhalten. Viele bisherige Studien untersuchten den Verzehr unterschiedlicher Fruktosegehalte zusätzlich zu einer unkontrollierten ad libitum Ernährung der Probanden. Dabei ist es folglich schwierig, die beobachteten Effekte ausschließlich einem bestimmten Nährstoff zuzuschreiben. Was sie jedoch auch beanstanden, ist, dass Studien, die Fruktose als harmlos einstufen, teilweise Industrie finanziert sind und daher Interessenkonflikte aufwerfen. Einige Autoren erhalten beispielsweise finanzielle Förderung von großen Getränkeherstellern oder Lebensmittelunternehmen, oder würdigen den Beitrag von Mitarbeitern aus der Maissirup-Industrie zu ihrer Veröffentlichung.

Eine Lawine aus Maisstärke

Die aktuelle Debatte entflammte besonders durch neue marktordnungsrechtlichen Bestimmungen für Zucker (Saccharose) und Isoglukose in der EU. Zum 30. September 2017  haben sich die zuständigen EU-Organe für ein Auslaufen der Zuckerquote entschieden. Damit soll die Regulierung des Zuckersektors zukünftig marktwirtschaftlichen Impulsen unterliegen. Konkret gefallen sind seitdem die jährliche Begrenzung für die erzeugten Mengen, die Mindestpreise für Zuckerrüben sowie die bisher erhobene Produktionsabgabe. Man erwartet durch diese Maßnahmen, dass der in der EU produzierte Zucker günstiger wird und Importe nachlassen. Die Bauern können so viel produzieren wie sie mögen, so wird ein Wettbewerb ermöglicht.

Wie bisher eher für die USA oder Kanada, sehen Mediziner nun auch Probleme für Europäische Verbraucher. Vor allem im Fall der Isoglukosequoten. Bei Isoglukose handelt es sich um einen Sirup, der aus Stärke gewonnen wird. Darin enthalten sind Glukose und Fruktose.  Im Laufe der Stärkeverzuckerung lässt sich das Glukose/Fruktose Verhältnis sehr einfach variieren. Die Stärke wird zunächst enzymatisch in Glukose-Monomere zerlegt, welche dann in beliebiger Konzentration mit Hilfe einer Isomerase in Fruktose umgewandelt werden. Ab einer Konzentration von über 50 Prozent Fruktosegehalt wird das Erzeugnis als Fruktose-Glukose-Sirup bezeichnet. Je mehr Fruktose der Sirup enthält, desto süßer wird er. Isoglukose wird in den USA hauptsächlich aus Maisstärke hergestellt und deshalb als high-fructose-corn-syrup (HFCS) bezeichnet. Schon seit den 1970ern wird er dort intensiv zum Süßen von Speisen und vor allem Softdrinks eingesetzt. Im Gegensatz zur Saccharose aus Rüben ist Isoglukose leichter zu verarbeiten, besser zu transportieren, preiswerter und süßer. Seit der Einführung ist der Anteil bei den kalorischen Süßmitteln in den USA bis auf aktuell 50 Prozent gestiegen. Als wichtiger Grund dafür wird gesehen, dass der Maisanbau in den USA stark subventioniert wird. Das macht die Maisstärke und damit auch die Isoglukose extrem günstig.

Der Ablauf der Zuckerquote und seine Folgen

In der EU war der Marktanteil bisher gesetzlich auf fünf Prozent beschränkt. Seit dem Wegfall der Quote darf auch Isoglukose unbegrenzt produziert werden. Im unten verlinkten SWR-Odysso-Beitrag schätzt Marlen Haß vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft ein, was das für die jährlichen Produktionsmengen bedeutet: „Heute werden in der EU 720.000 Tonnen Isoglukose produziert und wir gehen davon aus, dass nach dem Wegfall der Quote die Isoglukoseproduktion in der EU ansteigen wird, und zwar auf ein Niveau von ein bis zwei Millionen Tonnen.“

„Durch den Wegfall der Zuckerquote wird bewirkt, dass vermutlich mehr Fruktose als Süßungsmittel verwendet wird als bisher. Diese Fruktose in so hohen Mengen hat gesundheitliche Risiken, die wir in Zukunft genau beobachten müssen“, erklärt Ernährungsmediziner Prof. Stefan Bischoff von der Universität Hohenheim seine Bedenken zu dem prohpezeiten Anstieg. Dass der Isoglukose-Marktanteil Ausmaße wie in den USA annimmt, stellt Dr. Yelto Zimmer vom Thünen-Institut zumindest in Frage. Trotz der günstigen Produktionskosten wären technisch bedingt eher 30 Prozent realistisch. Inwiefern die Rübenzucker-Erzeuger ihr Produkt beispielsweise durch Preissenkungen weiterhin auf dem Markt verteidigen werden, bleibt zudem abzuwarten.

Der Konsument weiß nicht, was er kauft

Die momentan am häufigsten benutzten Isoglukose-Varianten enthalten entweder 42 Prozent (für Lebensmittel) oder 55 Prozent (für Softdrinks) Fruktose. Hier gehen Experten von einer gleichwertigen ernährungsphysiologischen Wirkung wie beim normalen Haushaltszucker aus, da das Verhältnis Glukose/Fruktose annähernd 1:1 ist. Das Max Rubner-Institut erklärt dazu: „Die Auswirkung der Isoglukose auf die menschliche Gesundheit ist vergleichbar mit der Saccharose und anderen fruktosehaltigen Zuckern wie Honig oder Invertzucker. Bei zu hoher Zufuhr, d.h. deutlich mehr als 10 Prozent der Gesamtenergie, insbesondere über zuckergesüßte Getränke, besteht ein Zusammenhang mit Übergewicht und Typ 2-Diabetes, welcher vermutlich über eine positive Energiebilanz vermittelt wird.“ Es gibt aber auch eine Isoglukose-Variante mit 90 Prozent (HFCS-90) Fruktose. Durch den extrem hohen Fruktosegehalt ist diese Form vermutlich am bedenklichsten. Momentan wird sie noch selten, wenn dann eher für Light-Produkte, eingesetzt. Doch wie kann der Verbraucher überhaupt wissen, wieviel Fruktose im fertigen Produkt vorhanden ist? Momentan ist es mit der gesetzlich vorgeschriebenen Nährwerttabelle nicht genau herauszufinden. Dort wird Fruktose mit allen anderen Zuckern zusammengefasst angegeben, denn: „Diese „Zuckerangabe“ umfasst alle Ein- und Zweifachzucker im Lebensmittel, egal ob diese zugesetzt oder von Natur aus in den Zutaten enthalten sind.“ Ob ein Hersteller die 90-prozentige Isoglukosevariante in seinem Produkt verwendet hat, kann man letztendlich nur durch direktes Nachfragen herausfinden.

Je weniger zugesetzter Zucker, desto besser

Grundsätzlich schadet es nicht, wenn man sich mit den Inhaltsstoffen verarbeiteter Lebensmittel oder Getränke auseinandersetzt. Ein Blick auf die Zutatenliste genügt zumindest, um zu sehen, welcher und wieviel Gesamtzucker in einem Produkt enthalten ist. Wenn beispielsweise „Fruktose“ unter den Zutaten aufgelistet ist, weiß man, dass reine Fruktose zum Süßen genutzt wurde. Die WHO empfiehlt, dass der Verzehr von zugesetzten Mono- und Disacchariden nicht mehr als 50 Gramm täglich betragen sollte. Besser wäre noch eine Reduktion auf 25 Gramm täglich. Dies würde erheblich dazu beitragen, das Risiko für Übergewicht, Fettleibigkeit und Karies zu verringern. Auf natürlich vorhandene Zucker in frischem Obst, Gemüse und Milch bezieht sich die Empfehlung der WHO nicht. Es gebe bisher keine Belege dafür, dass solche Zucker einen negativen Effekt haben. Je nach Sorte enthält Obst natürlicherweise Fruktose, Glukose und Saccharose.

Fruchtsäfte fallen stark ins Gewicht

Spitzenreiter sind Apfel und Birne, die doppelt soviel Fruktose wie Glukose enthalten. Wegen der starken Süßkraft der Fruktose werden diese beiden Sorten bei der Fruchtsaftherstellung bevorzugt als Basissaft eingesetzt. Bei Fruchtsäften oder Konzentraten wird generell zur Mäßigung geraten, weil sich hier Zuckeranteile aus mehreren Früchten aufsummieren. Ein einziges Glas Apfelsaft besteht beispielsweise aus sechs Äpfeln und enthält circa 25 Gramm Zucker. Fertige Smoothies bestehen ebenfalls zum Großteil aus Saft und enthalten daher große Mengen an natürlichen Zuckern. Ähnlich verhält es sich mit fertigen Obstbreien (Quetschies) für Kleinkinder.

„Deshalb sollten Sie Obst nicht trinken, sondern essen und dabei auch die Menge beachten“, erklärt Diplom-Oekotrophologe Nicolai Worm. Der Professor an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement ist der Meinung, dass es sonst durch die hohen Mengen an Fruchtzucker zu Schäden kommen kann. Ab 50 Gramm täglich könne die Leber schon überfordert sein. Übrigens enthält der momentan so populäre Agavendicksaft hauptsächlich Fruktose und sogar mehr Kalorien als Haushaltszucker. Reissirup wäre eine Alternative ganz ohne Fruktose.

Solange sich die verzehrte Fruktosemenge innerhalb der täglich empfohlenen Referenzmenge der WHO orientiert, besteht kein Grund zur Sorge. Vor allem nicht, wenn der Fruchtzucker auf natürlichem Wege über frisches Obst konsumiert wird. Denn so erhält der Körper nicht nur Zucker, sondern auch alle anderen wertvollen Fruchtbestandteile wie sättigende Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine und Mineralien.

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17 Kommentare:

… Fortsetzung :
…. Eine Ernährungsampel wäre zumindest schon mal ein Anfang.Solange es Menschen gibt, die glauben, dass Wurst viel Vitamine enthält (abgesehen vom Konservierungsstoff Vit.C) oder dass Milchschnitte und Knoppers ein gesundes Frühstückchen sind oder auch, dass klebriger Apfelsaft und gesüßter Kräutertee auf jeden Fall besser für ihr Kind sind als Wasser und Ungesüßtes, müssen bildhafte Warnungen / Aufklärung her… alles folgende ist Eigenverantwortung. Die Nachfrage bestimmt die Produktion.

#17 |
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Irgendwie verstehe ich gerade grundsätzliches nicht :
1) Zuviel (soll heißen extrem widernatürlich) ist immer zuviel ! Egal welcher Stoff, ob Eiweiß, Zucker oder Fett, egal aus welcher Quelle … der gängigere Spruch dafür ist : die Dosis macht das Gift. Aus diesem Artikel könnte man fast schließen, dass es gefährlich ist Obst zu essen …
2.) Warum reguliert man irgendwelche Produktions- und Einfuhrquoten , statt zu sagen in Lebensmitteln dürfen halt nur soundsoviel Prozent oder soundsoviel Gramm maximal frei verfügbarer Zucker, Fett ect. enthalten / verarbeitet sein ? Macht man ja schließlich bei Pestiziden auch ! Dann reguliert sich das am Markt von allein durch die (vermutlich dann verringerte) Nachfrage, weil nicht unkontrolliert verarbeitet werden kann. Und bei den Lebensmittel, bei denen es sich nicht vermeiden lässt, ungesund zu arbeiten (zB. Bei der fetten Schweinshaxen mit überzuckerter Barbecue Sauce oder auch leckeren Süßigkeiten) MUSS natürlich eine klare, unmissverständliche Kennzeichnungspflicht (oder sogar Verzehrwarnung ?) her, die deutlich macht , was man da so fröhlich in sich hineinkippt. Dazu gehört auch die max. Verzehrmenge pro Tag ( wäre dann bei der Schweinshaxe höchstens 1/7 der dargebotenen Menge

#16 |
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Nichtmedizinische Berufe

Das sollte sich unsere neue Ministerein einmal durchlesen, ehe sie ihre ungqualifizierte persönliche Meinung im Fernsehen zum besten gibt: Yichen Zhong, Amy H. Auchincloss, Brian K. Lee, Genevieve P. Kanter. The Short-Term Impacts of the Philadelphia Beverage Tax on Beverage Consumption. American Journal of Preventive Medicine, 2018; DOI: 10.1016/j.amepre.2018.02.017

#15 |
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@ David Aßmann: “…des Mediums nicht würdig.” Genitiv

#14 |
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David Aßmann
David Aßmann

Es wäre toll, wenn man bei journalistischen Artikeln die Grundregeln der Grammatik beachten würde.

Diabetespatienten ist ein Kompositum und wird zusammengeschrieben, “Diabetes Patientin” ist ein klassisches Deppenleerzeichen und dem Medium nicht würdig.

#13 |
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Heilpraktikerin

Sehr geehrter Hr Dr Landau,
Genauso sehe ich das auch.
Man sollte weder etwas essen, noch trinken, was aus einer Raffinerie stammt (Mehle, Zucker, Salz, Öl etc),
noch gequetschtes Obst trinken.
Beim Einkauf kann man sich wirklich nur noch wundern, was der Industrie alles einfällt und was dann auch noch für sehr teures Geld gekauft wird.
Aber gegen Dummheit hat bekanntlich noch nie was wirklich gewirkt.
Das bezieht sich nicht nur auf die hier genannten Obst-Smoothies, auch die Kräuter-u. Gemüse-Smoothies sind nicht besser.
Versuchen Sie mal 5-6 Möhren und 1kg Grünzeug zu essen. Es wird Ihnen nicht gelingen, aber trinken geht.
Von Überdosis kann nicht die Rede sein.
Wenn 1 Möhre so gesund ist, wie gesund sind dann erst 5-6 oder mehr.
Wenn man sich dann auch noch die Menge an Spritzmittel, Pestiziden oder Dünger vorstellt, die sich ja auch multipliziert, ist das richtig lecker.
Eigentlich ist es mal wieder verwunderlich, was der Körper alles verkraften kann bevor Krankheit eintritt.

#12 |
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@ #7: Als ich “Tee” schrieb habe ich Kräutertees nicht grundsätzlich ausgeschlossen ;-)
Aber, da ich nun mal gerade am Zug bin: wenn ich so durch einen Supermarkt gehe und mir anschaue, was da so alles angeboten – und demnach wohl auch grob quantitativ konsumiert – wird, tut mir manchmal vom Kopfschütteln die Nackenmuskulatur weh: ganze Regale mit Zuckermist, riesige gefrorene Fleisch- und Wurstmengen, letztere, wie Ketchup, Fertigmenus usw. dann auch wieder Zucker enthaltend (siehe #8)- Die Zuckergetränke kommen ja noch hinzu. – Ja wie dumm und fehlprogrammiert muss da eine große Menge Menschen sein – trotz jahrzehntelanger Aufklärung! (Ich bin 80 und habe vor über 40 Jahren mal einen Preis der Zahnärztekammer für Gesundheitsaufklärung, Thema Zucker, erhalten).

#11 |
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Nichtmedizinische Berufe

@#7, Herr Dr. Landau: Sie haben Kräutertees vergessen. Diese können auch täglich genossen werden.

#10 |
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P.S. Sehr schöner Artikel, Frau Küsel – Danke!

#9 |
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Interessant ist in diesem Kontext auch eine neue US-Studie, in der “in vivo” die Verstoffwechslung von Isotopen-markierter Fructose per Massenspektrometrie untersucht wurde. Es zeigte sich, dass die relativ geringen Fruktosemengen aus einer üblichen Portion Obst gar nicht über den Pfortaderkreislauf zur Leber gelangen, sondern bereits in der Darmmukosa nahezu komplett (~90%) zu Glukose und organischen Säuren (Glycerat, Laktat) abgebaut werden. Wenn aber große Fructosemengen (Säfte, Softdrinks, Fertigprodukte etc.) konsumiert werden, übersteigt das die maximale Clearance der Darmmukosa und der Fruktose-Überschuß wird via Pfortadersystem zur Leber transportiert, wo dann die Verstoffwechselung mit all den beschriebenenn Negativfolgen (Lipogenese etc.) ihren Lauf nimmt. Eine weitere Bestätigung: Die Menge machts und schon heute finden sich in Produkten, in denen man es nie erwarten würde (Kochschinken, Salami, Lebenwurst) teils erhebliche Mengen zugesetzter “Industrie-Fructose”.
(Quelle: Abstract zu genannter Studie: http://www.cell.com/cell-metabolism/fulltext/S1550-4131%2817%2930729-5)

#8 |
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“Obst nicht trinken sondern essen!” – Das ist die einfache Formel, die man Kindern schon in der Kita beibringen sollte. Trinken sollte man nur (Mineral-)Wasser; Tee und Kaffee allenfalls alternativ. Auch Milch ist ein Nahrungsmittel. Bier und Wein sind Genussmittel und sollten nur sehr maßvoll (1 Glas und nicht jeden Tag) “genossen” werden.

#7 |
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Nichtmedizinische Berufe

Der Beitrag wirft sehr wichtige Fragen auf. Er sollte eigentlich begrüßt werden. Er zeigt teils das große Gefahrenpotential von Fruktose und Isoglukose (sofern sie einen höheren Anteil an Fruktose zu Glukose als 1:1 hat) als Nahrungsmittel für die menschliche Gesundheit auf. Dann kommt plötzlich die Wende: „Bisherige Studienlage uneinheitlich.“ „ … nicht schädlicher als andere Zucker.“ Und alles was vorher gesagt wurde, ist nun vergessen? Selbst bei einer Überschrift wie beispielsweise „ Ist Fruktose schädlicher als andere Zucker?“ wäre dieser Schwenk nicht gerechtfertigt. Belege dafür wurden von der Autorin schon angeführt. Gewiss hätte dies auf der Grundlage vorhandener wissenschaftlicher Literatur exakter und überzeugender geschehen können (war vielleicht auch nicht gewollt?). Nun ist aber wieder alles offen und der unwissende Kunde kann erst einmal wieder alles verzehren, kann erkranken, … Es müssen erst Studien her, damit es auch bewiesen ist. Da stellt sich aber schon die Frage nach der Art des Herangehens an diese Studien. Da können Fragestellungen und Bedingungen so formuliert (konstruiert) werden, dass es viele Jahre dauern kann, und man immer wieder zu neuen sich einander widersprechenden Studienergebnissen kommen kann (erinnern Sie sich an „Sinn und Unsinn von klinischen Studien“? In der englisch-sprachigen Fachpresse gibt es mehr und bitter überzeugende Beispiele). So lange soll nun verzehrt, erkrankt und gestorben werden?

Der Homo sapiens ist ein Produkt der Evolution. Er hat sich immer vorwiegend von Fett, Eiweiß, wenigen Kohlenhydraten und darunter so gut wie kaum von Zucker ernährt. Ein paar Waben mit Honig von Wildbienen, ein paar Tropfen von Nektar, ein paar Zuckermoleküle von Wildäpfeln, Holzbirnen oder Beeren. Da konnte sich wohl keine nicht-alkoholische Steatohepatitis bilden. Zucker in Mengen wie wir es heute in Lebensmitteln zu tun haben – das ist men-made! Das ist keine Natur! Auch nicht, wenn ein Zucker Fruchtzucker heißt. Für Glukose gibt es Regulationsmechanismen im Stoffwechsel. Glukose ist auch nicht so selten, immerhin ist sie ein Monomer des gesamten Kohlenhydratstoffwechsels. Für Fruktose fehlen diese Mechanismen. Sie kam in der Evolution einfach nie in solchen Mengen vor, dass eine Regulation erforderlich gewesen wäre.

Unter diesen Umständen ist Ihr Beitrag irreführend. Erklärt nichts in der Diskussion, er schürt nur Widerspruch. Das war sicherlich nicht Ihre Absicht. Doch können solche Fragen nur unter Einbeziehung breiterer Aspekte verstanden und gelöst werden. Als Biologe bedaure ich den Gang dieser Diskussion.

#6 |
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Mitarbeiter Industrie

Zitat “Die Hauptabbauprodukte der Fruktose sind Glukose, Lactat, freie Fettsäuren, Low Density Lipoproteine, Harnsäure und Methylglyoxal”

Wie soll aus Fruktose (C6H12O6) Harnsäure C5H4N4O3) enstehen?
Da fehlt wohl der Stickstoff.

#5 |
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Dr. Hans Stange
Dr. Hans Stange

In Saccharose (Haushaltszucker) sind je ein Molekül α-D-Glucose und β-D-Fructose über eine α,β-1,2-glycosidische Bindung verbunden. In den Zellen wird sie in Umkehr der Synthesereaktion durch das Enzym Saccharose-Synthase mit UDP zu UDP-Glucose und Fructose gespalten. Also auch hier 50 % Fruktose…..

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Dr. rer. nat. habil. Willibald Schliemann
Dr. rer. nat. habil. Willibald Schliemann

hertsellungstechnisch varriert werden. – hier ist herstellungstechnisch zuviel variiert worden.

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Heilpraktiker

Man wird zunehmend mit diesen geschilderten Folgen konfrontiert werden. Wir werden mit einem erhöhten Isoglukose-Zusatz in Lebensmitteln in Zukunft zu rechnen haben, denn er steigert den Profit z.B. der Getränke-Industrie. Von einer besonderen Deklaration der Isoglukose in Lebensmitteln ist mir nichts bekannt.
Frau Klöckner hat sich vor wenigen Tagen im Zusammenhang mit der Beschränkung von Zuckerzusätzen in Erfrischungsgetränken gegen diese geforderte Beschränkung stark gemacht. Sinngemäß sagte sie, wir würden in einem freien Land leben und jeder Bürger könne selbst entscheiden, was er zu sich nehmen will.
Dass eine Ministerin in Berlin angesichts des stetigen Anstiegs der Gesundheitskosten einen solchen abartigen Schmarrn absondert, erschüttert den Glauben an die Bekenntnisse der neuen Regierung, zum Wohle der Menschen zu arbeiten zu wollen, schwer.

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Dipl. Sportwissenschaftler Wolfgang Scheer
Dipl. Sportwissenschaftler Wolfgang Scheer

Danke für diesen gut recherchierten Beitrag!

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