Stillen senkt Diabetes-Risiko der Mutter

6. Februar 2018

Stillen hat einer aktuellen Studie zufolge nicht nur positive Effekte auf das Neugeborene. Mütter, die ihre Babys für mindestens sechs Monate stillten, hatten ein um 50 Prozent niedrigeres Risiko im späteren Leben an Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Seinem Kind die Brust zu geben, verringerte je nach Stillzeit das Risiko der Mütter für Typ-2-Diabetes. Frauen, die sechs Monate stillten, profitierten bereits von einer Risikoreduktion um 25 Prozent (relatives Risiko (RH) = 0,75; 95 %-KI: 0,51-1,09). Hielt das Stillen über sechs Monate hinaus bis zu 12 Monaten an, war die Wahrscheinlichkeit, an Diabetes zu erkranken um 48 Prozent (RH = 0,52; 95 %-KI: 0,31-0,87) gesenkt, verglichen mit Frauen, die nie gestillt hatten.

Diese neuen Ergebnisse reihen sich nahtlos ein in die mittlerweile ebenso in Studien beschriebenen positiven Effekte des Stillens für Mutter und Kind. So haben stillende Mütter beispielsweise ein geringeres Risiko für Brust- oder Eierstockkrebs.

Reguliert das Stillen den Blutzucker?

Auffällig ist der offensichtliche Zusammenhang zwischen der Dauer des Stillens und der größeren Risikoreduktion für einen späteren Typ-2-Diabetes. Als ein möglicher zugrundeliegender Wirkmechanismus wird die Interaktion von Laktationshormonen mit dem Pankreas diskutiert.

Es hatte sich beispielsweise in Tierversuchen gezeigt, dass Prolaktin die Proliferation von β-Zellen der Langerhans-Inseln des Pankreas positiv beeinflusste und somit die Insulinsynthese anregte. Über diesen Weg könnte das Stillen also direkt Einfluss auf die Insulinausschüttung nehmen und den Blutzuckerspiegel positiv kontrollieren.

Die Effekte scheinen valide und langanhaltend

Die Studiendaten basieren auf Beobachtungen und Messungen an 1.238 Frauen, welche an der sogenannten CARDIA-Studie teilnahmen. Das Besondere hieran: alle Frauen wurden routinemäßig über 30 Jahre hinweg mindestens sieben Mal auf Diabetes getestet und gaben zusätzlich Auskunft über ihre Lebensgewohnheiten vor, während und nach der Stillzeit.

Die Studie liefert somit biochemische Langzeitdaten, die eine Verbindung zwischen der Laktation, dem Stillen und einer Risikoreduktion für Typ-2-Diabetes vermuten lassen und unterstützt einmal mehr die Empfehlung, für mindestens sechs Monate zu stillen.

Da die genauen Wirkmechanismen des Stillens in diesem Zusammenhang noch nicht ausreichend untersucht wurden, sollte in zukünftigen Studien noch mehr auf die biochemischen bzw. hormonellen Abläufe eingegangen werden. Fest steht, dass Stillen nicht allein die Nähe zwischen Mutter und Kind fördert, sondern für beide nachweislich gesundheitliche Vorteile bietet.

 

Quelle:

Lactation Duration and Progression to Diabetes in Women Across the Childbearing YearsThe 30-Year CARDIA Study.
Gunderson EP et al., JAMA Intern Med 2018; doi:10.1001/jamainternmed.2017.7978; 2017

17 Wertungen (4.82 ø)

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6 Kommentare:

Geerthe
Geerthe

Ich habe sieben Kinder sehr lange gestillt….herrliche Vorstellung,dann geht mein Risiko schon gen Null….

#6 |
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Gast
Gast

Die Schäden , die das Kinderaustragen am weiblichen Körper verursacht, sind größer als der Vorteil des Stillens: Gebärmutter- und Blasensenkung, Krampfadern , Hämorrhoiden, Risse etc.
Ich denke, diese angeblichen Vorteile, von denen man seit Jahren liest, sollen die Frauen nur darüber hinwegtäuschen. Volkswirtschaftlich ist eine erhöhte Geburtenrate nämlich erwünscht.

#5 |
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Dr. rer. nat. Rita Mende
Dr. rer. nat. Rita Mende

Wo ist der Rest meines Kommentares?

…. Spaß beiseite, ich bin überzeugt davon, dass Stillen nicht nur “körperlich “gesund für Mutter und Kind ist. Oft hat mir mein Mann leid getan, denn die Beziehung von Stillender zum Kind ist schon eine besondere. Nebenbei war es in der Ernährung auch die kostengünstigste Zeit unserer Kinder…

#4 |
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Dr. rer. nat. Rita Mende
Dr. rer. nat. Rita Mende

Ich zumindest kann mich freuen, habe ich doch 4 Kinder jeweils länger als 6 Monate gestillt

#3 |
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Hebamme

Der Gedanke kam mir auch, Frau Dr Arnold.

#2 |
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Oder könnte es sein, dass Frauen, die aus irgendwelchen anderen Gründen (genetisch? Ernährung? Bewegung?) ein geringeres Risiko von Diabetes 2 haben, sich mit dem Stillen leichter tun?

#1 |
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