Unzufriedenheit in deutschen OP-Sälen

14. Februar 2018

Die Leistungsfähigkeit in OP-Sälen sinkt, so das Ergebnis des aktuellen OP-Barometers. Nur 28 Prozent der befragten OP- und Anästhesie-Pflegekräfte geben an, es sei genügend Personal vorhanden. Die Gefährdung von Patienten habe zugenommen, sagen rund 47 Prozent.

Das OP-Barometer ist eine Befragung zur Arbeitssituation von Pflegekräften im Operations- und Anästhesie-Bereich an deutschen Krankenhäusern. Sie wird alle zwei Jahre von der Frankfurt University of Applied Sciences durchgeführt. Erste Erkenntnisse des Barometers: Personalknappheit, schlechte Organisationsstrukturen und Defizite in der Unternehmenskultur bewirken ein Sinken der Leistungsfähigkeit in deutschen OP-Sälen.

„Der OP-Saal ist der Motor eines Krankenhauses. Wenn dieser stottert, dann bedeutet es eine Gefährdung für die gesamte Einrichtung“, sagt Prof. Thomas Busse, Direktor des Zentrums für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR). Mehr als 1.950 Mitarbeitende aus den Bereichen OP-Pflege und Anästhesie-Pflege nahmen an der Befragung teil, eine Steigerung von fast 14 % im Verhältnis zur Befragung 2015. In diesem Jahr beteiligten sich u.a. Mitarbeitende von rund einem Viertel der deutschen Universitätsklinika, was laut Busse verstärkte Problemstellungen gerade in größeren Krankenhäusern signalisiere.

„Nach der Datenlage aus dem OP-Barometer 2017 scheint es große Unterschiede im Hinblick auf Personal, Organisation und Patientengefährdung in den unterschiedlichen Krankenhäusern zu geben. Manche Krankenhäuser haben in den letzten Jahren ihre Hausaufgaben gemacht, nämlich Organisationsabläufe optimiert oder beispielsweise Hygienemängel abgestellt, anderen ist dies wohl nicht gelungen. Es ist den Patienten daher anzuraten, genau hinzuschauen, in welchem Krankenhaus sie sich operieren lassen“, resümiert Busse. „Gerade OP- und Anästhesie-Pflegekräfte aus großen Kliniken mit neun bis 12 oder über 12 Sälen schätzen die eigene Leistungsfähigkeit negativer ein als Mitarbeitende kleinerer OP-Bereiche mit bis zu acht Sälen. Gründe hierfür dürften in großen OP-Bereichen im Wesentlichen in strukturellen Defiziten im Hinblick auf die Personalführung und -ausstattung liegen.“

Einschätzung der Patientengefährdung bleibt konstant

Als wesentliche Essenz des OP-Barometers 2017 lässt sich feststellen, dass mehr als 47 % der Befragten angeben, dass aus ihrer Sicht die Gefährdung der Patienten in den letzten zwei Jahren zugenommen hat. Von den befragten Mitarbeitenden aus großen OP-Bereichen traf über die Hälfte diese Aussage. Der prozentuale Anteil der Befragten, die diese Aussage getroffen haben, ist im Vergleich zu den früheren Befragungen in etwa konstant geblieben, eine Verbesserung seit dem Jahr 2015 ist somit kaum eingetreten. Im Jahr 2015 trafen beispielsweise noch 48 % der Befragten diese Aussage. Folgende Gründe werden im OP-Barometer 2017 genannt: Nur ca. 28 % der Befragten empfinden, dass sie genügend Pflegepersonal haben, um die wachsenden Anforderungen zu bewältigen. Dabei waren es bei großen OP-Bereichen mit über 12 Sälen sogar nur 21 %. Rund 65 % aller Befragten bemängeln eine sehr hohe Krankenquote und fast die Hälfte attestiert eine hohe Fluktuationsrate bei neuen Mitarbeitenden. Rund 38 % der Befragten sehen sich in ihrem OP-Bereich in der täglichen Arbeit sogar mit dem Thema Mobbing konfrontiert.

Mangelndes Vertrauen in den eigenen OP-Bereich

Das Vertrauen in die eigene Qualität scheint in einigen OP-Bereichen nicht besonders ausgeprägt zu sein. So würden sich nur etwa 62 % aus fachlicher Hinsicht in ihrem OP operieren lassen, am wenigsten würde dies das Pflegepersonal der großen Kliniken mit über 12 Sälen tun. Aus dem Blickwinkel der Organisation würde nur rund die Hälfte der Befragten ihr Krankenhaus für eine OP empfehlen. Dabei sind es vor allem die Mitarbeitenden der großen Kliniken, die den Organisationsgrad ihrer OP-Bereiche als eher nicht gut einschätzen, was sich insbesondere dort in höheren unproduktiven Wartezeiten oder einer schlechten OP-Plangestaltung ausdrückt“ erklärt Busse.

Die Sterilgutversorgung wird seit 2011 eher positiv wahrgenommen: Während im Jahr 2011 noch rund 44 % die Sterilgutversorgung als problematisch einschätzten, taten dies 2017 nur noch rund 34 %. Immerhin 60 % aller Befragten sagten aus, dass die Hygienerichtlinien in ihrem OP-Saal streng eingehalten würden und 76 % gaben an, die Patientensicherheit sei in ihrem OP ein wichtiges Thema. Hier zeichneten vor allem die kleineren OP-Bereiche mit bis zu acht Sälen ein positives Bild. „Hygiene im Krankenhaus ist ein sensibles Thema, deshalb wird in den OP-Bereichen verstärkt viel Wert darauf gelegt“, so Busse. „Zufrieden kann man allerdings erst sein, wenn die Hygienerichtlinien zu 100 Prozent streng eingehalten werden, gleiches gilt für das Thema Patientensicherheit.“

Mit ihrem Arbeitsplatz zufrieden sind ca. 61 % der Befragten. Die Zufriedenheit hat seit 2011, als noch 71 % der Befragten dies angaben, allerdings kontinuierlich abgenommen. Rund die Hälfte der Teilnehmenden äußerte, dass ihre Arbeit von der Krankenhausleitung nicht anerkannt werde.

 

 

Der Text basiert auf einer Pressemitteilung der idw.

 

Die aufbereiteten Ergebnisse des OP-Barometers 2017 können ab der 7. KW hier abgerufen werden.

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4 Kommentare:

Die Hirarchie im deutschen Krankenhaussystem , mit der Gradierung von
Kasse/Privat , Professoren und Oberärzte mit einem penetranten „Druck nach Unten“ , kann nie ein erfolgreiches Team sein . Danach folgt automatisch der finanzielle Teil als weniger zufriedenstellend .

#4 |
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Gast
Gast

Das deutsche Gesundheitssystem ist nur mehr eine einzige große Katastrophe. Es ist unter den Industriestaaten von zweitklassiger Qualität, zum Teil regelrecht menschenverachtend und darüber hinaus extrem teuer.

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Gast
Gast

Hier steht die Politik in der Pflicht. Nur habe ich bei der GroKo-Neuauflage keine große Hoffnung auf Verbesserungen.

#2 |
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Max Schlommski
Max Schlommski

Hmm, die Renditensteigerung steht immer mehr auf der Prioritätenliste ganz oben. Das sich dass auch auf die Qualität niederschlagen muss liegt in der Natur der Sache! Der Mensch als Faktor lässt sich nun mal nicht fakturisieren, das wäre unnatürlich….

#1 |
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