Das ansteckende Trauma

18. April 2018

Nicht nur Bakterien oder Viren können von Mensch zu Mensch übertragen werden, auch Traumata sollen ansteckend sein. Aktuellen Studien zufolge können Erkrankungen wie die Posttraumatische Belastungsstörung auf andere „überspringen“ oder sogar vererbt werden.

Bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung handelt es sich um eine massive psychische Entgleisung, die nach schockhaften Erlebnissen auftreten kann. Die Beschwerden treten meist erst Wochen bis Monate nach dem belastenden Ereignis auf. Diese zeitliche Trennung führt häufig dazu, dass der Betroffenene Krankheitssymptome und die psychische Belastung aus der Vergangenheit nicht in Verbindung bringen kann. Die unspezifischen Beschwerden wie Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen, Reizbarkeit und Aufmerksamkeitsstörungen werden dann nicht selten bagatellisiert. Erst wenn sogenannte Flashbacks auftreten, also das Trauma in sich aufzwängenden Erinnerungen immer wieder neu durchlebt wird oder die belastenden Bilder in Träumen auftauchen, knüpft der Betroffene einen Zusammenhang zwischen den Beschwerden und dem damals Erlebten.

Später kann sich außerdem ein Gefühl des Betäubtseins und der emotionalen Stumpfheit einstellen. Es kommt zu Teilnahmslosigkeit, Rückzug aus der gewohnten Umgebung, psychosomatischen Beschwerden und der Vermeidung von Aktivitäten, die an das Erlebte erinnern könnten. So werden beispielsweise Bahnschienen, Flughäfen oder Autobahnen gemieden, wenn vergleichbare Geräusche und Erlebnisse zur Traumatisierung beigetragen haben. „In vielen Fällen kommt es zum Gefühl von Hilflosigkeit und durch das traumatische Erleben zu einer Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses“, so heißt es in der PTBS-Leitlinie, die zur Zeit aktualisiert wird.

PTBS überträgt sich auf andere

Therapeuten berichten, dass Partner oder Familienangehörige von Soldaten mit PTBS häufig selbst Symptome der Störung zeigen. Selbst wenn diese nie selbst im Militär gedient haben. Jaideep Bains und sein Team am Hotchkiss Brain Institute (HBI) an der Cumming School of Medicine fanden heraus, dass Stress, der von anderen übertragen wird, das Gehirn genauso verändern kann wie echter, selbst erlebter Stress.

In ihrer Studie untersuchte das Forschungsteam die Auswirkungen von Stress bei Paaren von männlichen und weiblichen Mäusen. Sie entfernten eine Maus aus jedem Paar und setzten sie einem milden Stress aus, bevor sie diese an ihren Partner zurückgaben. Dann untersuchten sie die Reaktionen der Gehirnzellen. Es stellte sich heraus, dass beide Mäusehirne neuronale Veränderungen und eine Übertragung des Stresses zeigten.

„Die Neuronen, die die Reaktion des Gehirns auf Stress kontrollieren, zeigten Veränderungen bei unbelasteten Partnern, die mit denen identisch waren, die wir in den gestressten Mäusen gemessen haben“, so die Autoren. Durch selbst erlebten Stress wurde ein „Alarmpheromon“ freigesetzt, das den Partner dann ebenfalls alarmiert. Bemerkenswert ist, dass eine Entspannungsphase nur bei weiblichen Mäusen zu einer cerebralen Regeneration führte, nicht aber bei Männchen. Weitere Studien müssen aber zeigen, ob diese Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind.

Die meisten Wissenschaftler bejahen die Frage, ob eine PTBS an die Nachkommen weitergegeben werden kann. Daten aus einzelnen Untersuchungen sprechen für eine Weitergabe, allerdings sind die konkreten Mechanismen noch unklar. Einige Forscher gehen von (epi-)genetischen Mechanismen aus, andere ziehen vor allem die Sozialisation und entsprechende Lernprozesse in Betracht.

Bundeswehrstudie soll Klarheit bringen

Wenn man sich auf den epigenetischen Aspekt konzentriert, liefert eine berühmte Studie auf diesem Gebiet Anhaltspunkte: Die Dutch Hunger Families Study untersuchte die Auswirkungen auf die später geborenen Kinder des „Hungerwinters“ von 1944 in den Niederlanden. Die Nachkommen hatten im Alter von etwa 60 Jahren einen erhöhten BMI, ein größeres Risiko für Diabetes und die Sterblichkeitsrate war 10 Prozent höher als in vergleichbaren Gruppen, bei denen die Mütter nicht hungern mussten. In einer weiteren Studie von Elmar W. Tobi et al. aus diesem Jahr wurde bewiesen, dass eine DNA-Methylierung durch das Hungern von Schwangeren bei den geborenen Kindern zu einer erhöhten Inzidenz von Diabetes und weiteren metabolischen Erkrankungen führen kann.

Gilt, was für den Hunger nachgewiesen wurde, auch für den Stress? Ob und wie stark epigenetische Veränderungen zu einer vermehrten Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol führen, sollen Untersuchungen mit Bundeswehrsoldaten zeigen. Die Studie wird derzeit von Dr. Ulrike Schmidt, Oberärztin der Traumaambulanz des Max-Planck-Instituts und ihrem Team durchgeführt. Es gibt bereits Studien, die schon bewiesen haben, dass Stress zu epigenetischen Veränderungen führt, jedoch wurden diese immer erst nach der Stressreaktion analysiert.

Die Soldaten werden hierbei aber bereits vor dem Einsatz untersucht, um vergleichen zu können: Wenn sie nach der Rückkehr an PTBS leiden, kann nach Unterschieden im epigenetischen Muster gesucht werden. Zudem kann – dank neuer automatisierter Labortechnik – in sehr viel größerem Umfang als noch vor zehn Jahren das Blut analysiert werden. „Heute können wir mit Hochdurchsatz-​Screening in jeder Probe gleichzeitig nach 450.000 epigenetischen Markern suchen“, sagt Ulrike Schmidt.

Die Forscher hoffen, auch bisher unbekannte Moleküle zu finden, die an der PTBS beteiligt sind. So wollen sie die Erkrankung besser verstehen lernen – und im besten Fall einen Bluttest und eine Pille gegen PTBS entwickeln.

Gestresster Mäusevater, gestresste Enkel

Brian Dias von der Emory University in Atlanta, Georgia untersuchte die epigenetischen Auswirkungen von Angst bei Mäusen. Im Experiment schnüffelten männliche Mäuse an Acetophenon, einer Chemikalie mit süßem, mandelähnlichem Geruch. Im Anschluss erhielten sie direkt einen schwachen Stromschlag an den Pfoten. Diese Prozedur durchliefen die Tiere drei Tage lang, jeweils fünfmal pro Tag. Die Mäuse erstarrten regelmäßig vor Angst, sobald sie Acetophenon rochen, auch wenn sie gar keinen Stromschlag erhielten. Allein diese Beobachtung ließe sich sicherlich mit dem Pawlow-Reflex erklären.

Zehn Tage später durften sich die Mäuse dann mit nicht konditionierten Weibchen paaren. Viele der heranwachsenden Nachkommen reagierten nun tatsächlich auch empfindlicher auf Acetophenon, als auf andere Gerüche. Zudem erschraken diese Tiere eher vor einem unerwarteten Geräusch, während sie dem Duftstoff ausgesetzt waren. Auch ihr Nachwuchs, also die „Enkel“ der zuerst konditionierten Mäuse, verhielt sich nervöser, sobald er Acetophenon roch.

Alle drei Generationen wiesen vergrößerte sogenannte M71-Glomeruli auf. In diesen anatomischen Strukturen kommen die acetophenon-empfindlichen Nervenzellen aus der Nase mit den Neuronen des Riechkolbens zusammen. Die Wissenschaftler erklärten die Ergebnisse mit epigenetischen Prozessen. Die DNA-Sequenz bleibt unverändert, aber „Verpackung“ und die Expression werden modifiziert. Das umfasst beispielsweise DNA-Methylierung und Histonmodifikationen.

Stress ist übertragbar– nicht nur psychisch

Veronika Engert vom Max-Planck-Institut stellte sich mit ihrem Team auch der Frage, ob Stress übertragbar ist und sich entsprechende biochemische Parameter verändern. Es wurde untersucht, ob es Unterschiede bei der Übertragung zu fremden Personen oder Partnern gibt. Ein Proband wurde psychosozialem Stress ausgesetzt und der andere sah die Situation per Live-Videoschaltung. Beim fremden Zuschauer stieg der Spiegel des Stresshormons Cortisol deutlich an, er empfand also empathischen Stress. Wurde der Lebenspartner diesem Setting ausgesetzt, war die Cortisolfreisetzung noch erheblich stärker. Männer und Frauen reagierten gleich häufig mit empathischem Stress. Auf Fragebögen schätzten Frauen sich als empathischer ein, als Männer dies taten. Bisher konnte das jedoch noch in keinem Experiment, das objektive biologische Marker verwendete, nachgewiesen werden.

Ist Stress also von Mensch zu Mensch übertragbar? Lautete die Antwort Ja, wären die möglichen negativen Auswirkungen von belastendem Stress auf die Gesellschaft noch viel gravierender als bisher angenommen. „Zukünftige Studien sollen zeigen, wie genau der Stress übertragen wird und was getan werden kann, um den negativen Einfluss von Stress auf die Gesellschaft zu verringern“, so Engert.

89 Wertungen (4.72 ø)

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16 Kommentare:

Uabhängig von allen wisschenschaftlichen Erklärungsversuchen: Das wissen Homöopathen immer schon.

#16 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

@Sylvia Robinson: Sie fragen: “Allerdings sehe ich das eher aus dem psychotherapeutischen Blickwinkel und weniger dem der Genetik (Lamarck ist doch eigentlich widerlegt?)

Antwort: Man dachte, Lamarck sei wideregt, bis die Epigenetik verstanden wurde und Lamarck zumindest teilweise Recht bekommen hat. Seither weiß man, daß Lebensweise und Erlebnisse eines Individuums unter bestimmten Umständen Einfluß auf die Struktur der Erbsubstanz inkl. deren Transkription haben können. Die Forschung zu diesem Thema ist aktuell noch in vollem Gange und bringt regelmäßig neue Erkenntnisse, was alles mittes epigenetischer Veränderungen an nachfolgende Generationen weitergegeben werden kann.

#15 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

@Gertraud Schmid: Sie fragten: “Doch was geschieht mit Menschen, die ohne Therapie immer wieder traumatisiert werden?”

Antwort: Denen geht es meist sehr schlecht. Umfangreiche Forschung dazu können Sie unter dem Stichwort “komplexe PTBS” finden.

#14 |
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#6 Liebe Frau Cortes: Auch meinen Dank für diese Auflistung. Die Kinder von Opfern der NS-Zeit sind durch viele Fragen verunsichert, die ihre Eltern aus Liebe unbeantwortet lassen, um ihre Kinder nicht zu belasten. Das ist meine eigene Erfahrung und die anderer Nachkriegskinder. Das hat nichts mit Genetik zu tun – vielleicht mit Epigenetik (?) Der Wunsch der Eltern, die erlebten Grausamheiten könnten ihren Kindern – selbst wenn diese bereits erwachsen sind – Schaden zufügen, lässt sie in dieser Weise “überfürsorglich” handeln. Doch offene Fragen können mitunter mehr belasten als die Kenntnis um schweres Leid, das die Eltern ertragen mussten. Ich bin für die Liebe meiner Eltern dankbar, das ganze Leidensausmaß hab ich erst spät (zu spät?) erfahren. Ich bin weder Psychiater noch Psychologe, sondern gebe nur eigene Erfahrung und Empfindung wieder.

#13 Herr Günther – nehmen Sie es mir nicht übel, aber ich finde es bei allem Respekt ziemlich verworren und verschwörerisch weltfremd, was Sie da von sich geben.

#13 |
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Nichtmedizinische Berufe

#6
Klar, die Kinder des Krieges bzw.jene , die aktive Soldaten im Krieg waren, tragen lebenslang gewisse Traumata mit sich.Vor allem solche, die fast erschossen wurden.(Wie mein Opa).Es wäre aber eine Verleugnung der Macht des Herrn,sie ewig darinnen gefangen sein zu lassen: Der Herr reißt sie heraus .Ich nehme das so: Die Betroffenen aus jener Zeit sagen ihr Wort-: Und ich vernehme das.Sie erzählen, wie schlimm das im Krieg war-und man meine nicht, dass es heutzutage keine Kriegsgebiete mehr gibt:Dies Trauma der Erinnerung wird gräßlich bleiben.Nur:Das wird nicht genetisch sich fortsetzen,-das wäre ein innerer Rassismus, der auf einem Psychismus beruhte: Davon kann es Befreiung, Erlösung und Heilung geben.Bliebe die Psyche darinnen unerlöst, unbehandelt zurück,so sähe es schlimm aus.Das Leiden wird sich nicht auf immer prolonguieren, auch wenn es sehr groß war.Es zieht sich posttraumatisch zwar hin: Aber im Nu werden die Befreiten doch noch plötzlich erneuert zu tanzen wissen.

#12 |
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Ärztin

Auch von mir Dank, Frau Cortes. Ich habe die von Ihnen genannten Bücher fast alle gelesen mit der Suche, nein der Sucht nach Verständnis, denn wir Kinder von Eltern, die im oder kurz nach dem Krieg geboren wurden, müssen einiges Verhalten “ausbaden”, das nicht primär von uns selbst ausgelöst wurde. Allerdings sehe ich das eher aus dem psychotherapeutischen Blickwinkel und weniger dem der Genetik (Lamarck ist doch eigentlich widerlegt?), dennoch ist diese Forschung interessant, weniger an Mäusen denn an Menschen.

#11 |
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Dr. Marc Heydenreich
Dr. Marc Heydenreich

Hervorragend die von Frau Cortes gelisteten Bücher. In der Familienaufstellung gibt es übrigens dazu eine oft wirksame “Übung” : “Vater (oder Mutter) ich lege dein Schicksal zurück in deine Hände, denn du kannst es tragen.” Das muß man aber richtig erleben und spüren, was m. E. nur in einer solchen Konstellation möglich ist.

#10 |
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Gertraud Schmid
Gertraud Schmid

Die Traumatherapie nach Dr. Peter Levine arbeitet mit Erfolg an der Rückführung aus dem geschockten Zustand, auch andere Verfahren sind sehr erfolgreich wie man hört zum Beispiel etwa EMDR. Pflanzliche Arzneimittel können unterstützen.

Doch was geschieht mit Menschen, die ohne Therapie immer wieder traumatisiert werden? evtl. wurden schon einmal Anamnese-Berichte ausgewertet? (Bitte kein Maus-Modell dazu).

#9 |
  9
Gertraud Schmid
Gertraud Schmid

Das Experiment mit den (bedauernswerten) Labormäusen zeigte sogar, dass die anatomische Veränderung als Folge der funktionellen Störung auftrat.

#8 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

@ Thomas Schopf #2 – Sie fragen: Wenn ein Ereignis “…bei fast jedem” zur Verzweiflung führen würde, warum definiert man es dann als Krankheit?

Ganz einfach! PTBS geht mit Schmerzen und Leiden einher, darum ist das eine Krankheit. Der Umstand, daß “fast jeder” zuvor gesunde Mensch Verzweifung empfinden würde, wenn er einer ähnlichen Belastung ausgesetzt wird, heißt nur, daß sowas jederzeit bis dahin gesunde Menschen treffen kann.

Im Bereich Psychiatrie ist ein solcher Hinweis wesentlich, um Unterstellungen vorzubeugen, von PTBS Betroffene hätten inadäqut auf ein belastendes Ereignis regiert, weil sie vorher schon irgendwie abnormal gewesen seien.

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Nichtmedizinische Berufe

Hierzu speziell die Themen “Kriegskinder” und “Kriegsenkel”:
beispielsweise:
Die vergessene Generation: Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen2015
von Sabine Bode und Luise Reddemann
Kriegsenkel: Die Erben der vergessenen Generation11. Dezember 2017
von Sabine Bode
Kriegskinder: Das Schicksal einer Generation1. Februar 2005
von Hilke Lorenz
Wir Kinder der Kriegskinder: Die Generation im Schatten des Zweiten Weltkriegs (HERDER spektrum)8. Juni 2010
von Anne-Ev Ustorf
Kriegsspuren: Die deutsche Krankheit German Angst19. März 2016
von Sabine Bode
Die geprügelte Generation: Kochlöffel, Rohrstock und die Folgen17. September 2013
von Ingrid Müller-Münch
Nebelkinder: Kriegsenkel treten aus dem Traumaschatten der Geschichte5. März 2015
von Michael Schneider und Joachim Süss
und
Ein Land – drei Generationen: Psychogramm der Bundesrepublik3. Februar 2009
von Wolfgang Schmidbauer
All diese Bücher sind wichtig für das Verständnis der heute Achzig-und Siebzigjährigen, der Fünfzig-und Sechzigjährigen in Deutschland .
Gut, dass es für die aufgestellten Thesen nun auch eine medizinische Grundlage gibt.

#6 |
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Nichtmedizinische Berufe

Was geschieht nun mit den Menschen in meiner Umgebung oder ist schon geschehen, wenn ich selbst nach vier Dekaden hartnäckig nicht die angeblichen Symptome dieses hier besprochenen Vierbuchstaben-Kreativakronyms zeige?
Oder reicht schon die emotionsabseitige Erzählung von Geschehnissen?
Ich hatte jedenfalls danach in meiner Umgebung selbst nach Jahrzehnten keine der hier geschilderten Veränderungen wahrgenommen.
Oder hätte ich es mit dem gebotenen Drama erzählen sollen?
Also, was ich dabei empfand einen partial-zerrissenen Menschen betrachten zu müssen?
Kommt mir wieder einmal, wie vieles andere aus diesem DSM, sehr ulkig vor.
Aber ist ja nur meine Meinung und Beobachtung…

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Heinrich Heintzmann
Heinrich Heintzmann

Wie Herr Schopf schon schrieb, ist das in der Psychotherapie nichts Neues.

Untersuchungen haben gezeigt, dass durch das Mitleiden mit anderen Menschen das Schmerzzentrum im Gehirn aktiviert wird und der Schmerz anderer fast wie der eigene empfunden werden kann (vgl. Hoffmann & Hoffmann, Selbstfürsorge für Therapeuten und Berater, 2008, S. 3).

Auch die Folie à deux, also die ganze oder teilweise Übernahme einer Wahnsymptomatik durch einen nahestehenden Partner, der primär nicht wahnkrank ist, ist ein solch bekanntes Phänomen.

Sicherlich gibt es noch weitere solcher Übertragungen.

Dass dieses Phänomen einen Artikel wert scheint, lässt hoffen.

Viel zu selten beachtet ist nämlich durchgängig, dass Co-Betroffene meist einen hohen Anteil am Leiden der primär Erkrankten tragen und ebenso wie diese therapeutischer Hilfe zugeführt werden sollten.

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Iris Andres
Iris Andres

Ein Bluttest für die Diagnose, eine Pille als Behandlung. Ernsthaft?

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Etwas neben dem Thema, aber meines Erachtens dennoch interessant. Nach einem Blick in den ICD10 und die dazugehörige Definition der posttraumatischen Belastungsstörung fiel mir die Paradoxie der Diagnose auf. Zitat ICD: Diese entsteht als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation … , die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde.” Wenn ein Ereignis “…bei fast jedem” zur Verzweiflung führen würde, warum definiert man es dann als Krankheit? Weil es verzögert auftritt? Die Latenz erklärt sich meines Erachtens aus der physiologischen (weil traumatischen) Dissoziation. Die “heilsame” Assoziation (Aufhebung der Dissoziation) des Erlebten äußert sich nun mal in Flashbacks und anderen Symptomen. Spannend, wie physiologische Prozesse wieder mal zu Krankheiten gemacht werden. Und die Frage die sich mir stellt, ist die nach denen, die nicht wie fast jeder mit Verzweiflung reagieren. In der Mehrheit vermutlich welche, die ihre Dissoziation beibehalten und stattdessen somatisieren oder anderweitige Symptome entwickeln. Somit bestens geeignet für Pharmaindustrie und andere Teilnehmer des Gesundheitsmarktes.

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Es ist davon auszugehen, dass die Traumaansteckung mit Empathie (Mitgefühl) zu tun hat, die zwischen engen Beziehungspartnern meistens herrscht. Auf neuronaler Ebene sind es vermutlich die Spiegelneuronen, die hier wirken. Für den Psychotherapeuten eigentlich ein alter Hut, aber schön, dass es die Labormäuse nun auch den weniger empathischen Kollegen “bewiesen” haben. Ein Teil meines Mitgefühls gelte hiermit auch den Mäusen, die im Dienste der Menschlichkeit ihre Hirne opferten.
Auf arte lief zu diesem Thema eine sehenswerte Dokumentation, die unter dem Titel “vererbte Traumafolgen” zu sehen ist.

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