Alzheimer: Forscher entwickeln Bluttest

30. Juli 2013
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Alzheimer eindeutig nachzuweisen, ist bislang schwierig oder gar nicht möglich. Bei der Diagnose handelt es sich meist um ein aufwendiges Unterfangen, bei dem teure Verfahren zum Einsatz kommen. Abhilfe könnte hier ein neuer Bluttest schaffen, den Wissenschaftler nun vorstellen.

Die Forscher der Universität des Saarlandes um Petra Leidinger, Christina Backes und Andreas Keller nutzen hierbei bestimmte Signaturen im Blut, die sie eindeutig der Krankheit zuordnen können. Der Test muss jedoch in der Klinik erst noch erprobt werden.

Biomarker sind Moleküle, mit denen Wissenschaftler und Ärzte unter anderem Erkrankungen diagnostizieren und den Verlauf einer Krankheit voraussagen können. Zu diesen Molekülen zählen auch sogenannte microRNAs. „Hierbei handelt es sich um kleine Nukleinsäuren, die im Blut jedes Menschen vorkommen“, erklärt Petra Leidinger vom Institut für Humangenetik der Universität des Saarlandes. „Für die Medizin sind sie von großem Interesse, weil ihre Zusammensetzung eine spezifische Signatur ergibt, die einer bestimmten Erkrankung zugeordnet werden kann.“

 Ob es auch für Alzheimer ein solch spezifisches microRNA-Muster gibt, haben die Forscher in ihrer aktuellen Studie untersucht. „Wir haben hierfür Blutproben von 100 Alzheimer-Patienten getestet“, berichtet Andreas Keller vom Institut für Humangenetik.

Eindeutige Abgrenzung

„Insgesamt haben wir bei zwölf microRNAs eine andere Zusammensetzung als bei den gesunden Personen der Kontrollgruppe gefunden.“ Das Besondere dabei: Genauigkeit, Empfindlichkeit und Präzision des Tests lagen bei über 90 Prozent – für einen Biomarker ein sehr gutes Ergebnis. „Bis es zur klinischen Anwendung kommt, bedarf es allerdings noch weiterer Untersuchungen“, sagt Cord Stähler, der ebenfalls an der Arbeit beteiligt war. 

Auch Menschen mit anderen Hirn-Erkrankungen können teilweise ähnliche Symptome wie Alzheimer-Patienten aufweisen. Daher haben die Homburger Forscher in einem weiteren Schritt geprüft, ob es Unterschiede in der microRNA-Signatur zwischen Alzheimer und anderen neurologischen Krankheiten gibt. „Auch hier konnten wir Alzheimer eindeutig von Schizophrenie oder Depression abgrenzen“, erklärt Leidinger. „Bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen, wie etwa Parkinson und der leichten kognitiven Beeinträchtigung, konnten wir zwar zeigen, dass die Signaturen voneinander abweichen, allerdings waren die Testergebnisse nicht so genau.“ Dies ließe sich aber verbessern, indem die Wissenschaftler die Molekül-Signaturen weiter verfeinern. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie erlauben weitere Einblicke in die molekularen Mechanismen bei Alzheimer. So sind zwei der microRNAs an Prozessen beteiligt, die zur sogenannten Plaques-Bildung führen.

Originalpublikation:

A blood based 12-miRNA signature of Alzheimer disease patients
Petra Leidinger et al.; Genome Biology, doi: 10.1186/gb-2013-14-7-r78; 2013

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Medizin, Neurologie

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2 Kommentare:

Dr. Rolf Eckhardt
Dr. Rolf Eckhardt

Eineindeutiger Frühtest auf Alzheimer, prima! Ich möchte jedoch heute noch nicht wissen, ob ich in vielleicht zehn Jahren an Alzheimer erkranken werde. Solange es keine Therapie gibt braucht es auch keinen Frühtest. Soll hier der Umsatz von Tebonin angekurbelt werden? Was soll ein Mensch unternehmen, der positiv auf Alzheimer getestet wurde und was sollte sein Arzt unternehmen? Nicht alles was diagnostisch möglich ist, sollte auch getestet werden!

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Gast
Gast

Sehr spannend das Ganze, bin gespannt, wie es endet. Ich werde diese Entwicklung jedenfalls, aufmerksam verfolgen. Manche Verläufe brauchen manchmal Zeit um gut zu werden, einige werden zum Flop und die Wenigsten sollte man gar nicht erst erforschen. Eine Pause ist auf jeden Fall immer gut, um neue Kraft bzw. Lust zu schöpfen.

Ute Täuber
(das Bild ist sehr schön! Rot auf Weiß, Kontrast)

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