Low Carb oder Low Fat: Diäten auf dem Prüfstand

12. März 2018

Low Carb oder Low Fat – zu welcher Diät sollten Ärzte übergewichtigen Patienten raten? Ernährungswissenschaftler sind dieser Frage in einer klinischen Studie nachgegangen. Außerdem untersuchten sie, ob sich der Erfolg einer Diät anhand von Gen-Merkmalen prognostizieren lässt.

„Wir haben alle von Bekannten gehört, die eine bestimmte Diät gemacht haben, und es hat super funktioniert“, sagt Christopher Gardner. Er forscht an der Stanford University Medical School. Bei anderen Menschen funktioniere das gleiche Programm aber hingegen nicht. Deshalb machte er sich zusammen mit Kollegen auf die Suche nach möglichen Faktoren, um den Erfolg zu prognostizieren.

Mögliche Einflussfaktoren unter der Lupe

Für seine randomisierte klinische Studie rekrutierte Gardner 609 Teilnehmer zwischen 18 und 50 Jahren. Etwa die Hälfte davon waren Männer. Ihr Body Mass Index lag zwischen 28 und 40. Bei den Probanden wurden Teile des Genoms sequenziert, um nach relevanten Mustern zu suchen, die zu Veränderungen im Kohlenhydratstoffwechsel oder im Lipidstoffwechsel führen könnten. Per oralem Glukosetoleranztest gewannen die Ärzte dann Informationen über Störungen des Glukosestoffwechsels.

Aufklärung macht den Unterschied

Alle Probanden wurden in eine von zwei Ernährungsgruppen randomisiert: kohlenhydratarm oder fettarm. Sie wurden angewiesen, ihre Diät für ein Jahr beizubehalten. Das schafften 79 Prozent. Gesundheitspädagogen begleiteten Gardners Projekt zusätzlich mit insgesamt 22 Unterrichtsstunden pro Kopf. So lernten Teilnehmer beispielsweise, dass gesüßte Limonade zwar keine Fette enthält, trotzdem aber nicht gesund ist. Oder dass Avocados in Maßen den Speiseplan trotz ihres hohen Fettanteils bereichern.

In den ersten acht Wochen mussten sich alle auf 20 g Kohlenhydrate (low carb) beziehungsweise 20 g Fett (low fat) beschränken. Ab dem zweiten Monat durften sie die Menge sukzessive soweit erhöhen, bis sie keine Einschränkung mehr verspürten. Das waren 57 g Fett (vor Studienbeginn 87 g) versus 132 g Kohlenhydrate (zuvor 247 g).

Keine Assoziation zwischen Erfolg, Genotyp oder Insulinresistenz

Über zwölf Monate hinweg begleiteten Forscher den Fortschritt der Teilnehmer und protokollierten Informationen über Körpergewicht, Körperzusammensetzung, Insulin-Ausgangsspiegel und wie viele Gramm Fett oder Kohlenhydrate sie täglich verzehrten. Am Ende der Studie hatten Personen in den beiden Gruppen im Durchschnitt 5,5 kg an Gewicht verloren. Bei Low Fat waren es 5,3 kg, und bei Low Carb 6,0 kg. Hier war der Unterschied nicht statistisch signifikant.

Im Gegensatz zur ursprünglichen Hypothese fand Gardner keine Assoziationen zwischen dem Genotyp oder dem Insulin-Ausgangsspiegel und dem Erfolg. Das vielleicht wichtigste Ergebnis dieser Studie sei, dass sich Strategien zur Gewichtsreduktion mit einem fettarmen oder einem kohlenhydratarmen Ansatz ähneln, berichtet der Erstautor. Er betont vor allem die Bedeutung von Patientenschulungen. Im nächsten Schritt will er klären, ob sich Faktoren wie das Mikrobiom, die Epigenetik oder andere Genregionen zur Vorhersage möglicher Erfolge eignen.

38 Wertungen (4.13 ø)

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7 Kommentare:

Nichtmedizinische Berufe

Hallo Frau Parthen, beim Abnehmen geht es ganz klar um Kalorienrestriktion, das ist bei “gesunder Ernährung” nicht gegeben. Walnüsse sind “gesünder” als Kopfsalat , der nicht besonders viel Nährwerte hat , aber selbstverständlich ist der Kopfsalat kalorienarm. Man kann auch mit gesunder Ernährung dick sein.

#7 |
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Mitarbeiterin Industrie

Warum muss es eigentlich immer “low carb” oder “low fat” sein?
Könnte man nicht mit einem ausgewogenen, gesunden Modell arbeiten?
Das Problem bei einer Diät sind doch die Restriktionen. Wenn wir diese von vorne rein vermeiden könnten, sollte doch die Adhärenz vergleichsweise steigen.
Gesunde Ernährung klingt auch viel weniger bedrohlich als “Diät”.

#6 |
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Nichtmedizinische Berufe

Zu 4 ” Low carb sättigt imho auch etwas länger.” , ich habe mich verschrieben, meinte “low fat”

#5 |
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Nichtmedizinische Berufe

Empfehlenswert ist die Diät, die der Betreffende durchhalten kann, weil sie seinen Neigungen entspricht. So neigen in meinem Bekanntenkreis die Fleisch- Fans, vorzugsweise männlich, eher zu low carb – wenn es dazu noch jüngere Männer sind, nehmen sie vermutlich schneller ab als ältere Damen. Low carb sättigt imho auch etwas länger.
Viele Frauen essen lieber low-fat, weil sie Fett oft gar nicht gut vertragen, und weil das dann auch einfacher ist, wenn man vegetarisch oder vegan lebt .

#4 |
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Hebamme

Stehe ich auf dem Schlauch? Die eine Gruppe hat im Durchschnitt 5,3 kg, die andere 6,0 kg abgenommen. Wie wird daraus ein Gesamtduchschnitt von 6,5 kg errechnet?

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Mitarbeiter von DocCheck

@Frauke Lippens, danke für den Hinweis. Nach einem Jahr hatten alle Teilnehmer im Schnitt ca. 5,5 Kilogramm abgenommen. Wir haben dies entsprechend im Artikel angepasst.

#2 |
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Nach einem Jahr hatten die Teilnehmer im Schnitt zwischen 5,3 und 6,0 Kilogramm abgenommen – und zwar in beiden Gruppen, healthy low-fat (HLF) diet und healthy low-carbohydrate (HLC) diet, völlig unabhängig von ihrem individuellen Gentyp und ihrem Insulin-Stoffwechsel [“Findings – In this randomized clinical trial among 609 overweight adults, weight change over 12 months was not significantly different for participants in the HLF diet group (−5.3 kg) vs the HLC diet group (−6.0 kg), and there was no significant diet-genotype interaction or diet-insulin interaction with 12-month weight loss.”]
Die Bandbreite der Reaktionen auf die Diät war hoch: Einige Teilnehmer verloren bis zu 30 Kilogramm, anderen nahmen 15 oder 20 Kilogramm zu. “Diese Studie schließt die Tür zu einigen Fragen, aber öffnet die Tür zu anderen”, kommentierte Erstautor Gardner.
[“Meaning – There was no significant difference in 12-month weight loss between the HLF and HLC diets, and neither genotype pattern nor baseline insulin secretion was associated with the dietary effects on weight loss.”]
Quellen:
“Effect of Low-Fat vs Low-Carbohydrate Diet on 12-Month Weight Loss in Overweight Adults and the Association With Genotype Pattern or Insulin Secretion – The DIETFITS Randomized Clinical Trial” von Christopher D. Gardner et al.
jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2673150
https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2673150
https://www.aerztezeitung.de/panorama/ernaehrung/?sid=957930

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