Mammakarzinom: Neuer Hormonblocker in Sicht

31. Juli 2013
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Wenn hormonsensible Brusttumore resistent gegen die Antihormontherapie wurden, mussten sich Brustkrebs-Patientinnen bisher einer Chemotherapie unterziehen. Ein Osteoporosemedikament könnte allerdings bald Abhilfe schaffen.

Tumore in der Brust werden häufig durch die weiblichen Geschlechtshormone zum Wachsen angeregt. Verantwortlich sind dafür vor allem Östrogene, aber auch Gestagene. Ob eine sog. Antihormontherapie bei einer Patientin erfolgversprechend ist, zeigt eine Untersuchung ihrer Tumorgewebeproben. Bei etwa 75 Prozent der Brustkrebspatientinnen ist das der Fall: Die Tumorzellen bilden Rezeptoren an der Oberfläche aus, an die die Geschlechtshormone Östrogen oder Progesteron andocken und so ein Wachstumssignal für die Zellen auslösen. Der Tumor wächst. Antihormone wirken auf zwei Wegen:

  • Sie unterdrücken die körpereigene Produktion der Geschlechtshormone oder
  • sie blockieren die Wirkung der Geschlechtshormone. Dazu besetzen sie Rezeptoren auf den Tumorzellen.

Tamoxifen und Aromatasehemmer werden bei hormonsensiblem Brustkrebs häufig eingesetzt. Indem sie die Östrogenrezeptoren des Tumors besetzen, blockieren sie die Wirkung der Geschlechtshormone. Da die Östrogenproduktion in den Eierstöcken von Aromatasehemmern nicht unterbunden wird, sind diese nur für Frauen nach der Menopause oder nach operativer Entfernung oder medikamentöser Blockade der Eierstöcke geeignet. Während der Antihormontherapie kann es allerdings zu medikamentenresistenten Tumoren kommen. Dann kann den Patientinnen meist nur noch eine belastende Chemotherapie helfen.

Osteoporosemedikament gegen Brustkrebs

Doch nun scheint es neue Hoffnung für betroffene Frauen zu geben: Ein Osteoporose-Medikament soll, laut einer vom Hersteller Pfizer gesponserten Studie des Duke Cancer Instituts in Durham, USA, das Wachstum von Brustkrebszellen sogar in medikamentenresistenten Tumoren stoppen. Im Juni dieses Jahres stellten die beteiligten Wissenschaftler ihre Ergebnisse auf dem jährlichen Endocrine Society Meeting in San Francisco vor. Demnach soll der Wirkstoff Bazedoxifene den Brustkrebszellen nicht nur Östrogene zum Wachstum entziehen, er soll den Östrogenrezeptor sogar zerstören. Bazedoxifene ist seit 2011 in der EU zur Behandlung von postmenopausalen Frauen mit erhöhter Frakturgefahr durch Osteoporose zugelassen. In Tierversuchen und Zellkulturstudien konnte Bazedoxifene das Wachstum von östrogen-abhängigen Brustkrebszellen und von Zellen, die resistent gegen die Anti-Östrogene Tamoxifen und/oder Aromatasehemmer waren, stoppen, wie die Studienautoren berichten.

Östrogenrezeptoren auf Tumorzellen? Weg damit!

Bazedoxifene gehört wie Tamoxifen zur Klasse der selektiven Östrogenrezeptormodulatoren (SERM). Seit einiger Zeit ist bekannt, dass SERM nicht alle Östrogenrezeptoren hemmen. Man unterscheidet Östrogenrezeptoren vom Alpha- (ERα) und Beta-Typ (ERβ). Die ERα-Rezeptoren finden sich in der Brust, der Gebärmutter, der Hypophyse und im Hypothalamus. Die ERβ-Rezeptoren sind dagegen in den Knochen, Gefäßen, dem Hippocampus und höheren Zentren des Zentralnervensystems zu finden. Bazedoxifene blockiert und degradiert Östrogenreztoren im Brust- und Gebärmuttergewebe. Paradoxerweise übernimmt der Wirkstoff im Knochengewebe ganz andere Funktionen. Dort wirkt Bazedoxifene wie Östrogen und verhindert den Knochenabbau.

Anders als Tamoxifen gehört Bazedoxifene außerdem zu einer neuen Gruppe von Wirkstoffen, die als “Selective Estrogen Receptor Degraders“ bezeichnet werden – also Stoffe, die selektiv Östrogenrezeptoren abbauen. „Wir haben herausgefunden, dass Bazedoxifene an den Estrogenrezeptor bindet und seine Aktivität beeinflusst, aber das Überraschende war, dass es den Rezeptor sogar abbaut“, äußerte sich dazu der Seniorautor der Studie Donald McDonnell, der einen Lehrstuhl am Duke Cancer Instituts in der Abteilung Pharmakologie und Tumorbiologie inne hat, in einer Pressemeldung.

Resistente Tumoren ausgetrickst

Durch den Abbau des Östrogenrezeptors könnte auch das Problem der resistenten Tumore umgangen werden. „Man nahm bisher an, dass wenn eine Brustkrebszelle erst einmal resistent gegen Tamoxifen sei, dass dann alle Wirkstoffe, die auf den Estrogenrezeptor abzielen, wirkungslos seien“, erklärt McDonnell. „Wir haben das Gegenteil zeigen können: Der Östrogenrezeptor bleibt ein gutes Target, auch wenn die Zelle gegen Tamoxifen resistent ist“, so McDonnell weiter. “Da Bazedoxifene den Estrogenrezeptor als Target abbaut, ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Krebszelle resistent wird, da ja das Target fehlt“, ergänzt Dr. Suzanne Wardell, Wissenschaftlerin in McDonnells Forschungsteam.

Die Wissenschaftler untersuchten verschiedenartige Brustkrebszellen, wie auch tamoxifen-sensitive Zellen, die resistent gegen den Wirkstoff Lapatinib waren. Dieser kommt bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs zum Einsatz, deren Tumor eine Mutation im HER2-Gen aufweisen. Die Brustkrebszellen dieser Frauen können ihren Östrogenstoffwechsel wieder aktivieren, um eine Resistenz gegen Lapatinib auszubilden. Auch das Wachstum dieser Zellen konnte Bazedoxifene im Tierversuch effektiv stoppen.

Zulassung könnte rasch erfolgen

„Da das Medikament in der EU bereits zur Behandlung von Osteoporose zugelassen ist, könnte es in naher Zukunft auch Patienten mit fortgeschrittenem Brustkrebs und therapieresistenten Tumoren zugute kommen“, so Wardell. Bazedoxifene könnte oral verabreicht werden. Anders als andere Antihormone soll der Wirkstoff keine Hitzewallungen bei den Patientinnen hervorrufen. Es gab allerdings auch Hinweise auf ein erhöhtes Thromboserisiko unter Bazedoxifene. Klinische Studien, die die Zulassung von Bazedoxifene um die Indikation Brustkrebs erweitern würden, wurden vom Hersteller bisher noch nicht unternommen. „Wie Sie sicher vermuten, haben wir und zahlreiche interessierte Patienten Pfizer dazu aufgefordert, die nötigen Studien in Gang zu bringen”, so Wardell gegenüber DocCheck. Ob Pfizer reagiert, bleibt abzuwarten.

127 Wertungen (4.19 ø)

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11 Kommentare:

Anwältin

Hallo,
ich bin Betroffene und nehme im 5. Jahr Letrozol. Nachdem mir auch die Nebenwirkungen von Bisphosponaten bekannt sind und ich bisher immer “hier” schrie, wenn es um Nebenwirkungen ging, wäre es schon sehr interessant zu erfahren, ob der Kommentar von Dr. Kauer bestätigt wird.

#11 |
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Dr. Martin Kauer
Dr. Martin Kauer

Das hört sich verdächtig verwandt mit dem Wirkmechanismus der Bisphosphonate an! UNd leider vermutlich auch mit den gleicehn verheerenden Nebenwirkungen (Osteonekrosis of the Jaw “ONJ”).

#10 |
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Gast
Gast

Ich habe den Rat befolgt und mir die Homepage von Herrn Jurisch angeschaut.
Irgendwie fällt mir seit längerem eine gewisse Ähnlichkeit dieser “Heilpraktiker-Homepages” und Forenbeiträge auf.

Zitat von Herrn Jurisch (Homepage):
“[…] Wie stehen Sie Medikationen gegenüber?
Generell kann man sagen, dass weniger auch hier mehr ist. Natürlich muss oder kann der Körper bei Heilungsprozessen durch z.B. Globuli oder Säfte und Kräuter unterstützt werden. Auch können Präparate verschrieben und empfohlen werden, die die Entgiftung des Körpers oder den Aufbau der Darmflora z.B. nach einer Antibiotikabehandlung beschleunigen und unterstützen. Jedoch wird dies immer eine Einzelfallentscheidung sein – genau dies unterscheidet den Heilpraktiker vom Arzt, der viel zu oft und zu schnell zu Antibiotika und Co. greift. […]”

Lieber Herr Jurisch: Nicht das unterscheidet den Heilpraktiker vom Arzt, sondern 6,5 Jahre Studium mit langen Praktika, zwei oder drei Staatsexamina und in der Regel eine mindestens 5 bis 6 jährige Facharztweiterbildung.

#9 |
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Dr.Alfred Richter
Dr.Alfred Richter

Zu Herrn Dieter Benzenberg:
wer kassiert am meisten ab ? Ein Heilpraktiker, ein Onkologe, die Pharmazeutische
Industrie ?
Also Schluss mit den dämlichen Verdächtigungen. Die Entscheidung trifft letztlich der einzelne Patient, der entweder vom Heilpraktiker oder von der “wissenschaftlichen” (Siehe “Hunde, die Eier legen”) Medizin manipuliert und diese wieder von der Pharmaindustrie manipuliert wird.

#8 |
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Ich empfehle den Besuch der Homepage von Herrn Jurisch.

#7 |
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Apotheker

Zu einer ergiebigen und ernsthaften Diskussion gehören an dieser Stelle 2 Dinge:
1. Aus welcher beruflichen Sicht wird geschrieben ?
2. Gibt es wirtschaftliche Interessen ?

Sollte ich richtig liegen, dass Herr Jurisch als Heilpraktiker arbeitet, so empfehle ich den Besuch seiner homepage. Dort taucht auch versteckt der bewusste Dr.Hamer auf, der bei einem meiner Angehörigen kräftig abkassiert hat. Es existieren auch Videos von diesem Dr. Hamer, die man sich einfach einmal ansehen sollte. Der Hinweis auf die wikipedia Seite zu Hamer ist sicher eine gute Ergänzung.

Unser zunehmendes Alter und der entsprechenden Änderung im Krankheitsmuster verdanken wir sicher den Fortschritten der Medizin und der bösen Pharmaindustrie. Dass “Luxusproblem” Ernährung geht auf das Konto der eigenen Verantwortung – ich muss keine Hamburger essen, ich muss keinen Alkhohol trinken, ich kann mich aus eigener Verantwortung gesund ernähren. Deswegen muss ich kein Veganer oder Vegetarier sein, aber es schadet auch nicht, wenn es so wäre.

Der schlimmste Feind aller Gesundbeter ist der kritische Menschenverstand!

Und zum Schluss die berühmte Info: 1. Früher habe ich als Apotheker gearbeitet, heute bin ich Rentner, 2. es bestehen keine wirtschaftlichen Interessen!

#6 |
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Dietmar Benzenberg
Dietmar Benzenberg

Und damit jeder weiss, worum es hier geht, aus: Wikipedia:

Ryke Geerd Hamer (* 17. Mai 1935 in Mettmann) ist ein ehemaliger deutscher Arzt, der seit 1981 die von ihm erfundene, medizinisch unwirksame und zudem mit erheblichen Risiken und Gefahren verbundene[1][2] Behandlungsmethode Germanische Neue Medizin (GNM, auch als „Germanische Heilkunde“ bezeichnet, vormals „Neue Medizin“) propagiert.
Hamer wurde am 8. April 1986 die deutsche Approbation entzogen.[3] Er war wegen fortgesetzten illegalen Praktizierens und Betrugs mehrfach in Deutschland und Frankreich in Haft. Es stehen mehrere Haftbefehle gegen ihn aus. Bis zum Jahr 1995 wurden in Deutschland und Österreich über 80 Todesfälle von durch Hamer behandelten Patienten von den Behörden untersucht. Besonderes Aufsehen erregt 1995 der Fall der damals sechsjährigen Olivia Pilhar, deren Eltern die Therapie einer Krebserkrankung zugunsten Hamers Methoden verweigerten. Erst nach Entzug der Erziehungsberechtigung konnte die Sechsjährige erfolgreich lege artis medizinisch behandelt werden.
Hamer vertritt in Verbindung mit seiner Lehre auch antisemitische Positionen, die er im Rahmen von Verschwörungstheorien äußert.

#5 |
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Dietmar Benzenberg
Dietmar Benzenberg

Herr Jurisch. Ich bin Onkologe und kann Ihre Haltung auf Grund der Schicksalsschläge nachvollziehen.
Dennoch ist der Gegner der Krebs und nicht die Therapie.
Welche Forschungsergebnisse sie auch immer heranziehen mögen und von welchen wirklichen Wissenschaftlern sie auch immer reden mögen.
Leider hat kein Forscher bislang eine bessere Möglichkeit der Behandlung von Malignomen belegt, als die, die die teuflische Schulmedizin verwendet.
Der Wahnsinn, von dem Sie leider erst recht sehr zynisch sprechen, ist die Hoffnung von vielen tausend Krebspatienten, die sich eine Linderung ihrer Leiden und in manchen Fällen Heilung versprechen.
80 % der gesamten Brustkrebserkrankungen sind heutzutage durch schulmedizinische Onkologie heilbar.
Sollen wir etwa auf diese Möglichkeiten verzichten???
Eine nahe Verwandte hat sich der Scharlatanerie von Heilpraktikern und Esoterikern zugewandt und keine adjuvante Therapie gemacht. Sie liegt inzwischen unter der Erde.
Dr. Hamer und Konsorten sind gut für Ihren eigenen Geldbeutel und für sonst niemanden.
Unser System erlaubt der Pharmaindustrie riesige Gewinnspannen, das ist politisch gewollt, vielleicht versuchen sie da etwas zu ändern.
Sprechen sie den Medizinern nicht den guten Willen ab, Krebspatienten gut zu behandeln und nehmen sie anderen Menschen nicht die Hoffnung mit Ihrem Geschwafel.

#4 |
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Norbert Manteuffel
Norbert Manteuffel

Ich stimme Herrn Jurisch zu!

#3 |
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Steffen Jurisch
Steffen Jurisch

Wenn man, wie ich, eine gute Freundin, eine tolle Kollegin und eine Mutter von 4 Kindern aufgrund der Ignoranz, derScharlatanerie und dem blinden Vertrauen in die Schulmedizyniker verloren hat – dann liest man solche Artikel mit andern Augen. denen eines Wissenden. Wenn man dann noch, am eigenem Leibe eine Chemotherapie überlebt hat – dann weiß man zusätzlich um die Ahnungslosigkeit der Ärzte und Wissenschaftler die noch immer, im 21 Jahrhundert, entgegen der Meinung und den Forschungsergebnissen von wirklichen Wissenschaftlern, Wissenschaftlern die sich nicht durch die Industrie und ihre Kumpanen kaufen lassen, dass die Giftgasableger, heute genannt Chemotherapie, nur eines können – Menschenleben zerstören!
Wann hört ihr endlich auf Menschen zu ermorden, wann hört ihr bezahlten Schreiberlinge auf diese Vergiftung von an sich schon kranken Menschen zu preisen… Kein Onkologe würde je seine eigenen Medikamente nehmen!
Verbessert die Ernährung der Menschen und überprüft endlich die Theorien von Dr. Hamer – dann hört der Wahnsinn endlich auf!

#2 |
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Nicht nur bei Therapieresistenz auf Tamoxifen, auch bei Unvertraeglichkeit von Tamoxifen oder Aromatasehemmer ist ,,Raloxifen,, indiziert. Weitere Vorteil Raloxifen
verursacht keine Endometrium Hyperplasie. Da noch nicht zugelassenund falls keine Thromboserisiko vorhanden ist eine Aufklaerung und Einwilligung die Vorausetzung fuer eine Therapieumstellung.

#1 |
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