Brustkrebs: Botenstoffe beeinflussen Prognose

16. April 2010
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Das Immunsystem spielt eine entscheidende Rolle dabei, ob Krebs entsteht und sich ausbreitet. Forscher zeigten, dass sich die Prognose von Brustkrebspatientinnen verbessert, wenn tumorspezifische T-Zellen durch Signalmoleküle aktiviert werden.

Das körpereigene Immunsystem bekämpft nicht nur pathogene Mikroorganismen, sondern ist auch in der Lage, Tumorzellen zu erkennen und zu vernichten. Doch immer wieder gelingt es einzelnen Tumorzellen, der Körperabwehr zu entwischen und sich auszubreiten. In welchem Ausmaß das passiert, ist von Patient zu Patient verschieden. Wenn es dem Körper gelingt, tumorspezifische T-Zellen zu bilden, scheint dieser Prozess einen positiven Einfluss auf den weiteren Krankheitsverlauf zu haben.

Wissenschaftler der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg haben nun festgestellt, dass bei Brustkrebspatientinnen die Erkrankung günstiger verläuft, wenn im Knochenmark tumorspezifische T-Zellen vorhanden sind. Wie die Forscher um Christoph Domschke, Florian Schütz und Philipp Beckhove im der Fachzeitschrift Cancer Research berichten, sind zwei Botenstoffe des Immunsystems entscheidend daran beteiligt, Abwehrzellen gegen den Tumor zu aktivieren.

Tumorumgebung produziert Botenstoffe

Den beiden Botenstoffen kamen Domschke und seine Kollegen auf die Spur, als sie in Brustkrebsproben von 207 noch unbehandelten Patientinnen den Gehalt an 27 verschiedenen Signalstoffen und Wachstumsfaktoren untersuchten. Dabei fanden sie heraus, dass hohe Konzentrationen von Interferon alpha (INFa) und niedrige Konzentrationen des Wachstumsfaktors TGF-beta1 erforderlich sind, um eine schlagkräftige Immunabwehr einzuleiten. „INFa und TGF-beta1 werden im Tumorstroma, also in benachbarten, nicht-entarteten aber mit dem Tumor interagierenden Zellen, produziert“, sagt Domschke, der Assistenzarzt in der Abteilung für allgemeine Frauenheilkunde und Geburtshilfe ist.

Nur wenn beide Stoffe in einem bestimmten Verhältnis vorliegen, werden dendritische Zellen aktiviert, die daraufhin Bestandteile der Tumorzellen aufnehmen und zum Knochenmark transportieren. Dort präsentieren sie diese Bestandteile spezifischen T-Zellen, um einen Angriff auf den Tumor vorzubereiten. Die Analyse der Heidelberger Mediziner ergab, dass 40 Prozent der Patientinnen eine tumorspezifische T-Zell-Antwort aufwiesen. Diese korrelierte mit einer hohen Differenzierung der Tumorzellen, dem Vorhandensein von Östrogen-Rezeptoren auf der Zelloberfläche und einer geringen Teilungsaktivität – Kriterien, die mit einer guten Prognose für die Patientinnen einhergehen.

Immunantwort spielt bei Behandlung noch keine Rolle

Der Grund, warum bei diesen Patientinnen im Tumorgewebe viel INFa und wenig TGF-beta1 produziert wird, ist allerdings noch nicht bekannt. Auch der endgültige Nachweis, dass Patientinnen mit tumorspezifischer T-Zell-Antwort tatsächlich länger leben als Patientinnen, bei denen eine solche Immunantwort ausbleibt, muss mittels einer kontrollierten, klinischen Studie noch erbracht werden. Domschke: „Zum jetzigen Zeitpunkt spielt es für die Art der Behandlung von Brustskrebspatientinnen noch keine Rolle, ob eine Immunantwort vorhanden ist oder nicht.“

Auch wenn noch nicht klar ist, ob man den Status der Immunantwort als zusätzlichen Parameter zukünftig einsetzen wird, um eine genauere Prognose für Brustkrebspatientinnen zu erstellen, kann sich der Mediziner jedoch vorstellen, dass Brustkrebspatientinnen eines Tages von einer immunmodulatorischen Therapie profitieren könnten, bei der man entweder körpereigene T-Zellen durch externe Zugabe von Botenstoffen aktiviert oder bereits im Körper vorhandene tumorspezifische T-Zellen entnimmt, im Labor vermehrt und diese dann den Patientinnen wieder zurückgibt.

Keine durchschlagenden Erfolge bei Immunotherapien

Andere Experten beurteilen die Veröffentlichung der Heidelberger Forscher positiv: Domschke und seine Kollegen haben überzeugend gezeigt, dass Botenstoffe, die der Tumor selbst herstellt, eine T-Zell-Antwort einleiten können“, sagt Marcus Schmidt, Oberarzt an der Klinik für Frauenheilkunde der Universität Mainz. Auch Schmidt setzt auf Konzepte, mit der man die Immunantwort von Brustkrebspatientinnen verstärken kann: „Solche Strategien gibt es schon seit einiger Zeit, aber bislang blieb der große Durchbruch aus“, gibt er jedoch zu bedenken. Aber alle Mediziner, so Schmidt, seien sich einig, dass die Stärkung des patienteneigenen Immunsystems ein wichtiger Baustein bei der Behandlung von Brustkrebspatientinnen sein werde, auch wenn die Entwicklung entsprechender Therapieansätze langsamer vorangehe, als man es gerne hätte.

79 Wertungen (4.28 ø)
Medizin

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7 Kommentare:

Dr. Thomas Kandler
Dr. Thomas Kandler

…in diesem Zusammenhang: Prof.Mathe in Paris hat in den 60iger Jahren die Immunmodulation teils mit Erfolg mit einer massiven(!!!) BCG-Impfung versucht. Eine 14-Jährige leukämie-Patientin ist bei uns damit gesund geworden und hat später ein gesundes Kind geboren,… Wohl gemerkt,das war noch ohne die später erst eingeführte excessive Cytostatika-Therapie plus Bestrahlung heutiger (!!) Prägung,,,,

#7 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Die Stärkung des Immunsystems müssen wir betroffene
Patienten ganz allein in die Hand nehmen.
Instinktiv sucht man nach immunstärkenden Wegen, denn
Heilung von Zellgiften zu erwarten, bei Erhaltung wichtiger Körperfunktionen, kann nicht erwartet werden.
Und es gibt sie, diese Wege !! Warum sollte ich auf jahrelange Studienergebnisse warten (falls noch Zeit ist)
wenn ich die positive Wirkung auf meinen Körper jetzt spüre ? Dazu braucht man keine biochemische Bestätigung
u. Absegnung aus Forschungslabors.
Die Natur bietet eine breite Palette von Stimulanzien,
die niemals im Labor mit den gleichen harmonisierenden
Eigenschaften hergestellt werden können.
Wir Menschen müssen lernen, Forschung und Heilkunde miteinander zu verbinden u.eine möglichst natürliche Lebensweise anzustreben.

#6 |
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Wir haben viel Zeit verloren, in der wir gedacht haben, mit Giften einen Menschen gesund machen zu können. Es hat sich als falsch herausgestellt! Wir sollen uns mehr auf das Immunsystem konzentrieren und auf dem Zwischenzellulären Raum.Denn da entsteht der Krebs.

#5 |
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Alfons Meyer
Alfons Meyer

ein wichtiger Teilaspekt wird hier dargestellt. Neben TGFß produziert der Tumor IL10 und PGE2, um eine chronische Entzündungslage zu unterhalten, damit das Immunsystem durch die Produktion von Suppressor-Treg-Zellen die den Tumor attakierende Th-1-Lymphozyten dauerhaft unterdrückt. Daher ist es ebenso wichtig andere, weitere Entzündungsherde ( Störfelder, Zähne!!) im Körper zu finden, um sie auszuschalten.

#4 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

Logo , hängt vom Zytokin-Muster ab, je nach Dominanz – Th1 – Th2— Th17 – Th-22 oder ob ein Th1-Th2- Shift vorliegt u. NO- Situation : gegengesteuert durch Gasotransmitter zB. CO

#3 |
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Dr. med. Hermann Schott
Dr. med. Hermann Schott

Inzeressanter Artikel, der fortgesetzt werden sollte

#2 |
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Anett Schumann
Anett Schumann

Der Artikel war sehr infomativ und verständnisvoll geschrieben.

#1 |
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