Hat es das IMPP versaut?

19. März 2010
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Am 11. und 12. März 2010 war es mal wieder soweit: fast 4.000 Medizinstudenten aus ganz Deutschland stellten sich den kniffligen Fragen des ersten Staatsexamens. Nur hatten nicht alle dieses Vergnügen, da es Fehler bei der Herstellung der Aufgabenhefte gab und ein paar Fragebogen fehlten.

Das Physikum, das aus 320 Fragen aus den Themengebieten: Anatomie, Biologie, Biochemie, Chemie, Medizinische Psychologie, Physik und Physiologie besteht, führt bei Studenten regelmäßig zu Aufregung und steilen Sorgenfalten im überarbeiteten Gesicht. Es geht schließlich um die Zulassung in den klinischen Teil der medizinischen Ausbildung, da darf man sich keine Patzer erlauben.
Dieses Frühjahr war die Aufregung im und um das Physikum aber besonders groß. Durch Fehler bei der Herstellung der Aufgabenhefte erhielten mehrere Studenten unvollständige Fragebögen: einige Seiten waren doppelt vorhanden, andere fehlten dafür. Betroffen waren insgesamt etwa 50 Studenten aus verschiedenen Bundesländern, insbesondere aus Homburg, Frankfurt, Gießen und Mainz. Die Panik, die wohl jeden einzelnen dieser Prüflinge ergriffen hat, als dieser Fehler bemerkt wurde, ist kaum vorstellbar. Dass man nach einem solchen Zwischenfall ohne Konzentrationsverlust eine Prüfung zu Ende schreiben kann ebenfalls nicht.

Feuer gelöscht?

Die Unruhe, die sich an den verschiedenen Prüfungsstandorten ausbreitete, wurde allerdings unterschiedlich bewertet. In Frankfurt und Gießen gab es 15 Minuten mehr Zeit für alle Prüflinge, in Mainz sogar 30 Minuten. Keine Schreibzeitverlängerung gab es hingegen für die Studenten in Homburg. Natürlich wurden die fehlerhaften Bögen so schnell wie möglich ersetzt, von gleichen Prüfungsbedingungen kann man aber wohl kaum noch sprechen.

Wie kann denn so was passieren?

Nun stellen sich natürlich insbesondere alle Betroffenen die Frage: „Wer ist Schuld an dieser Panne? Und hätte sie vermieden werden können?“
Bekanntermaßen werden die Prüfungsbögen vom Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) erstellt und gedruckt. Die Verantwortung für die Durchführung der Prüfung tragen jedoch die jeweils zuständigen Landesprüfungsämter. So entdeckte zum Beispiel das Landesprüfungsamt Baden-Württemberg ein fehlerhaftes Exemplar bei der Überprüfung der Unterlagen und konnte so noch vor Beginn der Prüfung Mängelexemplare aussortieren und seine Studierenden vor möglichen Fehlern in den Prüfungsbögen warnen.

Leider wurde die Mehrzahl der Prüflinge aber völlig von der Situation überrascht, was zugegebener Maßen wohl auch auf die jeweiligen Landesprüfungsämter zutrifft, die sich bislang noch nicht zu den Vorfällen geäußert haben.

Ein solcher Zwischenfall bei der Durchführung eines Staatsexamens ist für alle Betroffenen äußerst ärgerlich. Die Studierenden haben sich schließlich lange und ausgiebig auf diese zwei harten Prüfungstage vorbereitet und hätten einen reibungslosen Ablauf verdient. Uns bleibt nur zu hoffen, dass keinem der Prüflinge durch diesen „Patzer“ ein ernsthafter Nachteil entstanden ist, auch wenn vielen der Schreck sicherlich noch in den Knochen sitzt.

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4 Kommentare:

Es wäre zwar witzig, aber das Eigenlob kam nicht wirklich von mir selber.Ich hatte jemandem den Link geschickt und durch die Tücken des Internets konnte derjenige unter meinem Namen einen Kommentar schreiben…
Also bitte lächeln und auf den Artikel konzentrieren!

#4 |
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Maximilian Micka
Maximilian Micka

Als bereits voll IMPP-geschädigter kann ich nur sagen, daß es sich bei dieser Geschichte um eine weitere Episode in der langjährigen Geschichte der Medizinerverarschung handelt!
Liebe studentische Kollegen, laßt Euch nicht aus der Ruhe bringen! Ihr werdet erkennen, daß weit mehr dazu gehört ein guter Arzt zu sein als an der richtigen Stelle ein Kreuz zu machen. Kontrollsucht und Bürokratismus sowie mangelndes Rückgrat führten zu dieser Form der Prüfung. Profilierungssucht und falsch verstandenes Elitebewußtsein führte zu sinnlosen Fragen um Randnotenwissen. Schlamperei bei der Prüfungsdurhcführung ist daher nur die Spitze des Eisberges.

#3 |
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Empfinde diese formalen Unzulänglichkeiten für die Bedeutung dieser (staatlich-organisierten und absolut erforderlichen) Prüfung für den (bis dato prüfungsunerfahrenen)Studenten als schwerwiegende Störung der (ohnehin stressbelasteten)Prüfungssituation. So etwas kann für den sensiblen Prüfling das Aus bedeuten – wie z.B. einen Wiederholer. Es ist eine unbedachte Leichtfertigkeit mit ggf. existentiellen Konsequenzen für den zu Prüfenden seitens der zuständigen staatlichen Institutionen.
Sehr guter Beitrag zu der aktuellen Situation – sensibles Thema real recherchiert.

#2 |
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Rolf Dietrich Nordmeier
Rolf Dietrich Nordmeier

Naja, für mich hört sich das ein bisschen nach fauler Ausrede und vorschnellen Schuldzuweisungen an. Eine fehlerhafte seite, ein paar Fragen doppelt….was solls. Da gibts halt einen neuen Fragebogen und 15 Minuten extra. Durchfallen sollte man davon wirklich nicht.

#1 |
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