Morphine: Auf Dauer ein Enttäuschungsmittel

9. April 2010
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Opioide wirken bei Patienten mit chronischen Schmerzen und ohne Tumor nur wenig besser als andere Medikamente, so neue Studien-Auswertungen. Ärzte müssen umdenken - eine neue Leitlinie könnte die Ära der vermeintlichen Wundermittel beenden.

Die Untersuchung der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS) dürfte den Praxisalltag vieler Allgemeinmediziner in Punkto Schmerztherapie wesentlich verändern. “Von zu großen Hoffnungen auf die Wirkung von Opioden bei chronischem Schmerz müssen wir uns verabschieden und uns mehr auf schädliche Nebenwirkungen wie Suchtpotential, Aufmerksamkeits- und Antriebsstörungen konzentrieren”, erklärte Christoph Stein, Direktor der Klinik für Anästhesiologie der Charité und Freien Universität Berlin und Mitglied des DGSS-Expertengremiums.

Der vernichtende Befund basiert auf harten Fakten. Vor fünf Jahren hatte die DGSS bereits eine S3-Leitlinie zur Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht tumorbedingten Schmerzen (LONTS) in Auftrag gegeben. Für die Analyse und Bewertung wurde aus 16 deutschen Fachgesellschaften und Patientenverbänden ein 35-köpfiges Experten-Team gebildet, das „nach strengsten wissenschaftlichen Maßstäben“ die hochwertigsten Studien aus über 960 Veröffentlichungen in wissenschaftlich begutachteten Fachzeitschriften auswählte. Darin wurden über 18.000 Patienten in randomisiert, doppelblind und kontrolliert durchgeführten Vergleichen untersucht. Diese Daten wiederum analysierten die Fachleute nach der Cochrane-Methodik. Dabei verglichen die Experten mit Hilfe von statistischen Verfahren die schmerzstillende Wirkung von Opioiden und ASS-ähnlichen (NSAIDs) Medikamenten. „Bei Langzeitanwendung erwirkte jedes dieser Medikamente für sich alleine zwar eine statistisch signifikante, aber insgesamt nur relativ geringe Schmerzlinderung“, resümiert heute die DGSS die Crux mit den Opioiden.

Die Erkenntnisse erwiesen sich als so tiefgreifend, dass die Fachleute nach den festgelegten Regeln der Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher medizinischer Fachgesellschaften (AWMF) neue Behandlungsempfehlungen für Patienten mit chronischem, nicht durch Tumorerkrankungen verursachtem Schmerz entwickelten. Darin empfehlen sie mitunter, die Medikation „für jeden Patienten individuell festzusetzen und immer auch begleitende Maßnahmen wie Problemlösestrategien, Verhaltens- oder Physiotherapie einzusetzen“.

Je stärker, desto wirkungsloser?

Das Papier hat es ohnehin in sich. “Das Ergebnis dieser S3-Leitlinie wird die Fachwelt noch lange beschäftigen”, schätzt Rolf-Detlef Treede, Präsident der DGSS. Denn vor allem die vermeintlich besonders stark wirksamen Opioide linderten außerhalb ihres klassischen Anwendungsbereichs wie Schmerzen nach Operationen und Tumorschmerzen die Pein der Patienten „nicht wesentlich besser als andere Medikamente“. Im Gegenteil: Bei länger dauernder Einnahme schwächt sich die Wirkung der Opioide laut DGSS „offensichtlich sogar eher noch ab“. Von einer Daueranwendung mit opioidhaltigen Analgetika sollten Ärzte so oder so absehen, wie die Leitlinien unmissverständlich darlegen. “Nach umfangreichen systematischen Datenerhebungen an über 2400 Patienten mit CNTS in 10 unkontrollierten Studien ist es bisher nicht gelungen, die Wirksamkeit opioid-haltiger Analgetika bei Anwendungszeiträumen von länger als drei Monaten mittels publizierter Daten aufzuzeigen”, heißt es dazu in dem Papier. Als noch katastrophaler erweist sich der Studie zufolge ein weiterer Aspekt: Über die für eine Neuzulassung von Medikamenten vorgeschriebene Anwendungsdauer von drei Monaten hinaus liegen so gut wie keine Daten vor.

In einzelnen Fällen könnten Patienten mit neuropathischen Schmerzen von Opioiden profitieren, wie die Leitlinien erklären. Für Migräne hingegen sei die analgetische Wirksamkeit von Opioiden zum Beispiel nicht belegt. “Fest steht: Opioide sind bei nicht-tumorbedingten Schmerzen nicht die erste Wahl”, resümiert daher Treede.

Alternativen gibt es allemal. Gegen Nervenschmerz beispielsweise stehen laut Leitlinie Anti-Epileptika und Anti-Depressiva als wirksame Mittel zur Verfügung. Für die Bekämpfung von Gelenkschmerzen wiederum seien nichtsteroidale Antirheumatika (NSAID, wie ASS oder Ibuprofen) und Coxibe die bessere Wahl.

Wer als Arzt trotzdem an der Wirkung der Opioide festhält darf seinen Patienten wenigstens eine ganz andere Darreichungsform empfehlen: Joggen. Denn die bei Ausdauerlauf ausgeschütteten Endorphine – körpereigene Opioide – fördern die Schmerzunterdrückung des Organismus, indem sie die Schmerzweiterleitung in den Nervenbahnen und im Gehirn beeinflussen. Was das genau bedeutet, erklärten Forscher der Nuklearmedizin, Neurologie und Anästhesie der Technischen Universität München sowie der Universität Bonn vor rund einem Jahr, nachdem sie diesen Prozess weltweit zum ersten Mal visualisiert hatten: „Die vermehrte Produktion von Endorphinen durch Ausdauerlauf könnte dem Körper also auch als körpereigenes Schmerzmittel dienen“.

129 Wertungen (3.33 ø)
Allgemein

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29 Kommentare:

Dr. Bernd Könemann
Dr. Bernd Könemann

Nach meiner 14 jährigen Erfahrung in der Chirurgie und Unallchirurgie habe ich wie wohl die meisten Kollegen ein sehr unterschiedliches Ansprechen auf Opioide festgestellt. Bei den “Schmerzkatastrophen” ist häufig eine Kombination aus mehreren Substanzgruppen sinnvoll. Auf Opiate zu verzichten ist meist gar nicht möglich.
Die angesprochenen Probleme der Studie über Langzeit-Opiattherapie hört sich nach Unter- bzw. Überdosierungsphänomenen an. Dosisanpassung und Kombination sind oft ein langer Weg.

Schätze das kaum ein erfahrener Kollege die Opiattherapie bei Problempatienten ausschließt nur weil eine Metaanalyse bei vielen Patienten Probleme sieht. Man muss halt die Pat. herausfiltern die einen Benefit haben denen das gefälligst verordnen. Bei Patienten die keinen Profit haben das eben nicht geben und weitersuchen -macht halt Arbeit.

Die DGSS Kurse die ich kürzlich besuchte vermitteln zum Glück ein Verzicht auf Opioide in der Schmerztherapie zum Glück nicht.

#29 |
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Kai Ueberall Kai   Ueberall
Kai Ueberall Kai Ueberall

Hier muss ich Dr.med. Annett Koblenz völlig zustimmen!
Auch hier findet neben der Schmerzlinderung eine Art Erträglichkeit um mit seiner Krankheit besser zurecht zu kommen. Übrigens ähnlich wie bei Opiaten. Das heißt in den meisten Fällen kann auf eine zusätzliche Behandlung mit Antidepressiva wie z.B. Amitryptilin (o.a.) völlig verzichtet werden.

Und bei Cannabis, wobei ich aber nur von der natürlichen und nicht der chemischen Variante spreche, gibt es noch andere positive Effekte, nicht nur Schmerzlinderung und die Stimmung verbessernd (keiner redet hier davon das die Patienten high sein sollen oder sind), sondern auch andere Vorteile sprechen für Cannabis: als da wären vermehrter Appetit (könnte z.B. bei HIV/Aids-Patienten, Magersucht) verwendet werden.

Es ist zudem erwiesen das Cannabis auch eine sehr positive Wirkung hat auf Menschen welche an Muskelatropie u.Ä. leiden.

Auch was den Augeninnendruck betrifft konnten positive Effekte wie das Senken des Augeninnendrucks bewiesen werden.

Es gibt noch viele weitere Vorteile die für eine Verwendung von natürlichen Cannabis als Medikament sprechen, und zwar nicht erst wenn alle anderen Behandlungsmöglichkeiten erfolglos blieben.

Es gibt ja seit kurzen eine neue Regelung, das Patienten bei denen alle anderen Behandlungsmöglichkeiten angewandt und erfolglos blieben bei der Bundesopiumstelle eine Erlaubnis zu bekommen, womit eine bestimmte verschriebene Menge von Cannabis Sativa als natürliches Kraut in der Apotheke als -Take Home- ausgegeben wird.

Der Witz an dieser ganzen Sache ist, das es so schwer und kompliziert ist in dieses Programm zu kommen das die meisten Patienten entweder vorher versterben oder eben resignieren. Laut einer namhaften Zeitschrift die sich mit diesem Thema befasst wurden bundesweit gerade einmal 35 (!!!) Genehmigungen erteilt. In Anbetracht der hohen Zahl an Patienten die eine wirkliche Verbesserung Ihrer Lebensqualität und Ihrer Schmerzsyndrome erfahren würden, grenzt diese ganze Sache als ein purer Witz! So nach dem Motto: Seht doch, es gibt die Möglichkeit, also was regt Ihr euch auf! Tja, bei der Behandlung von Schmerzen, gerade chronischen Schmerzen gibt es noch viel zu tun. Irgendwann muss doch die Vernunft siegen oder? Oder eben der Preis, den es ist um ein vielfaches billiger als z.B sagen wir eine Packung DHC 120mg N3 für etwa 300.- Euro, wobei andere Medikamente auf den BTM-Sektor noch weitaus teurer sind. Und in den Zeiten wo die Ärzte immer mehr an die Leine gelegt werden was Sie zu verschreiben haben, also nicht immer das was am besten hilft, sondern am günstigsten ist, und am Ende die Kosten nicht einmal erstattet werden, der Arzt diese Kosten also aus eigener Tasche bezahlt, dauert es meist nicht lange wie eine Praxis nach der anderen geschlossen wird. Und wie war das was die Politik einmal vor einiger Zeit forderte: Ärztehäuser, also keine freie Arztwahl, sondern eine Art Gesundheitskonzern mit absoluter Monopolstellung.

#28 |
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Keine/Keiner schreibt von Cannabis als sehr gutes Schmerzmedikament mit geringem! Suchtpotential ohne Obstipationsrisiko, nicht organtoxisch (es sei denn, man raucht es), sehr gut wirksam bei Spastik bei MS auch bei sog. “Nervenschmerzen”, außerdem schlaffördernd, appetitanregend und sogar im Gegensatz zu Opiaten antiemetisch. Aber mit diesem Medikament sind halt keine Milliarden zu verdienen…..

#27 |
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Kai Ueberall Kai   Ueberall
Kai Ueberall Kai Ueberall

Ich kann nur eines festsellen, dass sich der Verfasser dieses Artikels nicht ausreichend mit der Thematik befasst hat. Man sollte da schon wissen über was man schreibt.

Wir hier in Deutschland leben was die Schmerzbehandlung betrifft in der tiefsten Steinzeit. Während in anderen europäischen Ländern der Nutzen von Opioiden anerkannt und angewandt wird, haben unsere Mediziner entweder Angst ein BTM-Rezept auszustellen, sind zu faul weil geringfügiger Mehraufwand. Lieber lassen Sie, gerade alte Menschen in Altenheimen, aber auch ehrer ziemlich junge Patienten mit Ihren Schmerzen alleine.

Das dies den Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung darstellt, vom hypkratischen Eid einmal gar nicht zu sprechen, wissen oder wollen die meisten Mediziner gar nichts wissen.

Fest steht, und das wird jeder ehrliche und gewissenhafte Arzt der sich mit der Thematik auskennt, zu dem Ergebniss kommt da bei starken bis sehr starken u insbesondere bei “Durchbruchschmerzen” bei Tumoren oder Schmerzspitzen. das Mittel der Wahl ist.

Richtig dosiert haben Opioide so gut wie keine Nebenwirkungen, Sie könnten theroretisch ein Leben lang eingenommen werden ohne das der Körper (Leberr,Niere,Blut) darunter gelitten hätte. Im Gegennsatz zu den ganzen neuen Schmerzmedikamenten die nicht abhängig, aber dafür eben krank machen oder under Umständen einen “EX” produzieren, der planke Hohn.

Und das mit den Joggen ist eine Frechheita uch wenn die Freisetzungvon körpereigenen “Morphinen”

Sowas schreiben nur Leute die keine Ahnung oder Erfahhrung in der Schmerztherpie hat

#26 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

wie wahr, wie wahr, Herr Prof. Falke…

so werden mal wieder die Patienten verhöhnt…

#25 |
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Manfred Heinrich
Manfred Heinrich

Wir schreiben das Jahr 2010 nach Chisti!

Vor noch nicht so langer Zeit wurden vom DGSS Cox2 Präparate als das “Allheilmittel” propagiert.
Sogar noch, als von Amiland schon die ersten Warnungen über den grossen Teich nach Europa und Deutschland hinüber kamen.

Welche Sau will der DGSS demnächst durchs Dorf treiben?

Das mit “Sport” treiben, ist eine Frechheit gegenüber schwerstcronische Schmerzpatienten.

Und was die Akreditierung durch die DGSS angeht.
Da haben einige Kommentatoren hier nicht ganz unrecht.
Braucht man diese Urkunde?
Oder geht es hierbei nicht um Geldverdienen eines Verein und seinen Referenten?

#24 |
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Hallo!
Die Protagonisten von Metaanalysen sollten ein Meinungsspektrum wie dieses, sehr ernst nehmen ! Der Kommentar “..im Mittel ist der Teich 1 m tief….!” ist verblüffend zutreffend. Die Empfehlung für Schmerzpatienten zu “Joggen” ist entweder in der Berichterstattung aus dem Zusammenhang gerissen oder tatsächlich der absolute Zynismus!

#23 |
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Anja Engel-Wirges
Anja Engel-Wirges

Hallo zusammen,
ich bin MS-lerin und gehbehindert, joggen finde ich eine sehr “lustige” Alternative für mich…! Gegen meine chronischen Schmerzen nehme ich im Bedarfsfall tagsüber – wenn es gar nicht anders geht – 25-50mg Lyrica und 15omg zur Nacht. Wenn ich es denn gar nicht mehr aushalten kann, komme ich mit 15 Tropfen Tramal aus.
Diese ganzen Opioide schießen mich echt vom Planeten. Darf man unter einer Medikation nicht auch noch lebensfähig bleiben? Frau R. hat es treffend ausgedrückt SCHAUMGEBREMST!!!!! Ist einem Arzt klar, das man noch andere Dinge zu tun hat? Ich habe 2 Kinder, sollen die mich dann nur “zugedröhnt” auf dem Sofa erleben?
Ich nehme so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Wegen der MS bedingten Fatigue bekam ich von meinem Neurologen Amantadin 100mg verschrieben – war toll, wie Speed. Ich brauchte keine Pause mehr aber auch keinen Schlaf….! Ich habe beschlossen; das ich lieber etwas öfter müde bin und habe die Tabletten abgesetzt.

#22 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Guten Tag zusammen,

mit meiner rheumatischen Erkrankung (Pfl.-St. 3) habe ich ebenfalls eine Reise kreuz und quer durch den Medikamentenwald hinter mir. Meine Schmerzmedikation ist inzwischen seit geraumer Zeit bei M-Stada angekommen, womit ich bislang am besten klar komme. Ich nehme immer die gleiche Dosis, immer zur gleichen Zeit, so kann ich mich wenigstens etwas fortbewegen und ein bisserl tippern.

Ich bin immer offen für neue Schmerzmedikamente und probiere sie zeitweilig auch aus. Dazu setze ich das M-Stada ab und siehe da, ich habe keinerlei Entzugserscheinungen.

Ich empfinde es als sehr befremdlich, wenn mir irgendwelche Wissenschaftler ständig einen neuen Bären aufbinden wollen…

Ich denke ebenso wie wie Herr Weber und meine, dass diese Untersuchung eher den Allgemeinmedizinern zugute kommt, die zu bequem sind BTM-Rezepte zu bestellen und aufzubewahren.

Zum guten Schluss sei angemerkt, dass fast jeder Schmerzpatient mit nachgewiesener schmerzhafter Erkrankung sich seiner Medikation voll bewusst ist und sicher keinen Missbrauch ausübt.

#21 |
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Jens Schaefer
Jens Schaefer

@R. R.
Sie sind das beste Beispiel dafür, was man hier mitmachen kann bis einem geholfen wird. Auf dem Papier sind NSAR etc. ganz tolle Sachen, die ja auch ihren Platz haben. Aber sicher nicht als alleinige Therapie bei seriösen Schmerzen die z.B. über einen kurzfristig verhärteten Muskel oder sonstige vorübergehende Beschwerden hinausgehen. Bei allen chronischen Problemen ist auf jeden Fall ein Behandlungskonzept gefragt, dass den Namen auch verdient, und eine adäquate Opioidbehandlung auf keinen Fall pauschal ausschließen darf.
In Ihrem Fall kann man vielleicht zusätzlich, wenn erforderlich, mit Lyrica oder ähnlichem eine Verbesserung erreichen. Oder es wäre möglich das Targin (Oxycodon/Naloxon Kombination) gegen ein Oxycodon-Medikament ohne Naloxon bei gleicher oder gar minimal erhöhter Dosierung auszutauschen (wenn Sie keine großen Probleme mit Obstipation haben, was sich aber nach 4 Jahren auch ohne Naloxon machen lassen sollte, ggf. mit Lactose, jedoch ohne den Antagonisten Naloxon). Ich wünsche Ihnen von Herzen viel Glück, gute Besserung und viel Erfolg bei Ihrer Therapie. Sie können es, wie viele andere Menschen, dringend brauchen.

#20 |
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Renate Richter
Renate Richter

Ich kann gut nachvollziehen, welche “Wege” einem zugemutet werden, bin lange genug als Schmerzpatientin hin- und her geschickt worden (Fibormyalgie + Kollagenose) und erhalte jetzt noch häufig zweifelnde Blicke. Ich stelle bei mir seit Jahren keine! Dosiserhöhung im Mittel fest, arbeite aber auch mit einem Mix aus Retardierung und Tropfen (in dem Fall Tilidin, was ich z.B. besser vertrage als Tramal). Schmerzfreiheit allerdings kenne ich nicht, aber eine Schmerzreduzierung, die mir ein mehr oder weniger geregeltes Alltagsleben möglich macht. Im Umgang mit den Schmerzen hat mir eine begleitende Langzeit! – Psychotherapie geholfen, die allerdings privat bezahlt wurde.
Also Opioidtherapie ja, entsprechend den Beschwerden bitte auch genügend dosiert! Übrigens, wenn es wirklich mal einen Tag gut geht, kann ich ohne Probleme die Einnahme absolut reduzieren (der Tropfen – Retardierung bleibt im Hintergrund).

#19 |
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Hier wird ein alter Hut neu dekoriert verkauft. Mir schien schon immer die Kombinationstherapie von z.B.zentral wirkenden bzw. peripher wirkenden Analgetika mit Antidepressiva bzw Antiepileptika hoch wirksam und teilweise sogar bei Tumorschmerzen ausreichend – außer bei Knochenmetastasen.

#18 |
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Wirtschaftswissenschaftler

Als Fachjournalist kann ich mich nur wundern. Es paßt aber in die Welt der Alltagsmedizin. Ich kenne Ärzte, die zu bequem sind BTM-Rezepte zu bestellen und aufzubewahren.
Und dann gibt es Chefärzte, die Morphine verschreiben und an die Laxanstherapie nicht denken. Patienten haben anschließend mit der Obstopation mehr zu tun, als mit den Schmerzen (fast). Retardierte Morphine können keine Sucht erzeugen. DIe teilweise Wirkungslosigkeit von Morphinen kann auch an der Gabe von zwei zentralwirksamen Analgetika liegen, die, jeder für sich, die Rezeptoren blockieren. Morphin + Tramal – totaler Unsinn.
WIe schon geschrlieben wurde – die Unterdosierung. Einer der häufigsten Fehler in der Therapie mit Morphin. Eine 80jährige Patentin mit starken Osteoporotischen Schmerhzen, um bei dem Beispiel zu bleiben, wird nicht süchtig.Statt vernünftig zu therapieren werden die Patienten wieder ins Schmerztal fallengelassen.
Die Schmerztherapie in Deutschland – und auch in den Kliniken -ist noch immer eine Katastophe.

#17 |
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Diese sogenannten wissenschaftlichen Ergebnisse entsprechen
mal wieder dem Sprichwort :”Im Durchschnitt ist der Dorfteich 1 Meter tief und die Kuh ist trotzdem ersoffen”.
Jahrelang, meist von Orthopäden mit NSAR`s bis zur Magenblutung therapierte Pat.,die inzwischen hochchronifiziert sind, brauchen einfach eine auf sie individuell abgestimmte medikamentöse, physiotherapeutische und psychologische Therapie auch unter Einbeziehung der Möglichkeit einer Morphintherapie.Auch wenn es unsere meist klinisch arbeitenden Wissenschaftler nicht wahrnehmen wollen – wir haben keine evidenzbasierten Pat..Also bitte nicht den Alltag aus den Augen verlieren !!

#16 |
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Ein sehr aufschlußreicher Artikeldem ich absolout zusrimme. Ich glaube aber nicht daß man immer in allen Fällen ohne Opioide auskommen wird.

#15 |
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Bin selbst 2-mal an der Wirbelsäule operiert wegen Bandscheibenvorfall L2/L3, L3/L4, L4/L5 und habe eine Coxarthrose bds. Durch Narbenbildung habe ich jetzt zeit-
weise neuropathische Schmerzen, die blitzartig einschießen
und sehr unangenehm sind. Meine Schmerztherapie besteht aus 100 mg Tramal ret. (1-0-1, Tag 1) und 100 mg Diclofenac ret. morgens + 100 mg Tramal ret. abends am Tag2. Meistens komme ich damit so gerade über die Runden. Bei extremen Schmerzen nehme ich ca. alle 10 Tage einmalig 10 mg Morphin ret., das mir in dieser Situation dann weiterhilft. Ich persönlich habe auch die Erfahrung, dass bei dieser Art der Erkrankung eine Dauermedikation mit Morphin nicht wweiterhilft.

#14 |
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Anette Minarzyk
Anette Minarzyk

Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass diese Studie zu lasten des Patienten zu weiteren Fehlbehandlungen führen wird. Es handelt sich, wenn ich richtig verstanden habe, um keine Studie im klinischen Sinne, sondern ein Systematisches Review. Man kann also schon mal nicht ausschließten, dass die beobachtete Nicht-Überlegenheit der Opioide der allgemeinen Verordnungspraxis (nämlich häufig zu niedrig) anzulasten ist. Und nur mal so gefragt: mit was soll man denn z.B. eine über achzigjährige, ostheoporotische Patientin behandeln, die sich vor Schmerzen kaum noch bewegen kann? Der Vorschlag “Joggen” ist doch für solche Patienten ein menschenverachtender Schlag ins Gesicht, und das Argument der Abhängikeit lächerlich.

#13 |
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Leider werden Opioide auch von “Schmerztherapeuten” oft in falscher Indikation eingesetzt… ich habe mehrere junge PatientInnen gesehen, bei denen bei einer selbst flüchtiger Anamnese eindeutig eine somatoformen Störung vorlag… und Opioide in steigender Dosis kritiklos verordnet wurden…150 µ/h Fentanyl, 3x80mg Oxycodon (entsprechen übrigens 1500mg retardiertem oralen Morphin!)
Oxycodon ist gegenüber Morphin parenteral 3x stärker bei doppelt so hoher oraler Verfügbarkeit”

#12 |
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Ein Beitrag,der meiner Erfahrung in mehr als 30 jähriger Tätigkeit als vorwiegend konservativ tätigem Ortopäden,einer leider aussterbenden Spezies,nicht im geringsten widerspricht, sondern meine Erfahrungen bestätigt.Ich verstehe mich vorwiegend als Schmerztherapeut ohne einer sein zu dürfen, weil ich die bürokratischen Vorausstzungen,entsprechende Kurse besucht zu haben, leider,Gott sei Dank, nicht habe.Leider hat uns eine Fehlentwicklung ereilt,die nur schwer zu beheben sein wird. Die leider auch in der Orthopädie etablierte “Schmerztherapie” hat zweifelsfrei ihre Notwendigkeit , nur sehr selten in der Orthopädie, wo nozizeptiver Schmerz durch degenerative Veränderungen synovialer Gelenke (ca.150, zwichen, 250 Knochen) die Hautschmerzursache ist.
Die epochalen Arbeiten zur Arthrosetherorie von Otte in den 70 er Jahren sind den “SCHMERZTHERAPEUTEN” offenbar völlig entgangen, sonst praktizierten sie die Erkenntnis,daß nozizeptive Schmerzen sowohl und zuerst einer Antiphlogese und evtl.einer zusätzlichen Analgese, über die der NSAR hinausgehend benötigen, und nicht in erster Line einer Stufe 2-3 Analgetika-Therapie.

#11 |
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Jens Schaefer
Jens Schaefer

Also wenn ich sowas wie diesen Artikel lese, dann kommt mir leider die Galle hoch. Statistisch und Metastatistisch kann man sich ja bekanntlich alles schönrechnen. Viele Menschen mit chronischen nichttumor (und auch tumorbedingten!) Schmerzen können jahrelang leiden bis ihnen ein adäquates Schmerzmedikament verordnet wird. WENN das hier in Deutschland überhaupt mal geschieht, dann werden aus Angst vor Abhängigkeit Tagesdosen verordnet die das gelbe Papier, auf dem das Rezept gedruckt ist, nicht wert ist. Langjährige chronische starke schmerzen, bei denen 300mg (D R E I H U N D E R T!)Diclo+Novalgin+Ibuprofen nicht geholfen haben, da sollen auf einmal 2×5 (F Ü N F ) mg Oxycodon oder ähnlich lächerliches dann die Lösung bringen. Das muss man sich im Jahre 2010 NACH CHRISTUS mal vor Augen halten! So kommt man nach statistischer Auswertung solcher “Verordnungen” doch schnell zu dem Schluss: Opioide sind für die Katz. 5000 Jahre Erfahrungen aus der Medizingeschichte in aller Welt: alles nur geträumt. Menschen mit bereits massivst metastasiertem Prostatakarzinom im Endstadium werden mit maximal 2x50mg Tilidin behandelt. Weist man auf den Misstand hin, wird die Medikation auf Novalgin (!!!) umgestellt. Da weiss man nicht mehr was man noch sagen soll. Ich habe bei diesen Dingen hilflos zusehen müssen. Menschen mit starken chronischen Schmerzen sind doch schon VOR einer Opiatverabreichung abhängig von einer menschenwürdigen Schmerztherapie! Aber geben wir lieber weiter hoch und höchstdosierte NSAR et.al., da haben wir dann in 15-20 Jahren einen treuen Dialysepatienten, der aber zum Glück nicht unter Opioidinduzierter Obstipation und “Opiatabhängigkeit” leidet. Welch Glück! Wenn es nur nicht so ernst und traurig währe, könnte man glatt drüber lachen.

#10 |
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Prof. Dr. Christof Specker
Prof. Dr. Christof Specker

Wo hier so viele gegen das Ergebnis dieser Metaanalyse “wettern”, möchte ich als Rheumatologe, der in den letzten 10 Jahren eine massive Zunahme der Behandlung von echten und vermeintlichen (Fibromyalgie) Rheumapatienten mit Opiaten durch andere Fachärzte registrieren musste, darauf hinweisen, dass dieses Ergebnis genau meinen (meist negativen) Erfahrungen mit dem Einsatz von Opiaten bei dieser Form nicht-Tumor-bedingter Schmerzen entspricht.

#9 |
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Ingolf Andrees
Ingolf Andrees

Das ist kein überraschendes Ergebnis, wenn man die neurobiologischen Erklärungsmodelle für das Entstehen des Schmerzerlebens und die differenzierten Optiatwirkungen im ZNS betrachtet (Literaturempfehlung: Egle).
Je somatoformer und chronifizierter der Schmerz, desto größer ist das Risiko einer zum verbleibenden Schmerz dazugewonnen Opiatabhängigkeit.

#8 |
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Steffen Bekaan
Steffen Bekaan

und dann gab es noch den Handwerker der nur einen Hammer im Werkzeugkasten hatte, ….

#7 |
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Rettungsassistent

Wenn als Ergebnis am Ende dieser Studie der Rat steht, einem Schmerzpatienten den Ausdauerlauf zu empfehlen, muss ich doch die cerebrale Leistungsfähigkeit der Wissenschaftler anzweifeln.

Aus neurobiologischer Sicht mag das alles stimmen, mit der Realität hat das jedoch nichts zu tun.

Oder ist dies ein weiterer versteckter Versuch der Krankenkassen, dem Patienten notwendige Therapien und Medikationen vorzuenthalten?

#6 |
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Dr. med. Leopold  Veith
Dr. med. Leopold Veith

was die kollegin frau dr. annette peter schreibt , klingt für einen ” alten hasen ” völlig überzeugend !
auch ich halte auf der basis von 35 jahren neurologie / psychiatrie in klinik & praxis die ergebnisse für praktischen unfug !
man ( n ) / frau sollte alle pharmaka in der schmerzpraxis
beherrschen !
die ” kollegen ” sollten statt sog. ” wissenschaft ” mal
praktische medizin betreiben !
dr.med.leopold veith
facharzt für neurologie & psychiatrie

#5 |
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Annette Peter
Annette Peter

Mit “streng wissenschaftlichen Methoden” sind natürlich mal wieder nur statistische gemeint. Es fällt auf, dass immer mehr in der allgemeinen und individuellen ärztlichen Erfahrung bewährte schulmedizinische Therapieformen nun durch MetaMetaMeta-Analysen als unwirksam erklärt werden. Sollte man nicht mal versuchen, diese immer nur rein statistischen Methoden anzuzweifeln ? Allein der Umgang mit dem sogenannten Placeboeffekt, der nichts anderes als das Selbstheilungspotential des Pat. darsetllt, ist ja eigentlich völlig unsinnig. Und möglicherweise führt die statistische Methode sich selbst langsam aber sicher ad absurdum, je statistischer die Statistik untersucht wird.
Ich habe mir von EBM mal sehr viel versprochen, aber als ich gemerkt habe, dass der Faktor Pat. jetzt durch diese Methoden vollends eliminiert wird, habe ich zu zweifeln begonnen.
Dank Supermetaanalysen führt die Schulmedizin sich langsam selbst ad absurdum, vielleicht ist ja die gesamte Schulmedizin ein einziger Placeboeffekt, der sich nivelliert, wenn man immer wieder eine Statistik über die andere drüberlegt ?
Schon wieder des Kaisers neue Kleider ?
Die Alternativmedizin wird sich freuen, denn sie beschäftigt sich mit dem, um den es uns allen gehen sollte: mit dem Pat. und nicht mit – letztlich willkürlich definierten – Standardabweichungen und Signifikanzen etc.: diese Größen sind durchweg letztlich willkürlich definiert und keine absoluten Wahrheiten , schon gar nicht in der Medizin. FORSCHUNG sollte Ergebnisse bringen , es solle um INHALTE gehen, und es sollte nicht der ständig sich vermehrende Formalismus regieren. Selig die Zeiten, als medizinischer Fortschritt noch mit dem Mikroskop und nicht mit Rechenkunsttückchen gemacht wurde.

#4 |
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Andreas Mühlenbernd
Andreas Mühlenbernd

Na ja sicher gibt es einige Mediziner, die Opioidtherapien bei nicht Tumorpatienten ablehnen. Aber aus meiner Sicht gibt es viele Ansätze, bei denen Opioide sehr hilfreich sind. Natürlich sollte das kontrolliert geschehen. Und natürlich auch mal eine Opioidrotation stattfinden. Aber pauschal Morphin zu verurteilen halte ich für nicht tumorbedingte Schmerzen für zu schnell geschossen.

#3 |
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Mitarbeiter Industrie

einen schmerzpatienten zur linderung joggen schicken?
gehts noch?

fraglich bleibt ob die untersuchten patienten auch optimal eingestellt waren und das richtige opioid in passender darreichung bekommen haben. richtig angewandt, sind opioide bei entsprechender indikation sehr sinnvoll…

#2 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Hallo zusammen,
vermisse eine Stellungnahme zur Morphin Anwendung bei schweren, chronischen Dyspnoe Zuständen (…) Sonst guter Artikel, weiter so

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