Veterinärpharmakologie: Kein Bonbon für Bello

29. März 2018

Bei Hunden verläuft eine Schokoladenintoxikation häufig letal. Katzen flippen bei Baldriangeruch aus. Und wenn ein Hund unter Durchfall leidet, kann die Verabreichung von Loperamid tödlich enden. Für uns harmlose Nahrungs- oder Arzneimittel sind für Haustiere höchst gefährlich.

Veterinärpharmakologie ist sehr komplex. Zahlreiche Humanarzneimittel können für Tiere hochgiftig wirken. Obwohl in 43 Prozent der deutschen Haushalte ein Tier lebt, wissen viele nicht, wie gefährlich Weintrauben, Paracetamol, Flurbiprofen oder etwa Zwiebel- und Lauchgewächse sein können. So kann Knoblauch bei Katzen zur Anämie führen und eine Behandlung mit Teebaumöl endet für sie in manchen Fällen tödlich. Bei Hunden verläuft eine Schokoladenintoxikation häufig letal. Besonders zu Ostern steigt die Gefahr an, da Hunde übersehene Schokoladenostereier fressen.

Pharmakologie ist schon bei uns Menschen gar nicht so einfach. Da wäre zunächst die unterschiedliche Pharmakokinetik bei Männern und Frauen. Dann kommen noch die unterschiedlichen Phänotypen der Asiaten, Kaukasier, Europäer etc. hinzu. Im Vergleich zur Veterinärpharmakologie und –toxikologie ist die Pharmakokinetik des Menschen jedoch fast ein Kinderspiel. Die als Biodiversidität bezeichnete Artenvielfallt der Tiere ist schier unermesslich. Forscher schätzen, dass 80 Prozent der Tierarten noch unentdeckt sind. Nach neueren Schätzungen existieren etwa 9 Millionen Tierarten auf der Welt.

Theoretisch hat jede Art ihre eigenen pharmakologischen Gesetzmäßigkeiten. Die Anzahl der Tierfreunde, die sich eine Zauberhutspinne oder einen 414-beinigen Tausendfüßler (Illacme tobini) halten, wird jedoch eher gering sein. Doch auch bei Haustiere wie Hunden, Katzen, Nagern, Reptilien gibt es extreme artspezifische Besonderheiten.

Weintrauben – süßes Gift für Hund und Katz

Websites für Haustierbesitzer warnen ausdrücklich: „Weintrauben und Rosinen sind tödlich für Hunde“. Mythos oder Fakt? Die britischen Giftzentrale für Veterinärmedizin in London hat die Daten von 169 Intoxikationen bei Hunde ausgewertet.

101 Hunde blieben nach dem Genuss von Weintrauben symptomfrei, 68 entwickelten klinische Symptome wie Apathie, Erbrechen, Durchfall und akutes Nierenversagen. Von ihnen erholten sich 50 wieder vollständig, ein Hund erkrankte chronisch. Für 13 Tiere endete der Genuss tödlich und zwei Tiere mussten eingeschläfert werden. Oligurie, Anurie, Polydipsie, Proteinurie und erhöhte Nierenwerte wurden bei nahzu allen verstorbenen Tieren dokumentiert. Pathohistologisch zeigten betroffene Tiere Nekrosen der Nierentubuli.

Die Vergiftungsbeschwerden waren teilweise dosisabhängig. Jedoch blieben auch bei einigen Hunden Beschwerden aus, die ein Kilo Rosinen vertilgt hatten. Es scheint also rassentypische toxikologische Unterschiede zu geben, die bis jetzt unzureichend erforscht sind. Eine Weintraubenvergiftung kann bereits bei Aufnahme von 10 g Weintrauben/kg Körpergewicht beziehungsweise weniger als 2,8 g Rosinen/kg Körpergewicht auftreten.

Warum Trauben und Rosinen eine Toxikose auslösen, ist nicht eindeutig geklärt. Die Ursache könnte ein bis dato unbekanntes Nephrotoxin in Trauben und Rosinen sein. Auch Fungizid-, Herbizid- oder Pestizid-Kontaminationen der Trauben und Rosinen werden diskutiert, ebenso wie Schwermetallbelastungen, hohe Vitamin D-Konzentationen oder Mykosen der Frucht.

Bisher wurden verdächtige Trauben und Rosinen auf verschiedene Pestizide, Schwermetalle und Mykotoxine untersucht, aber alle Ergebnisse waren negativ, auch spezielle nephrotoxische Gifte wurden nicht gefunden, so ein Bericht vom Department of Small Animal Clinical Sciences, Texas, USA.

Im Gegensatz zu Vergiftungen beim Menschen wird beim Hund zum provoziertem Erbrechen geraten. Aktivkohle wird als Adsorbens eingesetzt.

Zuckeraustauschstoff für Hunde gefährlich

Nicht nur Pflanzen können für Haustiere gefährlich werden, auch für den Menschen harmlose Substanzen können für bestimmte Tierspezies gefährlich werden. Früher wurde angenommen, dass der Zuckerersatzstoff Xylit bei Hunden nur Hypoglykämien auslösen kann. Studien belegen, dass Xylit (E967) bei Hunden lebensbedrohliche Lebernekrosen hervorrufen kann. Bei Menschen führt der Verzehr von > 130 g/Tag Xylit zu Durchfall, aber zu keinen anderen Anomalien. Ganz anders bei Hunden.

Ein möglicher Mechanismus hinter der Lebertoxizität ist: Xylitol und seine Metaboliten bauen Adenosintriphosphat in der Leber ab. Ohne adäquates Adenosintriphosphat ist die Leber nicht in der Lage, eine normale Zellfunktion aufrechtzuerhalten und es kommt zu zellulärer Nekrose. Ein anderer schädigender Mechanismus könnte die Produktion von reaktiven Sauerstoffspezies sein, die sich negativ auf zelluläre Komponenten auswirken können. Hunde werden durch Lebernekreosen und Koagulopathien vital bedroht.

Schokoladenschock nach Ostern

Auch bei xylitfreier Schokolade ist jedoch für Hunde keine Entwarnung gegeben.  Die Schweizer Vergiftungszentrale Toxinfo warnt Hundebesitzer davor, dass ihre Tiere keine Schokolade fressen dürfen. Schokolade enthält zwei Arten von Methylxanthin, Theobromin und Koffein, deren Mengen je nach Art der Schokolade variieren. Im Rohkakao sind bis zu 35 mg Theobromin pro Gramm enthalten. In heller Milchschokolade sind es 2 mg, in dunkler Schokolade bis zu 26 mg. Bei Hunden kommt es bei der Aufnahme von 20 mg/kg Körpergewicht zu Agitiertheit, ab 40 mg/kg Körpergewicht wirken die Xanthinderivate kardiotoxisch und können zu schweren ZNS-Schäden führen.

Die zentrale analeptische Wirkung der Methylxanthine beruht auf einer kompetitiven Blockade der Adenosinrezeptoren. Die peripheren Wirkungen und die Wirkungen am Herzen entstehen durch Hemmung der Phosphodiesterase. Besonders zu Ostern und Weihnachten steigt die Gefahr von Schokoladenintoxikationen extrem an, da Hunde übersehene Schokoladenostereier und -weihnachtsmänner fressen. Laut einer Studie der University of Liverpool müssen zu keiner Zeit so viele Haushunde wegen akuter Schokoladenvergiftung behandelt werden, wie kurz nach dem Christfest. Die meisten Hunde hätten nach dem Fressen von nur geringen Mengen schon Vergiftungserscheinungen gezeigt.

Katzen mögen kein Paracetamol

Bei Katzen und Ratten ist die Fähigkeit der Glucoronidierung eingeschränkt. Auf diesem Weg wird Paracetamol hepatisch entgiftet. Diese Spezies führen eine Sulfatierung durch, was zu toxischen Paracetamolmetaboliten führt. N-Acetyl-p-benzoquinonimin (NAPQI) ist ein Metabolit, der bei einer Überdosierung auch beim Menschen für die Giftigkeit verantwortlich ist, bisher wurde angenommen dass NAPQI auch bei Hunden, Katzen und anderen Spezies die Intoxikation auslöst. In einer Studie von Conkey et al. wird auf andere toxische Metabolite hingewiesen. Bei Hunden und Katzen verursacht Paracetamol eine Methämoglobinämie und Hämolyse. Die Studienautoren vermuten, dass Para-Aminophenol (PAP) und nicht  NAPQI diese Schädigungen auslöst.

Erythrozyten von Hunden, Katzen, Mäusen und Ratten wurden in vitro Paracetamol, NAPQI und PAP ausgesetzt. Nur PAP induzierte eine Methämoglobinbildung. Der Effekt war bei Erythrozyten von Hunden und Katzen stärker ausgeprägt als bei Mäusen und Ratten.

Katzen konjugieren kaum

Katzen reagieren noch mal empfindlicher auf Paracetamol als Hunde. Katzen fehlt für die Metabolisierung das Phenol-UDP-Glucuronosyltransferase (UGT)-Enzym. Paracetamol, das Narkosemittel Propofol und das in der Veterinärmedizin eingesetzte Opioidanalgetikum Carfentanyl werden hierüber verstoffwechselt. Katzen fehlen noch zahlreiche weitere Enzyme. Da bei ihnen auch die Glycin-Kunjugation langsamer verläuft, vertragen sie auch Acetylsalicylsäure schlecht.

Paracetamol ist ein Phenolderivat. Katzen vertragen auch keine anderen phenolischen Verbindungen. Teebaumöl etwa wird als wirksam gegen Flöhe propagiert. Die enthaltenen phenolischen Verbindungen können bei Katzen jedoch zu Ataxie, Muskelkrämpfen und im schlimmsten Fall zum Tod führen.

Metamizol wird von Katzen gut vertragen. Jedoch ist darauf zu achten, dass die Injektionslösung häufig Benzylalkohol als Konservierungsmittel enthält, was bei Katzen zu Unverträglichkeiten führt. Eine Übersicht, welche Analgetika für Kleintiere geeignet sind, ist in einer Übersichtsarbeit der Tierärztin Sabine Wanderburg in der Deutschen Apotheker Zeitung nachzulesen.

FDA warnt vor Flurbiprofen

Die FDA hat in einer Pressemitteilung Katzenbesitzer sowie Apotheker und Tierärzte vor topischen Zubereitungen von Flurbiprofen gewarnt. Der Wirkstoff ist in den USA als Wirkstoff in Rheumasalben enthalten. Einige Katzen haben wohl geringe Mengen aufgenommen und haben sich so teilweise tödlich vergiftet. Im Jahr 2017 wurde erstmalig von einer felinen Vergiftung durch Flurpiprofen berichtet. Die Katze hatte Kontakt zu einer flurbiprofenhaltigen Rheumasalbe und wurde als Notfall mit einer schweren Anämie in eine Tierklinik eingeliefert. In Deutschland ist Flurbiprofen als Spray und Lutschtabletten gegen Halsschmerzen enthalten.

Loperamid lockt Lessie

Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit warnt Tierhalter außerdem davor, Humanarzneimittel beim Haustier anzuwenden. Wenn ein Hund unter Durchfall leidet, leiden Herrchen und Frauchen mit, in jeder Beziehung. Was spricht also dagegen, dem Hund freiverkäufliches Loperamid zu verabreichen? Vieles, denn es könnte passieren, dass der Vierbeiner erst total ausflippt und anschließend an einer Atemdepression verstirbt. Für beispielsweise Collies und zahlreiche andere Hunderassen kann das Antidiarrhoicum Loperamid lebensgefährlich werden, warnt der Tiertoxikologe Prof. Dr. Joachim Geyer von der Uni Gießen.

P-Glycoprotein oder MDR1 (multidrug resistance Gen) sind als Arzneistofftransporter aktiv. Zahlreiche Hunderassen haben einen MDR-1-Gendefekt der dazu führt, dass viele Arzneistoffe ins Gehirn gelangen. Antibiotika, Antiarrhythnika, Antiemetika und Antiepileptika sind davon betroffen. Bisher glaubte man, dass nur Collies von dieser Genmutation betroffen sind. Aktuelle Studien sprechen dafür, dass über 2.000 Hunderassen Träger der Genmutation sind.

Zwiebel-und Lauchgewächse sind Giftpflanzen

Abschließend bleibt noch zu erwähnen, dass die Alliumarten Zwiebel, Schnittlauch, Knoblauch und Schalotten für Katzen und Hunde Giftpflanzen sind. Auch in gekochter Form verlieren sie für ihre Toxizität nicht. Die enthaltenen Organosulfoxide sind starke Blutgifte. Bei bestimmten Spezies bildet sich Sulfhämoglobin, das erheblich weniger löslich im Vergleich zu Hämoglobin ist. Die Sauerstofftransportkapazität nimmt ab und es kommt zur Hämolyse.

Hunde und Katzen sind sehr anfällig für eine Zwiebeltoxikose: Der Verzehr von nur 5 g Zwiebeln/kg Körpergewicht bei Katzen oder 15 bis 30 g Zwiebeln /kg Körpergewicht bei Hunden führt zu klinisch bedeutsamen hämatologischen Veränderungen. In der Broschüre „Unverträgliches und Giftiges für Hunde“ können sich Haustierbesitzer informieren.

Trotz aller veterinärmedizinischer Forschung ist ein Mysterium noch ungeklärt: Warum haben Katzen unfassbare Angst vor Gurken? Diese „Cucumiphophie“ ist in zahlreichen Videos dokumentiert –arme traumatisierte Felidae.

88 Wertungen (4.65 ø)

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22 Kommentare:

dr Ekkehard Friedhofer
dr Ekkehard Friedhofer

sorry mein Kommentar war unvollstaendig.
unter 9g/kg Milchschokolade ist keine Behandlung noetig. Ich habe in 10 Jahren Notdienst in UK keinen Hund an Schokolade sterben gesehen. Liegt sicher auch daran, dass die dunkle gefaehrlichere Schokolade nicht so oft rumliegt. Erbrechen loesen wir natuerlich auch nicht immer aus. (Aspiration/Irritant).
Andersrum ist es natuerlich manchmal auch. Mit Morphin kann man einen Hund
bei Ueberdosierung nicht so leicht umbringen, wie einen Mensch.

#22 |
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Apothekerin

Sehr lesenswerter Artikel! Und zeigt mir einmal mehr wie wichtig auch bei uns in der Apotheke das Hinterfragen der “Eigendiagnose” ist. Manchmal ist das Paracetamol oder das Schlafmittel eben nicht für den Menschen der es kauft sondern für den Vierbeiner zu Hause. Aber
” is doch ohne Rezept – is doch harmlos” Ein krankes Tier gehört zum Tierarzt, auch so sieht Tierschutz aus!

#21 |
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Anja Kunitz
Anja Kunitz

Sehr interessanter Artikel.
Ich kann die Kollegen nicht verstehen, die auf Tierärzte herab sehen. Ich hatte schon immer großen Respekt davor, dass sie die Dinge, die wir lernen, mehrfach lernen mussten.
Mir würde auch nie einfallen, meinen Katzen Medikamente der Humanmedizin ohne Rückfragen zu verabreichen.
Bei uns mussten übrigens mit dem Katzeneinzug alle Zimmerpflanzen weichen, da wir uns nicht sicher waren, ob und welche davon giftig sind. Das Internet war keine große Hilfe, also sicher ist sicher. :)

#20 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

Liebe Marie, zu Fakten gelangt man durch sytematische Studien, nicht durch unsystematische Beobachtungen.

#19 |
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Mein Tierarzt hat mir heute noch erzählt, Hunde sind Allesfresser. Manche vertragen bestimmte Lebensmittel nicht, wie beispielsweise Käse, man sollte es einfach ausprobieren . L.G. Nastassja Davidoff

#18 |
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Studentin der Pharmazie

Hunde fressen Gras, wenn es ihnen nicht gut geht und sie etwas “Falsches” gefressen haben. Kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Unser Dackel frisst immer Gras, wenn etwas mit seiner Verdauung nicht funktioniert oder er Aas gefressen hat (ob belegt oder nicht belegt). Zudem fressen Hunde auch gerne den Kot anderer Hunde/Tiere, wenn ihnen Mineralstoffe o.A. fehlen. Das ist FAKT! Das kann man ganz einfach selber beobachten und die Zusammenhänge finden.

#17 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

Hunde reinigen nicht ihren Magen-Darmtrakt , wenn Sie Gras fressen und es gibt auch keinen Erhebungen dazu, wie alt Hunde wurden, zu einer Zeit, als es noch kein spezielles Hundefutter zu kaufen gab und Hundchen nur die Reste vom Mittagstisch bekam.

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Danke

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Dr. med. Christine Aresin
Dr. med. Christine Aresin

Vielen Dank für diesen schönen Übersichtsartikel. Das freut den Hunde- und Katzenbesitzer und -Liebhaber. Danke auch an die engagierten Kollegen aus der Veterinärmedizin!

#14 |
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dr Ekkehard Friedhofer
dr Ekkehard Friedhofer

Das ist ein guter Artikel.
Nur als Anmerkung: Bei Chocolate intox habe ich mich immer an die Empfehlung vom BSAVA Guide to Common canine and feline poisons gehalten. (bzw Handbook poisoning in dog and cats, Campbell) Kleine Menge (

#13 |
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Erstaunlicherweise wurden Hunde auch alt, zu einer Zeit ,als es noch kein spezielles Hundefutter zu kaufen gab und Hundchen nur die Reste vom Mittagstisch bekam .

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# 15 Nach meiner Erkenntnis reinigen Hunde ihren Magen-Darmtrakt , wenn Sie Gras fressen.

#11 |
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Physiotherapeutin

Wow! Danke für diesen wirklich guten Artikel und auch für die – überwiegend – sachlichen und guten Kommentare. Da macht es wieder mal Spaß, hier Mitglied zu sein. Diesen Artikel werde ich mir ausdrucken und weiterhin versuchen, bei Tierhaltern für Verständnis zu werben. Nicht nur für eine artgerechte Haltung der Tiere, sondern auch für einen respektvollen Umgang mit dem Tierarzt, der allzuoft vom Tierbesitzer und von Humankollegen belächelt oder unterschätzt wird. Denn der Tierarzt muß nicht nur das Tier einschätzen und behandeln, das aus unendlich verschiedenen Spezies sein kann, sondern muß gleichzeitig immer auch den Tierbesitzer und seine Befindlichkeiten sowie seine Vorkenntnisse im bezug auf sein Tier im Blick haben. Das kann sehr anstrengend sein. Im bezug auf die für Tiere giftigen oder ungeeigneten Substanzen sei vielleicht noch angemerkt, daß es bei unseren Haustieren, die eng mit uns zusammenleben (Hunde, Katzen) nicht nur eine riesige Varietät der Rassen und damit auch definitiv Unterschiede in der Verträglichkeit gegenüber bestimmten Stoffen/Pflanzen/ Nahrungsmitteln gibt, sondern auch bei den Hunden irrsinnige Gewichtsunterschiede, die die Dosierung unglaublich erschweren. Außerdem sind meiner Erfahrung nach auch die Unterschiede in der “Instinktsicherheit” der Tiere immens. Viele Hunde nehmen Substanzen, die ihnen schaden könnten gar nicht freiwillig auf (auch nicht, wenn sie in Wurst o.ä. “versteckt” sind) das gilt natürlich leider auch für Medikamente, die man ihnen verabreichen möchte. Andere sind wahre “Staubsauger”, die kritiklos alles fressen. Über den Sinn der Gabe von Kohle (bei Durchfall) kann man sicher streiten und sie ist definitiv nicht immer richtig. Wenn es Hunden übel ist, fressen sie Gras (ob zum Zweck, Erbrechen zu können, oder einfach zur Neutralisierung anderer Stoffe sei dahin gestellt) aber sie tun es fast alle, und das hat sicher einen Grund. Wurde der schon wirklich herausgefunden?

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Dr. med.sin. Gunter Neeb
Dr. med.sin. Gunter Neeb

Ein wichtiges Gewürz fehlt noch in der Liste: ZIMT. Während die Ostereier die Hundeleber zu Ostern vergiften, tun es die Zimtsterne an Weihnachten. Der Bohei um “giftige” Zimtsterne, die an Hunden getestet wurden, die aber Coumarine langsamer verstoffwechseln, löste sogar vor Jahren einen Zimtalarm aus. Die pharmakologische Entwarnung, dass es bei Menschen viel höhere Dosierungen braucht, ging leider im Kleingedruckten unter. Also auch an Weihnachten aufpassen. Menschenfutter ist prinzipiell nichts für Tiere!

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Heilpraktikerin

Danke für den guten Artikel.

Wohl eher unbeabsichtigt geht daraus hervor, wie unsinnig Tierversuche sind. Das, was bei Tieren wirkt, kann für Menschen schädlich bis tödlich sein.

Aus dem Bericht von “Ärzte gegen Tierversuche”:
Bei 25.000 Tierversuchsstudien gab es eine ‘Erfolgsquote’ für die klinische Anwendung von 0,024 % !!!

#8 |
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Vielen Dank für den guten Artikel ! Vielleicht denken jetzt ein paar Kollegen um, die noch vor ein paar Wochen meinten, sich abfällig über die Kompetenz von Veterinärmedizinern äußern zu müssen !

#7 |
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# 6 Ein bisschen sehr langweilig, immer nur im Wohnzimmer zu verweilen. Ich denke, Tiere brauchen auch Abwechslung und Spaß

#6 |
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Heilpraktikerin

Schöner Artikel. Vielen Dank dafür.
Bei Durchfall beim Hund helfen Kohlekompretten.

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Dr. med. vet. Susanne Kaul
Dr. med. vet. Susanne Kaul

Vielen Dank für diesen hervorragenden Artikel! Sehr gut recherchiert und die Fakten dargestellt.

@Annika Diedrichs:
Wo ist da Panikmache? Es sind einfach die Fakten dargestellt. Es ist auch ganz richtig dargestellt, dass viele Hunde Weintrauben vertragen, aber für ein Drittel endete der Verzehr dann doch mit einer Vergiftung.

Jeder Tierhalter sollte einen Überblick darüber haben, was für sein Tier giftig sein kann – viele Zimmerpflanzen gehören übrigens auch dazu. Ich kann darin keine Panikmache sehen, nur Information.

#4 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

Was soll bitte diese Panikmache? Klar, wir können zumindest eine Beratung abrechnen, wenn hysterische Patientenbesitzer uns wegen vermeintlicher akuter Intixikation aufsuchen, aber das rechnet sich kaum, bedenkt man, wie viel Zeit solche Diskussiojnen in Anspruch nehmen und das am Ende doch meist noch ein Hauch Zweifel zurück bleibt. Oft genug ist es auch so, daß diejenigen, die ihren Tieren ungeeignete Substanze zuführen, dann gleich noch weitere ungeeignete Substanzen hinterhergeben, um das auszugleichen. Dabei ginge es viel einfacher: Es reicht völlig aus, sich darauf zu beschränken, Tieren Tierfutter zu füttern und die Medikamente, die der Tierarzt verschreibt zu verabreichen. Und wenn ein Hund einmal ein Stückchen Schoki vernascht, bitte keine Salztabletten verabreichen, um Erbrechen auszulösen, wie dies in einer Kasuistik beschrieben wurde. Das arme Tier hat daraufhin eine schwere Salzvergiftung erlitten, lag wochenlang auf der Intensiv und ist dem Tod nur mit knapper Not und einigen neurologischen Defiziten entkommen.

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Guten Tag, liebe Humankollegen (und andere),
als Tierarzt möchte ich Herrn Bastigkeit danken, dass er “uns Tierärzte” einmal in einem anderen Licht darstellt. Es ist richtig, wir müssen viel “unterschiedliches” drauf haben, wenn wir Patienten behandeln. (Ich habe in meiner tierärztlichen Anfangszeit (Ende der 80er) einmal Kaninchen gegen Clostridien (nachgewiesen) behandelt. Dabei hatte ich als Fachtierarzt für Schweine zu sehr die Schweine im Kopf und habe mit oralem Amoxicillin (50 mg/kg KGW) behandelt. Alle 25 Zuchtkaninchen haben es nicht überlebt, und ich habe dem (sauren) Besitzer die geforderten 1.000 DM ganz brav in die Hand gedrückt.
Aber zurück: Besonders in der Diskussion um die AB Resistenz bekommen wir Tierärzte der Nutztiermedizin Dresche, Dresche, Dresche (oft genug von den Humankollegen) . Nach der Tierärztliche Hausapothekenverordnung (TÄHAV) müssen wir Antibiogramme durchführen. Ansonsten müssen wir bei den (nicht wenigen Kontrollen) tief in die Tasche greifen, um die Strafe zu bezahlen. Therapiefreiheit? Können wir vergessen – Wir dürfen nach AMG nur nach Zulassung therapieren – und die neuen AB´s sind nur gegen wenige Keime zugelassen – und das wiederum muss ich den Behörden durch Dokumentation beweisen, dass ich nicht umgewidmet habe. Ach ja – bei jeder AB-Verschreibung muss ich das(die) Tier(e) klinisch untersucht haben, so steht es in der VO. Und die klinische Untersuchung ist nun mal genau definiert (ich musste zwei Semester Propädeutik lernen). “Antibiotic Stewardship” ist ein Begriff, den die Tierärzte kennen und beachten.
Fazit: wir Tierärzte geben uns viel Mühe, wenn schon AB´s dann aber die AB´s richtig anwenden. Ich leite die Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA), eine Fortbildungsgesellschaft für Tierärzte und oft auch Landwirte. Wir sehen die Aufgabe des TÄ darin, dass er die Tiere gesund erhalten muss. Muss er sie heilen, ist es eigentlich schon zu spät… .
Und trotzdem musste ich mir von einem Chef einer Kassenärztlichen Vereinigung in einer Diskussion anhören, das wir tonnenweise AB´s in die Tiere “einwerfen”, und nur wir schuld an der Resistenzlage sind. Ich bat ihn, mir doch wiss. Literatur diesbezüglich nennen – “das wäre nicht nötig – es sei so…”.
“Armer Mann”, habe ich gedacht. “Noch ein Tierärztehasser”. Auf der viertägigen AVA-Jahrestagung Mitte April in Göttingen spricht u.a. der Humanprof. Dr. Karsten Becker, WWU Münster zum Thema One World-One Health.
Lassen Sie uns doch alle MITEINANDER diskutieren und nicht Gegeneinander!
Das würde ich mir wünschen……..
Frohe Ostern.

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Dr. med.vet. Viola Hebeler
Dr. med.vet. Viola Hebeler

Super Artikel! Als Tierärztin bin ich begeistert. Ergänzen würde ich gern noch, dass weder Hunde noch Katzen Ibuprofen (toxisch ab 8 mg/kg) Acetylsalicylsäure oder Diclofenac (welches in 1-2 Tagen zum Magendurchbruch führen kann) vertragen, was aber leider ab und an mal von Apothekern für die lahmenden Haustiere ihrer Kunden rausgegeben wird. Insbesondere Apotheken, die Tierarzneimittel führen, sind scheinbar manchmal in Versuchung, mehr als das zugelassene Sortiment abzugeben.
“Eine Schweizer Studie aus dem Jahr 2009 stellt fest, dass sagenhafte 26 Prozent aller Vergiftungen beim Hund und 14 Prozent bei der Katze durch Humanarzneimittel verursacht werden, die in falscher Dosis oder mit falscher Indikation verabreicht werden.” Ralph Rückert TA

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