BiTE-Therapie jetzt auch bei soliden Tumoren?

12. März 2018

Die Immuntherapie spielt bei der Krebsbehandlung eine immer größere Rolle. Bei Leukämie macht man sich inzwischen Antikörper zu Nutze, die T-Zellen mit malignen Tumorzellen verbinden. Diese sogenannten BiTEs sollen nun auch bei soliden Tumoren Anwendung finden.

Therapieansätze, die sich die Körperabwehr zu Nutze machen, gewinnen in der Krebsbehandlung zunehmend an Bedeutung. Zu diesen neuen Verfahren gehören auch bispezifische Antikörperfragmente, sogenannte BiTE-Antikörper (BiTEs, bispecific T cell engagers). Sie verbinden T-Zellen mit den Tumorzellen und können dadurch den programmierten Zelltod der Krebszelle auslösen. BiTEs sind bislang nur bei wenigen Blutkrebsarten erfolgreich und die Behandlung ist teilweise mit schweren Nebenwirkungen verbunden.

Forscher des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, des Deutschen Krebsforschungszentrums und des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) haben nun erstmals mit Hilfe von Masern-Viren BiTEs durch die Krebszellen selbst produzieren lassen. Sie konnten so die Wirksamkeit für solide Tumoren steigern und das Verfahren sicherer machen.

Der programmierte Zelltod

Die künstlich hergestellten BiTE-Antikörper bestehen aus den Bindungsregionen zweier Antikörper, die jeweils unterschiedliche Zielstrukturen erkennen. Eine der beiden Regionen bindet den Oberflächenrezeptor CD3 auf T-Zellen. Die zweite Bindungsregion ist variabel und tumorspezifisch. Durch die BiTE-vermittelte Verbindung wird die T-Zelle zur Tumorzelle gelenkt und löst in den Krebszellen den programmierten Zelltod aus.

„Gegen bestimmte Formen von Leukämie sind solche BiTE-Antikörper wirksam, jedoch bislang nicht gegen solide Tumore wie zum Beispiel Haut- oder Darmkrebs“, berichtet Christine Engeland, Krebsforscherin am NCT Heidelberg. „Außerdem müssen BiTEs bisher als Dauerinfusion verabreicht werden. Dabei können schwerwiegende, teilweise lebensbedrohliche Nebenwirkungen auftreten.“ Die Wissenschaftler der Arbeitsgruppe Virotherapie von Guy Ungerechts am NCT Heidelberg haben nun einen Ansatz gefunden, um die BiTE-Behandlung sicherer zu machen und den Erfolg bei der Behandlung solider Tumoren zu steigern. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Clinical Cancer Research publiziert.

Eigene Abwehr „aufmerksam“ machen

Die Forscher verwendeten in Mausexperimenten abgeschwächte Masern-Viren, die keine Krankheit auslösen, sich aber in Tumorzellen vermehren. Diese Viren wurden so ausgestattet, dass die BiTE-Antikörperfragmente in den Krebszellen selbst gebildet werden. „Der Vorteil des Verfahrens ist, dass hierbei keine BiTEs in die Blutbahn gelangen und dadurch Nebenwirkungen vermieden werden. Außerdem stimuliert die Virus-Vermehrung im Tumor das körpereigene Immunsystem. Es macht die Abwehr sozusagen auf den Krebs aufmerksam“, erklärt Engeland.

Ihre Doktoranden Tobias Speck und Johannes Heidbüchel konnten zudem an Mäusen nachweisen, dass eine Behandlung mit BiTE-Viren von Haut- und Darmkrebs das Überleben signifikant verlängern und bei einigen Tieren sogar eine Heilung erzielen kann. Darüber hinaus wurden keinerlei Anzeichen einer Toxizität gefunden. „Wir hoffen, dass das neue Therapiekonzept eine effektive Strategie auch in der Behandlung von Tumoren im Menschen darstellt“, kommentiert die Krebsforscherin Engeland. Weitere dafür erforderliche Untersuchungen wollen die Wissenschaftler noch in diesem Jahr beginnen.

 

Der Text basiert auf einer Pressemitteilung des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg.

 

Quelle:
Targeted BiTE expression by an oncolytic vector augments therapeutic efficacy against solid tumors
Tobias Speck et al.; Clinical Cancer Research, doi: ; 2018

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Medizin, Onkologie

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