Keine Angst von Nadeln

19. März 2010
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Akupunktur zählt in Deutschland zu den am häufigsten alternativ eingesetzten Therapieverfahren der traditionellen chinesischen Medizin. Das große Interesse, aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen sowie die Nachfrage vieler Patienten machen auch Medizinstudenten neugierig auf dieses Feld der chinesischen Medizin.

Akupunktur ist ein Teilgebiet der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), einem der ältesten medizinischen Diagnose- und Heilverfahren der Welt. Ihre Anfänge liegen 6000 bis 8000 Jahre zurück. Die ersten bekannten Textbücher sind über 2000 Jahre alt. Die Therapiemethoden der TCM werden weltweit an jährlich etwa 800 Millionen Menschen auch außerhalb Chinas angewendet.
Die Akupunktur erzielt nach heutigem Kenntnisstand ihre Wirkung im Körper aufgrund verschiedener Mechanismen. Maßgeblich ist vor allem die Bildung von körpereigenen Substanzen (Endorphinen) und Nerven-Überträger Substanzen (Neurotransmittern). Diese Substanzen wirken schmerzlindernd und psychisch entspannend. Allerdings kann die Akupunktur nur heilen, was gestört ist, nicht aber, was zerstört ist. Unerwünschte Nebenwirkungen gibt es bei richtiger Durchführung der Akupunktur fast gar nicht. Es können aber in vereinzelten Fällen Unwohlsein, Schwindel, Kopfschmerzen oder lokale Schmerzen auftreten.

Die letzte Hoffnung

Immer mehr Menschen geben sich deshalb vor allem aufgrund chronischer Beschwerden in Akupunkturbehandlung. Besonders Rückenschmerzen verschiedenster Art, aber auch Migräne, chronischen Entzündungen im HNO-Bereich oder Allergien sollen oftmals mittels Akupunktur behandelt werden. Für Patienten, die unter derartigen Erkrankungen leiden, ist diese Form der fernöstlichen Therapie nicht selten die letzte Hoffnung, da keine klassische schulmedizinische Behandlungsmethode Erfolg bringend war.

Angebot für Medizinstudenten

Chinesische Medizin und insbesondere Akupunktur sind jedoch keine wesentlichen Bestandteile des deutschen Medizinstudiums. Viele Universitäten bieten aber bereits Kurse, Seminare oder Praktika zum Themenschwerpunkt traditionelle chinesische Medizin und Akupunktur an. An der Johann-Wolfgang-Goethe Universität in Frankfurt a.M. wurde beispielsweise durch den Fachbereich Allgemeinmedizin ein Akupunktur Seminar ins Leben gerufen, das von verschiedenen Ärzten und Ärztinnen aus der Region abgehalten wird. Hier sollen die Studierenden einen Einblick in die theoretischen Grundlagen der Akupunktur sowie in die praktische Handhabung der Nadeln erhalten.

Auch die Johannes-Gutenberg Universität in Mainz bietet eine Vorlesung zu Theorie und Praxis der traditionellen chinesischen Medizin an. Auch viele andere Universitäten sind diesem Beispiel mittlerweile gefolgt.
Seit September 2009 existiert zudem von der Deutschen Gesellschaft für Akupunktur (DÄGfA) eine Akupunktur Sommer Akademie für Medizinstudenten. Hier sollen die Wirkmechanismen und Therapiemöglichkeiten der Akupunktur in Theorie und Praxis erarbeitet werden. Die Tutoren der DÄGfA sind Ärzte, die in der Lehre und Forschung tätig sind.

Eine weitere Möglichkeit sich schon während des Studiums mit der Akupunktur auseinander zu setzten sind Famulaturen. Diese können natürlich sowohl im Ausland, beispielsweise in China oder Taiwan, aber auch in Deutschland bei speziellen Fachärzten für Akupunktur absolviert werden.

Auch wenn man als Medizinstudent in Deutschland noch wenige Berührungspunkte mit dem Thema Akupunktur hat, so ist diese alternative Heilmethode doch auf dem Vormarsch und gewinnt nun auch immer mehr Einzug in die Universitätsmedizin.

11 Wertungen (3.36 ø)
Allgemein

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4 Kommentare:

Arzt

Ich finde den Trend erschreckend…
Wissenschaft wird durch Populismus beeinflusst.

#4 |
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Bettina König
Bettina König

In Deutschland, wie in großen Teilen der restlichen Welt regiert nach wie vor das Prinzip des Positivismus nach Auguste Comte – Erkenntnis beschränkt sich auf die Interpretation positiver Befunde.
Für Akupunktur und “traditionelle Chinesische Medizin” greift dieses Prinzip nicht, denn ihre Wirksamkeit wurde nie bewiesen.
Keiner Streitet den Placebo-Effekt solcher Methoden ab! Der Glaube kann eben Berge versetzen.

Aber verschwendet eure Zeit doch nicht mit solchen Dingen – es gibt wichtigeres tun.

Wie so oft trifft die “Marburger Erklärung”:
http://www.cdkev.de/aufsaetze_vortraege/sonstiges/marburger_ek/marburger_ek.htm

#3 |
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zu Nr. 2. Ich hoffe sehr, dass die Universitäten in diesem Bereich umdenken, und zwar in dem Sinne, auch Ärzten klar zu machen, das man in 5 Wochen nicht die Akupunktur erlernt hat, sondern lediglich einen kleinen Einblick in die Technik bekommen hat! Wer sich wirklich damit beschäftigt wird erkennen müssen, das ein guter Akupunkteur mehr als nur 5 Wochen in Beijing benötigt. Ich finde es im Moment äußerst abschreckend, wenn Ärzte schnell mal ein Akupunktur-Wochenende einschieben, um damit Ihr Praxisangebot zu erweitern und lediglich erreichen wollen, das Patienten bleiben und nicht zu einem guten Alternativmediziner ausweichen.

#2 |
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Auch in Tübingen bietet der Lehrbereich Allgemeinmedizin gemeinsam mit dem studentischen Arbeitskreis für integrative Medizin einen Akupunktur-Kurs für die Studierenden der klinischen Semester an. Das Interesse der KommillitonInnen ist groß und das Feedback der Teilnehmenden sehr positiv. Als Orga-Team des Akupunktur-Kurses sind wir mit dieser Entwicklung zufrieden und denken, dass viele weitere Verfahren der integrativen Medizin der wissenschaftlichen Überprüfung standhalten können. Ebenso erfreulich ist die wachsende Zahl Medizinstudierender, die es geschafft haben integrative Verfahren mit einem kritischen Blick, jedoch ohne Scheuklappen zu betrachten und sich damit auseinanderzusetzen. Ihre zukünftigen Patienten erwarten schließlich fachkundige, neutrale Auskünfte über diese Therapieverfahren.
Beste Grüße aus Tübingen!

#1 |
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