Schädel-Hirn-Trauma: Bluttest könnte CT ersetzen

13. März 2018

Die FDA hat jetzt einen Bluttest zugelassen, mit dem leichte Schädel-Hirn-Traumata besonders schnell diagnostiziert werden können. Experten hoffen nun auf weniger CT-Einsätze und somit sinkende Kosten im Gesundheitssystem.

Beim Sport oder im Straßenverkehr stehen Unfälle auf der Tagesordnung. Bundesweit erleiden 332 Patienten pro Jahr und pro 100.000 Menschen Schädel-Hirn-Traumata, heißt es in der zugehörigen deutschen Leitlinie. Das entspricht umgerechnet 248.000 Patienten jährlich. Experten stufen 91 Prozent der Fälle als leicht, 4 Prozent als mittel und 5 Prozent als schwer ein. Genau hier liegt auch ein Problem: Wie lässt sich schnell, aber auch kostengünstig eine Triage vornehmen?

Geeignete Biomarker gefunden

Bislang arbeiten Ärzte mit dem Glasgow Coma Score. Dieser rangiert von 15 (keine Bewusstseinsstörung) bis 3 Punkten (Koma). Hinzu kommen CT-Scans, um Gewebeschäden oder intrakranielle Läsionen zu erkennen. Was im Klinikum funktioniert, hat unter erschwerten Bedingungen aber seine Grenzen.

Das US-Militär sah sich bei Kampfhandlungen mit einer zunehmenden Zahl an Schädelverletzungen konfrontiert. Oft ist der nächste Computertomograph meilenweit entfernt. Deshalb haben Forscher nach Biomarkern im Blut gesucht, um Gehirnverletzungen schnell zu diagnostizieren. Als geeignet erwiesen sich das saure Gliafaserprotein (GFAP) und die Ubiquitincarboxyterminalhydrolase L1 (UCH-L1). Beide Eiweiße werden nach Verletzungen ins Blut abgegeben und sind 12 Stunden lang nachweisbar.

Multizentrische Studie bescheinigt hohe Selektivität

Nach entsprechenden Voruntersuchungen startete Banyan Biomarkers als Testhersteller eine multizentrische, prospektive Studie mit 1.947 Patienten. Die Probanden hatten im Glasco Coma Score 9 bis 15 Punkte, was einem mittelschweren Schädel-Hirn-Trauma entspricht. Gleichzeitig untersuchten Ärzte den Kopf per CT, um Gewebeschäden oder intrakranielle Läsionen zu erkennen. Bestimmten Forscher beide Marker, erzielten sie eine Sensitivität, also eine Vorhersage von Läsionen im CT, von 97,5 Prozent. Der negative prädiktive Wert, also die Prognose einer CT-Untersuchung ohne Befund, lag bei 99,6 Prozent.

Das Ergebnis des Schnelltests liegt nach etwa zwei Stunden vor. Bei Hinweisen auf Komplikationen bleiben CT-Untersuchungen nach wie vor die erste Wahl. Ob sich gute Werte aus wissenschaftlichen Studien im Alltag bei einer größeren Patientenzahl bestätigen, ist ebenfalls offen.

Auf Basis aktueller Studien gestattet die Food and Drug Administration (FDA) jetzt eine Vermarktung in Amerika. Hier greift das sogenannte Premarket-Review-Verfahren der FDA: ein regulatorischer Weg für neuartige Medizinprodukte mit niedrigem bis mittlerem Risiko. Experten hoffen jedenfalls auf weniger Bildgebungen und damit verbunden auf letztlich niedrigere Kosten für das Gesundheitssystem.

Diagnostik am Spielfeldrand

Der neue Test hat nicht nur Potenziale für die Klinik, sondern auch für den Leistungssport. Ärzte müssen oft sehr schnell entscheiden, ob sie Fußballer oder Eishockey-Spieler wieder einsetzen können. Ältere Arbeiten hatten gezeigt, dass sich S100B, ein anderer Marker, für Tests am Spielfeldrand eignet. Damals arbeiteten Forscher nur mit einem Tropfen Blut aus dem Finger. Seit 2014 gab es aber nichts Neues darüber zu lesen. Der Test auf Basis von GFAP und UCH-L1 könnte sich also auch generell eignen. Dazu sind jedoch weitere Studien unter Praxisbedingungen erforderlich.

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Bildquelle: QuinnDombrowski /flickr / Lizenz: CC BY-SA
Forschung, Medizin, Neurologie

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