Durchbruch: Schienbein aus Eigenzucht

1. März 2018

Israelischen Forschern gelang es erstmals, einem Patienten neuartiges Knochengewebe aus körpereigenen Zellen zu implantieren. Die Tibiafraktur des Patienten heilte zuvor nicht. Jetzt konnte die Lücke von vier Zentimetern geschlossen werden.

In Israel haben Ärzte einem Patienten gezüchtetes Knochengewebe aus körpereigenen Zellen implantiert. Sie schlossen damit eine Lücke von vier Zentimetern in seinem Schienbein, die durch eine Fraktur bei einem Fahrradunfall entstanden war. Das Verfahren wurde im Rahmen einer klinischen Studie nun zum dritten Mal durchgeführt.

Innerhalb von zwei Monaten zu festem Knochen

Dabei wird dem Patienten zunächst Fettgewebe entnommen, aus dem wiederum bestimmte Stammzellen entnommen und in eine Nährflüssigkeit gegeben werden. In einem Bioreaktor, der Temperatur und pH-Wert des menschlichen Körpers simuliert, wird daraus anschließend innerhalb von zwei Wochen Knochengewebe gezüchtet. Mit einer Spritze kann dies an die betroffene Körperstelle injiziert werden, wo es durch umliegende Muskeln stabilisiert wird. Innerhalb von zwei Monaten entwickelt sich das Gewebe zu einem festen Knochen und verbindet sich mit den angrenzenden Knochenstücken. Nach insgesamt vier bis sechs Monaten weist das neue Knochenstück sogar Mark auf. Ab diesem Zeitpunkt verhält sich der neue Knochen wie jeder andere, bei Jugendlichen wächst er mit.

Bislang keine Abstoßungsreaktionen

Bisher konnten die Wissenschaftler keine Nebenwirkungen oder Abstoßungsreaktionen feststellen. Die Forscher gehen davon aus, dass die Studie in spätestens drei bis vier Jahren abgeschlossen sein wird. Sollten dabei keine unerwarteten Komplikationen auftreten, könnte das Knochenprodukt somit in absehbarer Zeit auf dem Markt erhältlich sein.

21 Wertungen (4.71 ø)
Allgemein

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10 Kommentare:

Ulrike Busbach
Ulrike Busbach

Klingt vielversprechend (wenn ich an alle meine Patienten denke, die Monate des Wartens und Hoffens und Leidens hinter sich haben und die nächste Kontrolluntersuchung zeigt, dass die Fraktur immer noch nicht ausgeheilt ist)! Aber wie sieht es mit den Kosten aus, wenn für jeden Patienten, der Knochenheilungsstörungen hat, das ganze Procedere angewendet wird? Am Ende wird es für den einen oder anderen möglicherweise genau daran scheitern, dass die Kosten eben nicht getragen werden und diese geniale Behandlung nur einem kleinen (vermögenden oder besser versicherten) Anteil vorbehalten sein wird…

#10 |
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Mitarbeiter von DocCheck

@ #4: Vielen Dank für den Hinweis, es schmerzt in der Tat. Durch eine Umformulierung ist uns dieser Fehler passiert. Wir haben ihn nun korrigiert.

#9 |
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Dr. med. Gerhart Waertel
Dr. med. Gerhart Waertel

So einfach wie hier dargestellt funktioniert das nicht.
Hier wurde ja kein geformtes und entsprechend hergestelltes Knochenstück eingesetzt, um den Defekt zu überbrücken, sondern “Knochengewebe”(?) eingespritzt.
Therapieansätze und Versuche mit Stammzellen, die früher aus Knochenmark, später aus Fettzellen gewonnen und mit verschiedenen Methoden angereichert wurden, gibt es schon seit vielen Jahren.
In Deutschland werden leider Therapieansätze dieser Art offenbar als Menschenversuche angesehen und entsprechend mit bürokratischen Hindernissen nahezu blockiert.
Ich selbst habe zusammen mit Prof. Hendrich (Werneck) vor einigen Jahren erste Ergebnisse von Stammzell-Anwendungen bei verschiedenen orthopädischen bzw. traumatologischen Problemfällen publiziert und dabei gezeigt, dass es keine spezifischen Komplikationen durch die autogene Stammzell-Transplantation gibt.
Die Heilung von Pseudarthrosen mit Stammzell-Transplantation ist nichts besonderes.
Man muss also nach der Original-Publikation suchen um zu wissen, ob es sich hier wirklich um eine Neuerung von Bedeutung handelt.
In jedem Fall ist das ein spannendes Kapitel mit riesigem Potential für die Zukunft.

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Max Hess
Max Hess

@ #2 Das gibt es bereits mit anderem Ansatz. Geistlich Bio-Oss®

#7 |
  2

Tissue Engineering wird vermutlich in nächster Zeit das Top-Thema der Medizin werden.
Schon wirklich erstaunlich was die Zusammenarbeit von Medizinern, Wissenschaftlern und Ingenieuren leisten kann.

Gibts eigentlich auch nen Link zur Originalpublikation?

#6 |
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Nichtmedizinische Berufe

Unser Hund “Paco” möchte auch mal einen neuen Knochen zum Abendessen!

#5 |
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Gast
Gast

“das” Fraktur tut weh! Es muss natürlich “die” Tibiafraktur heißen. Tissue engineering ist die große Hoffnung aller operierenden Mediziner;vor allem Knochenwachstum wird in absehbarer Zeit Routine werden.

#4 |
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Alfred E. Neumann
Alfred E. Neumann

Bekommt ihr eure Überschriften jetzt vom Postillon?

#3 |
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Dr. phil. Sabine Wilcke
Dr. phil. Sabine Wilcke

Funktioniert das auch im Kiefer mit neuen Zähnen? Bitte, bitte….

#2 |
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Heilpraktikerin Claudia Papst-Dippel
Heilpraktikerin Claudia Papst-Dippel

geil

#1 |
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