Zwergfadenwurm: Vernachlässigter Parasit

29. Juli 2013
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Eine Studie liefert nun erstmals ein umfassendes Bild zur weltweiten Verbreitung des Zwergfadenwurms Strongyloides stercoralis. Die neuen Daten verstärken die Dringlichkeit, diese Parasitenerkrankung medizinisch zu beachten und den Zugang zur Behandlung zu verbessern.

Der Zwergfadenwurm Strongyloides stercoralis ist ein weltweit verbreiteter Wurm mit einer Vorliebe für heiße und feuchte Klimazonen. Schlechte sanitäre Einrichtungen begünstigen seine Übertragung auf den Menschen. Medizinisch findet der Zwergfadenwurm wenig Beachtung. Zwergfadenwurminfektionen gehören daher in die Gruppe der sogenannten vernachlässigten Krankheiten.

Eine Studie des Schweizerischen Tropen- und Public Health Instituts (Swiss TPH), das mit der Universität Basel assoziiert ist, zeigt nun zum ersten Mal eine Gesamtübersicht zur weltweiten Verbreitung von Strongyloides stercoralis. Die aus unterschiedlichen Quellen zusammengetragen Daten werden auf einer Weltkarte präsentiert. Die neuen Resultate, welche in der Fachzeitschrift „PLOS Neglected Tropical Diseases“ veröffentlicht wurden, zeigen einen hohen Verbreitungsgrad in der allgemeinen Bevölkerung in verschiedenen tropischen und subtropischen Ländern. In Thailand beispielsweise leidet ein Viertel der Bevölkerung an einem Befall mit dem Zwergfadenwurm, in Argentinien gar mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Zusätzlich zeigt die Studie auch, dass gewisse Risikogruppen besonders anfällig für eine Wurmübertragung sind, wie zum Beispiel Patienten mit HIV/AIDS oder Alkoholiker.

Gefahr durch unbehandelte Infektionen

Eine Erstübertragung des Zwergfadenwurms auf den Menschen findet über die Berührung mit Erde statt. Der Wurm dringt durch die intakte Haut in den Körper ein und erreicht über Blutbahn, Herz, Lunge und Luftröhre den Darm. Dort entwickeln sich die Würmer zur Geschlechtsreife und pflanzen sich direkt fort. Diese so genannte Autoinfektion im menschlichen Darm kann bei Nichtbehandlung zu einer lebenslangen Wurminfektion führen. Bei geschwächtem Immunsystem, wie beispielsweise bei der Einnahme von Kortikosteroiden, können sich Fadenwürmer vom Darm in sämtliche Organe ausbreiten. Dies führt häufig zum Tod.

Die Studie dokumentiert zum ersten Mal die hohe Verbreitung dieser Wurminfektion weltweit. „Medizinische Interventionen in Ländern mit starker Fadenwurmverbreitung sind dringend notwendig“, unterstreicht Studienleiter Peter Odermatt die publizierten Daten. Obwohl die Diagnose einfach und billig ist, werden die spezifischen Tests in den betroffenen Ländern viel zu wenig angewendet. Zudem ist das wirksamste Medikament gegen Fadenwürmer in vielen Ländern unerschwinglich. Die Studie weist auch auf Infektionen insbesondere bei Migranten aus Entwicklungsländern hin. So haben beispielsweise mehr als 70 % der in Kanada ankommenden Migranten aus südlichen Ländern eine Zwergfadenwurminfektion. Diese bleibt meistens unentdeckt und somit auch unbehandelt.

Originalpublikation:

Strongyloides stercoralis: Global Distribution and Risk Factors
Peter Odermatt et al.; 

PLOS Neglected Tropical Diseases, doi: 10.1371/journal.pntd.0002288; 2013

32 Wertungen (4.59 ø)

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4 Kommentare:

Dr. med. Richard Gronemeyer
Dr. med. Richard Gronemeyer

Die kursorische Darstellung sensibilisiert Ärzte nicht. Wünschenswert ist die Darstellung der Epidemiologie, Leitsymptome, Erregernachweis (mikroskopisch, serologisch?) und der Therapie und Prophylaxe.

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S. Müller
S. Müller

Ein sog. Plenk gibt es in Deutschland nicht! Ein Dr. sollte das wissen.
Weder vor das Frage- noch vor das Ausrufezeichen gehören nach den Regelungen zur deutschen Sprache (nach DIN 5008).

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Dr. Sabine Bessey
Dr. Sabine Bessey

@ s. Müller : Es gbt leider Leute, die sind so verbohrt in ihrer Anti-Impf-Weltanschaung, dass sie zu jedem Thema, egal um was es geht, einen entsprechenden Kommentar abgeben müssen. Wahrscheinlich wird das Impfen auch noch für das Wetter verantwortlich gemacht.
Medizinisch sachliche Kommentare sehen anders aus !
Und was , bitte, ist so schlecht an der Diagnose und Therapie einer häufigen und sicher auch nicht ungefährlichen Parasitenerkrankung ?

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Stefan Müller
Stefan Müller

Ja, nun sollte man wirklich mal diese Spezies ausrotten, die Masernimpfung bringt nicht genug ein, denn kaum einer läßt sich dagegen impfen…

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