Alzheimer-Psychose: Therapie für die Tonne

19. März 2018

Fast jeder zweite Patient mit Morbus Alzheimer erlebt psychotische Episoden, die sich kaum behandeln lassen. Deshalb setzten Ärzte große Hoffnungen in ein Pharmakon, das bei Parkinson-Psychosen in den USA bereits zugelassen ist. Sie wurden bitter enttäuscht.

Demenzerkrankungen wie die Alzheimer-Krankheit gehen in fortgeschrittenen Stadien mit Unruhe, wahnhaften Vorstellungen, Sinnestäuschungen, Angst oder Aggressivität einher. Hier würden sich Antipsychotika eignen. Die Wirkstoffe haben jedoch gewaltige Nachteile. Sie führen bei den größtenteils betagten Patienten zur Sedierung und damit zu häufigeren Stürzen. Außerdem verschlechtert sich die Gehirnfunktion. Neurologen oder Psychiater wünschen sich schon lange geeignete Wirkstoffe. Jetzt hat Clive Ballard von der University of Exeter untersucht, ob sich das Neuroleptikum Pimavanserin eignen könnte.

Alzheimer gleich Parkinson?

Auf Basis von Phase-3-Studiedaten hat die FDA Pimanvaserin Mitte 2016 bei Parkinson-Psychosen zugelassen. Im Gegensatz zu anderen Antipsychotika ist Pimanvaserin kein Dopaminantagonist, sondern interagiert als Antagonist des Serotonin-5-HT2A-Rezeptors. Das erklärt, warum typische Nebenwirkungen nicht auftreten. Ballard hoffte, dass sich der Arzneistoff auch bei Alzheimer-Psychosen eignen könnte.

In Pflegeeinrichtungen fand sein Team 347 potenziell geeignete Patienten. Von ihnen wurden 181 mit Morbus Alzheimer und psychotischen Symptomen für die Studie rekrutiert. Sie erhielten zwölf Wochen lang randomisiert Pimavanserin (n=90) oder Placebo (n=91). Als primären Endpunkt definierten die Forscher Änderungen im Neuropsychiatric Inventory Nursing Home Version (NPI-NH) Psychosis Score, einem speziellen Fragebogen.

Zu Beginn gibt Ballard 9,5 (Pimavanserin-Gruppe) bzw. 10,0 Punkte (Placebo-Gruppe) an. Höhere Werte stehen im Score für größere Beschwerden. Nach sechs Wochen änderte sich der Score signifikant um -3,76 versus -1,93 Punkte. Nach zwölf Wochen allerdings verschwand jeglicher Unterschied zwischen beiden Gruppen. Unerwünschte Effekte, allen voran Stürze (21 versus 21), Infektionen des Urogenitalsystems (20 versus 25) und Agitationen (19 versus 13) waren in beiden Gruppen ähnlich.

Fazit

Ballard hat seine Arbeit nach den Standards randomisierter kontrollierter klinischer Studien aufgebaut. Methodisch ist ihm nichts vorzuwerfen. Um psychotische Symptome zu quantifizieren, wird kein Forscher ohne Fragebögen, also Scores, auskommen. Wie es zu den Unterschieden kommt, lässt sich derzeit nicht sagen.

Lon S. Schneider von University of Southern California schreibt im begleitenden Kommentar, selbst nach sechs Wochen sei der Effekt eher als schwach zu bewerten. Insgesamt könnten die Ergebnisse „weder als positiv noch als klinisch bedeutsam“ eingestuft werden. Das entspricht auch Clive Ballards Fazit: Momentan wird es keine Phase-3-Studie, die eine wichtige Zulassungsvoraussetzung wäre, geben.

 

Quelle:
Evaluation of the safety, tolerability, and efficacy of pimavanserin versus placebo in patients with Alzheimer’s disease psychosis: a phase 2, randomised, placebo-controlled, double-blind study.
Clive Ballard et al.; The Lancet Neurology, doi: 10.1016/S1474-4422(18)30039-5; 2018

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4 Kommentare:

Ergotherapeut

Gebt das Hanf frei, das Hanf frei, das Hanf frei ….
Cannabis ist mittlerweile ein anerkanntes Wirksames Präparat in verschiedensten Bereichen und hätte bestimmt positive Eigenschaften auch bei demenziellen Psychosen. Leider ist das in der Praxis bei niedergelassenen Ärzten noch nicht ausreichend angekommen, oder die Angst zu experimentieren ist gross. Da wird lieber auf die Pharmazie gebaut. Bullshit.

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franz laudenbach
franz laudenbach

Alzheimer, Parkinson, MS, Rheuma, Bechterew, RLS, Tumor, usw. sind Folgen von Schlafapnoe Syndrom (OSAS/ZSA) zu meist in Kombination mit Blutdrucksenkenden Medikamenten, in Kombination mit Alkohol, Schmerzmittel(Opiaten) Narkotika(Schlafmittel) Psychopharmaka. Oft auch auf Grund verstopfter Atemwege (Verursacht durch Parasiten, Vieren, Bakterien, usw.) im Schlaf. Folge: Ab-Atmung Problem im Schlaf. Kohlendioxidgas löst sich im Blut in Kohlensäure! Kohlensäure im Blut überwindet die Bluthirnschranke, zerstört Hirn wie Nervenstränge schützendes Eiweiß! MRC zeigt Eiweißflocken im Hirnbereich. Lösung: 1. Schlafapnoe therapieren (nCPAP).
2. Blutdrucksenkende Medikamente absetzen. 3. OPC, Vitamin B12 verordnen. 4. Höhe ÜNN gewinnen! Bsp. den Patienten um gut 400m ÜNN gegenüber seinem jetzigen Standort verlegen!
Mehr: flc@live.de;

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Dr. med.vet. Bernd Müller
Dr. med.vet. Bernd Müller

Sorry, das war Quatsch! Natürlich D2 Antagonisten!

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Dr. med.vet. Bernd Müller
Dr. med.vet. Bernd Müller

Kleine Korrektur: Antipsychotika sind keine Dopaminantagonisten sondern Agonisten!
Dr.Bernd Müller, Pharmakologe

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